Gegen das Pegida-Image 35.000 Dresdner demonstrieren für Toleranz

Dresden hat sich mit den wöchentlichen Pegida-Demonstrationen scheinbar zum Anlaufpunkt von Islamkritikern, Rechtsextremen und Unzufriedenen aller Couleur entwickelt. Mit einer Kundgebung für Weltoffenheit und Toleranz haben die Stadt und die sächsische Landesregierung am Sonnabend dagegen gehalten.

In Dresden hat vor der Frauenkirche eine Kundgebung für Weltoffenheit und Toleranz stattgefunden. Nach Angaben der Veranstalter sind dem Aufruf der Stadt und der sächsischen Landesregierung 35.000 Menschen gefolgt. Damit reagierten sie auf die Pegida-Demonstrationen mit zuletzt 18.000 Teilnehmern in Dresden. Auf den Plakaten der Kundgebungsteilnehmer stand unter anderem "Wir sind Charlie". In Erinnerung an die Opfer des Terroranschlags auf das französische Satire-Magazin "Charlie Hebdo" begann die Kundgebung mit einer Schweigeminute.

Tillich: "Null Toleranz gegenüber Extremisten und Gewalt"

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich bezeichnete den Terrorakt als Anschlag auf die Meinungs- und Pressefreiheit: "Damit haben die Terroristen unsere gemeinsamen Werte angegriffen." Muslimische Verbände in ganz Deutschland hätten sich mit klaren Worten von dem Terrorakt distanziert. "Das zeigt: Sie stehen an unserer Seite", sagte Tillich. Es gelte "null Toleranz gegenüber politischem und religiösem Extremismus und Gewalt". Das schließe auch den Angriff auf eine Polizeistation in Leipzig-Connewitz ein. Der mit zwei Beamten besetzte Polizeiposten war am Mittwoch von 50 Vermummten angegriffen worden.

Bezug nehmend auf die Pegida-Bewegung sagte Tillich, es gebe Grenzen des politischen Anstands und des Erträglichen. Wer gegen alles Fremde polemisiere und gegen Ausländer, Flüchtlinge und Asylsuchende schüre, mit dem lasse sich nicht sachlich reden. Dresden sei eine Stadt, die wegen ihrer reichen Kultur Menschen aus aller Welt anziehe. "Müssen wir dann aber nicht besonders gastfreundlich und weltoffen sein", fragte Tillich. Weil dem so sei, werde man weiter Kraft zur Integration aller aufbringen. Integration bedeute aber auch Anstrengung von Seiten der Flüchtlinge anzukommen. Voraussetzung dafür sind Tillich zufolge Respekt und Toleranz, Achtung der Meinungsfreiheit und die Einhaltung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Manche nutzen ihre Freiheit, um gegen etwas zu sein. Das ist zulässig, bringt uns aber nicht weiter. Wir nutzen unsere Freiheit heute hier, um für etwas einzutreten.

Stanislaw Tillich Sächsischer Ministerpräsident

Orosz: "Wir lassen uns durch Hass nicht spalten"

Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz forderte die Dresdner auf, zusammenzustehen. "Wir lassen uns durch Hass nicht spalten." Dresden sei mehr als ein Ort, in dem Menschen aus Angst vor anderen Religionen und anderen Werten Woche für Woche auf die Straße gehen. Kirchen, Verbände, Kulturinitiativen und Vereine unterstützten die Kundgebung gegen die islamkritische Pegida-Bewegung.

Neben Orosz und Tillich nahmen an der Kundgebung vor der Frauenkirche auch die IT-Unternehmerin Viola Klein, der Betriebsratschef des Dresdner Chipherstellers Globalfoundries, Ralf Adam, Superintendent Christian Behr, die Dresdner Bischöfe Jochen Bohl und Heiner Koch, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresden, Nora Goldenbogen, sowie der Sprecher des Islamischen Zentrums Dresden, Khaldun Al Saadi, teil.

Roland Kaiser: "Das ist nicht die Stadt, die ich kennengelernt habe"

Unterstützung kam auch von Schlagersänger Roland Kaiser. Die Bilder und Nachrichten aus Dresden in den vergangenen Wochen spiegelten nicht das Bild der Stadt wider, die er kennengelernt habe. "Die Zeit der Sündenböcke sollte der Vergangenheit angehören", wandte er sich gegen Pegida. Für seine Teilnahme an der Kundgebung musste Kaiser bereits im Vorfeld Kritik auf seiner Facebook-Seite einstecken. "Roland, wir sind sehr enttäuscht von Dir", war dort zu lesen, "warum lässt Du Dich vor den Karren der Asylindustrie spannen?" Ein anderer Facebook-Nutzer war der Ansicht, Kaisers Auftritt vor der Frauenkirche werde ihm auf die Füße fallen: "Denn ein Roland Kaiser sollte sich mal Gedanken machen, warum seine ausverkauften Konzerte ein Dresdner Phänomen sind." Einige Fans kündigten an, ihre Konzertkarten zurückzugeben.

