Auf einem Marktplatz stehen gedrängt Fußballfans in roten Shirts und schwenken rot-weißen Fahnen. Zwischen den Leuten brennt bengalisches Feuer, Rauchschwaden steigen auf.
Bildrechte: MDR/Gert Friedrich

Bengalos bei Aufstiegsfeier in Zwickau Haft und Geldstrafe für Fußballfans

Rauchtöpfe und Bengalos hatten Fans bei der Aufstiegsfeier des FSV Zwickau in die 3. Liga im Mai 2016 inmitten einer Menschenmenge gezündet. Dabei wurden acht Personen verletzt. Das Amtsgericht Zwickau verurteilte nun zwei Täter.

Auf einem Marktplatz stehen gedrängt Fußballfans in roten Shirts und schwenken rot-weißen Fahnen. Zwischen den Leuten brennt bengalisches Feuer, Rauchschwaden steigen auf.
Bildrechte: MDR/Gert Friedrich

Das Amtsgericht Zwickau hat einen 27-Jährigen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er stand zur Tatzeit unter Bewährung. Ein zweiter 23 Jahre alter Angeklagter erhielt eine Geldstrafe von 800 Euro.

Urteil soll Zeichen setzen gegen Gewalt bei Fußballspielen

Oberstaatsanwalt Holger Illing zufolge setzte Richter Heiko Eisenreich mit seinem Schuldspruch ein deutliches Zeichen gegen von Fußballfans ausgehende Gewalt. Wohin "falsches Fanverständnis" führe, hätten zuletzt Anhänger von Dynamo Dresden gezeigt, sagte Illing im Hinblick auf die Ausschreitungen in Karlsruhe. "Dass das Gericht ein bisschen unter meinen Anträgen geblieben ist, ist das Privileg des Gerichts. Sicherlich müssen auch andere, die das immer wieder machen, vor Augen geführt bekommen, dass darauf eine strafrechtliche Reaktion erfolgt."

Verteidigung will in Berufung gehen

Zwei Angeklagte sitzen in einem Raum
Die beiden zu Geld- bzw. Haftstrafe Verurteillten Bildrechte: MDR/Monika Tauber

Michael Windisch, der Verteidiger des 27-Jährigen, kündigte Berufung gegen das Urteil an. "Wir hatten Freispruch beantragt und werden das auch im Berufungsverfahren tun." Windischs Auffassung nach wurde im Verfahren nicht berücksichtigt, dass die Fackel seines Mandanten nicht zur Verletzung Unbeteiligter führen konnte, weil um ihn herum nur Freunde standen, die wussten, dass Funken sprühen können. Zudem seien Bengalo-Fackeln ab einem bestimmten Alter frei verkäuflich und es gebe vom Gesetz her keine besonderen Einschränkungen zu ihrer Verwendung. Hat Windisch keinen Erfolg, muss sein Mandant ins Gefängnis. "Bei Ihnen ist das Maß voll", hatte Richter Eisenreich geurteilt. Der Zwickauer hat demnach bereits zwölf Einträge im Vorstrafenregister.

Zweiter Angeklagter zeigt Reue

Der Jahre alte Angeklagte hatte schon zu Beginn der Verhandlung die Tat umfassend eingeräumt und sie als Riesenfehler bezeichnet. Er habe die Rauchtöpfe von zu Hause mitgebracht und aus Freude über den Aufstieg seiner Mannschaft entzündet. "Dass ich damit andere gefährde, das habe ich nicht bedacht", sagte er.

Gegen zwei andere Beschuldigte war das Verfahren bereits gegen eine Geldauflage von jeweils 2.000 Euro vorläufig eingestellt worden. Ein weiteres Verfahren musste aufgrund der Erkrankung eines Verteidigers abgetrennt werden. Die Beschuldigten konnten alle durch Foto- und Videoaufnahmen von der Aufstiegsparty identiziziert werden.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.05.2017 | Regionalnachrichten ab 10:30 Uhrr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2017, 21:07 Uhr

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1 Kommentar

18.05.2017 16:46 Tauptolka 1

Zitat: "Dass ich damit andere gefährde, das habe ich nicht bedacht", sagte der 23-Jährige.

Ach nein? Wie oft werden denn diese Bengalos von den Fußball-Ultras und Hooligans verharmlost! Und das trotz Warnungen von allen Seiten.

Selbst in den Kommentaren hier bei MDR-Artikeln wird das Abfeuern von Bengalos in Menschenmengen sehr oft verniedlicht. Manche streiten sogar ab, dass jemals überhaupt Menschen verletzt worden sind.

Sowas ist wirklich komplett dumm und verantwortungslos. Solche Fackeln erzeugen Temperaturen von 1500 bis 2000 Grad! Wer sowas mitten in einer Menschenmasse anzündet, ist ein Verbrecher. Da zählt auch keine faule Ausrede mehr "Ich wollte das nicht - Ich wusste nicht, dass es gefährlich ist".

Natürlich wissen die das. Und machen es trotzdem. Verletzte werden billigend in Kauf genommen.