Wahlkampfendspurt in Sachsen Frauke Petry und die Frage: Wer sind die Deutschen?

Die AfD will Tacheles reden. Beim Wahlkampfabend vor 300 Zuhörern in Klipphausen besinnt sich Frauke Petry auf die Antike, Aufklärung und die EU-Gründerväter. Ein Rückblick-Marathon, der in die Zukunft weisen soll.

AFD Wahlkampf Petry Groitzsch
Voll besetzte Tisch im "Groitzscher Hof". Bildrechte: MDR/Kathrin König

Carsten Hütter ist AfD-Direktkandidat für den Wahlkreis Meißen. Für seinen Wahlkampf hat er sich an diesem Abend prominente Unterstützung ins Haus geholt. Gemeinsam mit Sachsens Spitzenkandidatin Frauke Petry hat er in den Landgasthof "Groitzscher Hof" nach Klipphausen eingeladen. Der Saal ist voll. Hütter schätzt, dass nur ein kleiner Teil von ihnen Partei-Mitglieder sind und "70 Prozent neugierige Bürger".

Diese haben zuerst Hütters zehn Thesen gehört, in denen er den Euro abschaffen will, sich gegen Bürokratie und die Klima-Wende ausspricht. Das Asylrecht müsse reformiert werden, ebenso der Rundfunk und das Bildungssystem. Das müsse man voranbringen. Wie genau das aussehen soll, erklärt Hütter am Abend nicht.

Es braucht nicht nur Studierte im Land.

Carsten Hütter AfD-Direktkandidat für den Landkreis Meißen
AFD Wahlkampf Petry Groitzsch
Direktkandidat Carsten Hütter (li.) neben Parteichefin Frauke Petry. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Er setzt bei der Lehrlingsausbildung in Deutschland auf das duale System. "Handwerklich geschickte Leute müssen genauso gefördert werden, wie die, die später mit dem Kopf arbeiten." Es brauche nicht nur Studierte im Land. Das kommt gut an am im Gasthof.

Höflicher Applaus nach 15 Minuten, als die sächsische AfD-Spitzenkandidatin Frauke Petry den Saal betritt und an langen Tischreihen vorbeigeht. "Schatzi", wie Petry den Schatzmeister Carsten Hütter später nennen wird, bringt seine Thesen rasch zu Ende. "Der Islam ist nicht mit Deutschland vereinbar. Mehr möchte ich dazu nicht sagen."

AFD Wahlkampf Petry Groitzsch
Frauke Petry bei ihrer 50-minütigen Wahlkampfrede, die zeitweise einer Uni-Vorlesung glich. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Solche Sätze wird Frauke Petry ihrer 50-minütigen Rede nicht sprechen. Sie stellt als zentrale Frage, wer die Deutschen sind. Für die Antworten zur Leitkultur holt die 42-Jährige aus, von der Antike über die Aufklärung bis zur Friedlichen Revolution im Herbst 1989.

Um den Wert deutscher Kultur und Innovationskraft darzulegen, wähnen sich die Zuhörer zeitweise in einem Proseminar zur Literaturgeschichte. Petry bemüht für ihre Begriffe von Identität und Freiheit Walther von der Vogelweide ebenso wie Luther, Kirchenlied-Komponisten, Goethe und Haydn, den Komponisten der deutschen Nationalhymne. Kernpunkt ist für Petry die Rückbesinnung auf die eigene Identität, die wichtig sei, um die Zukunft zu gestalten. Denn Deutschland habe die Welt kulturell und künstlerisch bereichert.

Damit kommt die promovierte Chemikerin zu ihren Themen: keine unkontrollierte Zuwanderung, der Dieselskandal dürfe nicht auf Kosten des Innovationsstandortes gehen. Immerhin gehörten "deutsche Dieselmotoren zu den besten der Welt". Die traditionelle Familie solle nicht weiter abgewertet werden. Daher auch kein Adoptionsrecht für Homosexuelle. Applaus im Wirtshaussaal, nachdem es bei den historischen Exkursen zuvor recht ruhig geblieben war.

Wir haben noch kein Rentenkonzept.

Frauke Petry AfD-Spitzenkandidatin für Sachsen

Abschließend spricht sich Frauke Petry für ein Europa aus, das den Nationalstaaten Handlungsfreiheit lässt und zurückkehrt zu den Wurzeln der Gründerväter Adenauer und de Gaulles. Die hätten wenigstens ihre Identität gekannt.

AFD Wahlkampf Petry Groitzsch
Sachsens AfD-Spitzenkandidatin im Fokus von Fans und Fragenden. Bildrechte: MDR/Kathrin König


In der Fragerunde fürchten zwei Besucherinnen um den Frieden in der Welt. Sie hätten in Petrys Rede die Haltung zur Außenpolitik der AfD und zu Russland vermisst. Petrys Antwort hört sich fast merkelhaft beschwichtigend an. Sie bittet um "Augenmaß, nicht aus Kritik an den Amerikanern unverholen den Russen zuzujubeln. Wir möchten eine Politik des Ausgleichs".

Ein anderer Zuhörer fragt Petry nach dem AfD-Rentenkonzept. "Ehrlicherweise haben wir noch keines", antwortet sie ihm mit Verweis auf die anderen Parteien, die auch kein Allheilmittel hätten.

Man muss auch mit unliebsamen Parteien sprechen.

