Fotografien von Flüchtlingsgräbern auf Lampedusa auf dem Theaterplatz in Dresden ausgelegt.
Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Neue Kunstinstallation Dresden "Flüchtlingsgräber" auf dem Theaterplatz

Moderne Kunst hat es in Dresden schwer - Anfang der Woche kam es bei der Eröffnung einer Installation, die an die Opfer des Bürgerkriegs in Syrien erinnert, zu Tumulten. Auch eine weitere Ausstellung polarisiert - findet aber auch viel Zuspruch. Auf dem Theaterplatz wurden Fotomatten von Flüchtlingsgräbern auf Sizilien ausgelegt - sie sollen an die vielen Opfer der Flucht über das Mittelmeer erinnern und zugleich die Leistung der italienischen Gesellschaft zeigen.

Fotografien von Flüchtlingsgräbern auf Lampedusa auf dem Theaterplatz in Dresden ausgelegt.
Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Mit der Eröffnung einer weiteren Kunstinstallation in Dresden geht die Auseinandersetzung um das Gedenken an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg weiter. Die Fotoausstellung "Lampedusa 361", die am Freitag vor der Semperoper eröffnet wurde, zeigt Bilder von Gräbern ertrunkener Bootsflüchtlinge auf sizilianischen Friedhöfen. Mit 90 Fotomatten soll so auf dem Theaterplatz ein imaginärer Friedhof installiert werden.

Besucher der Kunstinstallation "Lampedusa 361" betreten zur Eröffnung die Fotoausstellung auf dem Theaterplatz in Dresden.
Bis zum 14. Februar ist die Kunstinstallation auf dem Theaterplatz zu sehen. Bildrechte: dpa

"361" steht für namenlose Gräber

Viele der Opfer konnten nicht identifiziert werden und wurden deshalb in anonymen Nummerngräber begraben. Aber es gibt auch Namen und Fotos der Verstorbenen auf Grabsteinen. Wie der des vierjährigen syrischen Jungen Muhammed Alabdullah in Ribera. Seine Eltern suchten ihn, hofften, er habe überlebt und veröffentlichten ein Foto. Der Arzt, der die Autopsie am Leichnam des Kindes vorgenommen hatte, erkannte es.

"Lampedusa 361" will aber auch die große Leistung der italienischen Gesellschaft dokumentieren, den Opfern nach dem Tod ein Stück Würde zurückzugeben.

Das Kunstprojekt ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stadt und des Vereins Friends of Dresden Deutschland. Verschiedene Gruppen aus dem Pegida-Spektrum hatten zu Protesten aufgerufen, vereinzelte Störer mit einem Transparent wurden aber des Platzes verwiesen. Mehrere Hundert Bürger zeigten dagegen großes Interesse an der Ausstellung und kamen zur Eröffnung. Viele kamen mit Kerzen in der Hand, um sich die Bilder anzuschauen.

