Jörg Schüttauf als Gast zurück in Chemnitz Vom Rumpelstilzchen zum Erich Honecker

Jörg Schüttauf spielte schon als Kind und Jugendlicher für sein Leben gern. Er bekam Hauptrollen im Pioniertheater Karl-Marx-Stadt, trat regelmäßig in der Stadthalle auf. Mit 16 machte er eine Lehre am Theater als Bühnentechniker. Dann ging es für ihn zum Schauspielstudium nach Leipzig. Neben seiner Arbeit als Theaterschauspieler folgten zahlreiche Rollen in Kino- und Fernsehfilmen. Aber auch heute kehrt Schüttauf gern in seiner Heimat zurück. Hier haben wir ihn am Sonntag vor seinem Auftritt getroffen.

Ein Mann sitzt im Indianersitz auf einer Bühne vor einem Tipi
Jörg Schüttauf, noch nicht im Kostüm, vor seinem Auftritt in der Chemnitzer Stadthalle im Stück "Lothar und der Große Geist". Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Herr Schüttauf, Sie sitzen hier auf der Bühne vor einem Indianer-Tipi, aber eine Friedenspfeife ist nicht zu sehen. Sie treten mit dem Kabarettist Tom Pauls auf. Was ist das für ein Stück, das sie beide zusammenführt?

Wir sind zwei Männer ungefähr gleichen Alters. Der eine kommt vermeintlich aus dem Westen, der andere aus dem Osten. Aber eigentlich sind wir in dem gleichen Hobby-Indianer-Verein, der andere schon viel länger. Wir treffen uns einfach nur in dem Hobbyverein und wollen was besprechen. So beginnt das Stück, und danach sind wir beide überrascht, welchen Unsinn der andere so von sich gibt - jeweils. Die beiden rechnen mit der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft ab. Wir verstehen uns irgendwie am Ende doch ganz gut, obwohl wir es beide nicht leicht haben.

Den kleinen Saal der Stadthalle kennen Sie ja bestens. Hier waren Sie schon Leschi, der Waldgeist in der "Feuerroten Blume" und die Titelfigur "Rumpelstilzchen".

Ja, genau. Der größte Karrieresprung im Pioniertheater Karl-Marx-Stadt war damals das Rumpelstilzchen. Also weiter konnte man es eigentlich nicht bringen (lacht). 1973/74 muss das gewesen sein. Ich hatte so einen Umhang an, man erkennt mich auch nicht, und ich hatte viele zottelige Haare.

Und kommt Ihnen die Stadthalle heute noch bekannt vor?

Ja, ich habe mich heute so gewundert. Ich war damals als kleiner Junge mal pullern in der Männertoilette, und neben mir stand Eberhard Cohrs. Der war nicht viel größer als ich damals. Und als ich jetzt zum Bühneneingang hereinkam, dachte ich, doch, hier warst du schon mal. Und hier ist das Männerklo, wo ich den Eberhard Cohrs getroffen habe, als Rumpelstilzchen. Ich verkleidet - und Eberhard Cohrs auch, mit seinem kleinen Hütchen. Standen wir nebeneinander an diesem Becken. Naja.

Ihren Start als Schauspieler hatten Sie also mit dem Rumpelstilzchen - welche Rolle der letzten Zeit liegt Ihnen besonders am Herzen?

Also mir ist wirklich witzigerweise immer das am wichtigsten, was ich gerade mache. Wenn ich so zurückblicke, gibt es sicher das eine oder andere Filmchen, wo ich sage, das ist mir ganz gut gelungen. Den hat aber leider keiner gesehen (lacht). "Berlin is in Germany" - das ist so ein Kinofilm, wo ich sage, so wollte ich eigentlich immer sein. Nicht, wie der in dem Film. Aber so spielen wollte ich immer. So wenig wie möglich machen. "Low Performer" hat mal jemand zu mir gesagt. Das finde ich eigentlich sehr treffend. Jetzt mache ich aber viele Dinge, die ganz anders sind. Also ich übertreibe maßlos. Die Geschichten, die ich im Moment mache, die sind mir immer das Wichtigste. Und zurückzuschauen - nein, ich sag immer: Vorwärts immer! Da wird es übrigens einen schönen Film geben. "Vorwärts immer" - einen Honecker-Film. Der ist mir wirklich wichtig, darüber zu reden. Weil, da habe ich nicht low performed, sondern ich bin so dermaßen aus mir rausgegangen.

Die Schauspieler Hedi Kriegeskotte (l) und Jörg Schüttauf (r) in den Rollen von Margot und Erich Honecker sitzen am 26.01.2016 in Erlensee (Hessen) in einem Wohnzimmer bei den Dreharbeiten zu der Krimikomödie Vorwärts immer.
Die Schauspieler Hedi Kriegeskotte und Jörg Schüttauf in den Rollen von Margot und Erich Honecker bei den Dreharbeiten zu der Krimikomödie "Vorwärts immer". Bildrechte: dpa

Worum geht es da?

