Sachsen

Erinnerung an die Opfer der Bombenangriffe in Dresden : Menschenkette als Mahnung gegen Krieg und rechte Gesinnung

Mit einem Meer aus Lichtern und stillem Gedenken hat die Stadt Dresden an den Jahrestag der Zerstörung ihrer Stadt erinnert - und an die Opfer des Feuersturms, der am 13. Februar 1945 um 21.45 Uhr begann. Mit einer kilometerlangen Menschenkette setzten 13.000 Dresdner ein Zeichen gegen Rechts. Befürchtete Ausschreitungen blieben allerdings aus. Ein Aufmarsch von Neonazis wurde am Abend vorzeitig beendet. Tausende Demonstranten hatten eine Abkürzung der Marschroute erzwungen.

Menschenkette und Lichtermeer vor der Dresdner Frauenkirche.
Menschenkette und Lichtermeer vor der Dresdner Frauenkirche.

Dresden hat der Opfer der anglo-amerikanischen Bombenangriffe vom 13. bis 15. Februar 1945 gedacht. Um 21:45 Uhr, dem Beginn der ersten Angriffswelle vor 67 Jahren, läuteten alle Glocken in der Stadt. Auf dem Neumarkt entstand ein Meer aus 10.000 Kerzen, das sich zum Bild einer großen Kerze fügte. Auch Bürgermeister Dirk Hilbert entzündete eine Kerze und sprach Gedenkworte. Bis in die Nacht hinein bestand in den Kirchen Dresdens weiter die Gelegenheit zum stillen Gedenken.

Bildergalerie: Der 13. Februar 2012 in Dresden

Ein Polizist und Menschen mit Transparenten während einer Demonstration am 13. Februar 2012 in Dresden. Menschen während einer Demonstration am 13. Februar 2012 in Dresden vor der sogenannten "Mutschmann-Villa". Demonstranten mit Transparenten am 13. Februar 2012 in Dresden.

In Dresden ist am Montag an die Opfer der Bombenangriffe von 1945 erinnert worden. Die zahlreichen Aktionen blieben weitgehend friedlich. Sehen Sie hier einige Bilder vom Tag. [Bilder]


Menschenkette schließt sich um Innenstadt

Am frühen Abend hatten rund 13.000 Dresdner mit ihren Gästen eine Menschenkette gebildet. Unter Glockengeläut schlossen sie um 18 Uhr für 15 Minuten einen schützenden Ring um die historische Altstadt.

Zeitgleich wurde auch im Internet ein symbolischer Ring gebildet: Auf der Facebookseite Dresdens reihten sich nach Angaben der Stadt mehrere Hundert Internetnutzer in eine virtuelle Menschenkette ein. Dresdens Bürgermeister Hilbert sagte, "unsere Stadt steht fest zusammen, mit Mut, Respekt und Toleranz.

In den friedlichen Protest reihten sich unter anderen Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), die Grünen-Politiker Claudia Roth, Cem Özdemir, Renate Künast und Jürgen Trittin, der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sowie die Linken-Bundesvorsitzende Gesine Lötzsch ein. Sie wollten mit den anderen in der Menschenkette ein stilles Zeichen der Trauer um die Opfer der Bombardierung sowie der Mahnung gegen Krieg und Zerstörung setzen. Zugleich sollte der Ring auch ein Protest gegen den Missbrauch dieses Ereignisses durch Rechtsextreme sein, die auch dieses Jahr wieder einen Fackelmarsch angemeldet hatten.

Befürchtete Ausschreitungen blieben allerdings aus. Ein Aufmarsch von 1.600 Neonazis wurde am Abend vorzeit beendet. Tausende Gegendemonstranten hatten sich zu Protesten formiert und so eine Abkürzung der Marschroute erzwungen. Ein Großaufgebot der Polizei sorgte dafür, dass ein direktes Aufeinandertreffen der Demonstranten nicht zustande kam.

Friedliches Gedenken in Dresden

Neben Dresdenern und Politikern erheben auch Kulturschaffende ihre Stimme gegen Rechts. Bundespolitiker der Grünen beteiligen sich am Gedenken zum 13. Februar in Dresden. Einigen Menschen gehen die Mahnwachen und Gedenkfeiern gegen die Rechtsextremisten nicht weit genug. Mit eigenen Transparenten brachten sie ihren Unmut zum Ausdruck.

Zahlreiche Dresdner Bürger und Politiker trafen sich in Dresden um eine Menschenkette zu bilden. Gestartet wurde vor dem Rathaus, weiter ging es über den Altmarkt und bis zur Augustusbrücke. Bilder sehen Sie hier. [Bilder]


AG "13. Februar" zufrieden

Zu der Aktion aufgerufen hatte die überparteiliche städtische Arbeitsgruppe "13. Februar". "Wer sich anschickt, anderen die Hand zu reichen, hört auf, die Faust zu ballen", mit diesen Worten hatte ihr Moderator, der Theologe Frank Richter, die Menschenkette begründet. Im MDR äußerte er sich dann auch sehr zufrieden mit dem Ablauf: "Das ist der 13. Februar wie ich ihn mir gewünscht habe". Mit Blick auf die Opfer sprach Sachsens Justizminister Jürgen Martens, der auch teilgenommen hatte, von einem weithin sichtbaren Signal dafür, dass in Dresden kein Platz für Rechtsextreme sei, die sich auf deren Rücken profilieren wollten.

