Flammen schlagen aus dem Asylbewerberheim Meißen
Kurz nach Mitternacht schlugen Flammen aus dem Gebäude. Bildrechte: MDR/Christian Essler

Meißen | Asylbewerberheim Tillich fordert zur Mithilfe nach Brandanschlag auf

In Meißen ist in der Nacht zum Sonntag ein Brandanschlag auf eine geplante Asylbewerberunterkunft verübt worden. Wie die Polizei mitteilte, wurden an zwei Stellen Spuren von Brandbeschleunigern gefunden. Wenige Stunden nach der Tat hat das für Extremismus zuständige Operative Abwehrzentrum der Polizei (OAZ) die Ermittlungen übernommen. Die Täter hatten sich gewaltsam Zutritt zu dem Haus verschafft. Mit dem Anschlag in Meißen setzt sich die Reihe ausländerfeindlicher Angriffe in Sachsen fort.

Flammen schlagen aus dem Asylbewerberheim Meißen
Kurz nach Mitternacht schlugen Flammen aus dem Gebäude. Bildrechte: MDR/Christian Essler

Das Feuer war kurz nach Mitternacht in einem Zimmer in der ersten Etage ausgebrochen. In dem Gebäude auf der Rauhentalstraße sollten 32 Flüchtlinge unterkommen. Das Haus war fertig saniert und Anfang des Monats an den Landkreis übergeben worden.

Bei der Ankunft der Feuerwehr brannte es in einem Raum in der ersten Etage. Dort wurde vermutlich auch das Feuer gelegt. Nach Aussagen der Polizei wurden die Matratzen angezündet, wodurch sich der Brand schnell ausbreitete. Die Feuerwehr konnte den Brand zwar zügig löschen. Dennoch brannte das Zimmer vollständig aus. Auch weitere Teile des Gebäudes wurden in Mitleidenschaft gezogen. Das Haus ist derzeit nicht bewohnbar. Der Eigentümer schätzt den Schaden auf etwa 100.000 Euro.

Flammen schlagen aus dem Asylbewerberheim Meißen
Kurz nach Mitternacht schlagen die Flammen aus dem Fenster. Bildrechte: MDR/Christian Essler

Solidaritätskundgebung ohne Tillich und Ulbig

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Innenminister Markus Ulbig besuchten am Nachmittag den Tatort. Tillich verurteilte dabei den Anschlag als "feige". An einer spontanen Kundgebung von Pro-Asyl-Aktivisten am Heinrichsbrunnen haben die beiden CDU-Politiker nicht teilgenommen. Der Meißner Landrat Arndt Steinbach (CDU) war zwar bei der Kundgebung, ergriff aber nicht das Wort. Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 200 Menschen zu der Kundgebung. Am Rande der Versammlung soll die Polizei Personalien aufgenommen und Taschen kontrolliert haben.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU, M) steht nach einem Brandanschlag am 28.06.2015 in Meißen (Sachsen) vor der noch unbewohnten Unterkunft für Asylbewerber und beantwortet die Fragen der Journalisten.
Das zweite Mal in dieser Woche musste Stanislaw Tillich vor die Presse treten und Stellung zu ausländerfeindlichen Taten in Sachsen nehmen. Bildrechte: dpa
Reaktionen aus Meißen und von der Politik

Eigentümer: "Anschlag mit Ansage"

Der Eigentümer des Gebäudes, Ingolf Brumm, sprach bei MDR SACHSEN von einem "Anschlag mit Ansage." Er habe vor drei Wochen einen Zettel an der Tür gefunden, auf dem in Deutsch und Englisch die Asylbewerber "begrüßt" wurden, mit der Aufforderung, das Land doch bald wieder zu verlassen. Als er mit dem Zettel zur Polizei ging, um Anzeige zu erstatten, sei er bereits an der Wache abgewiesen worden. Es sei schließlich kein materieller Schaden entstanden, habe es geheißen. Auf der Spontan-Kundgebung erklärte Brumm: "Das haben nicht drei Einzelne geplant. Wir haben hier ein gesellschaftliches Problem in Meißen". Er wolle das Haus so schnell wie möglich für Asylbewerber wieder herrichten. Außerdem sagte er:

Ich werde mich auch persönlich nicht unterkriegen lassen. Ich werde an der Haustür stehen und die Asylbewerber willkommen heißen.

