Fans vojn Dynamo Dresden  im Militär Outfit.
Bildrechte: IMAGO

Dynamo Dresden "Football-Army" Marsch in Karlsruhe: Alles nur halb so schlimm?

Beim Deutschen Fußballbund (DFB) geht es heute auch um den kriegerischen Fanmarsch von Dynamo-Anhängern beim Auswärtsspiel gegen Karlsruhe. Ergebnisse werden frühestens am Nachmittag erwartet. Der Marsch sorgt für heftigen Streit.

Fans vojn Dynamo Dresden  im Militär Outfit.
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Rund 1.500 Dynamo-Anhänger waren am Sonntag als selbsternannte "Football-Army" zum Stadion gezogen. Dabei hatten sie Rauchbomben gezündet und Feuerwerkskörper auf Polizisten geworfen. Am Stadion kam es zu Rangeleien mit Ordnern. Insgesamt wurden 36 Polizisten und Ordner verletzt. Die Ultras Dynamo erklärten man habe bei der "Mottofahrt" niemanden verletzen wollen. MDR SACHSEN hat nachgefragt und die unterschiedlichen Positionen zusammengefasst.

MDR Reporter: Stadion und Fanblock wurden gestürmt

Gert Zimmermann hat für MDR SACHSEN das Fußballspiel von Dynamo gegen den Karlsruher SC kommentiert. Er hatte vor Beginn des Spiels einen lauten Knall gehört, dann seien die Dresdner Fans regelrecht in das Stadion und den Fanblock gestürmt. Der Stadionsprecher des KSC habe später durchgesagt, dass keine Getränke mehr ausgegeben würden, weil sich das Personal von einigen Dresdner Fans bedroht gefühlt habe.

Polizei: Deeskalation stand im Vordergrund

MDR SACHSEN hat mit dem Pressesprecher der Karlsruher Polizei, Martin Plate, über die Geschehnisse am Sonntag gesprochen. Das Hauptanliegen der Beamten war demnach die Deeskalation in der angespannten Situation. Außerdem äußerte er sich zu den Verletzungen der Polizisten und Ordner. Seinen Angaben zufolge haben 15 Polizisten ein Knalltrauma durch Böllerwürfe erlitten. Ein weiterer Beamter wurde abseits der Ausschreitungen beim Ausladen eines Pferdes verletzt. Die 21 verletzten Ordner erlitten vor allem Schürfwunden und Hämatome. Einer musste im Krankenhaus behandelt werden. Sie sollen sich die Verletzungen zugezogen haben, als ein Teil der rund 1.500 Dynamo-Fans sich am Stadioneingang einer Durchsuchung entzogen hätte. Bei den Zusammenstößen sollen Dynamo-Fans vereinzelt das Personal geschlagen und getreten haben.

Im Stadion hätten einige Fans zudem Getränke aus Geschäften mitgenommen - ohne zu bezahlen. Das Personal sei dabei auch bedrängt worden. In der Gruppe konnten die zum Teil maskierten Einzeltäter nicht klar ausgemacht werden. Deshalb sei es auch nicht zu Festnahmen gekommen.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen und lässt derzeit Videomaterial auswerten. Untersucht würden der Fanmarsch, die Böllerwürfe und die Getränkediebstähle.

Dynamo Dresden: Distanzierung und Aufarbeitung

Der Verein äußerte sich noch am Sonntagabend in einem Tweet. Am Montag folgte eine öffentliche Stellungnahme, in der sich der Fußballklub von den Vorkommnissen in Karlsruhe distanzierte. Sportgeschäftsführer Ralf Minge meldete sich am Dienstag erneut zu Wort und übte Kritik an den beteiligten Fans. Der Verein kündigte an, die "Verfehlungen" zu analysieren und aufzuarbeiten. "Die Ermittlung von Tätern und wirksame Prävention werden auch künftig im Zentrum unserer Bemühungen stehen", erklärte der kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born. Am kommenden Montag will sich der Verein erneut öffentlich äußern.

Ultras Dynamo: Aktion aus Solidarität mit dem KSC

Die Fangruppierung hat am Donnerstag im Internet eine Erklärung veröffentlicht. Demnach habe man bei der "Mottofahrt" nicht die Absicht gehabt, jemanden zu verletzen. Nachdem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Karlsruher SC zu einem "Geisterspiel" verurteilte hatte, wollte man sich demnach solidarisch zeigen. Die Ultras kritisieren, dass der DFB nicht mit Vereinen und Fans über Pyrotechnik diskutiert. Der Verband sei nur daran interessiert, mit dem Fußball viel Geld zu verdienen. Die Fans seien demnach für gute Stimmung zuständig, Pyro und kritische Banner seien jedoch verboten. Probleme würden ignoriert, Kommunikation gebe es nicht.

Mit der Aktion in Karlsruhe habe man die breite Öffentlichkeit auf die Probleme aufmerksam machen wollen. Durch größtmögliche Provokation könne man nun nicht mehr ignoriert werden. Ein Hauptkritikpunkt sei die Sportgerichtsbarkeit des DFB. Dieser wird jede Legitimation abgesprochen. Nach Ansicht der Ultras wird in der Fußballliga gezielt Politik gemacht. Dieser Kreislauf müsse gebrochen und der zunehmende Kommerz gestoppt werden.

MDR SACHSEN hat versucht, einzelne Teilnehmer der "Dynamo Fan Armee" für ein Interview zu gewinnen. Unsere Anfragen wurden bislang nicht beantwortet.

