Menschen bei bei Demontration auf der Straße, Kinderc tragen ein Plakat mit einem großen Herz
Bildrechte: MDR/Klaus Becker

Dresden Protest gegen Abschiebung armenischer Familie

Nach der Abschiebung einer armenischen Familie in Dresden wächst die Kritik am Vorgehen der Behörden. Auch die evangelische Kirche äußerte ihr Unverständnis. In Dresden forderten Bürger, die Familie wieder zusammenzuführen. Während der Vater und zwei Söhne am Dienstag ausreisen mussten, blieb die Mutter in einem Dresdner Krankenhaus zurück. Von der zehnjährigen Tochter fehlt jede Spur.

Menschen bei bei Demontration auf der Straße, Kinderc tragen ein Plakat mit einem großen Herz
Bildrechte: MDR/Klaus Becker

In Dresden haben erneut Anwohner und Bürger gegen die Abschiebung einer armenischen Familie protestiert. Rund 300 Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, zogen durch das Dresdner Hechtviertel, dorthin, wo die armenische Familie lebte. Sie warfen den Behörden ein unmenschliches Verhalten vor, das nicht mit dem Grundgesetz in Einklang stehe. Organisator Guido Richarts sprach von einem kaputten System, das zulasse, dass eine Familie auf diese Art und Weise getrennt wird. Und er forderte eine Bleiberecht, um die Familie wieder zusammenzuführen.

Wir können uns das gar nicht leisten, solche Menschen rauszuschmeißen.

Guido Richarts Organisator
Menschen stehen bei Demontration auf der Straße mit Plakaten, auf einem steht: Ehe und Familie stehen unter besonderem Schutz der staatlichen Ordnung
Die Demonstranten kritisieren das Verhalten der Behörden als unmenschlich. Bildrechte: MDR/Klaus Becker

Die Kinder seien in Dresden gut integriert. Und auch die Eltern würden gern arbeiten, wenn sie eine Arbeitserlaubnis bekämen. Während der Vater und zwei Söhne am Dienstag ausreisen mussten, blieb die Mutter in einem Dresdner Krankenhaus zurück. Ihr gehe es den Umständen entsprechend schlecht, so Richarts. Von der zehnjährigen Tochter fehlt jede Spur. Anwohner hatten auch am Dienstag gegen die Abschiebung protestiert.

Bischof Rentzing für "gewissenhafte Prüfung"

Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing plädierte für eine "gewissenhafte Prüfung" bei getrennten Abschiebungen von Familien. Zwar könne das Asylrecht nicht außer Kraft gesetzt werden, jedoch sei der "Grundsatz von Ehe und Familie" auch im Falle er Abschiebung hochzuhalten, fügte er hinzu. Er kenne keine Einzelheiten des Falles, sagte Rentzing, aber möglicherweise sei der Zeitpunkt der erzwungenen Ausreise nicht optimal.

Carsten Rentzing
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn ich höre, dass eine Familie zerrissen wird, tauchen schon Fragen auf, wie das sein kann.

Carsten Rentzing Landesbischof

Der Flüchtlingsrat hatte dem Verwaltungsgericht Dresden eine mangelnde Prüfung des Falles vorgeworfen. Seit dem ersten Abschiebeversuch im August habe sich die Situation der in Dresden lebenden Familie verändert. Das sei so auch in einem Eilantrag am Dienstag beschrieben worden. Der Antrag war noch am selben Tag vom Verwaltungsgericht mit der Begründung abgelehnt worden, dass er erst wenige Stunden vor der geplanten Abschiebung eingereicht worden sei.

Eilanträge, die eine Abschiebung verhindern sollen, können gar nicht eher als in den frühen Morgenstunden eingehen. Sie müssen ja auch fundiert begründet sein.

Flüchtlingsrat Dresden

Härtefallkommission wird sich damit befassen

Derzeit prüft Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth (CDU) den Fall. Er geht davon aus, dass sich die Härtefallkommission damit befasst.

Ein erster Abschiebeversuch aus Sachsen hatte bereits Anfang August stattgefunden. Er war gescheitert, weil sich die Familie - bereits im Flugzeug sitzend - heftig gegen die Abschiebung wehrte. Die armenische Familie hatte sich bei den Behörden jahrelang als irakische Staatsbürger ausgegeben. Nach Aussagen des Flüchtlingsrates haben sie das getan, weil ihnen die Schlepper dazu geraten haben. In ihrer Heimat seien sie von Banden mit mafiösen Strukturen bedroht worden. Alle drei Kinder sind in Deutschland zur Welt gekommen.

