Neue Attraktion in Zwickau Horch-Museum stellt den Trabi ins Rampenlicht

Im August-Horch-Museum in Zwickau lässt sich die 113-jährige Geschichte des Automobilbaus von Horch bis Volkswagen nacherleben. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei ein Auto, das jüngst seinen 60. Geburtstag feierte. Am Freitag öffnet die erweiterte Ausstellung für Besucher. Dem "Trabant" wird dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Ein Trabant 800 RS
Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Das Knattern kommt zwar nur aus dem Lautsprecher. Doch den Trabi macht das Zwickauer August-Horch-Museum in seiner neuen Dauerausstellung sprichwörtlich erfahrbar. So können Besucher in einem zum Fahrsimulator umgebauten Trabant P 601 durch eine Plattenbau-Siedlung rollen. Unter Zeitdruck müssen sie Ersatzteile besorgen, ohne sich von der Verkehrspolizei erwischen zu lassen.

Trabi im Horch-Museum
Am Donnerstag konnten schon mal Pressevertreter und geladene Gäste in die Ausstellung schauen. Am Freitag ist Publikumseröffnung. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Das ist die Großinszenierung zum Freizeitleben in der DDR. Natürlich wollen wir auch erreichen, dass die Besucher verlockt werden, auch mal einen Blick in die Datsche zu werfen. Sind alles Originalstücke aus der DDR-Zeit. Und Sie glauben nicht, was das für eine Mühe war, das nach den über 20 Jahren zusammenzutragen, weil die meisten ja alles weggeschmissen haben.

Matthias Kaluza Kulissenbauer

Legendäre Silberpfeile

Daneben ist die weltweit einzig verbliebene Fertigungsanlage für die Duroplast-Herstellung zu besichtigen - alles im ehemaligen Sachsenring-Werk, wo der Trabant einst vom Band lief. Hier können die Besucher einen "eigenen" Trabi tunen. "Es gibt europaweit nur zwei Museen, die Automobilgeschichte an einem authentischen Ort zeigen", sagt Museumschef Thomas Stebich. Vor der "Pappe" fertigte im heutigen Museum zudem der Autobauer Audi, der 1909 in Zwickau von August Horch gegründet wurde.

Mit der Einweihung des Erweiterungsbaus verdoppelt sich die Ausstellungsfläche auf rund 6.500 Quadratmeter. Zum einen wird die Vorkriegsgeschichte mit Modellen von Horch, Audi, Wanderer oder DKW behandelt. Per multimedialer Inszenierung können die Museumsbesucher zum Beispiel beim Grand-Prix-Rennen der legendären Silberpfeile der Auto Union live an der Startlinie dabei sein, wie Stebich erläuterte.

August-Horch-Museum Zwickau Ein Platz für den Trabi

Das August-Horch-Museum in Zwickau hat seine Ausstellungsfläche verdoppelt. Davon profitiert vor allem der Trabant. In unzähligen Varianten und Versionen gibt es das DDR-Kultauto zu sehen.