Spuren des 13. Februar 1945 in Dresden

Die Dresdner Frauenkirche Beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche nicht wieder verwendetes Bruchstück der Steinkuppel Originales Turmkreuz der Dresdner Frauenkirche

In der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 wurde fast die gesamte Innenstadt von Dresden durch Luftangriffe angloamerikanischer Bomber zerstört. Welche Spuren sind fast 70 Jahre später noch zu sehen? [Bilder]


Kerzen, weiße Rosen und Täterspuren

Weiße Rosen auf dem Heidefriedhof – für die Opfer des Bombenangriffs der Alliierten vom 13. Februar 1945.
Weiße Rosen statt Kränze - darum hatte die Stadt gebeten.

Schon am Mittag hatten sich etwa 100 Menschen zu einer Andacht in der Frauenkirche versammelt. Sie beteten für Frieden und Versöhnung und zündeten unter dem aus den Trümmern geborgenen ursprünglichen Turmkreuz Kerzen für die Opfer des Infernos an. Pfarrer Holger Treutmann erinnerte auch an die vielen Zerstörungen, die von Deutschland ausgingen. Mit Blick auf den angemeldeten Aufmarsch von Rechtsextremisten forderte er ein Zeichen der Gegenwehr: "Wir müssen etwas tun, hier ist kein Raum für rechtsextremistisches Gedankengut."

Menschen während einer Demonstration am 13. Februar 2012 in Dresden vor der sogenannten Mutschmann-Villa.
Eine "Täterspur" führte zum früheren Wohnhaus von Martin Mutschmann, 1925 bis 1945 Gauleiter von Sachsen.

Später wurde auf dem Heidefriedhof offiziell der etwa 25.000 Menschen gedacht, die bei den vier Angriffswellen der Bomber starben. Viele legten weiße Rosen nieder, die Stadt hatte darum gebeten, auf Kränze zu verzichten. Anders als in den Vorjahren blieben Rechtsextreme der Veranstaltung fern. NPD-Vertreter hatten bereits am Vormittag Kränze niedergelegt. Im vergangenen Jahr hatten sich noch rund 100 Rechte unter lautstarkem Protest linksgerichteter Demonstranten unter die Teilnehmer gemischt. Außerdem beteiligten sich in der Innenstadt rund 1.500 Menschen am Mahngang "Täterspuren", unter ihnen die Linken-Bundesvorsitzende Gesine Lötzsch. Sie suchten Orte auf, an denen Nazis in Dresden gewirkt hatten. Mit der Veranstaltung wurde daran erinnert, dass Dresden im Zweiten Weltkrieg auch eine Hochburg der Nazis war.

Menschenkette Dresden

Aufruf zur friedlichen Gegenwehr: Ulbig mit Lage in Dresden zufrieden

Die Deeskalationstrategie der Dresdner Polizei ist aufgegangen. Die Demonstrationen zum 13. Februar verliefen friedlich – wenngleich nicht ganz wie gedacht: Der Neonazi-Fackelzug war kürzer als geplant. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2012, 12:31 Uhr

