Ein Wasserwerfer der Polzei sprüht Wasser auf eine Straße, auf der lauter Pflastersteine herumliegen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ausnahmezustand wegen Demonstrationen Linksextreme Krawalle wegen rechter Demo in Leipzig

Gewaltbereite Demonstranten aus der linksextremistischen Szene haben einen Aufmarsch von knapp 150 Neonazis in Leipzig zum Anlass für Ausschreitungen genutzt. Ein Großaufgebot der Polizei konnte die Gewalt nicht verhindern. Die Sicherheitskräfte wehrten sich mit Tränengas gegen Übergriffe und gingen mit Wasserwerfern gegen die Randalierer vor. Oberbürgermeister Jung sprach von "offenem Straßenterror".

Ein Wasserwerfer der Polzei sprüht Wasser auf eine Straße, auf der lauter Pflastersteine herumliegen
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Im Leipziger Süden ist es am Samstag zu Ausschreitungen mutmaßlich linksextremistischer Demonstranten gekommen. Anlass war ein von Rechtsextremen angemeldeter Sternmarsch. Dieser war vom Ordnungsamt aus Sicherheitsgründen auf eine einzige Strecke worden, die am Ende nur noch 550 Meter lang war. Die Organisatoren von der "Offensive für Deutschland", der Partei "Die Rechte" und Thügida hatten für jeden Demonstrationszug 400 Teilnehmer angemeldet. Nach Angaben der Initiative "Durchgezählt" kamen am Ende jedoch insgesamt nur 130 bis 150 Anhänger zum Treffpunkt am Rand der Leipziger Südvorstadt.

An zehn Protestdemos und Kundgebungen gegen den rechten Aufmarsch beteiligten sich dagegen "Durchgezählt" zufolge mindestens 2.500 Menschen. Die Initiative sprach allerdings von einer vorsichtigen Schätzung, da die Lage sehr unübersichtlich gewesen sei. Die meisten dieser Demonstranten protestierten friedlich, eine linksextremistische Minderheit war dagegen offensichtlich auf Krawall aus.

Mehr als 40 Polizisten und etliche Demonstranten bei Ausschreitungen verletzt

Die Polizei war schon im Vorfeld von einem hohen Gefahrenpotential ausgegangen und sicherte die Demonstrationen deshalb mit acht Hundertschaften ab, darunter auch Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern. Noch vor Beginn des Marschs der Rechten kam es zu ersten Ausschreitungen und Übergriffen. Demnach hatten mutmaßlich linksextremistische Demonstranten Sicherheitskräfte attackiert und sie mit Steinen und Pyrotechnik beworfen. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Schlagstöcken und Tränengas. Beobachter berichteten von einer demolierten Bushaltestelle, eingeschlagenen Schaufensterscheiben und umgestürzten Glascontainern. Die Polizei sprach von einer bedrohlichen Stimmung in der Leipziger Südvorstadt.

Tränengas-Patronenhülsen liegen auf einer Straße
Tränengaspatronen auf der Straße zeugen von der Gewalttätigkeit der Auseinandersetzungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der rechte Aufmarsch war nach gut anderthalb Stunden schon wieder beendet und löste sich schnell auf. Mitorganisator Thügida rief die Teilnehmer auf, ins thüringische Eisenberg zu fahren und dort den Protest fortzusetzen. In Leipzig nahmen unterdessen die Ausschreitungen der offensichtlich gewaltbereiten Linksextremisten an Härte zu. So wurden auf mehreren Straßen Barrikaden errichtet und angezündet sowie Mülltonnen in Brand gesteckt. Ein MDR-Reporter sprach von einer Spur der Verwüstung auf der Karl-Liebknecht-Straße. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die Randalierer ein. Eine Sprecherin sagte am Abend dem MDR, bei den Auseinandersetzungen seien mehr als 40 Beamte und etliche Demonstranten verletzt worden. Genauere Zahlen lagen zunächst nicht vor.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sagte zu den Ausschreitungen, hier seien Kriminelle am Werk gewesen, die vor nichts zurückschreckten. Das sei offener Straßenterror. Damit würde der so wichtige, friedliche Protest gegen Neonazis diskreditiert und letztlich verhindert, kritisierte der SPD-Politiker.

Mehrere Brände gelegt

Geschäft mit zerschlagenen Fensterscheiben
Über den Straßen im Leipziger Süden standen Rauchsäulen, es gab zahlreiche eingschlagene Schaufensterscheiben. Bildrechte: Alex Greiner

In den vergangenen Tagen hatte sich die Situation schon in den sozialen Netzwerken aufgeheizt. Da war die Rede von "Connewitz in Schutt und Asche legen" oder "Nazis durch die Straßen jagen". In einem Appell, den Ex-Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff veröffentlichte, hieß es dagegen: "Wir bitten alle herzlich und dringend, den Grundsatz der friedlichen Revolution zu beachten: Keine Gewalt!".

