Region Dresden

"Dresdner Reden" 2012 : Frank Richter: Dresden erlebt neue politische Kultur

Im Dresdner Schauspielhaus ist am Sonntag die Veranstaltungsreihe "Dresdner Reden" eröffnet worden. Zum Auftakt der fünfteiligen Reihe stellte der Theologe Frank Richter das Gedenken um den 13. Februar in Dresden in den Mittelpunkt. In seinem Vortrag, der unter dem Titel "Demokratisch für die Demokratie streiten. Der 13. Februar in Dresden" stand, sprach Richter von einer neuen politischen Kultur in der Landeshauptstadt.

Appell zu friedlichem Protest

Frank Richter (r), Moderator der Arbeitsgruppe 13. Februar, und Sebastian Vogel, Vorsitzender des Dresdener Ausländerrates.
Frank Richter (r.) wurde von der Stadt Dresden als Moderator der Arbeitsgruppe 13. Februar eingesetzt.

Nach Ansicht Richters sieht sich Dresden vor dem 67. Jahrestag seiner Zerstörung auf dem Weg zu einem neuen demokratischen Verständnis. Erstmals sei es gelungen, Gedenken und zugleich friedlichen Protest gegen geplante Aufmärsche von Neonazis gemeinsam vorzubereiten. Richter rief sein Publikum und alle anderen Dresdner auf, dem Vorschlag der städtischen Arbeitsgruppe "13. Februar" zu folgen: "Bilden Sie am 13. Februar gemeinsam eine Menschenkette und nehmen Sie an der politischen Kundgebung am 18. Februar und an der sich anschließenden Kundgebung möglichst zahlreich teil", appellierte Richter. Er hatte in den vergangenen Monaten gemeinsam mit allen im Stadtrat vertretenen Parteien und Vertretern gesellschaftlicher Gruppen die Veranstaltungen rund um den Jahrestag der Zerstörung Dresdens vorbereitet.

Nicht mit im Boot ist allerdings das Bündnis "Dresden Nazifrei". Dieses hat erneut zu Blockaden gegen mögliche Aufmärsche der Rechtsextremen aufgerufen. Frank Richter zeigte sich tolerant: "Die AG und das Bündnis verfolgen unterschiedliche Ziele", sagte er dem SACHSENSPIEGEL. "Das Bündnis will rechtsextremistische Demos verhindern, die AG will dagegen protestieren. Hinsichtlich dieser Ziele sehen sich beide nicht in einer politischen Gegnerschaft. Die Gegner sind ganz andere." Wie viele Demonstrationen der Rechtsextremen in diesem Jahr in Dresden  stattfinden, ist derzeit noch unklar. Bisher liegt nur eine Anmeldung für den 13. Februar vor. Eine für den 18. Februar geplante Rechten-Demo wurde inzwischen abgesagt.

Erstmals gemeinsames Thema

Die "Dresdner Reden" gibt es seit 1992. Zahlreiche Politiker und Kulturschaffende haben sich seitdem zu einem von ihnen frei gewählten Thema geäußert, unter anderen Fritz Pleitgen, Jan Philipp Reemtsma oder Dieter Wedel. Angesichts der jüngsten Ereignisse um die Zwickauer Terrorzelle wurde in diesem Jahr erstmals ein gemeinsames Thema festgelegt. Alle Gäste sind aufgefordert, sich mit den Themen Extremismus und Gefährdung der Demokratie auseinanderzusetzen. An den vier kommenden Sonntagen werden Deutschlands ehemaliger Innenminister Gerhart Baum, Regisseur und Drehbuchautor Andres Veiel, Schriftsteller Ingo Schulze und Lyrikerin Ines Geipel erwartet.

