Frauen steigen in einen Regionalexpress
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Übertriebenes Sicherheitsdenken? Aufregung um geplante Frauenabteile in Zügen

Frauen steigen in einen Regionalexpress
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Die von der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) geplanten Frauenabteile sorgen weiter für viel Diskussionsstoff. Der mobilitätspolitische Sprecher der Linken im Sächsischen Landtag, Marco Böhme, sprach am Dienstag von einem Skandal. "Wir sind nicht mehr im Mittelalter oder am Anfang des 20. Jahrhunderts", erklärte Böhme in Dresden. "Was kommt als Nächstes - getrennte Bahnhofshallen? Einkaufszentren? Schwimmhallen?"

Kleine Anfrage an die Staatsregierung

Böhme räumte Probleme mit Sexismus in Zügen ein. Dagegen helfe aber nur eine "engagierte Zivilgesellschaft". "Gegen spezielle Bereiche für das  Spielen mit Kleinkindern […] wäre nichts einzuwenden", so Böhme. "Das aber ist ein ganz anderer Ansatz als der Plan der Regiobahn, der die Gesellschaft in eine Sackgasse führt." Böhme hat inzwischen eine Kleine Anfrage an die Staatsregierung eingereicht. Er will einerseits wissen, welche Kenntnis das sächsische Verkehrsministerium von dem Vorhaben hatte, wie es dazu steht und ob andere Verkehrsverbünde Ähnliches planen. Zum anderen fordert Böhme Aufklärung über die Entwicklung der Übergriffe in Zügen und an Haltepunkten.

Wir leben in einer aufgeklärten Zeit. Geschlechter-Trennung gehört zurück ins Mittelalter. 

Marco Böhme, mobilitätspolitische Sprecher der Linken im Sächsischen Landtag

Umrüstung schon bald geplant

Die Mitteldeutsche Regiobahn hat in der vergangenen Woche angekündigt, auf den Zügen zwischen Leipzig und Chemnitz spezielle Frauenabteile einführen zu wollen. Diese sollen allein reisenden Frauen sowie Müttern mit Kindern zur Verfügung stehen. In jedem Zug der Regional-Expresslinie RE6 sollen in den kommenden Wochen jeweils zwei Frauenabteile eingerichtet werden. Damit wolle das Unternehmen das Sicherheitsgefühl der weiblichen Fahrgäste stärken, hieß es.

Die beiden Abteile werden im mittleren Wagen direkt neben den Ruhezonen sowie dem Dienstabteil zu finden sein. "Die örtliche Nähe zum Kundenbetreuer ist dabei bewusst gewählt", hieß es weiter.

Uns ist es sehr wichtig, dass sich die Fahrgäste in unseren Zügen zu jedem Zeitpunkt sicher und wohl fühlen. Das gilt besonders für allein reisende Damen und Mütter mit kleinen Kindern.

Dirk Bartels, Vorsitzender MRB-Geschäftsführung

In den sozialen Netzwerken sorgte das Vorhaben für viel Gesprächsstoff. Hier eine kleine Auswahl von Tweets zu diesem Thema:

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2016, 20:39 Uhr

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139 Kommentare

01.04.2016 00:17 NN 139

Eigentlich ist es noch viel schlimmer: Eine Frau, die sich, dort hinsetzt wo die Platzreservierung sie hin verschlägt, erklärt sich ja quasi zum Freiwild durch Nichtbenutzung des Frauenabteils. Nach dem Motto: "Wenn du nicht angeglotzt werden willst, geh doch ins Frauenabteil"? Wie reisen Paare- getrennt, da Frau im Normalabteil sitzt und Mann nicht im Frauenabteil erlaubt ist. Wird das Betreten des Frauenabteils durch Männer unter Strafe gestellt? Dürfen Männer Fahrkarten im Frauenabteil kontrollieren? Wenn nicht Einer, sondern 15 Männer das Frauenabteil "stürmen", sind ja dort nicht einmal Männer da, um diese zu schützen.---Nicht die Frauen müssen sich einigeln, sondern deren Belästiger vom Transport ausgeschlossen werden. Punkt

31.03.2016 21:37 Querdenker 138

Geschlechtertrennung und das auch in Zügen kennt man aus z.B. Saudi Arabien, Indien, Vereinigte Arabische Emirate, Indonesien. Hier geht es denke darum Geld zu sparen und zwar bei der Sicherheit. Der Kunde bekommt dafür eine Scheinsicherheit erdacht von Wirtschaftspsychologen. Wenn kaum Sicherheitspersonal im Zug und auf Bahnhöfen da ist, wird so ein Abteil nur wenig bringen. Sie sollten die Abteile lieber mit Videoaufzeichnung ausrüsten, dann kann man eventuelle Täter gut überführen und *das Problem auch an der Wurzel packen*. In Berlin wird das demnächst auch bei der S-Bahn gemacht, zusammen mit *durchgängig begehbaren* Zügen (siehe „RBB S-Bahn Wagen präsentiert Weiterhin rot-gelb aber mit mehr Komfort“ und „Innere Sicherheit Datenschützer kritisiert Pläne zu Videoüberwachung in Zügen“)

