Kunstaktion in Dresden Buswracks vor der Frauenkirche erinnern an zerstörtes Aleppo

Noch vor seiner Eröffnung am Dienstag sorgt ein Kunstprojekt in Dresden für Diskussionsstoff. Auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche will der Deutsch-Syrer Manaf Halbouni mit drei hochkant aufgestellten Buswracks an den Krieg in Syrien und das Leid der Zivilbevölkerung erinnern. Vorlage für die Installation mit dem Titel "Monument" ist ein Bild aus dem zerstörten Aleppo, das 2015 um die Welt ging. Auf dem Foto ist zu sehen, dass die Zivilbevölkerung Busse als Straßenbarrikaden aufstellte, um sich zu schützen.

Der syrische Künstler Manaf Halbouni steht auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche in Dresden (Sachsen) vor seiner im Aufbau befindlichen Skulptur "Monument".
Manaf Halbouni ist Absolvent der Dresdner Kunsthochschule. Bildrechte: dpa

Es soll eine kleine Symbolik entstehen und daran erinnern, dass die Frauenkirche nicht immer so intakt war wie sie jetzt ist. Ich wollte ein Gegenbild schaffen, von diesem Platz, der hier komplett neu errichtet worden ist. Ich kann mich daran erinnern, als ich Kind war und wie die Frauenkirche als Ruine da stand.

Manaf Halbouni Künstler

Vor dem Aufbau der Busse hatten Anhänger des islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses und der AfD das Kunstwerk scharf kritisiert und unter anderem als "Schrott" und einen "Missbrauch der Kunstfreiheit" bezeichnet. Zur Eröffnung am Dienstag werden in den sozialen Netzwerken Proteste angekündigt.

"Monument" in Dresden Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt

Bereits im Vorfeld sorgte das Kunstwerk für Diskussionen: Vor der Dresdner Frauenkirche sind am Montag mehrere Busse senkrecht aufgestellt worden. Mit der Aktion soll auf den Krieg in Syrien aufmerksam gemacht werden.

Ein Bus steht auf einem Tieflader vor der Dresdner Frauenkirche.
Mit schwerem Gerät werden die 12 Tonnen schweren Busse am Montag auf den Neumarkt in Dresden gebracht. Sie sollen aufrecht stehen - so wie auf einem bekannt gewordenen Bild aus Aleppo. Dort dienten Buswracks als Schutzschild vor Beschuss. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann
Ein Bus steht auf einem Tieflader vor der Dresdner Frauenkirche.
Mit schwerem Gerät werden die 12 Tonnen schweren Busse am Montag auf den Neumarkt in Dresden gebracht. Sie sollen aufrecht stehen - so wie auf einem bekannt gewordenen Bild aus Aleppo. Dort dienten Buswracks als Schutzschild vor Beschuss. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann
Ein Bus wird von zwei Kränen vor der Dresdner Frauenkirche in die Luft gehoben.
Zwei Kräne sind notwendig, um einen Bus anzuheben. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann
Ein Bus hängt, von zwei Kränen angehoben, senkrecht vor der Dresdner Frauenkirche in der Luft.
Die wiederaufgebaute Frauenkirche dient als Kulisse für das "Monument" getaufte Kunstwerk. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann
Der Künstler  Manaf Halbouni verfolgt den Aufbau seines Kunstwerks.
Der deutsch-syrische Künstlers Manaf Halbouni, Absolvent der Dresdner Hochschule für Bildende Künste, beobachtet den Aufbau. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann
Ein Bus hängt, von zwei Kränen gehalten, senkrecht vor der Dresdner Frauenkirche in der Luft.
Der Künstler will an Chaos und Zerstörung erinnern - in Syrien, dem Heimatland seines Vaters, und an Frieden, Wiederaufbau und Wohlstand in Deutschland, dem Heimatland seiner Mutter. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann
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OB Hilbert: Genau der richtige Ort

Heftiger Kritik bis hin zu Morddrohungen ist wegen des Kunstwerkes auch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert ausgesetzt. Er steht seit dem Wochenende unter Polizeischutz. Im Vorfeld des 72. Jahrestages der Zerstörung Dresdens hatte Hilbert zudem vor einem Opfermythos gewarnt. Hilbert bezeichnete die heftigen Reaktionen auf das Projekt und gegen ihn als "erschreckend". Zum Umgang mit der Erinnerungskultur in Dresden sagte der Oberbürgermeister: "Ich dachte, wir sind schon ein Stück weiter."

Ich bin Dresdner und auch Damaszener, ein Doppel-D, wie man so sagt, und hier ist auch meine Heimat. Teilweise habe ich das Gefühl, dass die Leute hier in der Stadt vergessen haben, wie es ist, friedlich miteinander zu reden - auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist.

Manaf Halbouni Künstler

Ein Bus hängt, von zwei Kränen gehalten, senkrecht vor der Dresdner Frauenkirche in der Luft.
Mit seinem Kunstwerk verknüpft der 1984 in Damaskus geborene Halbouni an der Frauenkirche das Schicksal der Städte Aleppo und Dresden miteinander. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

Doch vor dem Hintergrund wachsender "radikaler Tendenzen" überraschten Hilbert die Anfeindungen wiederum nicht. "Wir merken, dass unser Haus Europa so wenig wertgeschätzt wird", sagte Hilbert. Es sei sehr froh, dass Künstler sich mit den Themen Krieg und Flucht auseinandersetzen. Der Neumarkt, einer der zentralen Plätze in Dresden, sei genau der richtige Ort dafür. Er hoffe auf eine kritische Diskussion. Während der Installation sind täglich Kunstvermittler vor Ort, die mit Besuchern ins Gespräch kommen wollen. Die Busse sind noch bis zum 3. April zu sehen.

Unterstützt wurde das Projekt unter anderem vom Kunsthaus Dresden und der Stiftung Kunst und Musik. Auf ein Honorar verzichtete Halbouni. Martina de Maizière von der Stiftung Kunst und Musik würdigte die Installation als ein "spektakuläres Kunstwerk", das die"Gesellschaft wachmachen soll". Vor der wiederaufgebauten Frauenkirche sei "Monument" auch ein Statement, dass "vielleicht auch Aleppo wieder aufgebaut werden kann".

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen : MDR 1 RADIO SACHSEN | 06.02.2017 | Nachrichten ab 10 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 07.02.2017 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2017, 18:21 Uhr