Sachsen

Leipzig : Gefährlicher Darmkeim an Uniklinik

Am Leipziger Universitätsklinikum hat es den bisher größten Ausbruch des extrem gefährlichen Darmkeims KPC in Nordeuropa gegeben. Nach Recherchen des MDR waren in den vergangenen zwei Jahren 58 Patienten betroffen. Wie eine Kliniksprecherin dem MDR sagte, traten die meisten Fälle zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 auf. In dieser Zeit habe es zehn bis zwölf Fälle monatlich gegeben.

Bildergalerie: Extrem gefährlicher Darmkeim in Leipzig

KPC-Ausbruch KPC-Ausbruch KPC-Ausbruch

Die Universität Leipzig erlebt in ihrem Klinikum derzeit den größten für Deutschland dokumentierten Ausbruch eines gefährlichen Darmkeims. Seit 2010 wurde bei 85 Patienten der Uniklinik Leipzig der Keim nachgewiesen. [Bilder]


Auch sofortige Barrieremaßnahmen hätten die ausbruchsartige Häufung im Herbst 2010 auf mehreren Stationen nicht verhindert: "Betroffen waren nahezu ausschließlich Patienten, die aufgrund schwerster Grunderkrankungen wie zum Beispiel einem Leberversagen mit Notwendigkeit zur Transplantation im Universitätsklinikum (UKL) behandelt wurden. Für den am UKL nachgewiesenen Keim standen noch drei Antibiotika für die Behandlung zur Verfügung." Seit Februar 2011 würden im Durchschnitt ein bis drei Fälle im Monat registriert.

Keim wird für äußerst bedrohlich gehalten

Der Hygiene-Experte Klaus-Dieter Zastrow, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, hält die Keime im Leipziger Universitätsklinikum für sehr bedrohlich. Bei geschwächten Patienten könnten sie sogar tödlich enden.

Den MDR-Recherchen zufolge sind 26 Patienten, bei denen der Keim nachgewiesen wurde, gestorben. Ob der Keim dabei eine Rolle spielte, kann bei diesen ohnehin schwer kranken Patienten nicht genau nachgewiesen werden. Das Uniklinikum bringt den Tod der Schwerstkranken aber ausdrücklich nicht mit dem Keim in Verbindung.

Zwar werde der Krankheitsverlauf von stationär behandelten Patienten durch eine Kolonisierung oder Infektion mit multiresistenten Bakterien negativ beeinflusst, teilte das Klinikum mit. Im Einzelfall sei die Bedeutung des Keims für den Krankheitsverlauf aber häufig nicht beurteilbar, da er nur einen von vielen Einflussfaktoren darstelle.

Größe des Ausbruches beunruhigend

Die Anzahl der Fälle beunruhigt Medizinwissenschaftler. Der Mikrobiologe Martin Kaase vom Nationalen Referenzzentrum in Bochum sagte dem MDR, ihm sei nicht bekannt, dass es schon jemals einen Ausbruch in dieser Größe und Dauer mit KPC-Stämmen in Deutschland gegeben hätte. Auch die Leipziger Uniklinik bestätigte inzwischen, dass es sich um den bisher größten beschriebenen KPC-Ausbruch in Deutschland handelt.

Die Klinikleitung geht davon aus, dass ein Patient im Juni 2010 den Keim aus einem griechischen Krankenhaus eingeschleppt hat. Erkannt worden sei das aber erst vier Wochen später. Der Patient sei zwar isoliert worden, dennoch sei es zu einer Weiterverbreitung von Patient zu Patient gekommen.

Die Uniklinik sucht inzwischen gemeinsam mit dem Gesundheitsamt der Stadt Leipzig nach der Ursache für die Verbreitung des Keimes. Dabei werden laut Klinikvorstand Wolfgang Fleig auch umliegende Kliniken überprüft.

Gesundheitsamt Monate nach Ausbruch informiert

Da bei einem gehäuften Auftreten von Krankenhauskeimen Meldepflicht besteht, wurde das zuständige Gesundheitsamt Fleig zufolge im Januar 2011 informiert: "Diese Meldung hätte aus heutiger Sicht sicher früher erfolgen können." Das Gesundheitsamt prüft jetzt, ob die Uniklinik gegen bestehende Meldepflichten verstoßen hat.

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2012, 11:42 Uhr

1. Heinz Faßbender:
Jeder Lebensmittelbetrieb oder Frittenbude würde sofort geschlossen...
25.05.2012
12:03 Uhr

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KPC

Der KP-Keim verursacht bei schwerkranken Patienten Durchfälle, Lungenentzündungen bis hin zu tödlichen Blutvergiftungen. In der Regel ist er aber gut zu behandeln.

Allerdings bildet er immer mehr Resistenzen aus. Zuletzt gegen die Reserveantibiotika-Gruppe der Carbapeneme - von denen das C im Kürzel KPC stammt. Dann gibt es nur noch wenige und oft veraltete Antibiotika, mit der eine Infektion behandelt werden kann. Im Leipziger Fall sind das drei.

Nachgewiesen wurden Bakterien mit dieser und anderen Resistenzen erstmals in den 90er-Jahren in den USA. Seither breitet sich der Keim immer weiter aus. Häufig wird er in Südamerika und Israel nachgewiesen. In Europa werden die resistenten Formen des Keimes vor allem in Griechenland nachgewiesen. Dort besitzen mehr als 25 Prozent der KP-Bakterien dieselbe oder ähnliche Resistenzen wie der Keim am Universitätsklinikum.

Häufig wird die resistente Form auch in Zypern nachgewiesen. Ausbrüche wurden bislang aus Griechenland, Großbritannien, Italien, Spanien und Deutschland beschrieben.

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