Bildergalerie Kunstwerk erinnert an Flucht übers Mittelmeer

Eine Menschenmenge betrachtet die Lampedusa-Kunstinstallation in Dresden
Nach dem Streit um die Bus-Skulptur am Dresdner Neumarkt ist am Freitag eine weitere Kunstinstallation auf dem Theaterplatz eröffnet worden. Auch die Fotoausstellung "Lampedusa 361" macht den Krieg und seine schrecklichen Folgen zum Thema. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Eine Menschenmenge betrachtet die Lampedusa-Kunstinstallation in Dresden
Nach dem Streit um die Bus-Skulptur am Dresdner Neumarkt ist am Freitag eine weitere Kunstinstallation auf dem Theaterplatz eröffnet worden. Auch die Fotoausstellung "Lampedusa 361" macht den Krieg und seine schrecklichen Folgen zum Thema. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Fotografien von Flüchtlingsgräbern auf Lampedusa auf dem Theaterplatz in Dresden ausgelegt.
Mit 90 Fotomatten wird der Theaterplatz zum imaginären Friedhof. Abgebildet sind Gräber ertrunkener Bootsflüchtlinge. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Dresdner Bürger sehen sich Fotografien von Flüchtlingsgräbern auf Lampedusa an die auf dem Theaterplatz in Dresden ausgelegt wurden.
Auf Tafeln wird die Geschichte der Flüchtlingsgräber auf Sizilien erzählt. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Fotografien von Flüchtlingsgräbern auf Lampedusa auf dem Theaterplatz in Dresden ausgelegt.
Die Kunstausstellung wurde von der Stadt und dem Verein "Friends of Dresden" organisiert. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Mehrere Personen betrachten die Lampedusa-Kunstinstallation in Dresden
Oberbürgermeister Dirk Hilbert besuchte am Freitag die Installation vor der Semperoper. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Mehrere Personen halten Plakate mit Buchstaben hoch, die zusammen das Wort "Heuchler" ergeben
Nach den Störungen zur Eröffnung der Bus-Skulptur auf dem Dresdner Neumarkt, die den Krieg in Syrien thematisiert, hatten Gruppen aus dem Pegida-Spektrum auch am Theaterplatz zu Protesten aufgerufen. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
In einer Menschenmenge hält eine Frau ein Plakat mit der Aufschrift: "Bitte nicht schubsen! Ich habe Antirassismus. Danke"
Viele Bürger zeigten dagegen großes Interesse an der Ausstellung und positionierten sich eindeutig. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Ein Trupp Polizisten
Rund 80 Polizeibeamte sicherten die Eröffnungsveranstaltung ab. Bis auf einzelne Zwischenrufe, Trillerpfeifen oder ein mehrmals laut hupend vorbeifahrendes Auto blieb es aber ruhig. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
Eine Menschenmenge betrachtet die Lampedusa-Kunstinstallation in Dresden
Bis 14. Februar ist die Kunstinstallation auf dem Theaterplatz zu sehen. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel
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Am Dienstag war es bereits bei der Einweihung eines Kunstwerks aus drei senkrecht nebeneinander aufgestellten Bussen vor der Frauenkirche, die an das Leid der Zivilbevölkerung im syrischen Aleppo erinnern sollen, zu Tumulten gekommen. Die Stadt Dresden verbindet den Jahrestag der Zerstörung am 13. Februar in diesem Jahr mit der künstlerischen Thematisierung von Krieg und Leid in der Gegenwart. Oberbürgermeister Dirk Hilbert war dafür heftig angegriffen worden - bis hin zu Mordaufrufen im Netz.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im RADIO : MDR 1 RADIO SACHSEN & SACHSENSPIEGEL | 10.02.2017 | 15:00 Uhr & 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2017, 20:18 Uhr

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92 Kommentare

12.02.2017 20:16 Jan 92

An Alle, die mal wieder nur rummeckern.
Geht mal hin und schaut es euch persönlich an. Lässt es auf euch wirken und lest mal, was da steht. Vielleicht hilft es.
Ich fand es schön, gestern Abend zu sehen, wie groß doch das Interesse der Dresdner ist, mit welchem Respekt sich die Menschen sich über die Schicksale informiert haben.

12.02.2017 20:11 Matzi 91

Die Zeit vor 1989.... dahin fühle (nicht nur) ich mich zurückversetzt. Selbst in einem gr0ßen DAX Unternehmen tätig, traut sich keiner, die eigene Meinung kundzutun. Zu groß die Angst, als rechter Populist abgestempelt zu werden. Die berechtigten Ängste der Menschen werden abgetan, das Volk nicht mehr gehört..... diese Gefahr ist die größte von allen.....

12.02.2017 19:51 Dresdner 90

"Wieland": Sie erzählen uns hinsichtl. Duligs Märchen. Versuchte mit Leuten sachlich ins Gespräch zu kommen. Dass es mit ihnen nicht möglich ist, beweisen mehrere Streams. "Dresdner Original": Bezweifle nicht, dass Sie Dresdner sind. Mit Titel suggerieren Sie aber, Dresdner Wahrheiten gepachtet zu haben, die schlicht falsch sind. Und ja, Sachargumente wie die eines anderen Dresdners ignorieren Sie, um nur kurz danach mit Scheinargumenten wieder loszulegen. "Maria A.": Sie können sich wohl nicht vorstellen, dass es kritische Dresdner gibt, die die eigenen Geschichte nicht mit gewohnten Klischees betrachten. Übrigens erzählen Sie wie auch immer entstandenen Unsinn. Die Versorgung der Ausgebombten - so gut es unter Kriegsbedingungen ging - wurde zügig, schon in der Nacht vom 13.2. auf den 14.2. von den Bäckereien und RK-Stationen der nichtgetroffenen Viertel und des Umlandes organisiert. Die echte Hungerphase war viel später!

