Bosch-Logo und -Schriftzug an der Fassade der Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH
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Hintergrund: Sensoren für selbstfahrende Autos

Bosch-Logo und -Schriftzug an der Fassade der Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH
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Der Autozulieferer Bosch baut in Dresden eine Chipfabrik. Dort soll in wenigen Jahren Elektronik für Fahrzeug-Sensoren produziert werden. Wozu sind diese Chips nötig? Und warum werden für die Ansiedlung Steuergelder verwendet? MDR SACHSEN sprach dazu mit Christof Windeck. Er ist beim Computermagazin c't Experte für Halbleitertechnik.

MDR SACHSEN: Herr Windeck, in dem Werk sollen sogenannte MEMS Microelektromechanische Sensoren hergestellt werden. Wofür sind die nötig?

Christof Windeck
Christof Windeck Bildrechte: Computermagazin c't

Christof Windeck: Solche Sensoren kennt eigentlich jeder der ein Smartphone besitzt. Heutige Smartphones haben zum Beispiel eine Panoramafunktion. Da machen Sie ein Bild und drehen das Smartphone. Und dabei bewegt sich automatisch der Bildausschnitt mit. Und diese sogenannten Gyro-Sensoren oder Drehwinkelsensoren oder auch Beschleunigungssensoren, die Sie kennen von der Fitnessuhr, die die Schritte zählen, das sind alles mikromechanische Systeme, also MEMS. Die sind weit verbreitet.

Werden solche Sensoren auch bei den selbstfahrenden Autos gebraucht, die Bosch zusammen mit Daimler bis 2020 auf den Markt bringen will?

Ja, sicher. Die kommen auch heute schon zum Einsatz. Zum Beispiel beim elektronischen Stabilitätsprogramm im Auto, beim ESP. Oder dem Airbag-Sensor. Da brauchen Sie Sensoren, die feststellen, ob das Auto in der entsprechenden Bahn läuft. Denn woher sollen das Auto oder der Computer im Auto wissen, ob Sie gerade absichtlich scharf bremsen? Oder ob Sie deshalb bremsen, weil sie vom Weg abkommen? Oder ob Sie vor einen Baum gefahren sind?

Ein von Bosch mit Technik für automatisiertes Fahren ausgestattetes Auto
In selbstfahrenden Autos werden Sensoren erst recht lebenswichtig. Bildrechte: dpa

Und solche Beschleunigungssensoren oder Drehraten-Sensoren, die können genau sowas feststellen. Insofern gibt es solche Sensoren bereits. Aber autonom fahrende Fahrzeuge, die brauchen viel mehr solcher Sensoren. Zum Teil feinere Sensoren, auch Sensoren, die mit anderen Sensoren vernetzt sind. Zum Beispiel mit GPS, um zu wissen, wo bin ich überhaupt.

Diese Sensoren könnten also künftig aus Dresden kommen. Das neue Dresdner Werk soll ja großzügig von Bund und der EU gefördert werden. Halten Sie das auch für einen Schachzug gegen die Billigkonkurrenz aus China?

Was heißt Billigkonkurrenz? Im internationalen Halbleitermarkt gibt es zwar "billig" und "teuer". Aber es gibt vor allem riesige Fertigungskapazitäten in Asien. Denken Sie zum Beispiel an DRAM-Chips. Also jeder PC, jedes Smartphone hat einen Hauptspeicher. Und diese RAM-Chips kommen zu 80, 90 Prozent aus Südkorea. Da gibt es riesige Chip-Fabs, ein solches Werk kostete mehrere Milliarden Euro. Das ist zum Glück bei den Sensoren noch etwas anders, da sind die Werke noch nicht so teuer. Da geht es auch weniger um solche gigantischen Stückzahlen. Man kann da nicht von Billigkonkurrenz sprechen, sondern überhaupt vom internationalen Wettbewerb.

Hier geht es ja um Produkte, die nur wenige Hersteller auf der Welt überhaupt herstellen können.

Christof Windeck Experte des Computermagazins c't

Bosch macht doch aber eigentlich weltweit große Gewinne. Braucht ein solcher Konzern staatliche Subventionen?

Das ist eine Frage, die würde ich eher bei der Politik sehen. Da maße ich mir kein Urteil an. Ich bin Techniker und kein Wirtschaftsexperte. Grundsätzlich liegt diese Frage auf der Hand: Firmen, die wahnsinnige Gewinne einstreichen, gerade in der Mikroelektronik, wieso brauchen die Subventionen? Das ist eine Abwägung. In anderen Firmen wird eben auch sehr stark subventioniert. Denken Sie an Globalfoundries, was ja eine Firma ist, die in arabischer Hand ist, die hat ein riesiges Werk in New York gebaut. Und auch da gibt es natürlich steuerliche Vergünstigungen. Und der Baugrund, der da benutzt wurde, war wohl auch etwas billiger zu haben. So wie man es in Deutschland auch kennt bei der Ansiedlungspolitik.

Waldschlösschenbrücke in Dresden von oben
Dresdens Innenstadt mit Elbe und Waldschlösschenbrücke. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Linien sind schwer zu ziehen: Wo ist das eine normale Industrieförderung und wo beginnt da die Subvention, die eben nicht mehr ganz fair ist? Auf der anderen Seite ist es so: Diese Firmen sind international tätig. Sie brauchen auch Standorte auf mehreren Kontinenten, um ihre Kunden, die ja auch auf verschiedenen Kontinenten sitzen, zu versorgen. Und da möchte sich die Industrie nicht von jemandem abhängig machen, der nur an einem einzigen Standort produziert. Ein Erdbeben in Amerika, eine Überschwemmung in Dresden könnte die Lieferkette unterbrechen und das ist für diese Firmen nicht hinnehmbar, dann gehen sie zu jemanden anders.

Was macht denn Dresden für Bosch attraktiv, auch wenn es möglichweise mal eine Überschwemmung geben sollte?

Ich denke, dass es tatsächlich diese Idee des Silicon Saxony ist. Also die Idee, einen Cluster zu bilden, in dem nicht nur Fertigungsfirmen sitzen, sondern auch die Universität; ausgebildete Leute, die in dieser Branche arbeiten können, dass das eben doch funktioniert. Wir haben es ja nach wie vor so, dass in den USA, das Vorbild des Silicon Saxony, das Silicon Valley, ein starker Magnet ist für innovative Firmen. Man braucht auch Mitarbeiter dafür, man braucht auch die Kooperation mit Firmen nebenan. Es gibt ja auch eine Menge Zuliefererbetriebe an diesem Standort. Das ist immer ein Abwägen aller Entscheidungen und so eine Subvention kann das Zünglein an der Waage sein.

Wafer
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Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 15.06.2017 | 18:12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 14:44 Uhr

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1 Kommentar

20.06.2017 19:45 Atze 1

Ist es auch geplant, Sensoren und Chips für die Rüstungsindustrie zu fertigen?