Clausnitz Fremdenfeindlicher Mob blockiert Flüchtlings-Bus

Am Donnerstagabend ist es in Clausnitz in der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle zu Protesten gekommen, als Flüchtlinge eine Asylbewerberunterkunft beziehen sollten. Wie die Polizei mitteilte, behinderten rund 100 Personen die Ankunft des Busses, indem sie mit drei Fahrzeugen die Zufahrt blockierten.

Brüllende "Begrüßung"

Bei der Ankunft des Busses skandieren die Protestierenden "Wir sind das Volk" und "weg mit euch". Die Flüchtlinge im Bus wirken verängstigt. Ein Junge scheint zu weinen. Ein Video, worauf diese Szenen zu sehen sind, wurde auf der Facebook-Seite von "Döbeln wehrt sich - Meine Stimme gegen Überfremdung" veröffentlicht. Mittlerweile ist die Seite offline. Nach etwa anderthalb Stunden und der Aufforderung der Beamten, die Straße zu räumen, machten sie den Weg frei. Die Polizei nahm bei dem Einsatz zwei Anzeigen auf. Die Demonstranten hätten unter anderem gegen das Versammlungsgesetz verstoßen. Insgesamt waren knapp 30 Polizeibeamte im Einsatz.

Reaktion der Politik

Der Bürgermeister der Gemeinde, Michael Funke, sagte MDR SACHSEN, er schäme sich für das, was passiert ist. "Das ist nicht Clausnitz", betonte er. Er war am Abend selbst vor Ort, um die Flüchtlinge zu empfangen. Dabei sei ihm aufgefallen, dass ein Großteil der Protestierenden nicht aus seiner Gemeinde war. Allerdings sagte er auch, dass die Anwohner einfach zugeschaut hätten.

Auch der Landrat Matthias Damm äußerte sich zu dem Vorfall. Er sagte MDR INFO, dass man zum Thema Asyl unterschiedliche Meinungen haben könne, "aber es kann nicht sein, dass Asylsuchende und besonders Kinder hier so verängstigt und bedroht werden - das geht wirklich zu weit". Weiterhin ergänzte er, dass die Geschehnisse mit der Polizei ausgewertet werden und man prüfen wolle, ob es sich bei den Protestierenden um sogenannte Demo-Touristen handelt.

Auch Landespolitiker von der SPD und den Grünen sowie der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) äußersten sich entsetzt.

Bei allem Diskussionsbedarf, den es in der Flüchtlingsfrage derzeit gibt: ich finde ich es zutiefst beschämend, wie hier mit Menschen umgegangen wird. Anstatt wenigstens den Versuch zu unternehmen, sich in die Situation der Flüchtlinge zu versetzen, blockieren einige Leute mit plumpen Parolen den Weg von schutzsuchenden Männern, Frauen und Kindern. Das kann ich nur verurteilen!

Sachsens Innenminister Markus Ulbig

Polizei zerrt Junge aus Bus

Am Nachmittag tauchte auf Twitter ein weiteres Video auf. Es zeigt, wie ein Junge von Polizisten aus dem Bus gezogen und in die Unterkunft gebracht wird, offenbar gegen seinen Willen. Veröffentlicht wurde das Video auf Twitter von User Frank Stollberg. Im Kommentar heißt es, das Video zeige den Umgang von Polizisten mit verängstigten Flüchtlingskindern.

Auf Anfrage von MDR SACHSEN teilte der User mit, das Video sei ihm von einem "Pegidisten" zugesendet worden. Dieser hätte mit dem Clip begründen wollen, "warum die Flüchtlinge an dem Tag die Schuld träfe".

Konsequenzen nach Polizeieinsatz?

Aus dem Innenministerium hieß es, Minister Ulbig habe sich das Video angesehen. "Die Bilder sprechen ihre Sprache. Das Innenministerium wird den Einsatz der Polizeidirektion Chemnitz mit allen Beteiligten umgehend auswerten. Erst dann können wir Konsequenzen ziehen."

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2016, 20:59 Uhr

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774 Kommentare

22.02.2016 13:46 Wolfgang 774

"773. Klartexter:
Es ist eine Frechheit die protestierenden Menschen als Mob zu bezeichnen. Die Spaltung der Gesellschaft nimmt mehr und mehr Form an."

