Der Künstler Manaf Halbouni.
Bildrechte: MDR/Andreas Kalb

Interview mit Manaf Halbouni "Ich finde es schade, dass ich die Arbeit verteidigen muss"

Der Dresdner Aktionskünstler Manaf Halbouni weist die Kritik an seinem Syrien-Kunstwerk zurück. Im Interview erklärt er, warum die Diskussion um eine Fahne für die Botschaft der Skulptur keine Rolle spielt.

Der Künstler Manaf Halbouni.
Bildrechte: MDR/Andreas Kalb

Herr Halbouni, Sie kennen das Originalfoto der Busse im Kriegsgebiet. Wissen Sie, wie diese Busse aufgestellt wurden und von wem?

Der syrische Künstler Manaf Halbouni steht auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche in Dresden (Sachsen) vor seiner im Aufbau befindlichen Skulptur "Monument".
Der Künstler Manaf Halbouni beim Aufbau seines Kunstwerks "Monument" in Dresden. Bildrechte: dpa

Ich habe zum ersten Mal im März 2015 den Artikel aus dem "Guardian" über die Busbarrikade gelesen und da stand nicht ganz genau drin, wer die Busse errichtet hatte. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass eine der dort kämpfenden Parteien die Busse aufgerichtet hat, um eine Schutzbarrikade für die Zivilbevölkerung zu errichten, um die Sicht von Scharfschützen zu blockieren.

Bei der Kritik in den sozialen Medien geht es vor allem darum, dass angeblich auf dem Originalfoto die Flagge einer hier verbotenen Terrororganisation zu sehen sei. War Ihnen das bekannt?

Ehrlich gesagt nicht. Mich hat es ehrlich gesagt auch nicht interessiert, weil die Busse aufgebaut wurden, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Sodass das Leben seinen normalen Alltag wieder halbwegs gehen kann.

Meine Arbeit richtet sich nicht nach irgendeiner Partei, die dort kämpft. Es sind so viele, die darin verstrickt sind. Man hat keinen Überblick mehr. Was wichtiger ist, ist das Leben. Und darum geht es in dieser Arbeit und nicht um die kämpfenden Parteien.

War Ihnen die Existenz der Fahne auf den Bussen vorher bekannt?

Nein. Auf den Fotos, die ich bisher kannte, war die Fahne nicht drauf. Das Bild mit der Fahne habe ich heute zum ersten Mal gesehen.

Beim besseren Hinschauen - beim Vergleich mit dem Bild aus dem "Guardian" und dem Foto, das jetzt mit Fahne kursiert – habe ich gemerkt, dass der "Guardian" das Foto gekürzt hat. Die Fahne wurde weggeschnitten. Auf anderen Fotos, die ich mir von Freunden aus Aleppo habe schicken lassen, war auch keine Fahne zu sehen.

Dieses konkrete Bild ist also für Ihr Kunstwerk und das, was Sie damit ausdrücken wollten, nicht beispielhaft?

Natürlich nicht. Weil diese Barrikade, wie gesagt errichtet wurde, um die Zivilbevölkerung zu schützen, nicht um irgendeine kämpfende Partei zu unterstützen.

Woher stammt diese Information?

Tatsächlich von Menschen, die in Aleppo waren. Die dabei waren, als die Busse errichtet worden sind. Und auch aus Zeitungsartikeln, die online sind. Es gibt noch einen zweiten Artikel einer amerikanischen Zeitung in dem steht, dass diese Busse dafür errichtet worden sind. Und auch die Bildbeschreibung unter dem Bild, das ich erst heute bei meiner Recherche gefunden habe, da steht in Englisch, dass es eine Barrikade zum Schutz vor Scharfschützen ist.

Wissen Sie, wie die Barrikade errichtet wurde?

Nach meinen Informationen sind die Busse mit Seilen und Ankern aufgerichtet worden.

Müssen Sie Ihr Kunstwerk mit Blick auf die Kritik und mit Blick auf die Fahne der Terrororganisation neu bewerten?

An einem Bauzaun hängen mehrere Rosen und ein Zettel mit der Aufschrift "gegen jeden Krieg".
An dem Kunstwerk sind Blumen und eine Notiz angebracht worden. Bildrechte: MDR/Andreas Kalb

Ich muss das Kunstwerk nicht neu bewerten, denn es steht für das, was ich meine: Für den Frieden. Und für das Erinnern daran, dass Krieg nur Leid ist. Und zwar in jeglicher Sicht.

Und dass Krieg, bloß weil er fern von uns ist, da ist. Jedenfalls in der Geschichte der Stadt Dresden. Die Stadt lag einst in Trümmern und ist wieder aufgebaut worden. Diese Arbeit soll auch für andere Völker symbolisieren, dass nach der Zerstörung der Wiederaufbau beginnt.

Wie empfinden Sie die Kritik und die damit verbundene negative Stimmung als Künstler?

Das ist schwierig zu erklären. Ich finde es schade, dass ich die Arbeit verteidigen muss. Eigentlich will ich ja zum Gespräch anregen und will nicht die ganze Zeit das Gefühl haben, dass ich in Deckung gehen muss. Ich will persönlich mit den Leuten über die Bedeutung der Arbeit reden.

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio MDR 1 RADIO SACHSEN | 08.02.2017 | Nachrichten ab 17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2017, 08:26 Uhr