Trabant P 601 Limousine blau
Bildrechte: August Horch Museum Zwickau

Meine persönliche Trabi-Geschichte Die Badewanne und der Trabi

Wer zu DDR-Zeiten einen Trabi besaß, hat so manch lustige Geschichte auf Lager. Auch Hans Georg Menzer aus Dresden kann mit einer aufwarten: In einem Brief an MDR SACHSEN schildert er sein Trabi-Erlebnis mit einer Badewanne.

Trabant P 601 Limousine blau
Bildrechte: August Horch Museum Zwickau

Wer in der DDR für die Modernisierung seiner Wohnung selbst zuständig war, musste Wege suchen, die oft nicht alltäglich waren: Einen Antrag an das Bauamt um Aufnahme in die Bilanz bitten; warten auf ein Kontingent, um mit Glück und Vitamin "B" nach Jahren eine Zuweisung des benötigten Materials zu bekommen. Es gab keinen Baumarkt, und die wenigen Baustoffversorgungen konnten meist auch nicht helfen.

Badewannen waren ein begehrter Artikel, wenn man privat ein Bad einbauen wollte. Woher aber bekommen? Da gab es auf der ehemaligen E.-Fenske- Straße (heute Theaterstraße) ein Geschäft, das verkaufte Herde, Öfen und Ersatzteile dazu.

Im Rahmen des Konsumgüterprogrammes wurden hier auch Badewannen II. Wahl angeboten, die von TURÜbigau kamen und für die "Nebenproduktion" des Werkes, Schrankeinbauwannen, nicht verwendet werden konnten. Der Tipp kam von einem Bekannten, der in diesem Werk arbeitete. Nun erfolgte eine ständige Nachfrage, bis eines Tages eine Lieferung den Laden erreichte.

Ein Glückstag war, wenn Lieferung und Nachfrage zusammenfielen.

"Nehmen Sie die Wanne sicherheitshalber gleich mit"

An  einem solchen Tag im Jahre 1976 stand ich vor dem Laden in der Warteschlange und hatte auch noch das Glück, vor dem Ausverkauf eine Wanne zu ergattern. Nun begann das eigentliche Problem. Nach der Bezahlung bat ich die Verkäuferin, mir die Wanne zurückzustellen, denn ich musste erst ein entsprechendes Transportfahrzeug auftreiben. "Nehmen Sie sicherheitshalber die Wanne gleich mit, da ich nicht garantieren kann, dass sie lange hier steht. Sie sehen ja die Schlange."

Was tun? Kumpel anrufen? Handys gab´s noch nicht, ein Telefonhäuschen war nicht in der Nähe. Ich war mit der Trabi-Limousine gekommen und hatte schon einige Baumaterialien damit transportiert. Es blieb mir nichts anderes übrig zu probieren, ob die Wanne  in den Trabi passt.

Mit dem Zollstock erste Grobmessung - könnte gehen. Dann die Sitze, Rückbank und Lehne raus, auf den Gehsteig gestellt. Wanne über die linke Tür in den Fahrraum bis in den Kofferraum geschoben und zur Fahrerseite auf die Seite gekippt. Die Sitzgelegenheiten ins Auto gestapelt und mich in die Wanne gesetzt.

Am Lenkrad hielt ich mich fest und damit konnte ich die Fußpedale betätigen. So ging´s los in Richtung Laubegast. Polizei war glücklicherweise nicht da und ein Problem wieder mal gelöst.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.11.2017 | 16:50 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 07.11.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 05:00 Uhr