Pegida beantragt Steuervergünstigungen

Die Pegida hat auch für kommenden Montag wieder eine Veranstaltung in Dresden angekündigt. Die Organisatoren bauen das Bündnis Zeitungsberichten zufolge offenbar zu einer festen Organisation mit eigenen Einnahmen aus. Wie die "Frankfurter Rundschau" schreibt, prüft das Finanzamt Dresden den Antrag des Vereins auf Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Damit dürften Spenden an den Pegida e.V. künftig von der Steuer abgesetzt werden. Der Verein unter dem Vorsitz von Lutz Bachmann hat eigenen Angaben zufolge derzeit zehn Mitglieder. Vereinszweck sei "die Förderung politischer Wahrnehmungsfähigkeit und politischen Verantwortungsbewusstseins."

Wer verbirgt sich hinter Pegida? Die Abkürzung Pegida steht für "Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes". Organisiert hat sich die Bewegung Anfang Oktober in Dresden. Angeführt wird sie von Lutz Bachmann. Am 19. Dezember 2014 wurde der PEGIDA e.V. gegründet. Der Verein unter dem Vorsitz von Bachmann hat derzeit zehn Mitglieder (Stand 08.01.2015). Zu den 19 Forderungen der Pegida gehören eigenen Angaben zufolge eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern, eine verkürzte Verfahrensdauer für Asylanträge und mehr Bürgerentscheide.

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2015, 21:59 Uhr

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390 Kommentare

14.08.2016 19:30 Wut 390

Diese Veranstaltung fand die am 13. August 2016 statt oder im Januar2015 . Dann geben sie doch bitte auch wieder die Termine wann und wo sich Pegida trifft an,damit man sich einen Überblick verschaffen kann und auch die Kindergrupppen ansehen und hören kann wie sie pfeiffend durch die City laufen.

14.08.2016 14:49 Bernd 389

Beeindruckend die Teilnehmerzahl gegen diese unerträgliche Bewegung, welche durch ihr antideutsches und Inhumanes Denken bei ihren Aufmärschen auffällt. Kennzeichnend für ihre Mitläufer ist auch, wie auf die Aussagen des Herrn Kaisers reagiert wird, andersdenkende , demokratisch eingestellte Menschen werden hier ( s.u. ) beschimpft und beleidigt. Die übliche, undifferenzierte Presseschelte darf natürlich auch nicht fehlen.Beruhigend, das die Zivilgesellschaft jetzt auf die Straße geht und Flagge zeigt ( nicht die " Reichskriegsflagge "wie so oft bei den Aufmärschen des Justizkenners ) .

13.01.2015 10:19 Wähler 388

Für Weltoffenheit und Tolleranz sind wir auch!!! Was unterstellt ihr uns immer? Wenn man hinterfragt und kritische, berechtigte Meinungen äußert, ist man sofort in der rechten Ecke. Dadurch werden wir nur noch mehr motiviert, weiterzumachen, denn WIR SIND nun mal DAS VOLK. Wir sind ganz normale Deutsche Bürger, weder rechts orientiert, noch Nazis noch Ausländerhasser ! Wann geht das endlich mal in die Köpfe der Gegner von Pegida? Wann verstehn das endlich auch die Politiker? Wer die Initiatoren von Pegida sind, spielt übrigens eine untergeordnete Rolle. Jeder hat eine zweite Chance verdient, ich erinnere nur an unseren ehemaligen Außenminister, der mal ein Steinewerfer war!