Ingolf Brumm, Eigentümer der Asylbewerberunterkunft

Initiative Heimatschutz weist möglichen Zusammenhang zurück

Am Abend vor dem Anschlag hatte ein Treffen mutmaßlicher Rechtsextremer in Meißen stattgefunden. Die sogenannte Initiative Heimatschutz hatte auf ihrer Facebook-Seite zu einer spontanen Aktion auf der Eisenbahnbrücke aufgerufen. Das Treffen stand unter dem Motto "Schweigen heißt zustimmen! Sei nicht mehr schweigsam, denn es ist dein Land! Hol es dir zurück!" In dem Aufruf hieß es: "Sooooo....damit ihr nicht denkt in Meißen passiert nix..weit gefehlt...Heute 19.00 spontane Zusammenkunft auf der Eisenbahnbrücke. ...sehr kurzfristig aber das hat seine Gründe. ..kommt zahlreich." Auf der Brücke wurde ein Banner angebracht mit der Aufschrift: "Schweigen heißt zustimmen! Es ist unser Land!"

Einen möglichen Zusammenhang wies die Initiative am Sonntag zurück. Auf ihrer Facebook-Seite heißt es: "Initiative Heimatschutz distanziert sich von jeglichen Brandstiftungen, Anschlägen und sonstigem. Wir sind weder rechtsextrem, noch rassistisch!" Trotz der Beteuerungen untersucht das OAZ einen möglichen Zusammenhang.

Spontane Pro-Asyl-Kundgebung

Grünen-Kreisrat Martin Oehmichen äußerte sich dem "Tagesspiegel" gegenüber "entsetzt und schockiert". Er sagte dem Blatt: "Sollte sich die Vermutung einer vorsätzlichen Brandstiftung aus rassistischen Motiven bestätigen, hoffe ich, dass der oder die Täter schnell zur Verantwortung gezogen werden." Augenzeugen berichteten dem Blatt, es seien drei Personen mit einem Benzinkanister aus dem Haus gerannt und in einem Auto geflüchtet. Sekunden später habe es gebrannt. Auch im Treppenhaus habe es Benzin gegeben, welches sich aber nicht mehr habe entzünden können.

Kundgebungsteilnehmer Pro Asyl in Meißen
Rund 200 Menschen folgten dem Aufruf zur Spontan-Kundgebung. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Wir sehen es nicht mehr ein, dass Hass geschürt wird. Der Heimatschutz Meißen agiert das offen. Wir wollen zeigen, dass Meißen auch anders kann.

Sören Skalicks, Kreisrat der Piraten Meißen

Zu der spontanen Kundgebung am Sonntagnachmittag hatte die Piratenpartei Meißen aufgerufen. Pressesprecher Sören Skalicks erklärte: "Es ist entsetzlich zu sehen, zu was Menschen fähig sind. Auch wenn die Unterkunft leer war, wurden hier Menschenleben gefährdet und es zeigt, mit welchen Mitteln hier verhindert werden soll, dass Menschen Schutz finden können.".

Sachsen kommt nicht aus den Schlagzeilen

Mit dem Brand in Meißen setzt sich die Reihe ausländerfeindlicher Angriffe in Sachsen fort. Im Laufe der Woche hatten Proteste von Asylgegnern vor einer Unterkunft in Freital für bundesweite Schlagzeilen gesorgt. Die Polizei ist vor der Unterkunft Tag und Nacht präsent, um einen möglichen Angriff zu verhindern. Die Facebook-Seite "Freital wehrt sich. Nein zum Hotelheim" hatte zu Protesten aufgerufen, nachdem das Heim von einer Asylunterkunft zu einer Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber umfunktioniert wurde.

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2015, 20:43 Uhr

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185 Kommentare

31.07.2015 18:30 badenserin 185

Den Kommentaren zu 183,181 usw. ist nichts mehr hinzuzufügen. Das ist die Wahrheit.Danke.