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2012, 13:11 Uhr

6. Frankenthal:
So ist das eben mit den "Voraussagen": Die Zukunft richtet sich eben nicht nach den Vorstellungen von "Law and Order". Die Strategie der Deeskalation funktioniert eben, wenn der Wille dazu vorhanden ist!
14.02.2012
20:15 Uhr
5. bewe28:
Fortsetzung Nein, einzig wirklich demokratische Möglichkeit ist, auch der unbequemen - weil nicht der eigenen Meinung entsprechenden - Demonstration das Recht auf Demonstrationsfreiheit zu gewähren, diese zu schützen und JEGLICHER GEWALT mit ALLER HÄRTE DES STAATES zu begegnen. Denn dann braucht es keine selbsternannten Demokratieretter von linksaußen, diese Demokratie steht unter dem Schutz des Staates und seines Polizeiapparates und seiner vielen friedlichen Bürger. Den Beamtinnen und Beamten, die heute Dienst tun von hier aus ein aufrichtiges Dankeschön für ihren Einsatz. Schlaubergersprüche über Gummiknüppel können die Polizisten sicher nicht gebrauchen.
13.02.2012
15:09 Uhr
4. bewe28:
@ Heinz Faßbender Sie machen ja den Bock zum Gärtner. Die Polizei ist also schuld. Prima. Ich sage Ihnen schon jetzt voraus, daß die sogenannte Deeskalation gegenüber linken und rechten Gewaltbereiten scheitern wird. Wenn die Staatsmacht vor Extremen und kriminellen Elementen einknickt, dann werden diese ihre Knüppel erst recht rausholen. Dann haben wir Weimarer Verhältnisse - dann prügeln Kommunisten auf Nazis ein und Nazis auf Kommunisten. Von beiden Ideologien haben die Dresdner die Schnauze gestrichen voll, Entschuldigen Sie bitte die unschöne Wortwahl.
13.02.2012
15:03 Uhr
3. H.Gunz:
@Herr Faßbender, Demokratie bedeutet Volksherrschaft und somit der Mehrheitswille. Und die Mehrheit der Dresdner wollen am 13.Februar in Ruhe und Würde der Toten und des Schicksals unserer Stadt gedenken. Dafür brauchen wir keine Zeichensetzer, Täterrundgänger oder Politiker, die meinen, uns Dresdner vorschreiben zu wollen, wie wir mit der Geschichte umgehen. Mag man den rechten Aufmarsch auch nicht gut heißen, aber er findet in geordneten Bahnen statt und vor allem mit Ruhe und ohne Parolen. Und diese Versammlung der Rechten ist von Jahr zu Jahr genehmigt und somit auch von staatlicher Ordnung gewährleistet. Blockierer und andere sind es, die eben keine Versammlungen anmelden und somit schon von vorn herein gegen Gesetze und Regeln des zivilisierten Zusammenleben verstoßen. Wenn Sie das "Demokratisch" nennen, dann verstecken sie dahinter Anarchie und Chaos.
06.02.2012
20:20 Uhr
2. Rene Despang:
Wenn, wie Herr Faßbender schrieb, die Polizei ihre Kummiknüppel zuhaue lässt, wird Dresden wie 2011 im Chaos versinken. Dann regiert wieder die Gewalt auf der Straße. Die Polizei, die, die genehmigten Veranstaltungen von Rechts und Links absichern muß, darf sich dann unbewaffnet wieder von Linken Chaoten mit Steinen bewerfen lassen wie 2011. Nein so geht es auch nicht! In einem Demokratischen Land, ist die Polizei aufgefordert, bei Straftaten, zu denen auch Blockaden zählen, sofort einzugreifen. Nur dann kann auch ein friedlicher 13. Februar gewährleistet werden.
06.02.2012
16:36 Uhr
1. Heinz Faßbender:
Demokratisch für die Demokratie streiten - ja das geht schon, wenn auch die Polizei ,Justiz und die sächsischen Führungselitäre - auch Blockflöten genannt - mitmachen und nicht die Gegendemonstrationen für ihre politische- und juristische Agitation ausnutzen um ihre sächsische Art der Demokratieregime durchzuboxen. Ja dann geht das schon - vielleicht einfach mal den Polizeigummiknüppel zu Hause lassen. Denn wie heißt es so schön: Wir sind das Volk!
06.02.2012
10:32 Uhr

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