zwei Frachter auf der Elbe
Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart

Panzer im Einsatz Frachter "Albis" wieder in der Spur

zwei Frachter auf der Elbe
Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart

Das an der Dresdner Albertbrücke havarierte Lastschiff "Albis" ist wieder auf Kurs. Mit Hilfe tschechischer Bergungspanzer wurde der Frachter freigeschleppt. Die "Rettungsaktion" dauerte gerade mal sechs Minuten. Der Erfolg der Aktion wurde von Dutzenden Schaulustigen mit Beifall bedacht. Nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes war es die schwerste Havarie auf der Elbe seit 1978 als ein Motorgütergüterschiff vor der Marienbrücke die Durchfahrt versperrte.

Zwei Kettenfahrzeuge an beiden Elbufern und ein Schleppkahn auf der Elbe zogen das Schiff am Montag wieder längs zum Fluss in die Fahrrinne. Die Uferbereiche wurden dazu weiträumig abgesperrt, da die Stahlseile unter hoher Spannung standen. Die "Albis" konnte ihre Fahrt in den Heimathafen nach Tschechien ohne größere Schäden fortsetzen.

Bergungspanzer in Dresden angekommen
In der Nacht zum Montag rückten die Bergungspanzer aus Tschechien in Dresden an. Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Frachter musste erst entladen werden

800 Tonnen Salz im Laderaum des Frachters hatten die Bergung kompliziert gemacht. Um den Tiefgang von 1,90 Metern auf 40 Zentimeter zu reduzieren, musste das Schiff in den vergangenen Tagen zunächst entladen werden. Am Sonntag wurde die letzte Tonne aus dem Bauch des Frachters geräumt. Dabei kamen in den vergangenen Tagen zwei Saugbagger, zwei Frachtschiffe und ein Schiffsbagger aus Tschechien an der Albertbrücke zum Einsatz.

Elbe wieder für den Schiffsverkehr frei

Bei der Untersuchung der Flusssohle der Elbe unmittelbar nach der Bergung wurden keinen Schäden festgestellt. Das Wasser- und Schifffahrtsamt gab die Elbe etwa zwei Stunden nach der Abfahrt der"Albis" wieder für den Schiffsverkehr frei. Seit der Sperrung vor einer Woche warteten in Häfen in Tschechien und Deutschland viele Schiffe auf die Weiterfahrt. Die Sächsische Dampfschiffahrt musste ihre Routen ändern. Gestoppt wurde auch ein Flusskreuzfahrer mit US-amerikanischen Passagieren an Bord. Statt Melnik am Zusammenfluss von Elbe und Moldau bekamen die Reisenden ein Besichtigungsprogramm rund um Dresden geboten. Laut Wasser- und Schifffahrtsamt waren die wirtschaftlichen Ausfälle hoch. Wie viel die Bergung kostet, ist noch unklar. Dafür müsse der Reeder des havarierten Frachters gerade stehen.

Bildergalerie Bergung der havarierten "Albis"

Die "Albis" konnte eine Woche nach der Havarie an der Albertbrücke mit einem Schlepper und zwei Räumpanzern freigeschleppt werden. Die Aktion dauerte nur wenigen Minuten. Danach konnte der Frachter die Fahrt fortsetzen.

Ein Frachtschiff liegt quer vor einer Brücke.
Das Frachtschiff "Albis" lag nach einer Havarie knapp eine Woche quer vor der Albertbrücke. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart
Ein Frachtschiff liegt quer vor einer Brücke.
Das Frachtschiff "Albis" lag nach einer Havarie knapp eine Woche quer vor der Albertbrücke. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart
Frachter Albis wird auf der Elbe freigeschleppt
Am Montag wurde die "Albis" mithilfe von zwei Bergungspanzern und einem Schlepper wieder in die Fahrrinne gezogen. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart
Frachter Albis wird auf der Elbe freigeschleppt, im Blid Schaulustige
Viele Schaulustige kamen an die Elbe, um die außergewöhnliche Aktion zu beobachten. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart
Frachter Albis wird auf der Elbe freigeschleppt
Pünktlich 12 Uhr wurde mit der Bergung begonnen ... Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart
Frachter Albis wird auf der Elbe freigeschleppt
... und innerhalb weniger Minuten konnte die "Albis" in die Fahrrinne gezogen werden. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart
zwei Frachter auf der Elbe
Die schnelle und erfolgreiche Bergung des Frachtschiffs wurde von den Schaulustigen beklatscht. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart
zwei Frachter auf der Elbe
Knapp zwei Stunden nach dem Freischleppen konnte die Elbe wieder für den Schiffsverkehr freigegeben werden. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart
Frachter Albis wird auf der Elbe freigeschleppt
Während des Freischleppens kontrollierte zu Polizei am Land und auf dem Wasser den Arbeitsbereich des Schleppers und der Räumpanzer. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart
Frachter Albis wird auf der Elbe freigeschleppt
Die Bergungspanzer wurden von der technischen Rettungseinheit der tschechischen Feuerwehr zur Verfügung gestellt. Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart
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Statik der Brücke wird geprüft

Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, dass während der Havarie keine Schadstoffe ausgetreten seien. Das Umweltamt der Stadt Dresden überwache die Havariestellen, das Landesamt die Gewässergüte der Elbe.

Die Stadt Dresden geht davon aus, dass am Gemäuer der Albertbrücke durch den hohen Druck des Schiffskörpers mit Schäden zu rechnen ist. Allerdings bestehe keine Gefahr für die Statik des Bauwerks, das derzeit noch saniert wird, hieß es aus dem Rathaus. Die Brücke soll jetzt noch genauer untersucht werden. Die "Albis" war vergangenen Montag aus bisher nicht restlos geklärten Gründen havariert und wurde von der Strömung gegen die Brückenpfeiler gedrückt.

Ein Elbkahn ist am 2. März 1902 an der Albertbrücke in Dresden havariert
Havarien auf der Elbe bei Dresden gab es schon viele - doch dieses Bild vom 2. März 1902 erinnert an die heutige Situation, allerdings mit einem unglücklichen Ausgang - der 71 Meter lange Elbkahn war mit Kohlen beladen. Bildrechte: Verkehrsmuseum Dresden

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2016, 19:31 Uhr

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13 Kommentare

22.03.2016 22:36 Rainer Rüdiger 13

Glückwunsch zur erfolgreichen Bergung des Motorschiffs - kaum zu glauben, dass die Albert-Brücke alles unbeschadet überstanden hat! Es wurde immer wieder von der größten Schiffshavarie auf der Elbe seit 1978 erzählt. Bitte was ist damals passiert?

22.03.2016 12:13 Ein THW-Helfer 12

Es gibt Situationen, da müsste auch das THW passen. Wir haben zwar Räumtechnik, die ist aber nicht auf diese Größen- & Kraftverhältnisse angelegt. Des Weiteren sollte Mensch sich mit den Aufgaben des THW und den rechtlichen Grundlagen für einen Einsatz beschäftigen. Hier ist keine unmittelbare Gefahr im Verzug gewesen und Menschenleben waren nicht in Gefahr. Die Verantwortung dürfte beim Wasser- & Schifffahrtsamt gelegen haben. Die werden dem Reeder dann Optionen für die Bergung vorgelegt haben, aufgrund dessen er möglicherweise eine Idee hatte, wie er das kostengünstiger hinbekommt. Das ist alles im Konjunktiv, da ich nicht dabei war. Wo ich mir sicher bin ist der Fakt, daß hier definitiv keine Situation der Gefahrenabwehr oder gar der Katastrophe vorgelegen hat. Darum kein Blaulicht, kein THW oder Bundeswehr, wenn doch wären es kostenpflichtige wirtschaftliche Leistungen gewesen, wo Bergungsfirmen auch mitreden wollen.

22.03.2016 09:56 auch ein Ossi 11

@Ossi und andere: Könnte es evtl. sein, dass die Herkunft der Bergetechnick etwas mit der Herkunft des Havaristen zu tun hat?
Im Übrigen hat man nicht tagelang auf die Panzer gewartet, sondern die Ladung gelöscht. In den ersten Versuchsaufbau vom Mittwoch hatte sich wohl ein Rechenfehler eingeschlichen.