Quelle: MDR/kb/dpa

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.09.2017 | 18:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2017, 19:38 Uhr

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64 Kommentare

24.09.2017 13:00 der_Silvio 64

@56 Janes; was haben sie mit ihrem Kreditantrag?!?
Hier geht es nicht um das Beleihen eines Geldinstitutes, sondern um den Antrag von Asyl und Sozialleistungen.
Jede falsche Angabe von Namen und Herkunft dem Staat und dessen Behörden ist eine strafbare Handlung.
Die Familie hat ABSICHTLICH hinsichtlich ihrer Herkunft gelogen, in der Absicht, Asyl und Sozialleistungen unrechtmäßig zu erhalten!
Daher ist die Abschiebung rechtens!

24.09.2017 11:57 jochen 63

39# Eine Härtefallkomission soll sich befassen ?

Was denken Sie denn, wie die US-Amerikaner in einem solchen Fall reagieren ?
Richtig - Das nächste Flugzeug wartet schon, aber (ohne Einspruchsmöglichkeit)
Betrug bei dem Asylantrag soll folgenlos bleiben ?
Dann können gleich alle Asylgesetze und Asylbehörden abgeschafft werden. Die Folgen würden Ihnen nicht gefallen.

24.09.2017 11:51 Mikra 62

Das waren doch Asylbetrüger.Haben sich jahrelang durch Angabe falscher Identitäten Leistungen erschlichen.Und die erste Abschiebung im Flugzeug durch randalieren verhindert.Bitte Familienzuammenführung in Armenien.

24.09.2017 11:48 jochen 61

Sollen sich diese Protestierer mit Eigentum ? notariell verpflichten, bei einer humanitären Rückführung der Armenier alle Kosten auf unbestimmte Zeit selber zu übernehmen.
Alles andere ist nicht akzeptabel.

24.09.2017 10:56 @ Janes 56 60

Für Sie scheint es wirklich unterschiedliches Recht zu geben, eins für schon immer hier Lebende (was strikt einzuhalten ist) und eins für Zuwanderer, die sich nur an ihnen Genehmes zu halten haben.
Was die Forderung nach Einhaltung der Gesetze mit Fremdenhass zu tun hat, wissen sicher nur Sie!

24.09.2017 10:11 Bingo 59

Erschleichung von Asylleistungen, ist kriminell und kann nur eine Abschiebung zur Folge haben. Sämtliche abgelehnte Asylbewerber, über 200 000 sind Abzuschieben(was nicht geschieht) oder gelten unsere Gesetze nicht mehr????Sollte dies so sein, kann man jeden Menschen der Deutschland erreicht, gleich das Bleiberecht zusichern und sich die ganze Asyl-Anerkennungsprozetur sparen. Gute- Nacht, Sozia, und National-Staat Deutschland.

24.09.2017 08:40 bunter Rheinländer 58

Wieviele der 'Protestierer' haben denn eine verbindliche Bürgschaft für diese Leute übernommen? Dann könnten diese auch für den entstandenen Sozialbetrug und sämtlich angefallene Kosten der letzten Jahre haftbar gemacht werden.

Na, wie viele dieser Asylforderer haben ihr eigenes Geld im Feuer? Die Kosten inkl. der mehrfach gescheiterten Abschiebeversuche dürften einen sechsstelligen Betrag ausmachen.

Erstaunlich, wie offenkundiger Rechtsbruch mittlerweile alltäglich ist.
Diese LobbyGruppen sind unerträglich.

24.09.2017 07:05 Dresdnerin 57

@ Walter 53
Ich glaube schon das die Mutter weiß wo ihre Tochter ist...

24.09.2017 02:56 Janes 56

Warum ändert der MDR meinen Beitrag?! Und nein nein und nochmals NEIN zu Beitrag 49! Das ist KEIN Betraug im Sinne von § 263 StGB!!!!! Ein Aufenthaltsrecht ist keine Vermögensverfügung. Überhaupt wäre keine Stoffgleicheheit gegeben und der Vorsatz auf die rechtswirdige Bereicherung(-sabsicht) nicht einschlägig. Das Täuschen über seinen Namen bei der Beantragung eines Kredites begründet an sich noch nicht mal einen Betrug! Also denkt euch was anderes aus, wie ihr euren Fremdenhass begründet!

23.09.2017 22:17 HERBERT WALLASCH, Pirna 55

Man hat doch sämtliche Gesetze zur Hand, will diese aber nicht nutzen. Vereitelung der Strafverfolgung darf eben nicht nur den mahnenden erhobenen Zeigefinger zur Folge haben, auch für Deutsche.