Ausstellungsraum mit vielen Bildern und zwei Betrachtern.
Bildrechte: MDR/Sven Böttger

Hommage à Ingrid Mössinger in Kunstsammlungen Chemnitz Gekommen um zu bleiben

Die Kunstsammlungen Chemnitz haben über 200 Werke zeitgenössischer Kunst als Schenkung erhalten. Die Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken und Fotografien stammen aus dem privaten Bestand der Berliner Galeristenfamilie Bastian. Seit Sonnabend werden sie in den Kunstsammlungen in einer Sonderausstellung gezeigt. Untertitelt ist die Ausstellung mit "Hommage à Ingrid Mössinger".

Ausstellungsraum mit vielen Bildern und zwei Betrachtern.
Bildrechte: MDR/Sven Böttger

Vom Besitz solcher Werken konnten die Kunstsammlungen Chemnitz bisher nur träumen. Gezeigt wurden die großen Namen wie Picasso, Warhol und Beuys schon häufig, doch nur temporär. Ein Ankauf wäre undenkbar gewesen. Wie Generaldirektorin Ingrid Mössinger sagt, liegt das ganz einfach am Preis. "Bei Picasso sind selbst grafische Werke normalerweise für unser Haus ohne Ankaufsetat unerschwinglich." Nun können die Kunstsammlungen Chemnitz unter anderem Picasso's "Bethsabée" ihr Eigen nennen. "Wir haben auch eine kleinere Arbeit von Gerhard Richter bekommen, da bestimmt der Kunstmarkt die Preise. Beuys ist dabei, Andy Warhol, in dieser Kategorie von Künstlern ist es natürlich schwer, mitzuhalten."

Andy Warhol, Mao, 1974
Gehört jetzt den Kunstsammlungen Chemnitz: ein "Mao"-Portrait von Andy Warhol. Bildrechte: 2017 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./ Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York

Doch die Museumschefin freut sich nicht nur über den materiellen Wert der Sammlung. "Wir füllen damit zahlreiche künstlerische Lücken, sowohl in der klassischen Moderne, auch aus den 1930er-, 1940er- und 1950er- Jahren." Auch die 1980er- und 1990er- Jahre seien bislang weniger vertreten sind, weil einfach der Ankaufsetat fehle. Nunmehr sei das Haus ganz anders positioniert in diesem Bereich, so die scheidende Generaldirektorin.

Die mehrfach ausgezeichnete und geehrte Kunsthistorikerin verlässt die Kunstsammlungen nach mehr als 20 Jahren Ende des Jahres.

Im Hinterrund baut ein Kamerateam in einem großen Ausstellungsraum der Kunstsammlungen auf. Im Vordergrund steht eine Frau mit Radiomikrofon mit Ingrid Mössinger zusammen.
Ingrid Mössinger (r.) im Gespräch mit einer Redakteurin von MDR Kultur Bildrechte: MDR/Sven Böttger

Ihre geleistete Arbeit wird in Kunstkreisen weit über Chemnitz hinaus und auch international geschätzt und gewürdigt. So auch von der Berliner Galeristenfamilie Bastian. Aeneas Bastian betont Ingrid Mössinger's Begeisterung für die Kunst und ihre Begeisterungsfähigkeit. "Es ist ein lebendiges Haus." Die Besucher kämen wegen des interessanten Angebotes und des hervorragenden Programms, und das habe Ingrid Mössinger für Chemnitz erfunden, so Bastian.

Die Generaldirektorin freut sich zwar über diese Hommage - aber ein wenig peinlich ist es ihr auch. "So als Kunsthistoriker in den Fokus gerückt zu werden, das ist ungewohnt. Weil man immer an die Künstler denkt, die sollten ganz im Vordergrund stehen. Und derjenige, der versucht, sie in das Bewusstsein der Menschen zu bringen, der fühlt sich eher als jemand in einer dienenden Funktion." Von daher sei es ein bisschen ungewohnt, selbst auch noch eine Hommage zu bekommen, sagt sie lachend.

Die Sonderausstellung in den Chemnitzer Kunstsammlungen "Von Pablo Picasso bis Robert Rauschenberg" wird bis zum 18. Februar 2018 gezeigt.

Kunstsammlungen Chemnitz Von Pablo Picasso bis Robert Rauschenberg

Die neue Sonderschau kommt nicht nur zu Besuch vorbei. Die mehr als 200 Werke wurden den Kunstsammlungen geschenkt. Ab Sonnabend werden sie gezeigt.