22.03.2016 08:17 Stefan Schuster 10

Bewährte deutsche Technik (Pionierpanzer "Dachs") hätte hier genauso zum Erfolg geführt; das nächstgelegene Pionierbataillon liegt in Gera und hätte sicherlich auch relativ schnell im Zuge der "Amtshilfe" aktiv werden können. Die gewählte Lösung ist aber wahrscheinlich einfach nur die - für den Reeder bzw. seiner Versicherung - günstigere Variante. Letztendlich zählt, dass die Elbe wieder frei ist.

22.03.2016 07:19 Oldie 9

Jaja armes Deutschland,wie war das nochmal "einsatz der bergetechnick der bundeswehr muss erst mit dem amt für umwelt geklärt werden" wer sol denn das bezahlen?
Da lassen wir doch lieber die tschen rein,kein problem die sind ja umweltfreundlich.

21.03.2016 22:26 Hardy 8

Der Bergepanzer auf dem Foto ist ein T72.
Die NVA hatte 120 Stück (Bergepanzer T55AM/T55TK), fast alle wurden verschrottet. Die Tschechen haben es richtig gemacht, erleichtert die Feuerwehrarbeit sehr.
Habe so einige Einsätze im Raum Spremberg mitgemacht. Waldbrände, Zugunglück, Bergungsarbeiten in Schwarze Pumpe, und und..

Es grüßt ein Ex Berge- und Kranpanzerfahrer der
7 PzD IB7.

21.03.2016 22:19 Ossi 7

Zum Glück ist das Schiff wieder frei und es ist nichts schlimmeres passiert.
Traurig ist nur, das bei so einer ,, geringen Katastrophe,, weder ein THW , Katastrophenschutz oder die Bundeswehr zur Beseitigung in der Lage war. Das macht mir Angst, bei wirklichen Katastrophen.

21.03.2016 20:13 Jasmundus 6

@Iljuschin, ich bin froh darüber, dass der Frachtkahn nun wieder freigekommen ist. Es ist doch vollkommen egal, welche Technik da eingesetzt wurde. Insofern kann ich BOB verstehen. Er hatte sicher seine Erfahrungen mit dieser Technik gehabt und die kann man mit sarkastischen Bemerkungen nicht wegreden.
Glück auf! und Ahoi!

21.03.2016 18:36 Iljuschin 5

Hallo, BOB!
Willkommen in der technischen und politischen Neuzeit.
Wenn es Sie immer noch zu Yakowlev, Tupolev, Kamov und Mil zieht, wissen Sie bestimmt, wohin Sie aufzubrechen
haben.

21.03.2016 17:50 Bob 4

Wieder einmal muss bewährte russische Technik helfen. Wenn ich mich nicht täusche sind die Bergepanzer ehemalige Kriegstechnik auf T55 Basis. Hätten wir zu DDR Zeiten im Pionierbatallion in Pirna stationiert. Da hätte man nicht tagelang warten müssen. Was hat eigentlich unser vielgerühmtes THW zu bieten?