12.02.2017 19:50 Eulenspiegel 89

Diese"Flüchtlingsgräber" auf dem Theaterplatz stellen eine Möglichkeit zum Gedenke dar. Und eine Möglichkeit zum Gedenke ist eine Möglichkeit zum Gedenken und weiter nichts. Diese Möglichkeit kann man annehmen oder auch nicht. Wer darin eine Provokation sieht der sollte sich mal selber überprüfen. Denn dann kommt die einfache Frage wie kann eine gebotene Möglichkeit zum Gedenken eine Provokation sein. Für gesunde Menschen jedenfalls nicht.

12.02.2017 19:40 Günter 88

Ach Maria A. Als ich ihren Beitrag las wurde es mir ganz warm ums Herz. Da kam mir der Gedanke wenn sie doch genauso rührend der 6 Millionen Juden, die in den KZs krepierten, gedenken könnten. Ja und die vielen Europäischen Städte, die von den Nazis endlos bombardiert wurde, sollten sie genau so rühre gedenken denn schließlich stammten zumindest ein Teil der Bomben dafür aus Dresden.

12.02.2017 19:34 Dresdner Original an Janes 87

Sie sind schon ein lustiger Gesell. Sie werfen anderen vor, die falschen Geschichtsbücher zu verwenden und merken nicht, dass Sie es sind, der eine einseitige und beschränkte Geschichtskenntnis haben. Ich würde ihnen gern ein paar Denkanstöße gebe, darf ich aber nicht. Ich bin ja schon froh, wenn Sie diesen Kommentar zu lesen bekommen.
Ich nehme an, dass Sie max. um die 30 Jahre oder noch jünger sind. Das lässt mich hoffen, dass auch Sie noch von Erkenntnis heimgesucht werden. Ich wünsche es Ihnen. ;o))

12.02.2017 19:24 irrsinnig 86

Ebenso wie die Schrottbusse vor der Frauenkirche, stellt diese Bilderausstellung eine Provokation des sächsischen sowie des deutschen Volkes dar. Hier wird die bewusste Provokation der Bevölkerung von den Regierungsverantwortlichen voran getrieben.

12.02.2017 19:08 NIKE 85

An Provokation kaum zu übertreffen, die Anordnung der Grabbilder ...

12.02.2017 17:57 Werner 84

Es ist ein Trauerspiel. In Brüssel wird entschieden, Afrika mit subventionierten Lebensmitteln zu Fluten und die Bauern bewusst/geduldet in den Ruin zu treiben. Unsere Regierung genehmigt Kriegswaffen nach Saudi-Arabien, "wo die Menschenrechte NICHT IMMER eingehalten werden" (Original ARD Tagesschau) und diese Waffen an den IS geliefert oder im Jemen tausende Menschen Töten/ Verhungern lassen. Dresden ist nun wirklich die falscheste Adresse, die man Aussuchen konnte. Stellt sich die Frage, Wer ein Interesse an der zunehmenden Spaltung/ Unmut/ Ärger/ Aufbau von Hass in unserer Gesellschaft hat?

12.02.2017 15:10 Janes 83

@Wieland der Schmied [0693] 79: Dazu kann ich nicht viel sagen. Ich halte es aber für nicht plausibel, dass der OB das Töten von Menschen legitimiert hat. Hat er das den wirklich SO gesagt? Oder verstehen Sie das nur so? Und ob er zum Jahrestag des Bombenterrors Blumen für die Opfer niedergelegt hat, oder anderweitig gedachte, kann ich nicht sagen. Ich habe ihn nicht Schritt auch Tritt verfolgt. Nach meiner Kenntnis wird doch jedes Jahr dieses Ereignisses gedacht.