Mehrere Tausend Menschen folgen einem Aufruf von Pegida in Sebnitz
Vertreter des Dresdner Pegida-Bündnisses, darunter der wegen Volksverhetzung angeklagte Lutz Bachmann, zogen durch Sebnitz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sebnitz | Plauen Asylpolitik treibt wieder Tausende auf die Straße

Auch am Sonntag haben in Sachsen wieder Tausende Menschen gegen die deutsche Flüchtlingspolitik demonstriert. In Sebnitz folgten Schätzungen mehrerer Reporter zufolge etwa 2.500 bis 3.000 Menschen dem Aufruf von Pegida-Mitglied Tatjana Festerling. Die Polizei machte keine Angaben zu den Teilnehmern, dementierte die Schätzungen aber auch nicht. In Plauen folgten 5.000 Menschen dem Aufruf der Initiative "Wir sind Deutschland".

Mehrere Tausend Menschen folgen einem Aufruf von Pegida in Sebnitz
Vertreter des Dresdner Pegida-Bündnisses, darunter der wegen Volksverhetzung angeklagte Lutz Bachmann, zogen durch Sebnitz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit den bekannten "Lügenpresse", "Widerstand" und "Merkel muss weg"-Rufen zogen am Sonntag Pegida-Anhänger durch Sebnitz, teils mit Kindern, durch die grenznahe Stadt. Unter ihnen waren auch Vertreter des Leipziger Pegida-Ablegers Legida.

Festerling befürchtet "Umvolkung" der Deutschen

Auf einer Kundgebung am Waldstadion forderten die Redner, unter ihnen Tatjana Festerling, Grenzkontrollen und den Stopp von "ungehindertem Zuzug". Die ehemalige AfD-Politikerin sagte, in Sebnitz werde symbolisch die Grenze vor "Eindringlingen" gesichert. Politisch Verfolgten sollte Deutschland Schutz gewähren, Armutsflüchtlingen nicht. Festerling warf Bundesinnenminister Thomas de Maiziére Arbeitsverweigerung vor, weil er die grünen Grenzen nicht absperre. Sie erklärte weiter, die Mehrheit der Deutschen wolle keine "Umvolkung in eine europäisch-afrikanische Mischbevölkerung" und sprach erneut vom "Rassismus gegen das eigene Volk". Eine ursprünglich geplante Menschenkette entlang der Grenze zum Nachbarland Tschechien fand nicht statt.

Wie schon am vergangenen Montag gab es erneut Versuche, Journalisten einzuschüchtern. Kundgebungsteilnehmer filmten Reporter ab und forderten Herausgabe des Namens. Als diese dem nicht nachkamen, wurden ihnen "Lügenpresse"-Aufkleber an die Jacke geklebt.

Kirche Sebnitz mit stillem Protest

Der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh kritisierte die Pegida-Kundgebung. "Man kann geteilter Meinung sein, was nicht funktioniert", sagte Ruckh dem MDR SACHSENSPIEGEL. "Aber einfache Antworten auf schwierige Fragen gibt es nicht." Die evangelische Kirche in Sebnitz hatte an ihrer Tür, zum Zeichen des stillen Protests gegen Pegida, bunte Bändchen angebracht. Pfarrer Michael Schleinitz erklärte, er habe kein Verständnis, dass sich so viele Menschen der Demonstration anschließen. In Sebnitz seien bereits zahlreiche Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht. Bisher gebe es keine Probleme.

5.000 Menschen in Plauen, auch aus Oberfranken und Thüringen

Tausende Menschen schließen sich einer Kundgebung "Wir sind Deutschland" an
In Plauen hat sich die Zahl der Teilnehmer innerhalb von zwei Wochen verhundertfacht - von 50 auf 5.000. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Plauen hat sich die Zahl der Kundgebungsteilnehmer im Vergleich zur Vorwoche verdoppelt. Nach Schätzungen der Polizei folgten rund 5.000 Menschen dem Kundgebungsaufruf der Initiative "Wir sind Deutschland". Unter ihnen waren auch Teilnehmer aus Oberfranken und Thüringen. Ein Plauener Gastwirt hatte die Kundgebungen ins Leben gerufen - zum Auftakt vor zwei Wochen kamen 50 Menschen.

