Denkmalschutz Chemnitz kämpft für sein Eisenbahnviadukt

In Chemnitz verschärft sich der Widerstand gegen die Pläne der Bahn AG, für die Modernisierung des sogenannten „Chemnitzer Eisenbahnbogens“ drei denkmalgeschützte Stahl-Brücken durch Betonbauten zu ersetzen. Berühmteste Brücke, für deren Erhalt sich bereits deutschlandweit Stimmen erheben, ist das Chemnitztalviadukt über die Annaberger Straße.

von Brigitte Pfüller

Chemnitz hat der Bahn AG offiziell eine deftige Abfuhr erteilt. Zum Planfeststellungsverfahren "Eisenbahnbogen Chemnitz" der Bahn AG heißt es: "Den vorliegenden Planungen der Deutschen Bahn stimmt die Stadt nicht zu." Denn die Kommune befürchtet, dass bei einer  Umsetzung des Vorhabens nach den vorliegenden Unterlagen das Stadtbild nachhaltig beeinträchtigt und in Teilbereichen sogar beschädigt wird. 

Beim "Chemnitzer Eisenbahnbogen" handelt es sich um eine 2,8 Kilometer lange Strecke,  die vom  Hauptbahnhof bis zum Stadtteilbahnhof Kappel führt. Sie ist Teil der sogenannten Sachsen-Franken-Magistrale, für deren Umsetzung seit der Wende gekämpft wird. Deshalb begrüßt die Industriestadt eigentlich, dass der Ausbau dieser Eisenbahntrasse zwischen Karlsruhe – Stuttgart – Nürnberg – Leipzig/Dresden über Chemnitz erfolgen soll.

Beton statt Stahl

Wermutstropfen ist jedoch, dass damit drei denkmalgeschützte Stahlbrücken bedroht sind. Sie sollen durch Beton-Neubauten ersetzt werden. Das will die Stadt verhindern. Wie Baubürgermeister Michael Stötzer aber erklärte, fehle in den Bahn-Plänen beispielsweise eine begründete Schadensanalyse, die für deinen Abbruch notwendig sei. Außerdem habe die Bahn keinerlei  Alternativvarianten zu einem Abriss aufgezeigt.

Chemnitztalviadukt über der Annaberger Straße
Die zwischen 1901 und 1909 errichtete Fachwerkbrücke gehört für viele zum Stadtbild. Bildrechte: MDR/Brigitte Pfüller

Bei dem berühmtesten Denkmal des Eisenbahnbogens, dem "Chemnitztalviadukt" über die Annaberger Straße, geht die Stadt in ihrer Kritik sogar noch weiter. Hier bezweifelt die Kommune  die Kostenberechnungen der Bahn. Denn laut DB Netz AG würde ein Beton-Neubau nur 12,3 Millionen Euro kosten, eine Sanierung aber 20,3 Millionen Euro.

Erhalt teurer als Neubau?

Ein Expertengutachten, das die Stadt in Auftrag gab, erbrachte ganz andere Werte:  Nach diesen Berechnungen würde der Neubau mit 18,6 bis 24,4 Millionen Euro weitaus teurer. Dagegen würde eine Sanierung nur zwischen 17 bis 18 Millionen Euro kosten. Baubürgermeister Stötzer zeigt sich fest überzeugt: "Zu einem Erhalt des stadtbildprägenden Brückenbauwerkes gibt es keine Alternative."

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2016, 14:42 Uhr

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7 Kommentare

28.03.2016 11:16 Peter W. 7

@2 Schönes Eigentor. Richtig: "über der Straße". Falsch: es handelt sich trotzdem um den Dativ. Was das mit sächsisch oder Pegida zu tun haben soll, kann ich aber beim besten Willen nicht erkennen.

27.03.2016 14:11 Toni 70 6

Wirklich traurig das dieses historische Bauwerk durch Beton ersetzt werden soll.Die Brücke gehört zu Chemnitz und sollte es auch bleiben.

27.03.2016 10:38 klemmi 5

Zu 4: Die Geschwindigkeit wird durch eine neue Brücke nicht besonders oder garnicht gehoben, da müsste der ganze Chemnitzer Bahnbogen begradigt werden. Die Bahnhöfe Süd und Mitte "bremsen" ebenso. Die versprochenen 160km/h sind absoluter Bauernfang. Lärmschutzmaßnahmen sind auf der alten Brücke genau so möglich, sie wurden lediglich von der DB nie in Angriff genommen.

27.03.2016 05:47 Jens B 4

Warum muss den immer jeder immer gegen was neues sein. Es spielt doch am Ende nur die Rolle dass die Züge über die "neue" Brücke bestimmt deutlich schneller drüber fahren dürfen als über die bestimmt schon hundert Jahre alte Variante. Also wird erst mal immer grundsätzlich ne gegen Stimmung erzeugt und am Ende kommt nix vernünftiges bei raus. Das die Züge vielleicht mit höheren Tempo über die deutlich moderne Brücke mit leiser drüber fahren als über das alte Ding bedenkt dabei erst mal keiner. UND JA ICH WOHNE KEINE 200m von der Bahn Strecke entfernt um den Leuten den Wind aus den Segeln zu nehmen das jemand der nicht in der Nähe wohnt kein Urteil darüber bilden könnte.

26.03.2016 23:59 Querdenker 3

Wer wissen will, was von der Deutschen Bahn AG zu halten ist, der lässt sich auf dem Youtube Kanal des Senders Phönix einfach die Videos von stuttgart21 auf der Zunge zergehen und vergleicht es mit der aktuellen Entwicklung.

26.03.2016 21:00 Man spricht sächsisch? 2

Wie bitte - ein Viadukt über
D I E Strasse?
Ist das Pegidasprache oder was?
Wie waere es denn mit "über D E R Strasse"?

Es lebe dem Genitiv!

26.03.2016 16:10 Diversey 1

Viel Erfolg Chemnitz! Bin sprachlos, dass die DB dieses wunderschoene Viadukt abreissen lassen will. Europa- und republikweit werden Touren und Hinweise zu hist. Industriekultur angeboten/ erstellt und dann soll hier so geschichtsverloren gehandelt werden!? Chemnitz hat bereits genug historische Substanz verloren, jedes bisschen weniger schadet!