Bei einer ersten Gegendemonstration gegen den rechten Aufmarsch am Freitagabend hielten sich die Teilnehmer noch daran. Doch schon wenige Stunden später legten am Samstagmorgen Unbekannte mehrere Brände. Nach Angaben der Polizei brannten in den Stadtteilen Südvorstadt und Connewitz an mehreren Stellen Autoreifen sowie Container. Außerdem sei auf einem Fabrikdach ein Lagerfeuer entzündet worden. Ein Zusammenhang mit den am Nachmittag folgenden Demos war zunächst nicht sicher, wurde aber vermutet. Ein weiterer Zwischenfall wurde dagegen möglicherweise von Anhängern des rechten Lagers verursacht. Nach Angaben der Linkspartei wurde eines ihrer Büros attackiert. Dabei sei ein Sachschaden in Höhe von rund 5.000 Euro entstanden.

Prominente Ingewahrsamnahme

Demonstrationen leipzig 12.12.15  - Festnahme Lothar König
Pfarrer Lothar König wird in Leipzig festgenommen. Bildrechte: MDR/ Daniel Schrödel

Am Rande der Gegendemostrationen am Samstag wurden mehrere Menschen in Gewahrsam genommen. Einer der Betroffenen war der Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König. Wie ein Polizeisprecher MDR THÜRINGEN bestätigte, wurde er wegen Landfriedensbruch und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorübergehend festgesetzt. MDR-Informationen zufolge war er mit seinem Kleinbus auf eine Polizeisperre zugefahren und hatte erst wenige Meter davor gestoppt. Zudem soll sich König an einer Sitzblockade beteiligt haben.

Am Abend wurde der Pfarrer wieder auf freien Fuß gesetzt. Anschließend sagte er einem MDR-Reporter, er sei - kurz bevor er in Gewahrsam genommen wurde - von einem Polizisten ins Gesicht geschlagen worden. Vorausgegangen sei ein Gerangel um den Autoschlüssel seines Kleinbusses. Wörtlich sagte König dem MDR-Reporter: "Und da habe ich auch schon einen richtig so voll in die Fresse bekommen."

Pfarrer König war 2011 schon einmal ins Visier von Polizei und Justiz geraten, damals wegen seiner Teilnahme an den Protesten gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Dresden. Damals soll er zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen haben. König wurde wegen schweren Landfriedensbruchs angeklagt. Im Herbst 2014 stellte das Amtsgericht Dresden das Verfahren gegen Zahlung von 3.000 Euro ein.

Aktuelle Informationen zur Lage in Leipzig im Ticker

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2015, 21:53 Uhr

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307 Kommentare

16.12.2015 23:48 UL . . . Krawalle für eine bessere (moderne) Welt? 307

Deutschland rühmt sich, eines der besten Bildungssysteme aufweisen zu können. Ich schätze sogar, dass die Sozialarbeiterdichte in Deutschland (bezogen auf 1000 Einwohner) eine der größten in der ganzen Welt ist . . . . und dann soll es nicht gelingen, 1000 Chaoten, meist noch im jugendlichen Alter, in die Gesellschaft zu integrieren. Hier sollte sich das Politestablishment in Deutschland mal Gedanken darüber machen, welche Zielstellungen mit der Integration eigentlich verbunden sind und ob unser Bildungssystem womöglich Schwächen aufweist. Bildung , so höre ich in diesen Tagen immer wieder, ist der wesentlichste Faktor bei der Umsetzung von Integrationszielen. Zum Beispiel Toleranz, Respekt gegenüber andersdenkenden Menschen oder Achtung vor dem, was andere Erschaffen haben, das wären solche Integrationsziele. Bei den etwa 1000 Krawallmachern in Leipzig jedenfalls hat das nicht funktioniert - Warum, wäre jetzt meine Frage ?