31.07.2015 18:01 badenserin 184

Zu Lars Fischer: Jeder berufstätige Arbeitnehmer zahlt Soli,der richtet sich nach dem Einkommen,je mehr man verdient,so mehr muss man bezahlen,da kann bei einem Großverdiener eine stolze Summe zusammen kommen! Pöbelnde,randalierende Arbeitslose Nazis,zahlen nichts...Die sollten erst einmal normale Menschen werden. Wir im Westen sind tolerant..

30.06.2015 23:38 Gerd Sark-Asmus 183

Ohne mein Alter zu verraten: Ich bin in der BRD geboren und für mich stand in dieser Generation nie zur Debatte, ob die Flüchtlinge aus der DDR Deutsche waren. Allerdings habe ich auch nie geglaubt, dass man wirklich eine Wiedervereinigung anstrebt. Polen war auch mal angeblich deutsch, aber erzähle das mal heute einem Polen. Also, die BRD (und auch andere Länder) haben diese DDR-Flüchtlinge aufgenommen, weil sie in einem Unrechtsstaat lebten und sich und ihren Familien ein besseres Leben ermöglichen wollten und dafür kletterten diese Menschen sogar über Botschaftszäune mit ihren Babys. Nicht, weil sie Deutsche waren. Sollten wir heute (auch die Sachsen, Thüringer und andere neue Bundesländer, wenn sie zu Deutschland gehören wollen und falls sie nicht wie die Griechen Sonderregeln haben wollen) nicht auch Familien mit Kindern aufnehmen, die teilweise 2 Jahre Flüchtlingswege hinter sich haben unter Lebensgefahr ?

30.06.2015 23:23 Gerd Sark-Asmus 182

Nur mal so an "das Volk": Uns im Westen hat auch keiner gefragt, ob wir mehrere Millionen Menschen aufnehmen wollten, die Verantwortung für ein ganzes Staatsgebiet übernehmen möchten und Steuererhöhungen hinnehmen wollen, die nicht zurückgenommen werden, weil die Landschaften noch nicht genug blühen. Uns wurde sogar sowas eingetrichtert wie "unsere deutschen Brüder und Schwestern", so ein völkischer Unsinn. Und was wäre gewesen, wenn wir früher die ganzen DDR-Flüchtlings-Familien, die unter DDR-Folter, unbegründeter Gefängnishaft und Unfreiheit gelitten hatten und unter Lebensgefahr durch Tunnel geflohen und durch Flüsse geschwommen sind, um in den Westen zu kommen, zurückgeschickt und an die DDR ausgeliefert hätten ? Denkt mal nach. Ist komisch, wenn man in den Spiegel guckt, wenn man jetzt auf Flüchtlinge losgeht, oder ? Man schaue sich mal den heute veröffentlichten Verfassungsbericht an. Brandanschläge haben nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.

30.06.2015 23:22 Gerd Sark-Asmus 181

Mit Humor & Nachdenklichkeit betrachtet: Wir haben das auch schon einmal mitgemacht mit den alten Wirtschaftsflüchtlingen: Als die Mauer fiel kamen "Wellen" aus der DDR über uns, bekamen sogar Begrüßungsgeld. Wir haben sie, trotz mancher Sprachbarrieren (:-D), gut integriert, unterstützen sie noch heute "Soli"-darisch, damit sie ihr Land aufbauen. Auch, wenn wir für den Osten sogar auf intakte Straßen verzichten, fliehen trotzdem immer mehr wegen Perspektivlosigkeit. Viele kehren sogar nie mehr zurück, obwohl sie auch dort von unserem Sozialhilfesystem + Rentenkasse profitieren dürfen. Geduld und Toleranz mit unseren erst seit einigen Jahrzehnten hier lebenden ostdeutschen Mitbürgern ist gefragt: Jahre der politischen Fehlerziehung + Aufwachsen in einer Gesellschaft mit anderer Ethik sind nicht einfach zu löschen. Es wird noch dauern, bis man sie auf Toleranz + Solidarität eingestimmt hat. Sie kamen aus einer Diktatur und wir helfen bis heute allen Menschen in solcher Lage gerne.

