Feierliche Präsentation Der erste E-Golf aus Dresden rollt nach Norwegen

Die ersten E-Golfs aus der Gläsernen Manufaktur Dresden stehen auf dem Auslieferungsband.
Bildrechte: MDR/Steffen Hengst

Nach mehr als einem Jahr Produktionspause liefert die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden wieder Fahrzeuge aus. Am Montag verließ der erste E-Golf das Werk. Bis Anfang 2016 rollte hier noch die PS-starke Luxuslimousine Phaeton vom Band, nun wird auf Strom gesetzt. VW-Sachsen-Finanzchef Kai Siedlatzek bezeichnete diesen Wechsel als "ersten konsequenten Schritt, um die Elektromobilität zu stärken" - ein Anfang, um das Thema möglichst vielen Menschen nahe zu bringen.

Umweltfreundliches Image als Event

Blick auf die Montagenbänder für den E-Golf aus der Gläsernen Manufaktur Dresden.
Die Farbe der Unschuld hat der erste Dresdner E-Golf: "Oryxweiß Perlmutteffekt". Bildrechte: MDR/Steffen Hengst

Volkswagen hatte die Gläserne Manufaktur in Dresdens Innenstadt in den zurückliegenden Monaten für 20 Millionen Euro zu einer "Erlebniswelt für Elektromobilität und Digitalisierung" umgestaltet. Der Konzern will sich damit nach dem Abgas-Skandal neu aufstellen und sein Image aufpolieren. In Dresden soll der Wandel öffentlichkeitswirksam gezeigt werden. Der Hauptteil der E-Golf-Produktion erfolgt im VW-Stammwerk in Wolfsburg. In der Gläsernen Manufaktur werden ab Mai im Einschicht-Betrieb lediglich 35 Fahrzeuge pro Tag endmontiert, maximal 100 täglich gibt der Standort her. Bis zu 300 der ehemals 500 Beschäftigten in Dresden sind bislang an ihre alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Betriebsrat Thomas Aehlig hofft, dass die alte Personalstärke wieder erreicht wird.

Ab nach Norwegen

Blick auf die Montagenbänder für den E-Golf aus der Gläsernen Manufaktur Dresden.
Noch ist unklar, ob und wann die maximale Produtkionsauslastung in Dresden erreicht wird. Bildrechte: MDR/Steffen Hengst

Der erste in Dresden produziert E-Golf hat einen 136 PS starken Elektromotor unter der Haube und eine Reichweite von 300 Kilometern - allerdings nur nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) auf dem Rollenprüfstand. Im Alltag sind es realistisch im Schnitt 200 Kilometer, wie VW selbst einräumt. Dennoch ist vor allem ein Land mit weiten Wegen der wichtigste Absatzmarkt für den E-Golf: Die ersten 800 Stromer aus Dresden werden allesamt nach Norwegen exportiert. Als das Fahrzeug im Februar offiziell präsentiert wurde, gingen der Zeitung "Die Welt" zufolge bei einem Händler in Oslo binnen zehn Minuten 41 Bestellungen ein. Nach 200 Minuten waren es schon 1.200!

So toll kann E-Auto-Fahren sein

Der Grund für den Elektroauto-Hype in Norwegen ist einfach: Es gibt einen Haufen Vorteile. So kostet ein E-Golf dort dank Mehrwertsteuer- und Neuwagensteuer-Erlass nur 60 Euro mehr als das vergleichbare Modell mit herkömmlichem 85-PS-Verbrennungsmotor. Außerdem darf man mit Stromern die Busspuren nutzen, parkt kostenlos mitten im Stadtzentrum von Oslo und kann dort auch noch gratis Strom tanken.

Strom tanken im Schnelldurchgang

Stromtankstelle vor der Gläsernen VW-Manufaktur in Dresden
An der VW-Stromtankstelle gibt es passende Ladekabel für europäische, amerikanische und japanische E-Auto-Fabrikate. Bildrechte: MDR/Steffen Hengst

Zentrales Stromtanken geht in Dresden jetzt auch und ist bei VW zumindest für ein Jahr kostenlos: Parallel zum Rollout des ersten E-Golfs wurde neben der Gläsernen Manufaktur die größte und auch leistungsstärkste "e-Mobility-Station" der Stadt eingeweiht - die auch noch hauptsächlich solarbetrieben ist. Hier können, wettergeschützt unter einem Carport-Dach, bis zu vier E-Autos gleichzeitig aufgeladen werden. Und das geht auch noch im Schnelldurchgang, denn an den Ladesäulen liegen statt der üblichen elf oder 22 Kilowatt Leistung 42 bis 50 Kilowatt an. Das Tanken an einer üblichen Haushaltssteckdose würde übrigens gefühlt eine halbe Ewigkeit dauern – sie liefert maximal eine Leistung von knapp 3,7 Kilowatt.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR 1 RADIO SACHSEN | 03.04.2017 | Nachrichten sowie Meldungen aus dem Regionalstudio Dresden | ab 06:30 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 03.04.2017 | 19 :00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2017, 20:03 Uhr

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6 Kommentare

04.04.2017 14:29 Fragender Rentner 6

Zitat von Oben: Der erste E-Golf aus Dresden rollt nach Norwegen

Ist er da billiger als Hier?

Bekommen die Norweger noch mehr Kaufprämien als die Deutschland (4.000,- €)?

04.04.2017 08:34 Baumi 5

Naja, ein netter, halbausgegorener Versuch. Aber 200 Km Reichweite werden Tesla keine Konkurrenz machen. Noch wichtiger ist jedoch das Ladenetz: Tesla lädt Europaweit mit 120KW... statt nur in Dresden mit der Hälfte. Und das auch noch kostenlos lebenslang ;-) Gute Fahrt!

04.04.2017 07:16 M. Jacob 4

Für mich bleibt immer noch die alles entscheidende Frage aller Fragen unbeantwortet: Wieviel Ladezyklen hält der PKW-Akku durch und was kostet der Austausch? Hier lauert nach 2 - 3 Jahren meiner Einschätzung nach ein erhebliches Kostenrisiko.

03.04.2017 23:11 Markus 3

Wie kann man ein PKW mit nur 200 km Reichweite vernünftig nutzen??? Nicht vergessen: das notwendige nach diesen 200 km Aufladen dauert nicht wie Tanken ein paar Minuten, sondern viele Stunden!!!

03.04.2017 21:12 Tim Egger 2

Was nützen solche Aussagen, dass das Laden an der Haushaltsteckdose eine gefühlte Ewigkeit dauere? Hat der Autor nicht begriffen, dass es gar nicht drauf ankommt, wenn das Auto die ganze Nacht steht? Kann der Autor einen Verbrenner zu Hause betanken? Bitte etwas neutralere Berichterstattung.

03.04.2017 21:02 John Silver 1

Hoffentlich hat der Wagen eine leistungsfähige Elektroheizung im kalten Norwegen ;))