Autos fahren am 13.05.2014 bei Stuttgart (Baden-Württemberg) auf der Autobahn A8 unter einer Brücke mit dem Bosch-Logo entlang.
Bosch-Logo in Stuttgart - demnächst offenbar auch in Dresden. Bildrechte: dpa

Neue Chipfabrik Jahrhundertinvestition von Bosch in Dresden

Autos fahren am 13.05.2014 bei Stuttgart (Baden-Württemberg) auf der Autobahn A8 unter einer Brücke mit dem Bosch-Logo entlang.
Bosch-Logo in Stuttgart - demnächst offenbar auch in Dresden. Bildrechte: dpa

Der Autozulieferer Bosch baut in Dresden für eine Milliarde Euro eine Chipfabrik. Das bestätigte die Unternehmensleitung. Laut Bosch handelt es sich um die größte Investition in der mehr als 130-jährigen Firmengeschichte. Konkret geht es um eine Chipfabrik für die 300 Millimeter-Sensortechnologie. Bosch betreibt bereits eine Chipfabrik in Reutlingen und ist ein führender Sensorenhersteller. "Wichtig für uns ist, dass wir Halbleiter selbst machen", sagte Bosch-Geschäftsführer Dirk Hoheisel.

Dresden habe sich in einer globalen Auswahl gegen andere Standorte durchgesetzt, so Hoheisel. "Wir haben wirklich weltweit geschaut und uns dann für Dresden entschieden." Den Ausschlag hätten dabei nicht nur für Fördergelder gegeben, sondern unter anderem auch die Nähe zu Forschungseinrichtungen und die Erfahrung der Region im Halbleiterbereich, betonte er. Dresden gilt als ein Zentrum für Halbleiter, Hersteller wie Infineon sind dort bereits präsent.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (r, CDU) und Dirk Hoheisel, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, geben sich in Berlin nach einer gemeinsamen Pressekonferenz im Bundeswirtschaftsministerium die Hand.
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Dirk Hoheisel, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, gaben die Investiton am Montag in Dresden offiziell bekannt. Bildrechte: dpa

Sensoren, Sensoren, Sensoren...

In Dresden plant Bosch die Produktion von Chips für Sensoren. Sie sollen bei der digitalen Vernetzung von Dingen zum Einsatz kommen. Außerdem ist der Einbau von Sensoren in Autos geplant, vor allem in Airbags. Die Entwicklung von Sensoren ist laut Bosch aber noch nicht abgeschlossen. So sollen in Dresden später auch sogenannte intelligente Sensoren hergestellt werden. Sie könnten dann etwa Alarm schlagen, wenn ein Auto droht umzukippen. Intelligente Sensoren seien ein Riesengeschäft, erklärte Bosch.

Die Dresdner Chipfabrik von Bosch
Investitionen von Bosch ca. 1 Milliarde Euro  
Fördermittel des Bundes ca. 200 Millionen Euro  
Fördermittel des Landes Sachsen bis zu 100 Millionen Euro  
Baubeginn spätestens 2018  
Produktionsstart 2021  
Arbeitsplätze 700  

Mit der Bekanntmachung weiteren Fakten hielten sich alle Beteiligten zurück. So bleibt unklar, wann die Einstellung der Mitarbeiter beginnen soll. Nicht geklärt sind auch die fachlichen Voraussetzungen, die die Bewerber mitbringen müssen. Auf die Frage von Journalisten, ob Bosch angesichts des Fachkräftemangels überhaupt damit rechne, die nötigen 700 Mitarbeiter zu finden, sagte Dirk Hoheisel von der Geschäftsführung: "Das ist kein Problem. Die bekommen wir schon zusammen."

Auch der genaue Standort des Werks in Dresden bleibt unklar. Laut Stadtverwaltung ist noch keine Entscheidung gefallen. Zur Auswahl stünden mehrere Standorte im Dresdner Norden.

Erste Reaktionen aus Berlin und Sachsen

Bundeskanzlerin Angela Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel Bildrechte: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Entscheidung zur Ansiedlung in Dresden. "Dass diese Produktion nun am Mikroelektronik-Cluster Dresden aufgebaut wird, ist ein starkes Signal für den Industriestandort Deutschland, zugleich auch für Europa. Die Halbleitertechnik ist Schlüsseltechnologie für das Internet der Dinge und für vernetzte Mobilität. Europa muss Vorreiter in diesem innovativen Feld sein."

Martin Dulig
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig Bildrechte: dpa

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig hat die Pläne zur Ansiedlung von Bosch in Dresden begrüßt: "Das ist eine wunderbare Nachricht für ganz Sachsen und für die gesamte deutsche Wirtschaft." Die Halbleiterindustrie sei eine Schlüsseltechnologie. Das Land Sachsen ringe um den Ausbau der Kompetenzen in dieser Technologie.

Dirk Hilbert
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert Bildrechte: dpa

Auch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert zeigte sich überglücklich: "Dass Bosch hier bei uns in Dresden dermaßen weitreichend in die Zukunft investiert, verstehen wir als großen Vertrauensbeweis". Hilbert zog Parallelen zu den Ansiedlungen von Siemens und AMD in den 1990er-Jahren.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 19.06.2017 | ab 6:30 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 19.06.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 20:21 Uhr

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29 Kommentare

21.06.2017 16:39 Atze 29

Herr Hoheisel freut sich ungeheuer, Siehe Foto oben, denn er kann bei einem durchschnittlichen Monatslohn eines Arbeiters von ca. 2,5 T Euro die 700 geplanten Leute ca. 20 Jahre von den Fördermillionen beschäftigen.
Dann ist der Betrieb wahrscheinlich sowieso abgeschrieben. Würde ich auch jubeln...