139. zeus:
ist es schon aufgefallen, dass das Kriegsszenario im Deutschen Fernsehen erst 1990 auf Touren kam? Bis 1989 gab es scheinbar keinen 2. Weltkrieg. Aber nach der Einheit ging es damit richtig los. Und bis zum heutigen Tag, seit über 20 Jahren werden wir zu Kriegszeugen gemacht. Da ist doch ein friedlicher Demonstrationszug der NPD, der sich in seinem Wesen auf die Dresdner Opfer konzentriert und hier zur Staatkatastrophe hochgepeitscht wird, sehr harmlos.
15.02.2012
20:24 Uhr
138. Boebachter:
Völlig richtig. Dem MDR an dieser Stelle ein Dankeschön, dass er zu diesem Thema eine Diskussion zugelassen hat, die noch dazu recht ausgewogen erscheint!
15.02.2012
11:30 Uhr
137. ein Norddeutscher:
Ich habe absolut nichts gegen die Ehrung der umgekommenen Menschen in Dresden, finde aber, dass der zusammen 25.000 Opfer in Swinem�nde und Kolberg in der �ffentlichkeit zu wenig gedacht wird.
15.02.2012
10:47 Uhr
136. Robby:
Ich muss dem MDR Sachsen mein volles Kompliment aussprechen,das Forum hier ist absolut Demokratisch weil jeder hier seine freie Meinung auesern kann ohne grasse zensur,sehr selten in D eine positive entwiklung,ausgezeichnet. Wenn ich dann kommentare lese wie, ich werde den MDR Anzeigen,???diese leute haben kein Demokratie verstaendniss,und sind das eigentliche problem,nach dem Motto ich kann alles sagen aber andere nicht.!!!!
14.02.2012
18:26 Uhr
135. Wehe den Ärgernisgebern:
Ein Schäflein sagt mal einem einfältigen Pfarrer: Jeder Depp kann sich ausmahlen, mit welchen Leuten ein Paradies gebaut und auch auf ewig erhalten werden kann. Nicht mit solchen, welche eine solche Stadt so zerstören und auch nicht mit solchen, die so dreckig mit den Opfern umgehen, Amen!
14.02.2012
18:24 Uhr
134. Ein Deutscher:
Die Bombardierung Dresdens war eine Katastrophe, deren Opfer es verdient haben, würdig betrauert zu werden. Ihre Verhöhnung durch pauschale Schuldzuweisungen ist nicht "links", sondern menschenverachtend. Da wirken demonstrative Ehrungen würdevoller - auf den ersten Blick. Tatsächlich ist die Menschenverachtung hier nur perfider. Wer aber der NS-Ideologie zustimmt, - für den zählen Opfer überhaupt nur, soweit sie nichtjüdische Deutsche sind, und auch die - nicht als Individuen (von nahestehenden Personen abgesehen), sondern, getreu dem Spruch "du bist nichts, dein Volk ist alles" lediglich als Stellvertreter des dt. Volkes, und - als Propagandawaffe, um NS-Deutschland als eigentliches Opfer hinzustellen ("Bombenholocaust") Hierzu paßt gut, daß NS-Gauleiter im Osten lange Zeit die Flucht bei Todesstrafe verboten. Eine aus NS-Sicht rationale Entscheidung: Eine halbtot vergewaltigte Frau mit ermordeten Kindern war nützlicher als eine gerettete Familie als zusätzliche Esser.
14.02.2012
17:46 Uhr
133. Rudolf Wenzel:
Oft ist zu lesen, Hitler oder "die Nazis", das ließt sich dann so als ob es um Außerirdische ging. Und dann kamen die Bomber und haben Unschuldige getötet. Aber es haben nicht "die Nazis" Juden verfolgt und getötet, es haben auch nicht "die Nazis" den Krieg begonnen. Es waren u.a. mein Großvater und meine Großmutter, die weggesehen haben und mitgemacht haben. Auf jeden Fall nichts dagegen unternommen. Gegen "Wollt ihr den totalen Krieg" haben sie und ihre Nachbarn und Freunde auch nichts unternommen. Mir sind Steine werfende Linksradikale deutlich lieber als all jene, die in jedem System funktionieren und mitmachen. Das Gesetz hat das Töten im NS nicht untebunden, aber den Widerstand gegen das Töten. Max Horkheimer schrieb "Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen", darum sollte über Links nicht im Sinne des rechtskonservativen Jessen geurteilt werden.
14.02.2012
15:00 Uhr
132. Robert:
@andreas: ohne die Gegendemonstrationen würden sich wahrscheinlich immer noch jedes Jahr 6000 Nazis in Dresden versammeln, das tuin sie nicht mehr seit es Menschen gibt die sich ihnen seit zwei Jahren mit Massenblockaden in den Weg stellen.
14.02.2012
14:47 Uhr
131. Andreas:
Endlich wir hatten wieder den 13.02. . Tausende sind wieder auf die Straße gegangen und haben zusammen mit den Medien den Nazis eine wunderbare Bühne gegeben. Bitte gebt den Nazis auch in einem Jahr wieder die Bühne und die Aufmerksamkeit die sie brauchen. Um so mehr Nazis werden Jahr für Jahr zusätzlich motiviert zu kommen. Ohne diese Aufmerksamkeit würde der 13.02. sicherlich immer noch ein Thema sein aber es würde merklich einschlafen. Mit dieser Aufmerksamkeit wird es mit jedem Jahr schlimmer werden. Ein Bravo an alle Gegendemonstranten...
14.02.2012
14:00 Uhr
130. Rudolf Esel:
@Hans-Wolfgang herbst: Jaja die alte leier, Linke und Rechte sind das gleiche. Nur das die einen ein 4. Reich errichten wollen in dem alle andersdenkden unterdrückt, Terrorisiert und wahrscheinlich auch ermordet werden würden. die anderen wollen eine bessere Welt, gerechteren umgang mit ALLEN Menschen, keine Kriege mehr und kämpfen für ein Leben das sich lohnt gelebt zu werden. Sin ja alles die gleichen, sche*ss auf Ihre bürgerlichen Scheuklappen. Das was in Dresden passiert ist ist schlimm und man sollte auch nie vergessen das da unschuldige umgekommen sind. Aber es war Krieg, es war ein Krieg gegen das Volk, genauso wie ihn Hitler damals führte.
14.02.2012
13:36 Uhr

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