Razzien in sechs Ländern Sächsische Cybercrime-Ermittler legen zwei Portale still

Ansicht einer gesperrten Internetseite
Sie sieht es aus, wenn man jetzt die Seite www.town.ag ansteuert. Bildrechte: Generalstaatsanwaltschaft Dresden

Ermittlern der Zentralstelle Cybercrime Sachsen (ZCS) ist ein Schlag gegen die internationale Cyberkriminalität gelungen. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Dresden am Donnerstag mitteilte, gab es Razzien in sechs Ländern. Zwei Verdächtige im Alter von 31 und 39 Jahren wurden festgenommen, einer in Sachsen, der andere in Spanien. Einen der beiden Tatverdächtigen halten die Ermittler für den Kopf der Gruppe. Sie müssen sich wegen "gewerbsmäßiger unerlaubter Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken" verantworten.

Durchsuchungen am Mittwoch

Die Männer sollen an zwei Onlineportalen beteiligt gewesen sein, auf denen illegal Zugänge zu Filmen, Serien, Musik, E-Books, Hörbücher und Zeitungen angeboten wurden. Die Seiten wurden mittlerweile abgeschaltet. Im Rahmen der Ermittlungen wurden demnach bereits am Mittwoch die Wohn- und Geschäftsräume von 26 Beschuldigten sowie Rechenzentren in Deutschland, Spanien, den Niederlanden, in San Marino, der Schweiz sowie in Kanada durchsucht. An den Razzien waren 182 Beamte von Justiz und des Landeskriminalamts Sachsen beteiligt.

Tausend Gigabyte Daten gesichert

Die Beschuldigten stehen im Verdacht, die Internetportale www.town.ag und www.usenet-town.com betrieben zu haben. Dabei handelt es sich nach Angaben der Ermittler um zwei der größten Onlineportale, über die illegal Zugang zu verschiedenen Medien angeboten wurde.

Die Nutzer hatten demnach zuletzt Zugriff auf rund 400.000 beziehungsweise 1,2 Millionen Titel. Zahlreichen Urheberrechtsinhabern entstand ein Gesamtschaden von mehreren Millionen Euro. Die Betreiber der Plattformen ließen sich ihre Dienste und den Zugang zu den Werken nach Justizangaben über sogenannte Sponsoren vergüten und erzielten Einnahmen in Millionenhöhe. Auf den Servern wurden im Zuge der Abschaltung mehr als tausend Gigabyte Daten gesichert. Zudem wurden zahlreiche Computer und Datenträger der Beschuldigten beschlagnahmt.

Erinnerungen an Kino.to und kinox.to

Es ist nicht das erste Mal, dass sächsische Ermittler illegale Onlineportale aufspüren. 2011 hatten sie die illegale Seite Kino.to gesperrt. Nur teilweise erfolgreich waren sie beim Nachfolger kinox.to. Ein Betreiber des Portals wurde zwar festgenommen und verurteilt. Allerdings konnte das Portal bislang nicht gesperrt werden, weil die Ermittler nicht an die Passwörter rankommen.

Generalstaatsanwaltschaft Dresden - Zentralstelle Cybercrime Sachsen (ZCS) Die Zentralstelle Cybercrime Sachsen (ZCS) wurde 2016 bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden errichtet. Sie ist zentraler Ansprechpartner in Fragen der Bekämpfung von Cyberkriminalität und landesweit zuständig für die Bearbeitung herausgehobener Strafverfahren in diesem Bereich. Die Ermittlungen werden regelmäßig in Zusammenarbeit mit den Spezialisten des Sächsischen Cybercrime Competence Centers (SN4C) beim LKA Sachsen geführt.

Cybercrime Der Begriff umfasst Straftaten, die sich gegen das Internet, Datennetze, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten (Cybercrime im engeren Sinne) oder die mittels dieser Informationstechnik begangen werden.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.11.2017 | 15:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 09.11.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: AFP/PM/bb

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 18:08 Uhr

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2 Kommentare

10.11.2017 01:43 Sebastian Jokisch 2

Wenn die Ermittler bei Steuervergehen so aktiv sein würden, dann könnte man auch eine Kulturflatrate für alle realisieren. Aber da widerum haben sich die Ermittler bei Polizei aber vorallem bei der Staatsanwaltschaft nicht so sehr. Pseudo-Neoliberaler Murcks. Gegen CUM-EX machtlos sein und gegen den Kulturzugangmacher, bei dem absolut jeder auf seine Kosten kommt, den straffen Gesetzesgläubigen spielen. Warum es bei der alten Debatte um Digitalen Medien nicht nur ein Stillstand gab, sondern sogar ein Rückschritt, tja, das Wenige, was dem Volk geblieben ist, wird ihm auch genommen. Man nimmt es lieber hin, dass die Leute sich die Sachen aus dem Ausland holen, wo deutsche Strafbehörden nicht hinkommen, und leider auch nicht die Datenschützer, als Kulturschaffende für die Digitalisierung Unterstützung zu gewähren. Das ist wie mit den Drogen, absurd. Wer denkt, Geld schaffe Fortschritt, der schläft, und zwar schon seit mehreren tausend Jahren.

09.11.2017 22:08 Andreas 1

Passwörter sind doch kein Problem. Urteil. So lange ins Gefängnis bis die Passwörter da sind.