21.06.2017 16:24 Atze 28

@24 Ein Sachsenanhalter:
Die Sachsen stehen überhaupt nicht stramm. Ich kenne so viele Klardenker hier und nicht devote.
Was die Riesensumme betrifft, da staune ich auch... Ist happig! Wer entscheidet so etwas?

21.06.2017 11:22 Chemnitzer Bürger 27

@Ein Sachsen-Anhalter, und Sie meinen, das eine 5,2% Partei aus Sachsen-Anhalt zum Thema "Abschiebung Maghreb Staaten" mit Ihrer Nein Stimme für die Mehrheit der Bürger in diesem Bundesland gesprochen hat? Zur Erinnerung "Das Vorhaben scheiterte am Widerstand der Linken und der Grünen"! Ja, es ist bald wieder Wahl, und die "grünen" Ergebnisse ermutigen uns Sachsen!

21.06.2017 11:15 Saftsack 26

@Peter W.: auch Sie frage ich ganz detailliert: was sind denn Ihre Vorschläge, Arbeitsplätze entstehen zu lassen? Durch die Erhöhung der Reichensteuer oder des Spitzensteuersatzes? Und zum Thema Sicherheit: wer ist denn gegen einen Ausbau der "Kameraüberwachung"? Wenn man die letzten Wahlergebnisse sieht (NRW, Saarland etc.), sind dann die meisten Bundesbürger ohne Verstand? Es tut schon weh, wenn die in den Medien immer wieder hochgelobte R2G Koalition immer mehr an Boden verliert, oder? Aber das ist nun mal die Wahrheit der Mitdenkenden...

20.06.2017 22:06 Peter W. 25

Gestern schüttet die sächsische CDU 100 Mio. für die vergleichsweise wenigen 700 Arbeitsplätze aus, heute kündigt der CDU-Finanzminister schon mal einen umfangreichen Stellenabbau bei Polizei und Lehrern in den kommenden Jahren an. Zum Dank jubeln die Umfragen die CDU auf ein neues Jahreshoch und man fragt sich, wie das alles bei einigermaßen klarem Verstand und Mitdenken nur möglich sein kann.

20.06.2017 20:27 Ein Sachsen-Anhalter 24

Was zunächst positiv, ja großartig erscheint, hat meiner Meinung nach ein "Geschmäckle". Aus welcher Quelle "zaubert" denn die die Regierung des Freistaates die kleine Summe von 200 000 000 €.? Muss die Regierung dazu jemand fragen? Wie steht des Parlament zu dieser unerhört hohen Bezuschussung? Wenn Dulig sagt, dass dies eine wunderbare Nachricht für Sachsen und natürlich für ganz Deutschland sei, kann man doch einmal nachfragen, wie er zu dieser Meinung kommt. Aber es ist ja Wahlkampf und die Sachsen stehen stramm zu ihrer politischen Meinung.

20.06.2017 18:32 Atze 23

300 Millionen Fördergelder! Sicher wird sich Bosch mit
grosszügigen Spenden für das bedürftige Schulsystem
revanchieren...die Kinder würden sich freuen.

20.06.2017 17:21 Gerhard Kraetzschmar 22

Hier scheinen einige nicht rechnen zu können: Bei bis zu 300 Mio Fördergelder für 700 Jobs sind das für jeden Arbeitsplatz bis zu 420.000 Euro. Das müssen dann schon sehr gut bezahlte Jobs sein, damit Vater Staat über die EInkommenssteuer das wieder in absehbarere Zeit einnimmt.
Aber zurück zum Problem: Das besteht nicht darin, dass Bosch die 300 Mio mitnimmt, wenn sie dem Unternehmen auf dem Präsentierteller serviert werden. Das Problem ist, dass viele kleinere Unternehmen (auch Startups) wohl kaum auf ähnliche Förderung hoffen können. Oder unterstützen auch mich Bund und das Land Sachsen mit 4,2 Mio, wenn ich einen Startup mit 10 Leuten gründe? Es gibt also ein Wettbewerbsproblem! Man muss allerdings sagen, dass man da wohl auch im harten Wettbewerb mit anderen Standorten steht.
Eine mögliche Rechtfertigung der Förderung wäre, wenn durch die Ansiedelung absehbar ist, dass sich weitere Unternehmen im Umfeld (Zulieferer, Kunden, Dienstleister) engagieren, expandieren, usw.

20.06.2017 10:50 nudOSSI 21

@Normalbürger, dann müsste sich doch Bosch nach ihrer Logik aber in Tschechien oder Polen ansiedeln, oder? Da wird noch "billiger" gearbeitet. Und noch eins: auch im Westen sind die guten Zeiten vorbei, d.h. der Lohn dort passt sich dem Ostniveau an. Das müssten Sie dann auch im Kopf ausrechnen können...
Ansonsten: sehr erfreuliche Nachricht

20.06.2017 07:40 Normalbürger 20

Merken eigentlich nur die "Normalbürger", dass die Investoren nur die Fördergelder wollen und ganz genau wissen, dass im Osten noch für wenig Lohn gearbeitet wird? Ich meine ganz bewusst "Normalbürger" - ohne BWL-Studium -, und zwar die, die noch im Kopf rechnen gelernt haben.

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