Interne Machtkämpfe Sachsens AfD: Köpfe und Konzepte dringend gesucht

Bei den Bundestagswahlen ist die AfD in Sachsen stärkste Partei geworden. Der Landesvorstand hat die Landtagswahlen 2019 inklusive Landtagsmehrheit schon im Blick. Offen ist, mit welchem Personal die AfD Sachsen das schaffen will, nachdem ihre Landesvorsitzende Petry ausgetreten ist und sieben Vorstands-Mitglieder zurückgetreten sind. Auf dem Personalkarussell scharren die ersten Interessenten schon mit den Füßen.

AfD Chefin Frauke Petry
Wer erbt Frauke Petrys Stuhl als AfD-Landesvorsitzender in Sachsen? Bildrechte: dpa

Die vergangenen Wochen seit der Bundestagswahl waren für den sächsischen AfD-Landesverband turbulent. Erst der bundesweite Wirbel nach dem Partei-Austritt ihrer Landesvorsitzenden Frauke Petry, dann Rücktritte von insgesamt sieben Mitgliedern des Landesvorstands, dazu Vorwürfe um einen möglichen Meineid vor der Landtagswahl 2014 und Datenklau. Der sächsische Landesparteitag ist kurzfristig auf Januar 2018 vorgezogen worden. Unklar ist noch, wer dazu einlädt: Der Rumpf-Vorstand der Sachsen-AfD oder der Bundesvorstand. Folgt zwangsläufig die Frage, ob der Landesverband überhaupt noch handlungsfähig ist. Der Dresdner AfD-Politiker Maximilian Krah sagt zur Arbeit des verbliebenen Vorstands: "Ich erlebe keine Spaltungstendenzen. Die Handlungsfähigkeit ist gegeben. Diejenigien, die da sind, machen das."

Die da gegangen sind, haben sich damit selbst rausgeschossen.

Maximilian Krah über abtrünnige AfD-Kollegen.
Dr. Maximilian Krah, AfD-Mitglied Dresden, Jurist, im Gespärch mit MDR Sachsen, Sachsenspiegel und Sachsenradion
Maximilian Krah, Anwalt aus Dresden strebt in den Vorstand der AfD Sachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Jurist aus Dresden gilt als einer der Kandidaten für den vakanten Chefposten der sächsischen AfD. Gegenüber MDR SACHSEN dementierte er jedoch Ambitionen auf den Landesvorsitz. Das sei unrealistisch. Auf dem anspruchsvollen Posten sähe Krah sich "grandios scheitern". Vielmehr stünde für ihn seine große Familie im Vordergrund, deshalb: "Ich will nicht an die Spitze. Ich möchte ein Mitdenker sein." Allerdings überlege er ernsthaft, sich auf einen der Posten im Landesvorstand zu bewerben.

"Natürlicher Aspirant" sieht viel Arbeit vor sich

Siegbert Droese
Siegbert Droese ist kommissarischer AfD-Landesvorsitzender mit einem Rumpf-Vorstand von nur noch sechs Mitgliedern. Bildrechte: AfD, Landesverband Sachsen

Als "natürlichen Aspiranten" auf den neuen Landesvorsitz sieht Krah den aktuellen kommissarischen Landeschef Siegbert Droese. Der AfD-Bundestagsabgeordnete aus Leipzig war Frauke Petrys Stellvertreteter und einer ihrer schärfsten Widersacher. Nach Petrys Partei-Austritt hatte Droese der Ex-Chefin parteischädigendes Verhalten und Vertrauensmissbrauch vorgeworfen. Droese gilt als Vertreter des rechten Flügels. Während des Bundestags-Wahlkampfes war er mit einem dubiosen Autokennzeichen aufgefallen, das in rechten Kreisen mit Hitler in Verbindung gebracht wird. Droese selbst sieht sich dagegen "rechts der Mitte in dem Gebiet, in dem vor 20 Jahren die CDU verortet war", erklärte er MDR Sachsen. Seine Ambitionen für den neuen Landesvorsitz fromulierte er gegenüber dem MDR: "Selbstverständlich steht man zur Verfügung."
Ambitionen auf den Chefposten werden auch dem Dresdner Jörg Urban nachgesagt, einem langjährigen Weggefährten Frauke Petrys. "Konkurrenz belebt das Geschäft", kommentierte Droese die Namen potenzieller Mitbewerber. Jedem müsse klar sein, dass man einen "Arbeitsvorstand" wähle, denn "es muss gearbeitet werden". Der aktuell verbliebene Vorstand handle derzeit vorsichtig bei neuen Beschlüssen. Juristen würden Entscheidungen vorab prüfen.

Landtagsfraktion hat bislang konzeptionell noch nicht überzeugt.

Maximilian Krah AfD-Mitglied
Eine Kamera steht vor dem Logo der Partei -Alternative für Deutschland-
Welche personellen Alternativen findet die Alternative für Deutschland in Sachsen? Bildrechte: dpa

Trotz aller Machtkämpfe um den Landesvorstand hat der Dresdner Maximilian Krah bereits die Landtagswahl 2019 im Blick. Dafür müssten jetzt schon sächsische Themen gesetzt werden. Das seien für ihn Bildung, Polizeiarbeit und Wirtschaftsentwicklung. Für jedes Thema müsse die AfD die besseren Konzepte und Köpfe aufbieten. Ein neuer Landesvorstand habe daher die Aufgabe, aus der Parteibasis die Köpfe zu finden, die für bestimmte Themen stünden. Krah hätte auch kein Probleme damit, für einige Politikbereiche Hilfe von anderen Landesverbänden zu holen oder externe Experten einzubinden.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen : MDR SACHSENSPIEGEL | 12.10.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/kk

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 08:42 Uhr