Ein Prototyp des ersten Trabants, P70
So sieht er aus, der "Ur-Trabi" vom Typ P70. 1955 ist er der Öffentlichkeit auf einer Messe vorgestellt worden. Vor allem die Duroplast-Verkleidung sorgte für Staunen. Der Prototyp ging jedoch nie in Großserie. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Ein Prototyp des ersten Trabants, P70
So sieht er aus, der "Ur-Trabi" vom Typ P70. 1955 ist er der Öffentlichkeit auf einer Messe vorgestellt worden. Vor allem die Duroplast-Verkleidung sorgte für Staunen. Der Prototyp ging jedoch nie in Großserie. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Die letzte erhaltene Duroplast-Anlage der Welt, in der Mitte steht ein Prototyp Trabant P70
Mit Hilfe dieser Anlage ist aus Baumwolle, die in Harz getränkt wurde, das Duroplast für die Außenhülle des Trabant hergestellt worden. Fünf dieser Anlagen befanden sich im VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau. Im Horch-Museum ist die weltweit letzte dieser Duroplast-Anlagen noch heute zu sehen. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Ein Trabant 601 mit einem Nummernschild, auf dem 1.000.000 steht
Im Jahr 1973 lief der einmillionste Trabant vom Band. Ein wirkliches Unikat: Lackierung, Innenausstattung und besondere Details wie die Radkappen sind an keinem anderen Trabant zu finden. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Schützenpanzerwagen 152 auf Basis eines Trabant P50
Ebenfalls ein Unikat ist dieser Schützenpanzerwagen. Der SPW 152 diente zur vormilitärischen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Als Basis diente ein Trabant P50, dessen Gestell verlängert und um eine zweite Hinterachse ergänzt wurde. Neben Fahrer und Beifahrer bot das Fahrzeug Platz für bis zu acht weitere Kinder und Jugendliche. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Drei Prototypen des VEB  Sachsenring Automobilwerke Zwickau.
Diese drei Prototypen sind in Zwickau entwickelt worden - eine Serienfertigung gab es jedoch nie. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Ein Trabant P50 Rallye
Der Trabant P50 Rallye ist von 2008 bis 2017 von Schülern der Humboldtschule Zwickau restauriert worden. Als Basis diente ein Trabant P50 aus dem Jahr 1962. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Ein Trabant 800 RS
Der Trabant 800 RS von 1988 fuhr bei Rallyes im gesamten Ostblock. Rumänien, Jugoslawien und Polen waren nur einige seiner Stationen. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Der letzte inZwickau produzierte Trabant, daneben der Leiter des August Horch Museums Zwickau, Thomas Stebich
1991 war für den Trabi Schluss in Zwickau. Der letzte produzierte Trabant steht heute aber wieder an seinem Geburtsort. Museumsgeschäftsführer Thomas Stebich ist sichtlich stolz auf sein Exponat. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Der erste in Zwickau produzierte VW Polo
Auf Trabant folgte VW. Der Wolfsburger Autobauer streckte bereits zu DDR-Zeiten seine Fühler nach Sachsen aus. Am 21. Mai 1990 lief der erste in der DDR montierte VW Polo in Mosel bei Zwickau vom Band. Kurze Zeit später baute der Autokonzern dort ein neues VW-Werk. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Ein VW Pasat und die Karosse eines VW Phaeton stehen in einem Showroom.
Auch die Geschichte von VW nach der Wiedervereinigung in Sachsen findet im August-Horch-Museum ihre Beachtung. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Mehrere Menschen stehen um einen Trabant-Fahrsimulator herum.
Im Trabi-Simulator gilt es innerhalb von fünf Minuten Ersatzteile für den anstehenden Werkstatttermin zu beschaffen. Aber Vorsicht: Wer rast, wird von der DDR-Verkehrspolizei angehalten und bekommt wie damals einen Stempel. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Der Erweiterungsbau des August Horch Museum in Zwickau.
Durch den Erweiterungsbau hat sich die Ausstellungsfläche auf 6.500 Quadratmeter verdoppelt. Zwei Drittel der Kosten hat der Automobilhersteller Audi übernommen. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
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Viel Platz für die "Pappe"

Im neuen Museumsbereich folgt die Entwicklung des Automobilbaus nach 1945 bis zur Gegenwart mit Volkswagen und der Zulieferindustrie. Vor allem der Trabi hat nun deutlich mehr Platz als bisher. Zeigte das Horch-Museum vor der Erweiterung gerade einmal zwei "Pappen" und ein Schnittmodell, gehören nun drei Viertel der hinzugekommenen Fläche allein dem DDR-Kultauto.

Unter anderem steht nun auch das letzte Exemplar, das am 30. April 1991 vom Band lief und bislang im Depot ausharren musste, im Rampenlicht. Zudem werden Prototypen und geheime Entwicklungen gezeigt, die es nie in die Sachsenring-Produktion schafften.

Bau hatte sich drei Jahre verzögert

Insgesamt stehen 150 Großexponate für 113 Jahre Automobilgeschichte. Daneben sorgen viele kleinere Original-Schaustücke für eine gelungene Zeitreise in den DDR-Alltag, darunter die detailgetreue Nachbildung einer Datsche.

Erste Ideen zur Erweiterung des Museums gab es bereits 2008, um das aus den Nähten platzende Depot zu entlasten und mehr Platz für Sonderausstellungen zu schaffen, wie Rudolf Vollnhals berichtete. Er hatte das Projekt als damaliger Museumsleiter auf den Weg gebracht. Baubeginn war schließlich 2013, die Fertigstellung ursprünglich für 2014 geplant. Eine schlechte Bausubstanz, Probleme mit der Statik und dem Dach verzögerten laut Vollnhals das Projekt mehrfach.

Zahlen & Fakten Zu sehen sind 150 Exponate aus 113 Jahren Automobilgeschichte.

Die Kosten für die Erweiterung belaufen sich nach Museumsangaben auf etwa 14,3 Millionen Euro, von denen zehn Millionen Euro von Audi übernommen wurden. Die übrigen Gelder stammen aus Fördertöpfen von Bund und Land sowie Eigenmitteln des Museum.

Die Ausstellungsfläche hat sich auf 6.500 Quadratmeter verdoppelt.

Jährlich besuchen rund 75.000 Menschen das Museum.

Quelle: PM/dpa/ms/mv

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.11.2017 | Regionalnachrichten ab 11:30 Uhr sowie 16:50 Uhr im aktuellen Programm
MDR SACHSENSPIEGEL | 09.11.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 11:50 Uhr

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