Ein Glaskasten mit mehren Nachtfalter-Präparaten.
Über die vielen Schmetterlingsarten in Sachsen ist zum Teil noch sehr wenig bekannt – zum Beispiel, wo sie vorkommen. Bildrechte: Museum für Naturkunde Chemnitz

Artenschutz Digitales Einwohnermeldeamt für Schmetterlinge

Schmetterlinge werden gern als "fliegende Juwelen" bezeichnet. Auch wenn sie in unseren Gefilden nicht ganz so farbenprächtig und groß sind wie in den Tropen, freut sich doch jeder, wenn Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs, Zitronenfalter und Co. im Sommer über die Wiesen flattern. In Sachsen gibt es Hunderte Schmetterlingsarten, darunter viele nachtaktive Tiere. Allerdings ist ihr Fortbestand ungewiss – jede zweite Art gilt als gefährdet. In Chemnitz haben sich Experten ausgetauscht, was man dagegen tun kann.

Ein Glaskasten mit mehren Nachtfalter-Präparaten.
Über die vielen Schmetterlingsarten in Sachsen ist zum Teil noch sehr wenig bekannt – zum Beispiel, wo sie vorkommen. Bildrechte: Museum für Naturkunde Chemnitz

Im Chemnitzer Naturkundemuseum haben sich am Sonnabend rund 30 Insektenfachleute aus Mitteldeutschland getroffen. Anlass war die 15. Jahrestagung der Schmetterlingskundler Sachsens, auf der schwerpunktmäßig über die Nutzung des Internets für den Artenschutz beraten wurde.

Spannern und Faltern auf der Spur

In Sachsen leben über 2.600 Schmetterlingsarten, die zum Teil noch gar nicht richtig erforscht sind. Und brisant: Etwa die Hälfte der heimischen Schmetterlinge steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten, zehn Prozent sind gar vom Aussterben bedroht.

Wie Sven Erlacher vom Chemnitzer Naturkundemuseum sagt, ist mitunter gar nicht bekannt, wo die Schmetterlinge leben. "Man kann nur schützen, was man kennt. Dazu gehört die Erarbeitung von Verbreitungskarten und Abbildungen."

Biologe Sven Erlacher vom Naturkundemuseum Chemnitz sitzt an einem Schreibtisch vor einem Glaskasten mit Schmetterlingspräparaten
Sven Erlacher vom Naturkundemuseum Chemnitz befasst sich seit über 25 Jahren mit Schmetterlingen und reiste für seine Forschung sogar bis Südafrika. Bildrechte: Museum für Naturkunde Chemnitz

So erhielten die Hobby- und Freizeitforscher beispielsweise Tipps zur Tierfotografie für eine aussagekräftige Dokumentation. Vor allem aber wurde angeregt, öffentliche Online-Datenbanken aufzubauen. Das Naturkundemuseum Chemnitz hat dazu ein Pilotprojekt gestartet. Auf einer Internetseite werden Beobachtungen zu sogenannten Spannerartigen Nachtfaltern präsentiert. Eine Viertelmillion Datensätze sind darin eingepflegt. In der Datenbank kann man nachschlagen, wo einzelne Falter einst in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vorkamen und wo sie heute zu finden sind. Dadurch lässt sich frühzeitig erkennen, ob eine Art gefährdet ist.

Bauvorhaben mit Naturschutz abstimmen  

Die für jedermann zugängliche Online-Datenbank sollen letzten Endes auch dem Schutz der Schmetterlinge dienen.

Ein schwarz-weißer Schmetterling sitzt auf einer Blüte.
Der "Trauerspanner“ – einer der von 370 Spannerarten in Mitteldeutschland – gilt als stark gefährdet. Bildrechte: Museum für Naturkunde Chemnitz

Wie Biologe Sven Erlacher sagt, können Planungsbüros anhand der Karten ihre Projekte abstimmen. "Bei Baumaßnahmen können sich Planungsbüros dadurch einen Überblick verschaffen, welche Arten kommen vor und stehen diese auf der Roten Liste. Da muss man natürlich gucken, wo wird die Fläche bebaut und sind Ausgleichsmaßnahmen notwendig."

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR 1 RADIO SACHSEN | 17.02.2017 | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz ab 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2017, 16:56 Uhr

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1 Kommentar

20.02.2017 14:03 Dr. Norman Pohl 1

Sicherlich ist eine solide Datenerhebung das A und O einer jeden Planung. Im Freistaat Sachsen geht das aber in diversen Fällen offenbar ganz anders. So urteilte das Oberverwaltungsgericht Bautzen als zweite Instanz ebenso wie das erstinstanzlich zuständige Verwaltungsgericht Chemnitz auf Klage der Grünen Liga Sachsen, dass der Vogtlandkreis mit einem Radweg zwischen der B92 bei Mühlhausen und der Adorfer Karlsgasse einen Schwarzbau errichtet hat - mitten durch ein FFH-Gebiet. Mangelnde Sorgfalt in der Planung (oder gar bewußte Verletzung geltenden Rechts?) bescherten dem Freistaat in der juristischen Auseinandersetzung um die Waldschlösschenbrücke Kosten in sechsstelliger Höhe. Zur Krönung werden erfolgreiche Naturschützer dann regelmäßig als "Verhinderer" oder "Romantiker" diskreditiert. Bereits diese beiden Beispiele zeigen, dass eine Hoffnung auf Erfolge des verbeamteten Naturschutzes wohl eine Wunschvorstellung ist. Und auch Ausgleichsmaßnahmen werden nichts verbessern.