Juniorwahl in Sachsen Teenies proben wählen gehen

Parallel zur Bundestagswahl können Deutschlands Schüler bei der Juniorwahl mitmachen. Bundesweit beteiligen sich 3.478 Schulen. Eine davon ist das Dresdner Romain-Rolland-Gymnasium. Dort haben sich Schüler der 10. Klassen in Gemeinschaftskunde die Grundregeln von Demokratie erarbeitet. Ob junge Leute unter 18 Jahren schon das Wahlrecht haben sollten, ist dabei kontrovers diskutiert worden.

Wahlhelfer kontrollieren die Wählerliste, im Hintergrund ihre Lehrerin Senta Köchel
Den Augen der Wahlhelfer und Wahlbeobachter entgeht nichts. Lehrerin Senta Köchel (2.v.li.) hat die 10. Klassen auf die Juniorwahl mit vorbereitet. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Juniorwahl - die Wahl der Jugendlichen parallel zur Wahl für die Großen. So lässt sich das Projekt des Berliner Vereins Kumulus e.V. zusammenfassen. Bis eine Woche vor der Bundestagswahl machen mehr als eine Million Schüler probeweise ihre Kreuzchen in Wahlkabinen ihrer Schulen. Sie sollen so Politik erleben und das politische System kennenlernen. Im Fach Gemeinschaftskunde haben sie vor der Wahl über Wahlrecht, die Parteien und ihre Programme gesprochen.

Als Probe ist es eine gute Sache.

Luna Blaurock, Schülerin
Louisa Kürten und Luna Blaurock
Die Schülerinnen Louisa Kürten (li.) und Luna Blaurock nehmen die Juniorwahl ernst. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Im Dresdner Romain-Rolland-Gymnasium haben sich drei zehnte Klassen mit all dem befasst. Höhepunkt ist auch für diese Schüler der Wahlakt. Der wurde seit dem vorigen Schuljahr so vorbereitet wie die Bundestagswahl mit Wahlbenachrichtigungen, Stimmzetteln, Wählerverzeichnissen. "Ich nehme das schon ernst, auch wenn meine Stimme erst einmal nichts ausrichtet. Als Probe ist es eine gute Sache", meint Schülerin Luna Blaurock. Auch ihre Mitschülerin Louisa Kürten findet es wichtig, solche praktischen Themen im Unterricht zu behandeln. Nachdem in der Schule die Parteiprogramme Thema waren, hat sich die junge Dresdnerin durch den Wahl-O-Mat im Internet geklickt und zu Hause mit ihren Eltern diskutiert. "Ich finde die Grünen besonders interessant, weil die sich für Umweltschutz und gegen Kinderarmut einsetzen."

Wahlrecht mit 16 wird heiß diskutiert

Im Rolland-Gymnasium ist auch übers Wahl-Alter diskutiert worden. Sollten Jugendliche schon mit 16 Jahren wählen gehen dürfen oder lieber nicht? Die 17-jährige Luna Blaurock meint: "Ich habe Angst vor Missbrauch der U-18-Wahlen, weil sich viele in meinem Alter doch gar nicht mit Politik auseinandersetzen."

Solche Bedenken hat Lehrerin Senta Köchel in Gemeinschaftskunde öfter gehört. "Die meisten sprachen sich gegen ein Wahlrecht mit 16 Jahren aus. Sie wollen das Alter so belassen, wie es ist oder sogar auf 21 Jahre heraufsetzen. So eine konservative Haltung vieler Schüler hätte ich nicht erwartet", sagt die Lehrerin überrascht. Auf ihre Nachfragen höre sie oft, dass vielen Schülern Politik sehr komplex vorkomme und sie sich die Verantwortung, die mit einem Wahlgang verbunden ist, nicht zutrauten. Um so wichtiger seien Projekte wie die Juniorwahl.

Sie merken, ihre Stimme zählt doch.

Senta Köchel, Lehrerin für Gemeinschaftskunde

"Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Schüler so freuen als Wähler von morgen wahrgenommen zu werden und sich gehört fühlen. Sie merken, ihre Stimme zählt doch", urteilt die Gemeinschaftskundelehrerin.

Warten aufs Wahlergebnis

Beine von Schülern, die vor einem Klassenzimmer warten
Anstehen für die erste Wahl vor dem Klassenzimmer. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Bis zum Wahlabend am 24. September 18 Uhr muss Senta Köchel die Wahl-Ergebnisse ihrer Dresdner Klassen einschicken. Die Resultate aus allen 3.478 Schulen erscheinen dann parallel zu den Endergebnissen der Bundestagswahl. "Was ich heute gewählt habe? Das verrate ich nicht. Es ist doch eine geheime Wahl", meint Luna Blaurock, nachdem sie ihren Wahlzettel eingeworfen hat.

Quelle: MDR/kk

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.09.2017 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2017, 11:13 Uhr

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