Skulptur einer Justizia mit Schwert und Waagschale
Bildrechte: IMAGO

Prozess wegen schweren Raubes Geweckt und gefesselt: Rentner stirbt nach Einbruch an Herzversagen

Eine fünfköpfige Bande ist rund um Zwickau gezielt in Wohnungen von Senioren eingestiegen. Eines der Opfer erlitt bei dem Überfall einen Herzinfarkt und starb. Ein Verdächtiger steht nun vor Gericht. Zwei Täter sind noch immer auf der Flucht.

Skulptur einer Justizia mit Schwert und Waagschale
Bildrechte: IMAGO

Wegen schwereren Raubes mit tödlichem Ausgang muss sich vor dem Landgericht Zwickau ein 38-jähriger Mann verantworten. Er soll zusammen mit seinen Brüdern im März 2011 in das Haus eines Zwickauer Rentners eingestiegen sein und den 75-Jährigen gefesselt haben. In der Folge starb der Mann an stressbedingtem Herzversagen.

Der Rentner war am Morgen nach dem Einbruch tot neben seinem Bett gefunden worden. Ob der Tod noch während der Tat oder danach eintrat, sei unklar, sagte ein Sprecher des Landgerichts Zwickau. Dem Angeklagten wird demnach Raub mit Todesfolge vorgeworfen. Und er soll noch weitere Einbrüche mit seiner Familie begangen haben.

Gezielt Senioren ausgeraubt

Die fünfköpfige Bande soll in und um Zwickau gezielt Häuser älterer Menschen ausgespäht haben und dort eingebrochen sein. In fünf Fällen sollen die Männer Bargeld und Wertgegenstände im Gesamtwert von rund 20.000 Euro erbeutet haben. Auch misshandelten die Täter eine 90-Jährige, die die Räuber auf frischer Tat ertappte.

Der Angeklagte schwieg zum Prozessauftakt am Donnerstag. Beim Ermittlungsrichter hatte er jedoch den Einbruch bei dem Rentner eingeräumt, wie aus der Verlesung des Protokolls hervorging. Der 75-Jährige habe zunächst geschlafen. Um an noch mehr Geld zu kommen, hätten ihn seine Brüder geweckt und gefesselt. Er selbst habe dabei nicht mitmachen wollen und den Tatort zuvor verlassen, so der Angeklagte. Vom Tod des schwerkranken Rentners will der Mann erst aus der Zeitung erfahren haben.

Zwei Täter noch auf der Flucht

Ein Angeklagter in einem Prozess wegen schweren Raubes mit Todesfolge steht in einem Verhandlungssaal des Landgerichtes Zwickau zwischen seinem Dolmetscher und seinem Verteidiger
2014 war ein 23-Jähriger (m.) wegen des Einbruchs zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Bildrechte: dpa

Bislang konnten nur drei Mitglieder der Bande gefasst werden. Ein 23-Jähriger wurde bereits 2014 zu vier Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt. Nach den beiden Flüchtigen wird weiter mit internationalem Haftbefehl gesucht. Der jetzt Angeklagte war im März dieses Jahres in Ungarn gefasst worden. Für seinen Prozess sind zunächst fünf Verhandlungstage geplant.

Quelle: dpa/MDR/ma

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 12.10.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 20:01 Uhr

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5 Kommentare

13.10.2017 10:46 K.Morasch 5

"Internationaler Haftbefehl" - das sagt doch schon wieder alles.
Der Angeklagte hat sich natürlich auch wieder eine tolle Geschichte von seinem Anwalt erklären lassen. Er wollte nicht mitmachen und habe den Tatort zuvor verlassen. Damit steht doch wieder einem möglichst milden Urteil nichts mehr im Wege. Alles wird gut.

13.10.2017 08:13 colditzer 4

Obigen Angeklagten als als Verbrecher zu bezeichnen kommt dem Delikt ziemlich nah.
Seine Verurteilung wird aber wahrscheinlich harmlos werden.
Das Gericht wird feststellen, die Fesselung ist keine ursprünliche Todesursache.
Er wäre auch so irgendwann gestorben.

12.10.2017 17:06 Maria A. 3

2, Räuber Hotzenplotz fällt aber gar nicht ins Gewicht als brutaler Gangster. Oder bei Schillers "Räuber", da sehe ich ebenfalls keinen Bezug dazu. Wäre es nicht wichtiger, sich darüber Sorgen zu machen, was für
brutale Menschen heutzutage ihr Unwesen treiben? Als eine Erbsen-zählerei anzustellen hinsichtlich der Definition des Begriffes? Mich jedenfalls hat dieser Vorfall erschreckt. Wer betagte Eltern hat und sich deren allgemeine Hilflosigkeit im Alltag vor Augen führt,
kann sofort das Gruseln kriegen, wenn er sich so einen Angriff auf sie vorstellt. Meiner Meinung nach kann das Strafmaß dafür gar nicht hoch genug sein.

12.10.2017 14:01 Bleifenster 2

"Brutaler Gangster" - das klingt ja toll. Was war nochmal das deutsche Wort für "brutaler Gangster"? Ach ja: "Räuber". Wenn Sie mit "Räuber" keine Brutalität verbinden, dann ist das sicherlich kein Grund ein neues Wort zu erfinden oder aus dem Englischen zu entleihen, sondern lediglich ein guter Anlass, dass Sie sich mal damit beschäftigen, was ein "Räuber" ist. Wenn wir schon dabei sind: "Pirat" ist kein lustiges Karnevalskostüm, sondern ebenfalls ein Wort für eine Personengruppe, die man vor einiger Zeit noch gehängt hat.

12.10.2017 11:42 jochen 1

Räuber ist das falsche Wort - Brutaler Gangster ist angemessen.