In einer Sporthalle üben Dutzende Karate-Kämpfer im Synchronmuster Schläge und Tritte
Das Formlaufen oder Kata, quasi das Kämpfen gegen einen unsichtbaren Gegner, ist elementarer Bestandteil im Karate. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Asiatisches Flair im Vogtland Kampfkunst-Szene hält Gipfeltreffen in Plauen

Es sind die spektakulären Kampfszenen, die asiatische Schwert- und Prügelfilme zum Hingucker machen. Im Kino ist es freilich einstudierte Choreografie. Doch die den traditionellen asiatischen Kampfkünsten entliehenen Techniken sind durchaus real und werden rund um den Globus gelehrt. Eines der absoluten Highlights der Szene steigt an diesem Wochenende in Plauen: Großmeister der alten japanischen Kampfkünste halten in der Stadt ihr diesjähriges Trainingsseminar ab.

In einer Sporthalle üben Dutzende Karate-Kämpfer im Synchronmuster Schläge und Tritte
Das Formlaufen oder Kata, quasi das Kämpfen gegen einen unsichtbaren Gegner, ist elementarer Bestandteil im Karate. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Die Karate-Kämpfer stehen barfuß im Schachbrettmuster in der Wieprecht-Sporthalle. Auf Kommando gleiten die rund 70 Frauen und Männer synchron über den Boden, führen dazu Schläge und Tritte aus. Viele haben schwarze Gürtel um den weißen Kampfanzug geschlungen, zählen also schon zu Könnern des Sports. Dennoch blicken sie devot schweigend und gebannt zu einem kleinen Mann, der ihnen mit Eleganz Techniken vorführt. Sie stehen einer Legende gegenüber: Kanchõ Ikuo Higuchi, Elite-Instruktor aus Japan mit dem 9. DAN im Shotokan.

Who is who der Kampfkunst-Szene

Karate-Großmeister Higuchi ist nicht der einzige Superstar. Gut ein Dutzend hoch dekorierte Lehrer aus Japan, den USA, Indien, Belgien und Chile sind nach Plauen gekommen, um in 13 traditionellen asiatischen Kampfkunst-Stilen zu unterrichten – von Karate über Jiu-Jitsu, Aikido und Judo bis hin zur Samurai-Schwertkunst. In Plauen findet an diesem Wochenende das jährliche Weltseminar des ältesten japanischen Budo-Dachverbands statt, der International Martial Arts Federation IMAF-Kokusai Budoin. Die Vogtlandstadt folgt damit Austragungsorten wie Stockholm und Tokio.

Ritterschlag für Ausrichter

Dabei stand für das diesjährige Seminar auch Portugal als möglicher Ausrichter zur Diskussion. Dass die Wahl auf Sachsen fiel, ist dem Plauener Verein Ajia Undokai Vogtland zu verdanken. Der Verein war zwar erst 2011 gegründet worden, schaffte es aber, in nur fünf Jahren von sieben auf über 100 Mitglieder anzuwachsen. Der europäische Präsident der IMAF-Kokusai Budoin, Hans D. Rauscher, dazu: "Das ist uns natürlich aufgefallen. Der Verein ist sehr aktiv und engagiert und vermittelt die Kampfkünste auf hohem Niveau!"

Drei Kampfkunst-Großmeister unterhalten sich
Weltseminar-Ausrichter Michael Faulhaber (l.) im Fachgespräch mit Karate-Legende Higuchi (M.) und Europas IMAF-Präsident Hans D. Rauscher (r.). Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Für Vereins-Chef Michael Faulhaber und seine Mitstreiter ein Ritterschlag: "Wir haben erst im Juni erfahren, dass wir das Weltseminar bekommen. Das war ein Mammutprojekt! Teilweise saßen wir bis nachts um 2 Uhr, um alles auf die Beine zu stellen." Immerhin ist in das Weltseminar auch ein Fachkongress eingebunden. Zudem wollte der Verein ein eindrucksvolles Rahmenprogramm bieten. So gab es für die Gäste einen Empfang beim Plauener Oberbürgermeister und Besuche in Museen. Auch eine Art Standortmarketing, so Faulhaber: "Wir haben die Japaner ins Staunen gebracht – die wussten zum Beispiel gar nicht, dass Japan der größte Abnehmer für Plauener Spitze ist."

Gewaltiger Zuspruch

Der Aufwand hat sich für den Verein gelohnt. Das Echo der Referenten und auch der Teilnehmer ist positiv. Rund 400 Kampfsportler sind angereist, nahmen teilweise eine lange Fahrt in Kauf, um die Kampfkunst-Titanen hautnah zu erleben. Für Alexandra Berger aus Fürth war es der Reiz, sich von Großmeister Masayuki Kumazawa in der Schwertkunst Iaido unterweisen zu lassen: "Er ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Es ist was ganz Besonderes, mit ihm zu trainieren und auch von ihm persönlich korrigiert zu werden!"

Ein japanischer Schwertkunst-Großmeister korrigiert eine Schülerin
Alexandra Berger (l.) lässt sich von Iaido-Großmeister Masayuki Kumazawa (r.) zeigen, wie das Katana richtig aus der Scheide gezogen wird. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Quelle: mdr/mv

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.08.2017 | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz ab 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2017, 10:29 Uhr

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