Wiederau Wie ein Dorf um seine Flüchtlinge kämpft

Ungewöhnliche Nachrichten aus Mittelsachsen: In Wiederau haben sich rund 150 Dorfbewohner erfolgreich für den Verbleib von 60 Flüchtlingen in ihrem Ort eingesetzt. Der Landkreis hatte vorgesehen, die jungen Männer aus dem Irak, dem Iran, Syrien und Afghanistan in eine Unterkunft ins 20 km entfernte Rossau zu verlegen. Als Grund dafür wurden zu hohe Heizkosten angegeben. Doch Landrat Matthias Damm (CDU) hatte die Rechnung ohne die engagierten Dorfbewohner gemacht: Diese setzten sich am Donnerstag in einer Zusammenkunft mit dem Landrat durch und wandten den Wegzug der jungen Männer aus dem Dorf ab. Das als Notunterkunft geplante Camp soll noch bis Ende März bestehen bleiben. Bis dahin wollen Landrat und Flüchtlingshelfer gemeinsam Wohnungen in der Nähe suchen.

Private Kontakte etabliert

Das Camp aus zwei Zelthallen war kurz vor Weihnachten bezogen worden. In den gut zwei Monaten haben sich freundschaftliche Kontakte entwickelt. Gleich zu Beginn hatten etwa 50 Dorfbewohner die Neuankömmlinge willkommen geheißen. Freiwillige waren mit ihnen mit dem Bus nach Rochlitz gefahren, um vor den Feiertagen noch persönliche Dinge einzukaufen. Schnell wurden Deutschkurse und gemeinsame Ausflüge organisiert. Jeder Campbewohner hat mittlerweile einen eigenen Paten und vor Ort ansässige Handwerker würden sofort Leute einstellen. "Binnen kürzester Zeit sind hier Strukturen und Netzwerke zur Unterstützung der Asylsuchenden entstanden, die nach Möglichkeit aufrecht erhalten werden sollten", sagte Landrat Damm in einer Mitteilung zur Erklärung seiner Entscheidung.

Parteiübergreifendes Lob

Lob für seinen Mut bekam Damm vom Grünen Landtagsabgeordneten, Wolfram Günther, der in einem Nachbarort lebt. In Arbeitskreisen wolle man künftig besprechen, wie es weitergehen soll mit dem Camp.

Mein Dank geht natürlich auch an Landrat Damm. Auch wenn er mit einer anderen Zielstellung angereist ist, hat er zugehört und sich von den Helfenden und Flüchtlingen zu einer Rücknahme seiner Entscheidung und zur Verabredung eines weiteren gemeinsamen Vorgehens überzeugen lassen. Eine mehrfach bekräftige Entscheidung ändern zu können, ist ja nicht selbstverständlich und hoch anerkennenswert.

Wolfram Günther, Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen

Einigen Mut brauchten nach eigenen Angaben auch die Helfer. In Zeitungsberichten wollen sie lieber anonym bleiben. Ein Freiwilliger erklärte der "Sächsischen Zeitung": "Auch hier gibt es nicht nur gute Menschen."

Eine beschriebene Schultafel
Die Botschaft eines Flüchtlings - eine Tafel im Gemeinschaftsbereich der Zeltunterkunft. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Zuletzt aktualisiert: 29. Februar 2016, 08:04 Uhr

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47 Kommentare

01.03.2016 23:15 Hubert 47

@46 Julia Meyer 01.03.2016 20:54 Ich könnte Dich jetzt belügen und sagen: ich wohne 50 m von einem Flüchtlingsheim entfernt. Ich will nicht lügen. Im Radius von 30 km von mir kenne ich kein Flüchtlingsheim. Ich bin in einem Dorf geboren und aufgewachsen und nie mit Fremden konfrontiert worden. Mit 19 Jahren bin ich von dort weg und hatte seitdem fast mein ganzes Leben lang mit Ausländern zu tun. Ich habe im armen Kenia gearbeitet und im reichen Saudi-Arabien und nie Negatives erlebt. Warum können Menschen nicht offen aufeinander zugehen? Hast du mein Beispiel in Nr. 43 gelesen? Und warum knallst Du mir erstmal diesen Satz entgegen: "Ganze Sätze wären toll, um dich zu verstehen." Wo findest Du halbe Sätze? Wenn Du so auch auf andere zugehst, na dann, Gute Nacht.

