Bundesweiter Aktionstag : Millionen Menschen beim Denkmal-Tag
Einmal im Jahr lädt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zum Tag des offenen Denkmals ein. Mit der Aktion sollen historische Bauten bekannter gemacht und gleichzeitig gezeigt werden, dass trotz Milliarden Euro von Fördermitteln zahlreiche Denkmale vom Verfall bedroht sind. Für die Besucher standen an diesem Sonntag tausende Bauten offen.
Über vier Millionen Menschen haben sich am Sonntag am "Tag des offenen Denkmals" beteiligt. Das gab die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bekannt. Mehr als 7.500 historische Gebäude konnten bundesweit erkundet werden. Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte bei dem zentralen Festakt in Bremen, Denkmale machten die Städte unverwechselbar. Sie stifteten Identität, vermittelten Heimat und seien ein guter Wirtschaftsfaktor.
Allein in Mitteldeutschland hatten die Veranstalter am Sonntag in hunderten Kirchen, Fachwerkhäusern sowie Parkanlagen spezielle Führungen angeboten. Auch wurden Burgen, Rittergüter oder Gefängnisse geöffnet, die in der Regel nicht zu besichtigen sind. Diesjähriges Motto beim Aktionstag: Holz. "Ein zentraler Baustoff, seit Menschengedenken", begründete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ihre Auswahl.
Thüringen: Schlösser, Klöster, Gottesacker
Thüringen hatte den Denkmaltag schon am Samstag und damit einen Tag früher als alle anderen Bundesländer eingeläutetet. Beim Festakt in Eisenberg lobte Kultusminister Christoph Matschie Thüringen als eines "der denkmalreichsten Länder Deutschlands". Rund eine halbe Milliarde Euro sei seit der Wende in die Denkmal-Pflege geflossen. Neben den weltbekannten Stätten der Weimarer Klassik, dem Bauhaus und der Wartburg gebe es eine Fülle noch zu entdeckener Denkmalschätze. Knapp 1.000 historische Bauten konnten am Sonntag thüringenweit besucht werden. Das Spektrum reichte von Schlössern, Klöstern, Windmühlen, Bauernhäusern bis hin zu Archiven.
Das Kultusministerium erwartete rund eine Million Besucher. Ob sich die Erwartungen erfüllt haben, ist bislang nicht bekannt. Geöffnet war u.a. das Augustinerkloster Erfurt, das Ende des 13. Jahrhunderts erbaut wurde und in dem Martin Luther für einige Jahre als Mönch lebte. Auch der Gottesacker in Buttstädt im Kreis Sömmerda stand Besuchern offen. Auf dem Friedhof – angelegt im 16. Jahrhundert – gibt es Grabmale verstorbener Kaufleute im unterschiedlichstem Stil: Renaissance, Barock, Klassizismus, Romantik und Biedermeier. Der "Reichen-Friedhof" verwundert nicht, denn Buttstädt war im späten Mittelalter eine betuchte Stadt, die damals an der wichtigen Handelsstraße Via Regia lag. Heute ist der Ort im Weimarer Land nahezu unbekannt.
Sachsen: Vom Ständehaus bis Bergwerkstollen
In Sachsen kamen Tausende Interessierte zu Führungen durch Fachwerk-und Umgebindehäuser sowie durch Holzhäuser. Laut Görlitzer Denkmalschutzbehörde standen die Besucher schon seit dem Morgen Schlange. Auch in Dresden und Leipzig berichteten die Veranstalter von großem Besucherandrang. So konnte man im Ständehaus in der Dresdner Altstadt Einblicke in die Restaurierung eines spätgotischen Holzaltars nehmen. Im erzgebirgischen Geyer stand das einzig erhaltene Privathaus von Baumeister Hieronymus Lotter für Besucher offen, ebenso eine Reihe ehemaliger Bergwerksstollen und eine ehemalige Böttcherfabrik. Über 720 Denkmale gehörten am Aktionstag zum sächsischen Programm, darunter auch das Kino UT (Union-Theater) Connewitz. Im November wird der gleichnamige Verein, der sich für den weitgehend originalgetreuen Erhalt des 100 Jahre alten Kinos einsetzt, den Deutschen Preis für Denkmalschutz erhalten.
Sachsen-Anhalt: Besuch auf dem Gottesacker gewünscht?
In Sachsen-Anhalt präsentierten sich knapp 600 Bauwerke am Denkmal-Tag, darunter Fachwerkhäuser aus der Weltkulturerbe-Stadt Quedlinburg oder die St.-Marien-Kirche in Stendal. Das Gotteshaus, das Anfang des 15. Jahrhunderts entstand, hat ein Kirchenschiffdach aus Holz. Ein Baustoff, von dem auch das Stendaler Rathaus reichlich zu bieten hat. Es öffnete am Sonntag seine Tore, weil es Deutschlands älteste profane Schnitzwand beherbergt. In Wörlitz wurde der über 200 Jahre alte historische Gasthof "Eichenkranz" nach jahrelanger Sanierung wieder eröffnet. Die Gastwirtschaft gehört zum Dessau-Wörlitzer Gartenreich, das auf der Liste des Weltkulturerbe steht. Die Veranstalter in Sachsen-Anhalt sprachen von Tausenden Interessierten. Ministerpräsident Reiner Haseloff mahnte an, beim Erhalt der Kulturlandschaft seien alle in die Pflicht genommen.
Experten sehen massiven Renovierungsstau
Deutschlandweite Koordinatorin des Aktionstages ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Sie nutzt seit 1993 das Ereignis, um Denkmale bekannter zu machen und, um sich für ihre Bewahrung einzusetzen. Denn vielerorts bereiten vom Verfall bedrohte denkmalgeschützte Häuser den Experten Sorgen. Die "Vereinigung der Landesdenkmalpflege" sieht den Denkmalbestand vor allem in wirtschaftsschwachen ostdeutschen Regionen bedroht, weil dort das Geld fehle. In Ballungsräumen müssten hingegen die historischen Bauten lukrativen Neubauten weichen. Die Folge: Denkmalschwund in Stadt und Land.
Kulturstaatsminister Neumann warnte am Sonntag vor der Entwicklung, dass in den vergangenen Jahren vor allem in "Leuchttürme unserer Kultur" investiert worden sei. Laut Landesdenkmalpflege sind jedoch die Mittel für den Erhalt regional bedeutsamer Monumente in den vergangenen Jahren eingebrochen. Das führe teils zu dramatischen Situationen. In Thüringen öffneten am Sonntag beispielsweise die barocke Schlossanlage Crossen im Osten Thüringens oder das Jagdschloss im Saale-Holzland-Kreis. Sie wollten damit auch daran erinnern, dass ihr Baubestand akut gefährdet ist. Eine Lösung hat man dort noch nicht gefunden.
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