Barrierefreies Theaterprojekt "Pinocchio"
Bildrechte: MDR/Manja Kraus

Inklusionsprojekt Barrierefreies Theater baut Brücken

Theater einmal anders - nämlich barrierefrei. Das verspricht die Künstlergruppe des "Centro Arte Monte Onore". Das heißt übersetzt "Kunstzentrum der Burg Ehrenberg". Und genau dort hat der Verein seinen Sitz. Gegründet hat den Förderkreis der Italiener Pier Giorgo Furlan. Sein Ziel: Blinde, Gehörlose, Rollstuhlfahrer, psychisch Kranke und Gesunde gemeinsam auf die Bühne bringen.

von Manja Kraus

Barrierefreies Theaterprojekt "Pinocchio"
Bildrechte: MDR/Manja Kraus

Spannung liegt in der Luft. Langsam öffnet sich der karminrote Samtvorhang. Dahinter erscheinen die schönsten Kostüme, kunterbunte Harlekine, die Sonne, eine Sonnenblume, der Feuerfresser und Pinocchio - alias Anja Müller. "Wenn ich die Maske aufhab und das Kostüm an, dann kommt die Energie und dann kann ich auf der Bühne herumspringen. Das macht mir sehr viel Freude", sagt die zierliche Frau. Sie lächelt, setzt ihre Maske auf und schlüpft wieder in die Rolle der kleinen Holzpuppe. Müller ist nicht nur Hobbyschauspielerin, sondern zugleich auch künstlerische Assistentin im Förderkreis "Centro Arte Monte Onore".

Inklusion auf der Theaterbühne

Insgesamt 90 Schauspieler erzählen im Theaterstück "Carissimo Pinocchio" die Abenteuer der kleinen Holzpuppe. Behinderte und Nichtbehinderte teilen sich die Bretter, die die Welt bedeuten. Einer von ihnen ist Gerd Kraumnitz. Er lebt in der Wohnstätte für psychisch Kranke in Seifersbach und spielt den Feuerfresser. Stolz präsentiert er sein Kostüm mit der feuerroten Maske und dem langen Umhang. Mit leuchtenden Augen betont er: "Das mach' ich schon vier Jahre. Voriges Jahr war ich der Zirkusdirektor."

Barrierefreies Theaterprojekt "Pinocchio"
Kostüm an, Maske auf und schon hat sich Anja Müller in Pinocchio verwandelt. Bildrechte: MDR/Manja Kraus

Alle Kostüme und Masken haben die Mitglieder des Förderkreises selbst hergestellt. Sie sollen vor allem ausgefallen und auffällig sein. Die Masken sind angelehnt an die Tradition des Maskenbaus aus Venedig, der Heimat von Pier Giorgo Furlan. Seit 16 Jahren ist er in Sachsen und künstlerischer Leiter des Förderkreis. Dort stehen ihm rund 20 Helfer zur Seite. Sie kommen alle aus verschiedenen Fördermaßnahmen, etwa vom Jobcenter oder sind Bufdi. "Sie haben alle gelernt, selbst Masken und Kostüme zu machen. Schön ist, dass sie auch mitspielen." 

In den vergangenen 16 Jahren hat der Verein zahlreiche Projekte mit behinderten Menschen umgesetzt. "Carissimo Pinocchio" ist das vierte barrierefreie Theaterstück. Furlans Ziel ist es, Grenzen in den Köpfen abzubauen: In den Köpfen der Zuschauer, der Schauspieler und Organisatoren.

Das neue Stück "Carissimo Pinocchio" wird am Mittwoch im Tivoli Freiberg uraufgeführt. Zwei weitere Vorstellungen gibt es am Sonnabend und am Sonntag im Schauspielhaus Chemnitz.

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio MDR 1 RADIO SACHSEN | 11.01.2017 | 07:50 Uhr im Regionalprogramm des Studios Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2017, 13:17 Uhr

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