30.06.2015 23:19 Gerd Sark-Asmus 180

Erst Tröglitz, dann Freital, jetzt Meißen. Einige Sachsen wissen gar nicht, wie gut sie es haben. Selbst Eure Hochhaussiedlungen sind wunderschön und Eure Spielplätze unvergleichlich toller als die Eurer Brüder und Schwestern im Westen. Ihr jammert auf richtig hohem Level. Ihr lebt in einer schönen "blühenden" Gegend, Eure KiTa-Plätze und Horts sind gesichert, sichern Euch so Arbeitsfähigkeit und selbst die Waschstrasse ist 1 Euro billiger als im Westen. Ist Euch eigentlich klar, wie gut es Euch geht ? Und ihr habt "Angst" vor ein paar Flüchtlingen, weil Ihr es nie nötig hattet, Euch mit anderen Kulturen auseinander zu setzen und pflegt dafür die Fremdenfeindlichkeit, die Eure Eltern und Großeltern schon den Vietnamesen in der DDR entgegengeschleudert haben. Hinter vorgehaltener Hand, natürlich. Damals gab es ja keine "Rechten" offiziell. Passte nicht in den Plan. Seid nicht so unersättlich und egoistisch. Werdet einfach wieder Menschen.

30.06.2015 19:34 Klaas aus Holland 179

Soeben im hollaendischen Fernsehen Werbung von Opel 'deutsche machen keine Witze'. Das sagt alles.

30.06.2015 17:21 Danilo 178

Traurig zu lesen und zu hören, was sich in meiner Heimatstadt abgespielt hat. Hierfür muss ich mich als gebürtiger Meißner fremd schämen. Menschen die Hilfebedürftigen die Hand reichen die Hütte abzufackeln geht mal gar nicht. Das hat nach meiner Auffassung aber auch nichts mit "Feige" zu tun Herr Tillich. Es ist schlicht eine Straftat! Das sollten Sie als Politiker vielleicht mal deutlich machen. So lange wie Sie hier in Sachsen am rechten Ufer fischen gehen, wird sich in unseren Breiten nichts ändern! Das die Mehrheit der Sachsen weltoffen und solidarisch ist gerät hierbei leider in Vergessenheit. Das kann auch Keiner den Medien vorwerfen. Denn only bad news are good news! Umso mehr muss die Mehrheit der Sachsen an dieser Stelle aktiv werden und zeigen, dass wir Menschen in Not gern helfen und uns hier nicht vor der Verantwortung in Europa drücken - wie es leider aktuell viele andere Staaten zu tun gedenken. Danke an die solidarischen Menschen / Demonstranten in Meißen!

30.06.2015 15:00 Klingfried 177

153. Sandra Hebscheid Bischen verdreht Ihre Logik, oder? Oder verschrieben, wer weiß. Aber gerade der/die (Bürger)Kriege in Vorderasien und Teilen Afrikas und die jeweiligen Schreckensherrschaften von (meist) relegiösen Milizen sind doch Grund für Flüchtlinge, so jedenfalls immer das Argument! So wie Ihr Satz da steht, ergibt er für mich keinen Sinn! Aber wie sie richtig sagen, es gab die Vorurteile schon immer, das war in schleswig H./ Dänemark nicht anders, wie im Elsass oder eben mit Wolgadeutschen und Sudeten! Leider ist das vorherrschend in der Menschheit, Angst / Scheu vor Fremden! Darüberhinaus: Ja. Proteste sind ok, sind aber dort an der falschen Stelle! Die Bewohner des Heims können nichts dafür! Und Gewalt hat gleich gar nichts dort zu suchen! Diese Nazis u Hooliprolls sind dumm und wittern dort Aufmerksamkeit.

30.06.2015 13:50 Wie schön... 176

@172. tom bauer - dass Sachsen nicht die "ganze Welt" ist...um in Ihrer "Quirl-Küchensprache" zu bleiben: Sa. ist z. Zt. für Dt. und die Welt wie - sagen wir mal - Senf zur Erdbeertorte...oder auch Schlagsahne zur Bockwurst....höflich ausgedrückt also suboptimal...