Besucher Erich Haug aus Meißen

"Auf viele Probleme hat die AfD keine Lösungen. Aber man hat das Gefühl, man geht ehrlich damit um", meint Erich Haug am Ende des Abends. Der Meißner war zum ersten Mal bei einer AfD-Veranstaltung. Er hatte sich schon andere Spitzenkandidaten angesehen und findet, die AfD habe viele Wahrheiten ausgesprochen. Für Haug ist es unverständlich, dass andere Parteien wie CDU und SPD die AfD kategorisch ablehnen oder ihr das Wort entziehen wollen. "Wenn eine Partei demokratisch gewählt wird, muss man auch mit unliebsamen Parteien sprechen."

Quelle: MDR/kk

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 13.09.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 12:12 Uhr

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42 Kommentare

16.09.2017 10:30 Mediator @41 42

Legen Sie mir keine Worte in den Mund die ich nie gesagt habe! Die Zielsetzung eines Studiums ist aber eine ganz andere als die in der Schule. Natürlich kann man auch an der Uni den Stoff in sich hineinfresse, auswendig lernen und kurzfristig wiedergeben, aber helfen wird einem das nur bedingt bei der Bewältigung realer Probleme im realen Leben. Vor allem dann nicht, wenn man diese Probleme nicht als Aufgabenstellung vorgelegt bekommt, sondern sie evtl. eigenverantwortlich antizipieren will.

Natürlich ist es am Anfang ein Riskiko sich ohne Abschluss ins Berufsleben, aber es sind ja nicht alle Menschen Angsthasen.

Politiker ist übrigens kein Lehrberuf. Hier kommt es auf andere Qualitäten an. Ob ein studierter Arzt, der wie Philipp Rösler bei der Bw gelernt hat einen besseren Einblick ind Gesundheitswesen hat, das kann man bezweifeln. Rühe udn Scharping schickten als ungediente Soldaten in den Einsatz. Sein zweites Staatsexamen als Lehrer hat Rühe dabei sicher sehr geholfen.

15.09.2017 15:56 @ Mediator 40 41

Danke für die Aufklärung.
Nun wissen wir endliich, dass ein Studium abzubrechen selbstverständlich zu einer besseren und qualifizierteren Abgeordnetentätigkeit führt!

15.09.2017 08:28 Mediator 40

@ Moni(34): Glauben sie wirklich die zentrale Qualifikation die man mit einem Studium erwirbt ist der Abschluss? Glauben sie wirklich, dass man z.B. im Lehramtsstudium Englisch lernt das Verteidigungsministerium zu führen? An einer Universität lernt man den strukturierten Umgang mit Wissen und dessen Anwendung. Was nutzt Frau Petry ihr Abschluss, wenn sie diesen mangels anderer Qualifikationen nicht erfolgreich nutzen kann und sie Insolvenz Anmelden muss?

@Bert(39):Sie legen das typische AfD Geschwafel an den Tag wenn es um Opposition geht! Eine Opposition ist nicht dadurch gekennzeichnet, dass diese Partei weder in Land noch Bund in der Regierung beteiligt ist. Im föderalen System unseres Landes ist ein und dieselbe Partei in unterschiedlichsten Rollen und auch Loyalitäten in Bundestag, Bundesrat, und Landtagen vertreten. Nur weil die AfD dort niergendwo etwas zu melden hat macht des diese Partei nicht zur einzigen Opposition. Vor allem sollte eine Opposition ein Programm.

14.09.2017 21:53 Bert 39

Der Wert der AfD liegt vor allem darin, daß mit ihr endlich wieder eine Opposition im Deutschen Bundestag existiert. Das sollten alle bedenken, die die Partei noch für unreif halten.

14.09.2017 21:29 WegWeiser 38

@37 - also man kann eher Menschen vertrauen, die die Wahrheit suchen, statt solchen wie Frau Weidel, die sich lediglich einbildet, diese gefunden zu haben. Man kann tun was man will, man kann aber nicht wollen was man will.

14.09.2017 21:09 @ WegWeiser 36 37

Selbstverständlich ist eine Frau Weidel den von Moni 34 genannten Damen in jedem Fall vorzuziehen!

14.09.2017 20:47 WegWeiser 36

@34- sind Ihnen die Steuerflüchtige, Bankenkrisenverantwortliche Weidel oder die Insolvenzqueen Petry da lieber? Oder vielleicht Frau Mühsal, derzeit vor Gericht wegen Betrugs. Usw. Usw. @30- die Herrschaften trugen AfD Fahnen und wer solch eloquentes Publikum gerne anlockt erhält deren Zuneigung nicht von ungefähr. Lügen, Betrügen und Difarmieren. Die Kernkomoetenzen der Naive für Deutschland.

14.09.2017 20:17 Caroline 35

und dank Frau Nahles droht nun eine massive Altersarmut.

ihr beklagt die Konzeptlosigkeit, noch schlechter kann es die AfD doch gar nicht machen.

14.09.2017 19:55 Moni 34

@ 32, das können wir beim Namen nennen:
- Frau Katrin Dagmar Göring-Eckardt: Studium abgebrochen
- Frau Claudia Roth: Studium abgebrochen.
usw usw

14.09.2017 19:51 Caroline 33

also, die AfD ist erst mal an nichts schuld was auf Bundesebene passiert ist, sie waren ja noch nicht im Bund vertreten.

was eventuell passieren kann, sind bis jetzt nur Spekulationen und Kaffeesatz lesen.