16.12.2015 18:44 Schrumpel 306

@304, Frau Mensah-Schramm: Grüßen Sie Ihren Kumpel Mediator, hindern Sie Ihn oder sich selbst vom Steine werfen, geben Sie privat Flüchtlingen Unterkunft ! Dann hätten Sie genug zu tun und müssten hier nicht Ihren geistigen Unverstand ablassen ! Herzliche Grüße

16.12.2015 13:56 Norbert Heinrichs 305

Scheinbar leiden hier einige unter Profilneurose, welche Heldentat Schmierereien zu übertünchen. Es wäre viel wichtiger Ursachenforschung ohne Schuldzuweisungen und blinden linken Auge zu betreiben. Randale ist Randale, völlig egal von wem und da gehören ohne Unterschied alle die daran beteiligt waren für bestraft. Wir hier in M.gladbach haben Jahrelang permanent Salafistenhaßprediger beherbergt bis dann die Bürger selber (friedlich) gegen diese Leute in ihrem Viertel vorgegangen sind. Jetzt ist zum Glück Ruhe im Schacht. Meine Meinung ist, das der Islam hier nicht hin gehört, auf Grund des Verhalte dieser Extremisten. Sie benutzen unser Grundgesetz um Ihre Scharia zu integrieren.

15.12.2015 10:10 Irmelaq Mensah-Schramm 304

@301: Oh Schrumpelchen, ich habe sogar gemeinsam mit Schülern und Lehrern in Gegenwart des Schulpaten, einem Bürgermeister in seiner Stadt NS-Schmierereien übermalt! Wenn "linke Schmierereien zu Mord aufrufen, beseitige ich diese sicher auch,aber da kommt äußerst selten vor im Gegensatz zu all den widerlichen rassistischen, antisemitischen und muslimfeindlichen Hassparolen. Ich habe wohlgemerkt einen Eid auf diesen Staat als "öffentliche Angestellte" abgelegt,- dies auch dafür, "die Demokratie zu schützen und Schaden abzuwehren" und dies nehme ich wörtlich und ernst, vermutlich im Gegesatz zu "Schrumpelchen"! Ich würde es gern mal erleben, dass diese Staatsmacht aber auch mit der gleichen Härte gegen die widerlichen Naziaufmärsche vorgeht. Mit erklärte mal eine Polizistin, die ich wegen Nazibedrohung gegen mich gerufen hatte, dass ihr die Nazis lieber seien...

14.12.2015 23:29 Irmela Mensah-Schramm 303

@ 295 Kathrinchen Na, ist wohl mehr als daneben, mich als "Faschistin" zu bezeichnen. Ich denke mal, dass eine Unkenntnis zu Rosa Luxemburg vorliegen muss. Die würde sich sogar deswegen mit Sicherheit im Grabe umdrehen. Rosa hatte sich nie für eine "Rechte" Gesinnung eingesetzt oder diese verteidigt. Daher: voll daneben! Ich bin es "gewohnt" als "Linksfaschistin" beschimpft zu werden, weil ich den neonazistischen Propagandadreck zerstöre, was Ihnen sicher auch nicht passt, aber ich tu es weiter.

14.12.2015 21:40 ole (ch) 302

Haben die Leipziger nach 25 Jahren schon vergessen wie DEMOKRATIE gelebt wird? Wo ist der Respekt geblieben? Respekt vor Werten, Gütern, Menschen und Anschauungen? Behandele deinen Gegenüber so, wie du es selbst erwartest behandelt zu werden! Mit dieser Einstellung bin ich bisher sehr gut zurecht gekommen, aber ich bekomme ein mulmiges Gefühl, wenn ich daran denke, dass ich in näherer Zukunft wieder nach Sachsen zurückkehren möchte. Wenn antifaschistischer Kampf so aussieht, müsste man ja schon wieder anti-antifaschistischen Kampf betreiben. Was hätten wir dann? (die Negation der Negation) Auch wenn ich all die Kommentare hier lese...bis auf wenige Ausnahmen...RESPEKT ??? ---Vielleicht bin ich zu altmodisch

14.12.2015 20:41 Schrumpel 301

an 294, Teil 2: Und ich hofffe, Sie haben die linken Schmierereien auch beseitigt. Aber solche Leute wie Sie tragen eine Mitschuld an den Ereignissen in Leipzig und deswegen hoffe ich, das Sie nicht mehr im Schuldienst sind !

14.12.2015 17:31 Helmut 300

@295 Hallo Katharina ich verstehe nicht ganz.. werfen Sie Irmela eine faschistoide Haltung vor? oder warum das Zitat von Rosa L...?

14.12.2015 17:17 Helmut 299

am 31.12. ist traditionell auch gern Krawall in Leipzig. Mal sehen ob Herr Jung aus den Krawallen vom 12.12. die Konsequenzen zieht.

14.12.2015 16:47 Helmut 298

was mich aber noch mehr verwundert ist, daß keine reflexhaften Kommentare der Herrschaften Roth, Maas oder Schwesig zu hören sind. Vielleicht wollen die auch nichts sagen. Oder bedeutet das Schweigen gar Zustimmung ? naja!