Die Redner kritisierten einerseits das geplante Freihandelsabkommen TTIP. Die Einfuhr amerikanischen Saatgutes sowie der Wegfall der Kennzeichnungspflicht auf Lebensmitteln gefährde die Verbraucher, hieß es. Weitere Redner, darunter ein ehemaliger Chef der Bundespolizei Klingenthal, forderten ein verschärftes Asylgesetz, in dem schneller als in den vorgesehenen fünf Monaten über Asylverfahren entschieden wird. Die Plauener Initiative wehrt sich gegen einen Vergleich mit Pegida. Immerhin - pressefeindliche Kommentare waren bisher nicht zu hören.

Proteste auch in Görlitz und Einsiedel

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2015, 23:41 Uhr

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266 Kommentare

06.10.2015 22:46 Mediator 266

@262. buergerx: Sehen Sie die Situation wie sie ist: Die Flüchtlinge sind nun einmal da. In Europa und in Deutschland! Neben all den Belastungen sollte man deshalb auch Chancen sehen die sich auftun. Diese Menschen wurden nicht als Gastarbeiter gerufen wie sie es hier unterstellen.... Das "Mittelalter", dass sie hier pauschal der Kultur der Flüchltlinge unterstellen liegt bei uns auch nur knapp hinter dem Horizont. Diktaturen hatten wir a la NSDAP und SED, der Mann bestimmte auch in der BRD eine lange ob die Ehefrau arbeiten oder einen Führerschein machen darf und Vergewaltigung gab es in der Ehe per se erst mal nicht. Persönlich würde ich die Bälle sehr flach halten was die eindeutige kulturelle Überlegenheit Europas angeht. Natürlich können sich auch Flüchtlinge an unsere Regeln anpassen. Dies bedeutet nicht, eigene kulturelle Identität aufgeben zu müssen.

06.10.2015 22:20 Mediator 265

@261. ralf meier: Ich bringe es einmal auf den Punkt: .. Wer wirklich glaubt Merkel hätte die aktuelle Situation ausgelöst und es wurde Jahre vorher nichts verkehrt gemacht, der hat wirklich keine Ahnung von Ursachen und Zusammenhängen. Natürlich ist es nun für alle bequem so zu tun, als hätte Merkel die Krise ausgelöst, aber es waren viele schuld. 1.) Wir Bürger: Teilweise sind wir wohl zu uneinsichtig, als dass uns aufgeklärte Politiker unbequeme Warheiten zumuten können. (500 Mio Euro für Flüchtlingslager? - Vor einem Jahr nicht zu vermitteln!).. 2.) Die Politiker: Staatsmänner mit Visionen gibt es immer weniger. Üblicherweise wird auf kurzfristige Wahlerfolge geschielt. .... Aber klar nun ist Frau Merkel schuld und die Stammtischredner hier haben nicht mal die Power eine Krisensituation unseres Landes mittelfristig zu schultern bis Lösungen gefunden und wirksam werden. Besonders lachhaft ist es aber, wenn diese Jammer-Demonstranten sich als Vorreiter der Demokratie sehen.

06.10.2015 22:00 Earnest Hooton 264

@263 Wieso, dürfen das nur Gegen"demonstranten"?

06.10.2015 21:05 Jens Baumann 263

Wichtig zu wissen: Einige der HauptorganbisatorInnen dieser "Grenzschützeraktion" kommen aus Hessen, namentlich Kassel. Auch viele DemonstrantInnen hatten einen weiten Weg hinter sich...

