Zwei Mitarbeiter bei der Modulkontrolle bei Solarworld in Freiberg
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Vorwürfe von unterlegenem Investor Prisma Abgekartetes Spiel bei Solarworld?

Der Verkauf der insolventen Solarworld-Werke in Freiberg und Arnstadt an Frank Asbeck und Katar ist mit der Zustimmung der Gläubiger perfekt. Ein unterlegener Investor ist damit nicht zufrieden und tritt nach: Mit seiner Firma hätten die Arbeitsplätze gerettet werden können. Der Betriebsrat verteidigt den Insolvenzverwalter, und auch Horst Piepenburg selbst sieht keine Alternative zu dem Deal.

Zwei Mitarbeiter bei der Modulkontrolle bei Solarworld in Freiberg
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Einer der unterlegenen Kauf-Interessenten des Solarworld-Konzerns hat das Insolvenzverfahren als abgekartetes Spiel bezeichnet. Der Hauptgesellschafter der niederländischen Solarfirma Prisma-Systems, Hans Stadler, sagte MDR SACHSEN, er und andere Kauf-Interessenten seien von Insolvenzverwalter Horst Piepenburg hingehalten worden. Dieser habe das vorgelegte Sanierungskonzept mal als tauglich eingestuft, dann aber wieder verworfen.

Nach Einschätzung Stadlers hätten alle Mitarbeiter in Freiberg und Arnstadt von Prisma übernommen werden können. Er hätte dafür sechs Monate Zeit benötigt. Seine Firma hätte einen Auftrag zur Herstellung von Modulen für beide Standorte vergeben. Damit wären die Werke zunächst ausgelastet gewesen, sagte Stadler.

Betriebsrat: Korrektes Verfahren

Aus Sicht des Betriebsratsvorsitzenden der Solarworld AG, Peter Finger, ist das Insolvenzverfahren korrekt abgelaufen. Er hätte sich gewünscht, andere Interessenten wie die niederländische Solarfirma Prisma hätten nach der Insolvenz im Mai schneller Interesse bekundet, sagte Finger MDR SACHSEN. Der Verkauf von Solarworld stand demnach unter einem großem Zeitdruck, da nur bis Ende Juli Insolvenzgeld an die Mitarbeiter gezahlt werden konnte. Deshalb sei keine Lösung möglich gewesen, die noch einige Monate gebraucht hätte.

Ich glaube dem Insolvenzverwalter, dass ein vernünftiges Verfahren mit Prisma nicht zustande gekommen ist.

Betriebsratsvorsitzender von Solarworld AG, Peter Finger

Piepenburg: "Alternative Schließung des Unternehmens"

Auch für Insolvenzverwalter Horst Piepenburg selbst gab es keine Alternative zum Verkauf von Solarworld an Solarworld-Gründer Frank Asbeck und einen Investor aus Katar. Dies bekräftigte Piepenburg in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Asbeck und Katar seien mit ihrer Initiative in praktisch letzter Minute gekommen.

Der Jurist Horst Piepenburg, Insolvenzverwalter für Solarworld
Insolvenzverwalter Horst Piepenburg Bildrechte: dpa

Als am 19. Juli die Idee zu einem gemeinsamen Gebot entstand, war das Stilllegungsszenario für die beiden Werke schon in der Planung.

Von dem niederländischen Unternehmen Prisma habe es nie ein verbindliches und zeitgerechtes Angebot gegeben, so Piepenburg weiter. Davon abgesehen hätten die Angaben zu Projektvolumina von Prisma nicht erhärtet werden können.

Mit dem Verkauf der Solarworld AG werden mehr als 500 Beschäftigte in Freiberg und Arnstadt sowie am Firmensitz Bonn von der neu gegründeten Solarworld Industries GmbH übernommen. Weitere rund 1200 Beschäftigte sollen in eine Transfergesellschaft wechseln. Dort werde versucht, so schnell wie möglich neue Jobs für die Beschäftigten zu vermitteln. Die Transfergesellschaft soll maximal ein Jahr lang bestehen.

Am Freitag hatten die Gläubiger den Verkauf von Grundstücken, Maschinen sowie des Vorratsvermögens an den Produktionsstandorten in Freiberg und Arnstadt gebilligt.

Quelle: MDR/FAZ/AFP/KB

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio : MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.08.2017 | Nachrichten | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2017, 20:19 Uhr

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7 Kommentare

15.08.2017 22:24 Klarheit 7

Ich Frage mich immer mal was Journalisten heutzutage tun - Pressemitteilungen der Firmen/ Verwalter etc. abschreiben , drei eigene Blabla Zeilen dazu und gut ?!
Evtl.sollte mal durchleuchtet werden wie Asbeck hier wieder zum zuge kommen kann , entschuldet wird und die Arbeiter / Zulieferer die doofen sind....,
Wie steht Asbeck zum Insolvenzverwalter , was war mit den anderen Angeboten etc.
Werte Journalisten tiefer bohren - nicht nur zum presseorgan/Sprachrohr von Firmen/ Verwalter werden !!

15.08.2017 19:55 Ex-Solarworld-MA Arnstadt 6

Viele Kollegen vermuteten, dass Piepenburg und Asbeck die Karten schon vor etlichen Wochen neu gemischt haben. Niederländische und andere Störenfriede wurden ausgebootet. Die Hemlockforderung wurde abgeschmettert und drei Viertel der MA fielen einem Plan zum Opfer, der nichts mit einem Sozialplan zu tun hatte und ebenfalls, wenn auch auf anderer Ebene, ausgekungelt wurde.

15.08.2017 07:48 colditzer 5

"Aus Sicht des Betriebsratsvorsitzenden der Solarworld AG, Peter Finger, ist das Insolvenzverfahren korrekt abgelaufen. "
Aus meiner eigenen Erfahrung muß ich leider sagen, ich habe nie einen aktiven Betriebsrat erlebt, welcher auf der Seite der Ausgebeuteten stand.

14.08.2017 23:44 part 4

@Altmeister, es gibt da noch weitere Varianten, die verbleibenden Mitarbeiter erledigen demnächst die Arbeits der zuvorigen Mitarbeiter mit und es wird weitere Automatisierungsprozesse geben, nach dem Motto: Industrie 4.0...

14.08.2017 23:13 Klarheit 3

Das ganze "stinkt " doch hinten und vorne,
Einerseits will man damit die Ami Forderung über 800 Mio loswerden und gleichmal die stammbelegschaft gleich mit billig abservieren!
Und auch deshalb will man keinen anderen ranlassen bei dem Deal !
Wenn allerdings die dt.. Politik von Frau Merkel weiterhin keinen Schutz vor billigen China Produkten ankurbelt, wie Amerika es angeht, wird auch dieses mal eine Pleite die Folge sein......

14.08.2017 16:41 Altmeister 50 2

Ich spekuliere mal:
Entweder werden Asteck und Katar die Werke innerhalb des nächsten Jahres gewinnbringend verkaufen oder sie stocken die fehlende Belegschaft mit Leiharbeitern auf

14.08.2017 15:53 4711 1

DerAlte Chef ist jetzt der Neue Chef, wer da an Zufall denkt, zieht seine Hose mit der Kneifzange an! Gut vorbereitet!