Diese Form kennt man als gelernter DDR-Mensch noch zur Genüge...alles, was der SED nicht in den Kram passte, war "faschistisch" oder "kriminell" - Honecker, Mielke, MfS &Co besassen die absolute Deutungshoheit über den Begriff "Faschismus". So ist es bis heute geblieben...nur allein die linksgestrickte Ecke darf reichlich aus diesem Fundus austeilen. Ich verstehe daher irgendwie, dass diese Form der Diffamierung viele Bürger im Osten immer wütender macht.

22.02.2016 12:29 Klartexter 773

Es ist eine Frechheit die protestierenden Menschen als Mob zu bezeichnen. Die Spaltung der Gesellschaft nimmt mehr und mehr Form an. Man bekommt Angst, dass sich diese zu Absurdistan entwickelte BRD im Vorstadium eines Bürgerkriegs befindet.

21.02.2016 22:30 Wolfgang 772

771. T.E.:"Sie aber scheinen nostradamische Fähigkeiten zu besitzen da sie Dinge von vor 40 Jahren mit Problemen von vor 26 Jahren verknüpfen können und auf heute übertragen."
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"Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen. Was dieser gewollt hat, müssen wir erforschen, wenn wir zu wissen wünschen, was jener will" - Heinrich Heine

21.02.2016 22:18 T.E. 771

Ich bin erst 1974 geboren und habe mein politisches Interesse erst Jahre später gebildet.
Sie aber scheinen nostradamische Fähigkeiten zu besitzen da sie Dinge von vor 40 Jahren mit Problemen von vor 26 Jahren verknüpfen können und auf heute übertragen.

21.02.2016 22:06 Wolfgang 770

"769. T.E.:
@ Wolfgang Sie sind also auch Flüchtling!"
Ja, vor denen, die damals die Assads - und all die damit verbundenen Probleme von heute - tatkräftig angerührt haben. Damals war es übrigens bei den westdeutschen Linken äusserst hipp, ein Al-Husseini-Tuch (ein Pali-Tuch) zu tragen und sich mit all diesen arabischen Faschisten zu verbrüdern...

21.02.2016 21:51 T.E. 769

@ Wolfgang
Sie sind also auch Flüchtling!

21.02.2016 21:49 Wolfgang 768

Wo sind bloss all die Lautstarken, die sich für eine "gerechte Verteilung" der Flüchtlinge einsetzen...demonstrieren sie heute abend vor den Botschaften von Saudi-Arabien oder der Vereinigten Arabischen Emirate, damit diese jetzt ihre armen arabischen Brüder und Schwestern aufnehmen?

Skandieren die etwa vor den Botschaften "Ihr Nazis!", "Ihr Rassisten!" oder ähnliches....

21.02.2016 21:29 Huwoka @ E.K. 767

@755 " The brain " und was ist wenn es der Wirtschaft schlecht geht, genau dann stehen die Leute auf der Strasse, wer kann Steuern zahlen - nun der arbeitet - gilt auch für " Herrn " Hohlfeld, aber vielleicht sitzt er ja auf grossen Fleischtöpfen " User " Klaus " keine Ahnung " vorzuwerfen ist gerade von Ihrer Seite gelinde gesagt eigenartig und bestaunenswert

21.02.2016 21:23 Wolfgang 766

"752. T.E.:
Ihr armen Sachsen, die ihr hier so tut als würdet ihr alleine Flüchtlinge aufnehmen und alles von EUREN Steuern bezahlt werden müsste. Denkt mal zurück wie ihr die Botschaften in Prag und Budapest bis zum bersten gefüllt habt damit ihr aus der DDR raus kommt...."
Ähnliche Chauvi-Sprüche habe ich in den 70ern von den "gnädig Geborenen" auch gehört...vor allem von westdeutschen Linken, die das "unmenschliche System des Kapitalismus" zutiefst verabscheuten und an Info-Ständen in den Fussgängerzonen den "wahren Sozialismus" anboten.

21.02.2016 21:06 Wolfgang 765

Wir erleben bei dieser Flüchtlingswelle auch eine Zweiteilung unserer Gesellschaft.
Die einen, denen das verzinste Geld und das Eigentum jeden Tag genug Reichtum beschert und die anderen, die die horrenden Mieten aufbringen müssen und dann auch noch die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt live in der langen Schlange erleben müssen. Den ersteren bereitet diese einschneidende Veränderung keine Sorgen, ganz im Gegenteil, sie profitieren von den Zuwanderern, denn die unter Druck stehenden Behörden zahlen a l l e Mieten...Genau deshalb bereitet mir der "solidarische" Zuspruch von reichen Promis und gut gepolsterten Politikern grossen Brechreiz.