In Dresden wird eine Skulptur durch die Stadt gerollt, die drei Religionen verbinden soll
Der "Engel der Kulturen" rollte auch auf den Schulhof des katholischen St.-Benno-Gymnasiums. Bildrechte: MDR/Lena Prisner

Gemeinsam Zeichen setzen gegen Gewalt "Engel der Kulturen" rollt durch Dresden

von Lena Prisner

In Dresden wird eine Skulptur durch die Stadt gerollt, die drei Religionen verbinden soll
Der "Engel der Kulturen" rollte auch auf den Schulhof des katholischen St.-Benno-Gymnasiums. Bildrechte: MDR/Lena Prisner

Der "Engel der Kulturen" ist am Donnerstag durch Dresden gerollt. Dabei handelt es sich um ein riesiges metallenes Rad, das von den Künstlern Carmen Dietrich und Gregor Merten kreiert wurde. In einem Kreis sind die Symbole der drei abrahamitischen Weltreligionen vereint: Der Halbmond, der Davidstern und das Kreuz. Das Kunstprojekt soll ein Zeichen für interkulturelle und interreligiöse Toleranz setzen.

Engel hinterlässt Spuren

Und dieses Zeichen wird wortwörtlich gesetzt: An jeder Station hinterlassen die Künstler gemeinsam mit Bürgern einen Sandabdruck auf dem Boden. Zum Ende des Zuges wird der Engel der Kulturen in der jeweiligen Stadt in den Boden eingebrannt - in Dresden auf dem Theaterplatz - und das Rad für die nächste Stadt hergestellt.

Rundweg startete am muslimischen Kulturzentrum

Der Rundweg startete am muslimischen Kulturzentrum, wo Künstler und Mitwanderer gemeinsam den ersten Sandabdruck hinterließen. Der weitere Weg führte über das St.-Benno-Gymnasium, die Synagoge, Frauenkirche und Hofkirche hin zum Theaterplatz. An jeder Station erwartete ein offizieller Vertreter der jeweiligen Einrichtung die Gruppe, so zum Beispiel Rabbi Alexander Nachama der Synagoge und Pfarrer Holger Treutmann der Frauenkirche. Sie alle sprachen sich für das Kunstprojekt aus, und damit für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen. Jedes Mal hinterließen die Künstler mit Hilfe von immer anderen Menschen einen Sandabdruck.

Künstler sehen sich in der Verantwortung

Künstlerin Carmen Dietrich erklärte, dass gesellschaftsspaltende Ereignisse wie der 11. September 2001 zum Misstrauen gegenüber fremder Religionen beigetragen hätten. Sie als Künstler sähen sich in der Verantwortung, den Zusammenhalt zu stärken. Dass die Verbindung der drei Religionssymbole in der Mitte einen Engel bildet, hätten sie dabei nur zufällig bemerkt, diese Überraschung aber dankend angenommen. Auch als Friedenstaube könne man das Negativ in der Mitte deuten, so Dietrich.

Aktion schafft Gemeinschaftsgefühl

Die Veranstaltung stärkte in vieler Hinsicht das Gemeinschaftsgefühl der Mitwanderer. Die Idee, dass viele Hände den Engel mit Sand befüllen müssen, ihn festdrücken und anschließend mit vereinter Kraft das Rad anheben, sorgte dafür, dass fremde Menschen einander näherkamen und Distanzen überwunden wurden. Manche Schüler des Gymnasiums liefen mit und bewegten für einige Zeit das Rad. Und eine Gruppe Flüchtlinge wartete zwischen muslimischem Kulturzentrum und Synagoge auf den Menschenzug. Sie wanderten mit, und so konnte die Botschaft, für die der Engel der Kulturen steht, schon während der Veranstaltung ein Stück weit umgesetzt werden: Menschen verschiedener Kulturen und Religionen fühlten sich im gemeinsamen Ziel der Friedensstiftung verbunden.  

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2015, 17:50 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

9 Kommentare

06.11.2015 21:25 Elmo 9

Immer schön auf das Teil achten, sonst rollt es in eine Moschee. Peinlich, peinlich

06.11.2015 21:12 Querdenker 8

@7. tacco'5: - - - Meine Meinung war hart, aber begründet. Der Künstler hat den *erweiterten* Begriff Kultur für sein Kunstobjekt verwendet, obwohl am Ende nur die drei abrahamitischen Schriftreligionen drin waren. Das kann man eben so sehen. In jedem Fall war es sachlicher, als das was der Künstler zu seinem „Fahnenstangenproblem“ (siehe Video) von sich gegeben hat. Die „Ungläubigen“ in das Projekt der „Toleranz“ mit einzubeziehen, wäre mutig gewesen und hätte *echte Toleranz* (Erduldung) bedurft. Ich meine es ist ja nicht so, dass er mit dem Teil nach Syrien, Iran oder nach Palästina gefahren ist. Sondern er war hier in Dresden unterwegs, mit einem äußerst großen Anteil an Atheisten.