13.01.2015 06:38 Wähler 387

Frau Merkel hat dazu aufgerufen "Geht nicht dort hin"doch genau das Gegenteil ist eingetroffen, es sind noch viel mehr am Montag gekommen und haben deutlich gemacht: WIR SIND DAS VOLK "Wir lassen uns nicht in die rechte Ecke drängen.Diese Diskriminierung, der wir ausgesetzt sind, wird uns noch stärker machen.Wir sind keine Ausländerhasser!! Wir haben ein Recht, unsere Meinung kund zu tun, auch was die Asylpolitik betrifft. Wahre Kriegsflüchtlinge sind uns willkommen! Wir sprechen aus, was viele denken. Das unsere Sorgen und Ängste berechtigt sind, wissen alle! 25000 waren wir gestern in Dresden und bis man uns endlich zuhört und bis man uns ernst nimmt, werden wir weiter demonstrieren. Wir wünschen uns von der Presse gerechte Berichterstattung.Von der Politik fordern wir ein Umdenken, was die Bewertung von Pegida betrifft, denn es tut weh, wenn man uns in die rechte Ecke abschiebt!!Wir sind ganz normale Deutsche Bürger!

12.01.2015 19:03 werner 386

Die Teilnehmerzahl von 35.000 ist völlig aus der Luft gegriffen. Für so viele Teilnehmer ist der Platz viel zu klein. Aber gelogen wird schon zu lange, wenn es um Asyl und deren Folgen geht.
8.000 Teilnehmer ist realistisch. Alles andere sind Wunschträumereien.

12.01.2015 16:08 Ekkehard Kohfeld 385

@378. Zitat:"wieso man nicht gegen Pegida und gleichzeitg gegen Islamismus sein kann" das heist sie sind gegen Islamismus also auch Fremdenfeindlich oder gegen Andersgläubige dann demonstrien sie aber auf der falschen Demo,dann müßen zu den Linken gehen.
Ich bin das nicht,ich habe eine menge ausländische Arbeitskolegen
und Freunde und gegen die geht die Pegida ja garnicht,aber wer solche
Kommentare losläßt kann das ja leider nicht verstehen
Ich kann ihre Kommentar nicht verstehen,erstens Sinngemäß nicht und sonst auch nicht da wahren soviele Beleidigungen drinn,die hat der MDR alle rausgenommen,scheinbar können sie wohl nichts anders wie Beleidigungen loslassen,wie sie sich aufführen ist unterste Schublade.

12.01.2015 16:04 Der Dresdner 384

35.000 Teilnehmer auf einem Platz (Neumarkt Dresden), der nach Angaben der Stadtverwaltung nur für 10.000 Teilnehmer geeignet ist?? Danke für die unabhängige Berichterstattung, lieber MDR

12.01.2015 15:55 Kritiker 383

All die Gelder, die Polizisten,die gegenseitigen Vorhaltungen der Einen gegen die Anderen haben dann die Grundlagen verloren und es ist dann auch wirklich mal etwas worauf man danach "bauen kann"! In Erwartung endlich zu erfolgender Tatkraft werte Politiker,macht endlich etwas für Euere Einkommen was hier im Lande Sachsen,den anderen Bundesländern, Deutschlands und ganz Europa anerkennenswert ist. Ob das nun mit rechter oder linker Hand geschrieben wird bleibt glich nur etwas bewirken sollte es und ganz nebenbei würde solche Ergebnisse einer Arbeit sich auch einsparend auf die schon geringen Gelder auswirken wenn Sicherheitskräfte nicht zu Demos abgestellt werden müssen,denn diese Menschen haben oft auch noch Familien und das soll ein Appell an ALLE SEIN OB GEGEN ODER FÜR ETWAS!!!

12.01.2015 15:49 Ekkehard Kohfeld 382

Zitat:"wieso man nicht gegen Pegida und gleichzeitg gegen Islamismus sein kann" das heist sie sind gegen Islamismus also auch Fremdenfeindlich oder gegen Andersgläubige dann demonstrien sie aber auf der falschen Demo,dann müßen zu den Linken gehen.
Ich bin das nicht,ich habe eine menge ausländische Arbeitskolegen
und Freunde und gegen die geht die Pegida ja garnicht,aber wer solche
Kommentare losläßt kann das ja leider nicht verstehen
Ich kann ihre Kommentar nicht verstehen,erstens Sinngemäß nicht und sonst auch nicht da wahren soviele Beleidigungen drinn,die hat der MDR alle rausgenommen,scheinbar können sie wohl nichts anders wie Beleidigungen loslassen,wie sie sich aufführen ist unterste Schublade.

12.01.2015 14:55 Snowden 381

Wir sind alle Charlie.

Bitte mehr Respekt vor den Opfern in Paris. Das gilt auch für die Gegendemos.

Ich lehnen auch ab, dass jede Gegendemonstration „das Gedenken der Französischen trauer vereinnahmen will,
Bitte auch alle Gegendemonstrationen heute Abend absagen.

Ich drücke aber Euch die Daumen, das es bei euch noch viel bunter wird.