Die Spurensicherung der Polizei arbeitet am 19.08.2015 in Lampersdorf (Sachsen) auf dem Bauernhof, in dem die Polizei die entführte und ermordete 17-jährige Anneli gefunden hat.
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Untersuchungen dauern an Fall Anneli: Todesursache weiter unklar

Die Spurensicherung der Polizei arbeitet am 19.08.2015 in Lampersdorf (Sachsen) auf dem Bauernhof, in dem die Polizei die entführte und ermordete 17-jährige Anneli gefunden hat.
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Die Klärung der genauen Todesursache der entführten Anneli kann mehrere Wochen dauern. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Lorenz Haase, sagte am Mittwoch MDR 1 RADIO SACHSEN, die Obduktion sei schwieriger als ursprünglich vermutet. Es seien weitere toxikologisch-chemische Untersuchungen notwendig. Zwar werde in den Haftbefehlen für die 39 und 61 Jahre alten Tatverdächtigen davon ausgegangen, dass die 17-Jährige erdrosselt wurde. "Es kommen aber auch andere Möglichkeiten in Betracht", sagte Haase. Anneli wurde bisherigen Ermittlungen zufolge am Freitag getötet. Ihre Leiche wurde am Montagabend auf einem Bauernhof in Lampersdorf gefunden. Ihre Identität konnte am Donnerstag im Verlauf der Obduktion bestätigt werden Die Tatverdächtigen sitzen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gemeinschaftlichen Mordes und gemeinschaftlichen erpresserischen Menschenraubes.

Entführung am Donnerstagabend

Anneli hatte ihr Elternhaus am Donnerstag gegen 19:20 Uhr mit ihrem Fahrrad verlassen, um den Familienhund Gassi zu führen. Auf einer Verbindungsstraße zwischen der Bundesstraße 101 und der Ortschaft Luga traf sie den Erkenntnissen der Ermittler zufolge kurz darauf auf die mutmaßlichen Täter. Kurz vor 20 Uhr kontaktierten die Täter noch aus dem Auto heraus den Vater über das Handy des Mädchens und forderten 1,2 Millionen Euro. Die Zahlung solle bis Freitag 12 Uhr erfolgen, ansonsten würden die Eltern ihr Kind nicht wiedersehen. Der Vater begab sich daraufhin auf die Suche, fand aber nur Fahrrad und Hund. Die Mutter alarmierte die Polizei.

Seit Freitagmittag kein Kontakt zu den Entführern

Am Freitagmittag telefonierten der Vater des entführten Mädchens und die Tatverdächtigen erneut. Sie forderten, das Lösegeld per Onlinebanking zu überweisen. Das war allerdings nicht möglich. Ein Lebenszeichen von Anneli verweigertenn die Entführer. Nach dem Telefonat brach der Kontakt zu den Tätern ab. Deshalb entschied sich die Polizei, am Sonntag an die Öffentlichkeit zu gehen.

DNA-Spur führt zu einem der Täter

Blumen und Kerzen liegen in Lampersdorf (Sachsen) an der Einfahrt des Bauernhofes, in dem die Polizei die entführte und ermordete 17-jährige Anneli gefunden hat.
Blumen und Kerzen liegen in Lampersdorf an der Einfahrt des Bauernhofes. Bildrechte: dpa

Eine DNA-Spur am Fundort des Fahrrades führte die Polizei schließlich am Sonntag zu einem 39-jährigen Tatverdächtigen. Er war unter anderem wegen des Verdachts des Versicherungsbetrugs und der Brandstiftung aktenkundig. Auch Ermittlungen wegen eines Sexualdelikts seien registriert. Per Handy-Ortung führte die Spur zu ihm nach Bayern. Am Montag wurde er dort festgenommen. Ein weiterer 61-jähriger Tatverdächtiger wurde am gleichen Tag in Dresden festgenommen. Die Polizei kam ihm bei der Überwachung des 39-Jährigen auf die Spur.

Am Montagnachmittag legte der Dresdner Tatverdächtige im Verhör ein Geständnis ab. Daraufhin wurde die Leiche der jungen Frau auf einem Hof in Lampersdorf gefunden. Dort hatte der jüngere Tatverdächtige bis vor kurzem mit seiner Familie gewohnt. Laut Polizei lässt das Geständnis des 61-Jährigen dessen Tatbeitrag "in einem milderen Licht erscheinen". Der 39 Jahre alte Tatverdächtige schweigt bislang zur Tat.

Haftbefehl gegen zwei Tatverdächtige erlassen

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich um einen Mord zur Verdeckung der Entführung handelt. Eine Chance zu Überleben hatte die 17-Jährige nach Einschätzung der Polizei wahrscheinlich nicht. Die mutmaßlichen Täter seien nicht maskiert gewesen und hätten später ohne weiteres von der Entführten identifiziert werden können. Es sei denkbar, dass es den Tätern im Verlauf der Tat nicht mehr auf das Geld angekommen ist, weil sie nicht mehr weiter wussten. Das schließt die Polizei aus der "begrenzten Planungsqualität" des Vorhabens. Zum anderen hätten sich die Täter seit Freitagmittag nicht mehr gemeldet. Einen Racheakt schließen die Ermittler nach derzeitigem Kenntnisstand aus.

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2015, 10:16 Uhr