Ausstellungsraum mit großen, farbigen Bildern und Collagen.
Die neuen Schätze der Kunstsammlungen Chemnitz werden ab Sonnabend gezeigt. Bildrechte: MDR/Sven Böttger
Ausstellungsraum mit großen, farbigen Bildern und Collagen.
Die neuen Schätze der Kunstsammlungen Chemnitz werden ab Sonnabend gezeigt. Bildrechte: MDR/Sven Böttger
Bilder in einem Ausstellungsraum, rechts am Rand eine Besucherin.
Große Namen wie Gerhard Richter (hier eines seiner Werke als drittes von links im Bild) gehören zur Kollektion. Bildrechte: MDR/Sven Böttger
Gerhard Richter, Bouquet 2009 (P3), 2004
Dieses Werk von Richter aus dem Jahr 2004 wäre für die Kunstsammlungen Chemnitz normalerweise unerschwinglich. Bildrechte: 2017 Gerhard Richter
Andy Warhol, Mao, 1974
Heiner Bastian, einer der Schenker aus der Berliner Galeristenfamilie hatte die Andy Warhol Ausstellung "Andy Warhol – Death and Disaster" kuratiert, die 2015 in Chemnitz gezeigt wurde. Bildrechte: 2017 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./ Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York
Ausstellungsräume der Kunstsammlungen, vor einem Bild von Andy Warhol steht eine Besucherin. Im Vordergrund sind in der Mitte übergroße Kaugummipackungen als Installation auf einer Glasscheibe arrangiert.
Nun kann der Portraitdruck "Mao" von Andy Warhol in Chemnitz bewundert werden. Bildrechte: MDR/Sven Böttger
Pablo Picasso, Bethsabée, 1966
Ebenso ein kleiner Picasso aus dem Jahre 1966. Bildrechte: Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Robert Rauschenberg, Narcissus/ROCI USA (Wax Fire Works), 1990
Robert Rauschenberg, Narcissus/ROCI USA (Wax Fire Works), 1990 Bildrechte: Robert Rauschenberg Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Wim Wenders, Two Cars and a Woman Waiting, Houston/Texas, 1993
Wim Wenders, Two Cars and a Woman Waiting, Houston/Texas, 1993 Bildrechte: 2017 Wim Wenders
Im Hinterrund baut ein Kamerateam in einem großen Ausstellungsraum der Kunstsammlungen auf. Im Vordergrund steht eine Frau mit Radiomikrofon mit Ingrid Mössinger zusammen.
Ingrid Mössinger (r.) wird das Haus Ende des Jahres auf eigenen Wunsch verlassen. Bildrechte: MDR/Sven Böttger
Ausstellungsraum mit vielen Bildern und zwei Betrachtern.
Für große Sonderschauen müsste jedes Mal die eigene Sammlung stark reduziert werden. "Von daher bräuchten wir dringend eine Erweiterung des Gebäudes an Ausstellungsfläche. Weil bei fast 80.000 Kunstwerken, da sind einfach 2.200 Quadratmeter zu wenig", sagt Ingrid Mössinger. Bildrechte: MDR/Sven Böttger
Luc Tuymans, Altar, 2002
Luc Tuymans, Altar, 2002 Bildrechte: 2017 Luc Tuymans
Robert Gober, Ohne Titel, 2002
Robert Gober, Ohne Titel, 2002 Bildrechte: Robert Gober, Courtesy Matthew Marks Gallery
David R. L. Jones, Implosive Neuro Polymorphism/Conjoined Arena/Section 40
David R. L. Jones, Implosive Neuro Polymorphism/Conjoined Arena/Section 40 Bildrechte: 2017 David R. L. Jones
Anna Genger, Butterfly, Fuck off and Die, 2008
Anna Genger, Butterfly, Fuck off and Die, 2008 Bildrechte: 2017 Anna Genger
Wilhelm Sasnal, Ohne Titel (Robert Smithson), 2002
Wilhelm Sasnal, Ohne Titel (Robert Smithson), 2002 Bildrechte: 2017 Wilhelm Sasnal
Marcel van Eeden, The Death of Matheus Boryna (Detail), 2007
Marcel van Eeden, The Death of Matheus Boryna (Detail), 2007 Bildrechte: Marcel van Eeden, Courtesy Barbara Seiler, Zurich and
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Quelle: MDR/nk

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.11.2017 | 16:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Chemnitzer Regionalstudio

MDR SACHSENSPIEGEL | 10.11.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2017, 17:48 Uhr

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1 Kommentar

12.11.2017 00:37 Heiko Steinmann 1

Herzlichen Glueckwunsch! Tolle Nachricht und vielen Dank an Frau Moessinger und den Maezen.