Region Chemnitz

Chemnitz : Kunst von Weltruf in Industriemetropole

Chemnitz beweist, dass sich eine traditionelle Industriestadt auch als Kunstmetropole behaupten kann. Die Kunstsammlungen locken mit ihren Dauerausstellungen und Sonderschauen selbst internationales Publikum in die Stadt. Neben den Sammlungen im ehemaligen König-Albert-Museum am Theaterplatz gehören noch das Schloßbergmuseum, das Museum Gunzenhauser und das Henry van de Velde - Museum in der Esche-Villa zu den städtischen Museen.

Kunstsammlungen Chemnitz

Chemnitz ist seit Mitte des 19. Jahrunderts als sächsisches Manchester verrufen gewesen. Qualmende Fabrikschlote tauchten die Großstadt in ein düsteres Licht. Doch genau in dieser Zeit wurden auch die Wurzeln zu einer Kulturmetropole gelegt. Die Industriestadt war wohlhabend und so blieb es nicht aus, dass reiche Bürger in der Stadt Kunstwerke sammelten und teilweise stifteten. Mäzenatentum war in Chemnitz ausgeprägt. Trotz Zerstörung der Großstadt im Zweiten Weltkrieg und einem Wiederaufbau in sozialistisch-stalinistischem Stil, den manche Besucher und Einheimische heute als zweite Zerstörung bezeichnen, genießt Chemnitz bei Kunstfreunden im In- und Ausland einen guten Ruf. Den pflegen neben der Oper besonders die Kunstsammlungen unter ihrer Generaldirektorin Ingrid Mössinger mit Hingabe. Die Kunsthistorikerin sorgte mit zahlreichen Sonderausstellungen für Aufsehen in der weltweiten Kunstszene.

Von der Romantik bis zum Expressionismus

Das Zentrum der Chemnitzer Kunstwelt bilden die Kunstsammlungen am Theaterplatz, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Richard Möbius entwarf den dortigen Museumsbau, der 1909 eröffnet wurde. Dort finden Besucher heute Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff, Edvard Munch und Caspar David Friedrich sowie Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck, Edgar Degas oder Aristide Maillol. Das Museum besitzt nach eigenen Angaben 70.000 Kunstobjekte, darunter Grafiken von Kollwitz, Daumier oder Picasso. Eine öffentliche Kunstbibliothek beherbergt ebenso viele Bücher. Gemäldefreunde finden in der Dauerschau des Museums bekannte Werke von der Romantik bis zum Expressionismus. Berühmtestes Werk der Dauerausstellung ist das "Segelschiff" von Caspar David Friedrich.

Große Sammlung von Schmidt-Rottluff

Erst im Januar haben die Kunstsammlungen ihren Bestand an Autographen des expressionistischen Malers Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976) durch einen Ankauf erweitert. Der Briefwechsel mit der Kunstfreundin Paula Risch wurde in den Bestand der Kunstbibliothek aufgenommen. Die Briefe und Postkarten aus den Jahren 1939 bis 1947 beleuchteten einen relativ unerforschten Lebensabschnitt Schmidt-Rottluffs. Unter den Nationalsozialisten war er mit Berufsverbot belegt gewesen.

Der Mitbegründer der Künstlervereinigung "Brücke" stammt aus dem Chemnitzer Vorort Rottluff. Die Chemnitzer Kunstsammlungen verfügen über die weltweit zweitgrößte Sammlung seiner Werke.

Weltweit einzige Strumpfkollektion in einem Museum

Zu den Beständen des städtischen Museums gehören auch eine kunstgewerbliche Sammlung. So besitzt die Einrichtung beispielsweise Koptische Stoffe des 4. bis 8. Jahrhunderts sowie Textil-, Plakate- und Tapetensammlungen von europäischer Bedeutung.

Zum Bestand gehört ferner die weltweit einzige museale Strumpfkollektion mit 4.000 Exemplaren aus den Jahren 1880 bis 1910. Das Chemnitzer Umland war lange Zeit eine Hochburg der Strumpfindustrie.

Bisherige Sonderausstellungen (Auswahl)
2002/03 Picasso und die Frauen
2005/06 Cranach
2007 Ernst Ludwig Kirchner: Deutschlandreise 1925/26
2007/08 Bob Dylan. The Drawn Blank Series
2012 "Die Peredwischniki. Maler des russischen Realismus"

Projekt "Kunstbus Konrad " für Schulen

Seit 2011 haben die Kunstsammlungen Chemnitz für Schüler ein besonderes Angebot. Mit Unterstützung mehrerer Stiftungen holt "Konrad der Kunstbus" ganze Klassen zum Museumsbesuch ab. Wie eine Sprecherin sagte, gilt das Angebot zunächst für das Stadtgebiet von Chemnitz und für Freiberg. Museumspädagogische Angebote begleiten den Gang durch die Ausstellungen. Sie beschränken sich nicht nur auf das Fach Kunst, sondern können abhängig von Exponaten, Künstlern und Kunstrichtungen auch auf Mathematik, Physik, Literatur, Religion, Sach- und Heimatkunde sowie Ethik und Philosophie zugeschnitten werden. Das Angebot richtet sich an alle Jahrgangsstufen aller Schularten. Ziel sei es, erklärte die Sprecherin weiter, auch Kinder und Jugendliche ins Museum zu holen, in deren familiären Umfeld Besuche in Museen, Ausstellungen und Galerien bisher nicht zum Alltag gehörten.

Die Kunstsammlungen Chemnitz werden vom Verein "Die Freunde der Kunstsammlungen Chemnitz" unterstützt. Dessen mehr als 1.100 Mitglieder gehören zu den Stammbesuchern der Chemnitzer Museen.

Nach Angaben eines Rathaussprechers haben im Jahr 2009 knapp 92.670 Kunstfreunde alle vier Museen besucht, im Jahr 2010 kamen 76.133 Besucher in die Häuser. Für 2011 liegen noch keine Zahlen vor. Der "Chemnitzer Morgenpost" sagte Museumschefin Ingrid Mössinger, sie erwarte für 2011 mehr als 100.000 Besucher.

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Zuletzt aktualisiert: 28. August 2013, 13:41 Uhr

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Kontakt für "Konrad der Kunstbus"

Ansprechpartnerin für das Bildungsangebot "Konrad der Kunstbus" ist Katharina König, Telefon 0371-488 44 27.

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