Streik im Rettungswesen Keine DRK-Krankentransporte rund um Glauchau

Rund um Glauchau fahren voraussichtlich bis Freitag keine Krankentransporte. Grund ist ein Streik beim DRK-Kreisverband Glauchau, der am Montagmorgen begonnen hat. Nach Angaben von Simone Bovensiepen von der Gewerkschaft Verdi fährt der Glauchauer Kreisverband täglich mindestens 25 Krankentransporte in der Region. Diese Fahrten würden nun wegfallen. Der Notdienst sei allerdings gewährleistet.

Geringe Wertschätzung der Beschäftigten und Personalmangel

Laut Bovensiepen hat das DRK den Streikenden Hausverbot erteilt. Das zeige die geringe Wertschätzung den Beschäftigten gegenüber. Der Kreisverband habe zudem ein großes Personalproblem. Viele Mitarbeiter würden das DRK in Glauchau verlassen und zu einem Arbeitgeber mit besseren Arbeitsbedingungen wechseln. Seit 2014 haben Bovensiepen zufolge 24 Beschäftigte in Glauchau gekündigt. Zwar gab es immer wieder Ersatz, aber es sei "ein Kommen und Gehen". Zudem seien die neuen Beschäftigten meist weniger qualifiziert.

Worum geht es eigentlich?

Im Streit zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Kreisverband des DRK geht es um einen verbesserten Tarifvertrag für die etwa 90 Beschäftigten des Kreisverbandes, unter ihnen 46 Rettungskräfte. Nach Angaben von Verdi bekommen die Beschäftigten beispielsweise bis zu 700 Euro brutto weniger im Monat als DRK-Angestellte in anderen sächsischen Verbänden. Zudem fordert Verdi Wechselschichtzulagen und die Reduzierung der Wochenarbeitszeit. Aktuell beträgt die Wochenarbeitszeit in Glauchau 48 Stunden, in Chemnitz beispielsweise nur 44 Stunden.

Das DRK ist nicht bereit, mit Verdi über die Forderungen zu verhandeln. Seiner Ansicht nach ist die christliche Gewerkschaft DHV der Ansprech- und Verhandlungspartner. Doch da liegt das Problem. Verdi bezweifelt, dass die DHV überhaupt berechtigt ist, Tarifverträge auszuhandeln. Und tatsächlich: Derzeit hat die DHV kein einziges Gewerkschaftsmitglied in Glauchau. Die meisten Beschäftigten sind den Angaben zufolge Verdi-Mitglieder.

Rechtlich ist das DRK auf der sicheren Seite: Anfang 2016 wurde in zweiter gerichtlicher Instanz entschieden, dass die DHV tariffähig ist. Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts steht noch aus.

DHV will im Sommer neu verhandeln

Die Gewerkschaft DHV gab unterdessen bekannt, im Sommer dieses Jahres über den Manteltarifvertrag neu verhandeln zu wollen. Zum Forderungskatalog gehören demnach auch die Erhöhung der Gehälter und Schichtzulagen sowie die Festschreibung einer jährlichen Sonderzahlung.

Streik am Dienstag in Dresden

Die Beschäftigten des DRK-Kreisverbands in Glauchau hoffen nun auf die Unterstützung des Landesverbandes. Deshalb soll es am Dienstag, 15 Uhr eine Protestaktion vor der Zentrale in Dresden geben.

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio: MDR 1 RADIO SACHSEN | Nachrichten | 20.03.2017 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 12:55 Uhr