01.03.2016 20:54 Julia Meyer 46

@ Hubert
Ganze Sätze wären toll, um dich zu verstehen.
Gut reden, ohne direkt davon 'betroffen' zu sein ist leicht.
Wie weit ist bei dir die nächste Flüchtlingsunterkunft entfernt?

01.03.2016 20:28 Hubert 45

@44 Julia Meyer 01.03.2016 19:01 - Mittlerweile glaube ich, die halbe Republik besteht nur noch aus Angsthasen und sorgenvoller Bürger. "Viele Eltern haben Sorge um ihre Kinder." Dir und deinen Liedensgenossen geht es weder um eure Kinder, denn das sehe ich als geheuchelt an. Euch geht es Fremde, Flüchtlinge Andersaussehende und über allen Dingen schwebt da der Islam. Ich rate euch allen, geht auf die Fremden zu, redet mit denen, macht Hirn und Herz auf sonst geht ihr an euch selbst zugrunde.

01.03.2016 19:01 Julia Meyer 44

Warum sind nicht alle Wiederauer für diese Zeltunterkunft?
Warum gibt es auch 'anders' denkende, die dann als 'böse' Bürger bezeichnet werden?
Weil diese Zeltunterkunft genau hinter der Grundschule des Ortes aufgebaut ist.
Viele Eltern haben Sorge um ihre Kinder.
Nur leider nimmt die Sorgen der Eltern niemand war.
Hauptsache den Flüchtlingen und ihren Helfern wird Gehör geschenkt. Passt besser in die Politik von Herrn Damm.
Die Helfer können doch nach Rossau fahren und dort weiter ihre Patenkinder betreuen. Ist nicht weit weg von Wiederau - aber wahrscheinlich zu viel Aufwand für die Helfer.

01.03.2016 16:39 Hubert 43

Ich habe gestern in einer Fernsehdiskussion u.a. mit Petra Pau gehört, dass es wohl noch mehr Orte gibt, wo es mit dem Zuzug von "Neubürgern" funktioniert. Auch eine Diskussion mit den Bürgern hatte positive Effekte. Die Bürger wendeten sich von rechten Rädelsführern ab und begannen sich dem eigentlichen "Problem" zuzuwenden. Ein gutes Beispiel kenne ich aus meinem Geburtsort. In einem zum Ort gehörenden Weiler mit 50 Einwohnern bezogen damals 70 Russlanddeutsche im Gebäude eines ehemaligen Landhandels Quartier. Unter anderem schimpfte damals meine Mutter: "Wos wölle mir mit soviel Russe". Einige Zeit später fragte ich sie, wer ihr eigentlich den Garten umgrabe. Antwort: "No, die Russe". Meinen Vorwurf, sie habe doch damals so auf "die Russe" geschimpft, hat sie (wohl aus Scham) abgestritten.

29.02.2016 20:51 Emma Knoss 42

Liebe Wiederauer, ich find euch so geil. Wenn Ihr euch in Sachsen ncht mehr wohlfühlt,
würden wir Berliner euch adoptieren.

29.02.2016 10:24 Karl Klüver 41

@Hubert 40: Hallo Hubert, Pardon, aber ich habe deinen Sarkasmus leider übersehen. Deine Kommentare kenne ich übrigens nicht erst seit deiner Info. mlG. KK

28.02.2016 13:42 Hubert 40

@39 Karl Klüver 27.02.2016 23:03 - Karl, Du hast den Sarkasmus in meinem Beitrag übersehen. Hol mal den Artikel "Asylunterkunft in Brand gesteckt", klappe alle Kommentare auf, suche nach Hubert und überfliege einige meiner Beiträge. Vielleicht beurteilst Du mich dann anders. Ich verstehe deine Emotion.

27.02.2016 23:03 Karl Klüver 39

@HUbert 36: Hu ha, ihr "Angstmach-Kommentar" lässt vermuten, dass die braune [...] sich Namen von Gegnern und NICHT-Nazis aufschreibt/merkt, um dann all diese Gegner zu Vernichten, wenn sie mal in 50 Jahren oder noch mehr, in den Bundestag einziehen sollte. Und die Name/Adressen der User besorgt ihr euch, in dem ihr das IT-Zentrum des MDR überfallt, oder wie! Wohl Zuviel Alk gesüppelt oder wars doch das Koks.
[Entfernung eines Wortes aus rechtl. Gründen - MDR.DE_Red.]

27.02.2016 22:43 Janas 38

an den sogenannten "Harzer": In deiner Liga bist du dann aber sehr allein.