06.11.2015 18:22 tacco'5 7

"Querdenker"...man man man....ihre Einlassungen waren schon mal besser und sachlicher. "Symbol des Atheismus fehlt". So einen Dünnsinn hier zu vefassen.

06.11.2015 14:53 Anmerkung 6

Auf solche Ideen können nur Leute aus dem Westen kommen ,um uns zu belehren. Auf jeder Großveranstaltung auch zu DDR Zeiten kam man mit vielen Nationen und Fremden zusammen ,da wurden auch Gespräche geführt und Freunschaften geschlossen ,ohne das man dazu aufgefordert wurde. Die Neubürger haben keine Hemmungen auf einem Katholischen Freidhof Fußball zu spielen. Bald können sie den Davidstern täglich von ihrer Unterkunft aus sehen ,mal sehen ob er abgebaut werden muß. Warum fordert der Ausländerrat nicht ,das die Mädchen hier ohne Kopftuch in die Schule zu gehen haben ,das ist ein Zeichen der Integration und Bestandteil unserer Kultur .

06.11.2015 10:43 Stepe 5

Dazu passt die Meldung, das muslimischer Spieler vom FC Utrecht einer Reporterin den Handschlag aus religiösen Gründen versagte, übersetzt, das Frauen, wie auch sogenannte Ungläubige minderwertig sind. Keine Erfindung rechter Gesinnung, sondern im Koran nachzulesen.

06.11.2015 10:16 ralf meier 4

Da lese ich: " Die Idee, dass viele Hände den Engel mit Sand befüllen müssen, ihn festdrücken und anschließend mit vereinter Kraft das Rad anheben, sorgte dafür, dass fremde Menschen einander näherkamen und Distanzen überwunden wurden." Was für eine Droge muss man schlucken , um auf solch eine Idee zu kommen. Oder reicht es aus, Künstler zu sein?

06.11.2015 08:48 Fred Rumsch 3

Dieser "innere Hass" von dem Sie sprechen ist ja nicht angeboren und jede positive Erfahrung mit Andersgläubigen könnte diesen - sofern vorhanden - ein Stück weit abbauen, ebenso wie es auf der anderen Seite die in der Regel ungerechtfertigten Ängste abbauen kann. Ich finde es schön, wenn solche Aktionen einen Dialog zwischen Anhängern verschiedener Religion anregen - insbesondere in Dresden und dem Umland scheinen die Vorbehalte besonders stark zu sein, sodass auch der Ort gut gewählt war.

06.11.2015 04:54 Querdenker 2

Ich sehe da eine Werbeaktion und ein „Engel der Religionen“. Außerdem wurde mit den Atheisten eine große Gruppe der Bevölkerung (in Deutschland etwa 40%) ausgeschlossen. In dem Video bemängelt der Künstler das Bußgeldverfahren zur Länge der Fahnenstange wegen der Anti-Pegida Demo. Seine Erklärung hierzu macht ihn mir sofort unsympathisch. Völlig desinformiert zum Versammlungsrecht und die Gründe für die Begrenzung der Fahnenstange versucht er mit dem „Galgenvorfall“ seinen Gesetzesverstoß zu relativieren. Das zeigt mir auch, dass er sich mit den Demonstrationen noch gar nicht genug beschäftigt hat! Auf jeder Demo müssen nämlich zum Anfang diese ggf. vorhandenen gesetzlichen Beschränkungen vom Veranstalter der Demo vorgelesen werden. Übrigens noch mal zur Erinnerung, vor allem Ungläubigen (Atheisten) wird vom Islam wenig Toleranz auf der Welt entgegengebracht, wie man am „Islamischen Staat“ in der schlimmsten Ausprägung sieht. Verschenkte Chance, da das Symbol Atheismus fehlt!

05.11.2015 18:44 Morchelchen 1

Wenn sowas nur weltweit was bewirken würde... Der Absturz der russischen Maschine war nach den neusten Informationen wohl auch wieder das Werk von Islamisten. Ich denke, da können wir Christen, , Muslime, Juden UND Atheisten alle gemeinsam das Rad kilometerweise anschieben - diesen inneren Hass gegenüber Ungläubigen kriegt man aus radikalen Muslimen niemals raus...