06.10.2015 20:34 buergerx 262

@174. Mediator: zu1.) natürlich gibt es einen demografischen Wandel, mir erschließt sich nur nicht, warum dem ZWINGEND mit Zuwanderung aus KULTURFERNEN Ländern begegnet werden muss. In der EU gibt es viele Millionen Arbeitslose, die deutlich unproblematischer zu integrieren sind. Oder geht es nur um billige Arbeitskräfte oder Multi-Kulti-Wahn? zu2: in diesem Punkt werden sich Ost und West wohl nie einig, ich würde sagen eine Win-Win-Situation. zu3: die genannten Verfehlungen der Christen sind JAHRHUNDERTE her, ich habe keinen Bedarf, mir hier mittelalterliches Denken einzubürgern, wenn auch neuzeitlich mit Smartphones "bewaffnet" zu4: Ich sehe die Migration dieser Menschen nicht als gottgegeben, sondern als hausgemacht an und es ist nicht MEINE Aufgabe, hier in Mitteleuropa Moslems zu sozialisieren, kultivieren etc., Viel Spaß Ihnen dabei, falls Sie es tun sollten, ich enthalte mich der Integration komplett.

06.10.2015 19:52 ralf meier 261

@ 257. Mediator: Die deutsche Regierung hat die Registrierung in Deutschland tatsächlich nicht ohne Not gestopt . Sie hat sie schlimmer überhaupt erst für die grosse Menge der Flüchtlinge entgegen den verbindlichen EU Regeln erlaubt. Es gab im Vorfeld alle Möglichkeiten, den Zuzug in Absprache mit den Grenzländern zu regeln. Dort und nicht in Deutschland hätten die Einwanderer registriert werden müssen. Aber unsere Regierung puschte den Zuzug noch mit unhaltbaren Versprechungen 'es gibt keine Obergrenze' und mit Videofilmen, die die Vorzüge einer Registrierung in Deutschland für jeden Einwanderer ersichtlich machten ' . Henryk M. Broder sprach zurecht vom 'Werbefilm für das gelobte Asylland Deutschland'. Weitere konstruktive Vorschläge aus der Pegidaecke (Stichwort Hilfe vor Ort Einwanderungsgesetz alla Kanada) möchte ich mir Ihnen gegenüber schenken, da sie schon die im letzten Post genannten einfach ignorieren und lieber weiter polemisieren und beleidigen.

06.10.2015 19:29 Nachdenkender 260

Hallo, sind wir uns nicht alle einig, dass den Flüchtlingen aus Krisengebieten geholfen werden muss? Nur, wer hat die deutschen Bürger über das ob und wie gefragt? Angst..?? Ja, klar. Wo soll diese "Merkelche Asylpolitik hinführen?" Taschengeldauszahlung etc. Sorry, die Menschen benötigen Unterkünfte, Essen und mediz. Versorgung. Taschengeld oder sonstige finanz. Zuwendungen absolut fehl am Platz. Kosten auch ohne hoch genug. Warum nicht zeitnah arbeiten? Sind doch alle hochqualifiziert (nicht meine Meinung). Wir werden sehen. Ich hoffe und wünsche uns, dass wir diese Dinge positiv durchzustehen.

06.10.2015 19:02 Earnest Hooton 259

"...dass die Straßen sehr schnell leer sein werden" Ach so, wie in Nordkorea...? Na dann...!

06.10.2015 18:37 Heinrich Nasenbaer 258

@247. Ganz einfach: Ins nächste Gefängnis. Und wenn Sie in den USA erlebt haben, wie die Cops dort für Ordnung sorgen, wissen Sie, dass die Straßen sehr schnell leer sein werden. Keiner will vom Pferd getroffen werden, wenn die Reiterstaffel einen Rädelsführer aus der Menschenmenge herauspickt. Fahrzeuge querstellen? Sofort ersatzlos einziehen.

06.10.2015 18:37 Mediator 257

@252. ralf meier: Deutschland hat natürlich völlig ohne Not die Registrierung von Flüchtlingen vorübergehend gestoppt - oder? Was glauben Sie was passiert, wenn tausende von Menschen plötzlich auf wenige Behördenvertreter treffen und es zu tagelangen Verzögerungen kommt? Natürlich hat PEGIDA passende Lösungsvorschläge, die auch noch frenetisch bejubelt werden - warum nur ist dieser Bachmann nicht schon längst Bundeskanzler? Ach ja - vielleicht weil er wenig mehr zu sagen hat als "Ausländer mag ich generell nicht und überhaupt kosten die nur viel Geld"