31.03.2016 21:05 Hubert 137

@134 ilona salzmann 31.03.2016 19:59 - Was ist das denn nun wieder "Allen Hetzern muss ich sagen, ihr seid alles Männer." Könnte von Alice stammen. Die meiste Gewalt findet von Männern an Männern statt. Was hat das mit Demokratie zu tun? Was ist mit alleinreisenden Männern mit Kind? Wenn Du dich "angeglotzt" fühlst, warum sagst Du nicht: Glotz mich nicht so blöde an. Warum fühlen sich Frauen als Opfer? Frauen können auch Täter sein. Schau mal in die Statistik, wer seine Kinder tötet. Männer sind es wenige. Wie können "alleinreisende Frauen" "an unserer Gesellschaft teilnehmen", wenn sie sich in einen Schutzraum abkapseln? Überprüfe mal, ob du nicht an einem Verfolgungswahn leidest.

31.03.2016 21:00 Hans Wurst 136

Mitfahren, reinsetzen, diskriminierend behandelt werden, deswegen klagen. Dürfte klappen. Der Islamisierung darf nicht so eingach nachgegeben werden!

31.03.2016 20:52 Christine Lange 135

Wozu Frauen-abteile? Ich fühle mich in einem Großraumabteil auf jeden Fall sicherer als in einem Einzelabteil. Wenn man wie angekündigt auf der Regional-Expresslinie RE6 alte DDR Schnellzugwagen einsetzen will, ist das doch nur Augenwischerei. In diesen Wagen gibt es überwiegend nur Einzelabteile. Es bedeutet einen großen Rückschritt für die Bahnfahrer. Wozu wurde dann überhaupt diese Strecke auf Nighe-Technik umgebaut?

31.03.2016 19:59 ilona salzmann 134

Ich begrüße es sehr, dass es Frauen- und Mutter-mit-Kind-Abteile gibt. Sie wurden geschaffen auf Wunsch der Fahrgäste. Damit alleinreisende Frauen ganz selbstverständlich an unserer Gesellschaft teilnehmen können, ist es eine gute Sache, sie zu schützen. Allen Hetzern muss ich sagen, ihr seid alles Männer. Was wisst ihr, wie man sich als Frau fühlt, wenn man vom Gegenüber schamlos angeglotzt wird. Wer sich nicht dorthin begeben möchte, muss das nicht tun. Das ist für mich Demokratie. Du kannst, aber du musst nicht. Außerdem gibt es auch Frauenparkplätze.

31.03.2016 19:51 Hubert 133

@127 O-Perler 31.03.2016 17:12 - Karl-Marx-Stadt wurde auch umbenannt. Wo gibt es ein Schweinefleisch-Verbot? St.-Martins-Umzüge sollten ohne weiteres in Lichterfest umbenannt werden. Nur die Katholen verehren Heilige, die Evangelen nicht. Mehr als Drittel gehört keiner dieser Vereine an. Was spricht dagegen? Dein "Kurzschluß im ideologischen System?" - Im Übrigen geht hier um geplante Frauenabteile in Zügen. Hat alles nichts mit dem zu tun, wo Du dich da reinsteigerst. Kein Wort findest Du davon im obigen Artikel. (Nur zu Deinem Verständnis: Melioration = Massnahme zu Fruchtbarmachung von Böden, Mediator = (Ver-)mittler.)

31.03.2016 19:50 wertemensch 132

Auf dem Nil fahren kopftuchbedeckte Frauen selbst in Minibooten getrennt von den Männern. Noch Fragen? 80% Inder Umfrage sind folgerichtig dagegen!

31.03.2016 19:35 Ines Sämann 131

War doch klar, dass sich die Empörungsbeauftragten und Tugendwächter unserer Gesellschaft gleich wieder lauthals zu Wort melden müssen und Argumente wie Diskriminierung und Mittelalter durch die sozialen Medien plärren. Es muss sich doch keiner in das Frauenabteil setzen, wenn er sich dort ausgegrenzt fühlt. Daraus gleich wieder eine Gleichberechtigungsdabatte zu machen, halte ich für lächerlich und wird diesem Serviceangebot der Bahn auch nicht gerecht.

31.03.2016 19:30 Silvia Geißler 130

Darüber sollten allein nur Frauen abstimmen!!! Wir Frauen fühlen uns zeitweise in Zügen nicht mehr sicher, vor allem aufgrund der vielen unbekannten Männer, die sich in unserem Land befinden. Ich fände es gut, wenn sich diese Abteile in der Nähe des Zugpersonals befänden. Es ist sicher ein Schritt zurück, aber in der heutigen Zeit zu überlegen! So weit sind wir gekommen!

Fakten zur Mitteldeutschen Regiobahn

Fakten zur Mitteldeutschen Regiobahn

* Linien RE 6 Leipzig-Chemnitz und MRB 113 Leipzig-Geithain
* ab 12.6.: Linien RB 110 Leipzig-Döbeln, RE 3 Dresden-Hof, RB 30 Dresden-Zwickau, RB 45 Chemnitz-Elsterwerda
* 7,8 Mio. Zugkilometer
* über 300 Mitarbeiter