Karlsruher SC: Kein Kommentar

Der KSC wollte sich unter Verweis auf laufende Ermittlungen nicht äußern. Ein Sprecher des Vereins sagte MDR SACHSEN, derzeit würden die Vorkommnisse aufgearbeitet und es werde Videomaterial gesichtet. Dies werde jedoch noch mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.05.2017 | Nachrichten ab 05:00 Uhr

MDR SACHSENSPIEGEL | 15.05.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 15:49 Uhr

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16 Kommentare

20.05.2017 01:16 Frager 16

Frage 1: Wenn das Spiel gegen Bielefeld schon vor den Karlsruhern Ereignissen als Risikospiel eingestuft wurde, wieso waren da nicht von Anfang an Wawe, Reiterstaffel und Hubschrauber eingeplant ? Frage 2: Liegt die plötzliche Aufstockung daran, dass die Polizei Infos bekommen hat, aus denen zu schließen ist, dass die deutsche Ultraszene doch nicht so begeistert von der Karlsruher Aktion ist, wie es die hiesige unterstellt? Frage 3: Oder hat die Dresdner Polizei mittlerweile das Foto- und Videomaterial aus Karlsruhe bekommen?

20.05.2017 01:10 SGDynamo69 15

Der Einfluss des Vereins ist tatsächlich begrenzt und - nicht nur, aber v.a. - die Dresdner Ultra-Szene ist schon längst eine Parallelgesellschaft geworden, die maßgeblich auch für die Attacken in Heidenau und am 1.Pegida-Geburtstag verantwortlich ist. Was in Karlsruhe geschehen ist, hätte die hiesige Polizei zwar nicht mit denen, aber mit Auswärtigen ziemlich schnell gelöst. Fuhren ja schließlich zwei Wawe mit...

20.05.2017 01:00 Dresdner 14

Politisch war das Ganze doch von Anfang an. Und weils Sie´s gerade selbst ins Politische drehen: Die letzten Sachbeschädigungen und KV, die es durch Antipegida gab, sind irgendwannn Ende 2015 gewesen. Seitdem gabs ´ne ganze Menge, na gut, Sachbeschädigungen weniger, dafür umso mehr KV seitens Pegidanern. Mit Sachbeschädigung meinen Sie vermutlich die drei Autobrände bei Pegidanern, von denen offensichtlich nur der erste nachweislich aufs Antipegidakonto geht? By the way, haben die Opfer nun eigentlich endlich mal das von Lügenlutze versprochene Geld gekriegt?

20.05.2017 13:03 guantche 13

Wann ermittelt der DFB eigentlich
mal endlich gegen sich selbst? Oder
haben Koch & Co schon wieder ihre
eigene kriminelle Szene Vergessen,
in ihren Reihen?

20.05.2017 10:15 Altus 12

@mastrag: so kompetent, wie sie hier vor sich hinschwafeln waren sie ja sicher in Karlsruhe dabei?! und für ihre Klientel ist es auch immer einfach auf alle einzuprügeln ...dann muss man ja nicht nachdenken und der Hype in der medialen Berichterstattung leistet einen tollen Beitrag zur Vereinfachung. So ähnlich hat das im Vorgängerstaat auch funktioniert ...

20.05.2017 04:19 mastrag 11

Was bilden sich diese Ultra-Spinner eigentlich ein wer sie sind? Aufgrund des jahrelang betriebenen Kuschelkurses, der Vereinsführung von Dynamo Dresden, ist denen der Übermut zu Kopf gestiegen. Da ja Auswärtstickets angeblich nur an Vereinsmitglieder ausgegeben werden, dürfte es doch ein Leichtes sein, diejenigen zu ermitteln die in Karlsruhe dabei waren. Logische Konsquenz kann nur sein, Ausschluss aus dem Verein, lebenslanges Stadionverbot und finanzielle Haftung. Und sollten unter den knapp 2000 Chaoten doch ein paar "Unschuldslämmer" gewesen sein, Pech gehabt, mitgegangen-mitgefangen! Nun kann der Verein endlich mal zeigen ob er vor seinen Ultras weiterhin kuschen will oder endlich mal im Interesse der Mehrheit der Dynamo-Fans handelt.

19.05.2017 20:10 Agnostiker 10

T-shirts mit Tarndruck und Gilligan`s Huete - kein Wunder, dass der BRD-Staat mit seinen ganzen "Symbol"-Zwaengen und seinem staendigen "Zeichen setzen" - Klamauk bei sowas die "Fassung verlieren" muss! XD

19.05.2017 18:55 Das ist unerträglich 9

Natürlich wird alles kleingeredet, verniedlicht und zuletzt auch gar bestritten.
Und der ganze Zinnober nennt sich Fußball, mit dem gigantische Erträge erwirtschaftet werden, und
der nur unter
staatsfinanzierter Aufsicht überhaupt stattfinden kann.

19.05.2017 18:11 Frank 8

@ 6: Wenn Minge & Co. weiter im Sattel sitzen, werden Sie "Klare Kante" weiter vermissen. Dazu braucht man Niveau an der Vereinsspitze!

19.05.2017 17:32 Klarheit 7

@Peter & co,
was kann Dynamo dafür wenn sich in Karlsruhe Chaoten versammeln ? Dresden hat im Dynamo Stadion das sagen aber nicht in Baden-Württemberg, ist Angelegenheit der dortigen Behörden , wenn die unfähig sind rechtswidriges zu unterbinden sollten die sich evtl. mal hinterfragen, Gesetze anwenden und nicht Vereinen die nichts für Idioten die in anderen Bundesländern aufmarschieren bestrafen wollen !