Bildergalerien

Lastkahn legt sich an Elbbrücke quer

Ein Großmotorgüterschiff liegt auf der Elbe in Dresden quer zur Strömung an einer Elbbrücke.
Auf der Elbe in Dresden durfte seit Montagabend kein Schiff mehr fahren. Wegen einer Havarie des Großmotorgüterschiffs (GMS) "Albis" hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden den Fluss auf sechs Kilometer Länge komplett gesperrt. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
Ein Großmotorgüterschiff liegt auf der Elbe in Dresden quer zur Strömung an einer Elbbrücke.
Auf der Elbe in Dresden durfte seit Montagabend kein Schiff mehr fahren. Wegen einer Havarie des Großmotorgüterschiffs (GMS) "Albis" hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden den Fluss auf sechs Kilometer Länge komplett gesperrt. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
Ein Großmotorgüterschiff liegt auf der Elbe in Dresden quer zur Strömung an einer Elbbrücke.
Die 80 Meter lange GMS "Albis" hatte laut Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden 800 Tonnen Salz geladen und war am späten Montagabend flussaufwärts in Richtung Tschechien unterwegs, als der Unfall passierte. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
Ein Großmotorgüterschiff liegt auf der Elbe in Dresden quer zur Strömung an einer Elbbrücke.
Nachdem der Lastkahn unter der Albertbrücke in Dresden durchgefahren war, geriet er aus der Fahrrinne, legte sich quer und wurde von der Strömung gegen die Brückenpfeiler gedrückt. Die Ursache für die Havarie ist noch unklar. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
Ein Großmotorgüterschiff liegt auf der Elbe in Dresden quer zur Strömung an einer Elbbrücke.
Der tschechische Frachter lag seitdem an der Albertbrücke fest - genau vor den beiden für die flussauf- und abwärtige Schifffahrt freigegebenen Brückenbögen. Ob die Albertbrücke Schaden genommen hat, kann erst festgestellt werden, wenn der Frachter weggeschleppt wurde. Die 139 Jahre alte Elbquerung wird derzeit generalsaniert. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
Zwei Schleppschiffe liegen auf der Elbe vor der Altstadtkulisse von Dresden vor Anker
Am Mittag trafen der Heckradschlepper "Beskidy" und das Großmotorgüterschiff "Vera" aus Tschechien sowie das Schubschiff "Rio 2" aus Riesa ein. Sie sollten die "Albis" mit vereinten Kräften freischleppen. Zwei Versuche schlugen allerdings fehl. Bildrechte: MDR/Roland Halkasch
Ein Großmotorgüterschiff liegt auf der Elbe in Dresden quer zur Strömung an einer Elbbrücke.
Das Wasser- und Schifffahrtsamt will nun das havarierte Schiff leichtern. Das heißt, ein Teil oder die gesamte Ladung Salz soll umgeladen werden, um den aktuellen Tiefgang von 1,90 Meter zu verringern. Ob und wie dies geschehen soll, berieten alle Beteiligten am Mittwochmorgen. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
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Die Bergung der Salzladung

Havarierter Schlepper auf der Elbe in Dresden - Entladung des Salzes mit Saugbagger
Auf der Elbe an der Dresdner Albertbrücke steckte seit Montag ein tschechisches Frachtschiff fest. Mehrere Versuche, den Schlepper zu bergen, scheiterten. Die "Albis" musste entladen werden, um sie freizubekommen. Ein Spezialfirma saugte das geladene Kalisalz ab. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
Havarierter Schlepper auf der Elbe in Dresden - Entladung des Salzes mit Saugbagger
Auf der Elbe an der Dresdner Albertbrücke steckte seit Montag ein tschechisches Frachtschiff fest. Mehrere Versuche, den Schlepper zu bergen, scheiterten. Die "Albis" musste entladen werden, um sie freizubekommen. Ein Spezialfirma saugte das geladene Kalisalz ab. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
Havarierter Schlepper auf der Elbe in Dresden - Entladung des Salzes mit Saugbagger
Etwa zehn bis zwölf Tonnen Salz konnte der Saugbagger einer Spezialfirma innerhalb von zwei Stunden absaugen. Ein erster Versuch scheiterte, weil das Salz inzwischen feucht wurde und klumpte. Deshalb wurde ein stärkeres Gerät angefordert. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
Havarierter Schlepper auf der Elbe in Dresden - Entladung des Salzes mit Saugbagger
Insgesamt hatte der tschechische Frachter 800 Tonnen Kalisalz geladen, die für die Chemieindustrie bestimmt sind. Das abgesaugte Salz wurde zunächst am Dresdener Hafen gelagert. Nach Angaben des Schifffahrtsamtes musste der Laderaum komplett geleert werden, um das Schiff mit einem Schlepper auf der Elbe und zwei schweren Kettenfahrzeugen vom Land aus wieder in die Fahrrinne zu ziehen. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
Havarierter Schlepper auf der Elbe in Dresden - Entladung des Salzes mit Saugbagger
Die Elbe blieb für die Schifffahrt flussaufwärts bis Montag gesperrt. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
Havarierter Schlepper auf der Elbe in Dresden - Entladung des Salzes mit Saugbagger
Viele Dresdner Bürger kamen an die Albertbrücke, um die Arbeiten zu beobachten. Bildrechte: MDR/Klaus Becker
ein Güterschiff beladen mit Salz
Bis in die Abendstunden war der Saugbagger im Einsatz. Bildrechte: MDR/Roland Halkasch
ein Güterschiff beladen mit Salz
Am Freitagabend wurden zusätzlich zwei Spezialschiffe aus Tschechien erwartet, um die Absaugarbeiten zu unterstützen. Bildrechte: MDR/Roland Halkasch
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