Ich bin witzigerweise ja nicht der echte Erich Honecker, sondern einer, der so tut, als ob er Erich Honecker ist, um irgendwelche wichtigen Schießbefehle und Panzereinsätze abzusagen. Das ist uns ganz gut gelungen. Das wird hoffentlich ein wirklich lustiger Film. Der kommt im Herbst dieses Jahres. Ich hoffe sehr auf meinen Durchbruch als Komödiant (lacht).

Das wäre ja nicht Ihre erste Komödie, oder?

Die Kommissare Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf, r) mit ihrem Chef Rudi Fromm (Peter Lerchbaumer) in einer Szene des ARD-"Tatorts - Weil sie böse sind" beim Leichenfundort (undatierte Filmszene).
Die Rolle des Tatort-Kommissars Fritz Dellwo (r.) hatte Jörg Schüttauf von 2002 bis 2010 gespielt. Bildrechte: dpa

Das ist das schöne, sagen zu können, wenn ich schon einmal zurückblicke, dass ich viele verschiedene Facetten angeboten bekommen habe und machen durfte. Wenn es immer nur Krimis gewesen wären und ich immer nur Polizist, und "Hände hoch!", "Waffe weg!", "Wo waren Sie denn am Donnerstag?", das wäre ein bisschen trist und langweilig gewesen für mich als Schauspieler.

Kommen wir noch einmal zu Ihren Anfängen - wie blicken Sie auf Ihre Zeit am Karl-Marx-Städter Theater zurück?

Ich wusste schon in der achten Klasse, dass ich an der Hans-Otto-Theaterschule in Leipzig angenommen werde, das hatten sie mir jedenfalls versprochen. Ich musste eben nur meinen zehnten Klasseabschluss zu Ende machen. Das waren noch mal zwei Jahre, dann ging ich zur Lehre, dann zur Armee. Dann bin ich noch mal ganz kurz ans Schauspielhaus gekommen, als Bühnentechniker. Das war eine wahnsinnig wichtige Zeit hier - gerade als Techniker am Theater. Da war der Ulrich Mühe - ein ganz toller Ausnahmeschauspieler. Und der saß immer so ein bisschen abseits von den anderen Schauspielkollegen. Und das habe ich dann immer mit großen staunenden Augen beobachtet und dachte dann, so wie der spielen, das wäre schon schön. Toll.

Sie kehren ab und zu nach Chemnitz zurück - was verbindet Sie mit dieser Stadt?

Hier ist die elterliche Wohnung, da bin ich groß geworden in der Ecke Schloßberg, Salzstraße. Und dann, was man so an Erinnerungen hat als Kind, als Jugendlicher, das ist ein Stück Heimat. Aber mit 18, 19 Jahren war das vorbei, weil dann ging ich zum Schauspielstudium nach Leipzig und dann weiter nach Potsdam. Aber natürlich die Familie, Kinder, Enkel, sowas alles zieht mich hierher.

Wenn Sie sich heute Chemnitz ansehen, wie nehmen Sie die Stadt wahr?

Völlig fremd. Also ich bin, ehrlich gesagt, vorhin fremdgesteuert per Navi durch diese Neubauten gefahren. Die stehen, wie man mir sagte, und ich glaube das auch, schon 20 Jahre, aber für mich sind die, naja, hier einfach irgendwo hingedonnert. Mit dem Rosenhof zum Beispiel kam ich nie ganz klar, und da hat sich auch nicht so viel verändert. Oder zum Kaßberg hoch, die quietschende Straßenbahn damals. Das sind so noch die alten Ecken, die man so kannte, aber auch eher selten da war. Weil das Viertel, wo ich aufgewachsen bin: Salzstraße, Schloßteich, das hatte ich eigentlich auch relativ wenig verlassen. Man war ja auch nicht so flexibel wie heute. Wer hatte schon ein Auto. Aber doch, eine 150er - soweit hatte ich es schon gebracht, zur MZ. Damit bin ich immer hoch auf den Adelsberg. Da wurde zum ersten Mal geknutscht, was das Zeug hält.

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio MDR 1 RADIO SACHSEN | 08.01.2017 | 16:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2017, 19:48 Uhr

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1 Kommentar

09.01.2017 13:03 Neukirchner 1

Er ist ein guter Schauspieler, wie viele andere auch , die nun leider schon gestorben sind, wir
hatten zu DDR-Zeiten nochmals gute Schauspieler
und auch sehr gute Sendungen., wo man Abschalden konnte nach der Arbeit im ,Gegensatz zu ARD/ ZDF usw. nur noch Mord und Totschlag kann man weißgott nicht mehr ansehend, die Welt ist doch bereits total verrückt schon mit den vielen Anschläge u s w.