Dresden Ein Lebensbaum für die Annenkirche

Marlene Dumas zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Ihre Bilder werden auf dem Kunstmarkt für ein Vermögen gehandelt. Große Museen sammeln die Kunst der Südafrikanerin, die seit 40 Jahren in Amsterdam zu Hause ist. In Dresden will Marlene Dumas nun ein Kunstwerk für alle schaffen: Das neue Altarbild der St. Annenkirche.

Die Künstlerin Marlene Dumas hat den Gemeindemitgliedern der St. Annenkirche erstmals ihre Idee für den Hochaltar vorgestellt: Die Künstlerin will einen Lebensbaum gestalten. In ihrem Atelier in Amsterdam wird Dumas unterschiedliche, für sie typische düstere Menschenbilder  gestalten, die auf hölzerne Medaillons aufgebracht werden. Auf einem vom Künstler Bert Boogaard gemalten Baum werden die Bilder zusammengefügt. Zudem will der Maler Jan Andriesse in eines der Medaillons als Symbol der Hoffnung ein Regenbogenmotiv setzen.

Pfarrer Weirauch: Die richtige Frau gefunden

Ausstellung Marlene Dumas
Für ihre düsteren, verstörend schönen Porträts ist Marlene Dumas bekannt. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

Das 3,60 Meter breite und 7,80 Meter hohe Altarbild soll auf diese Weise die Geschichte der Annenkirche wiederspiegeln, die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und in den vergangenen Jahren umfassend restauriert wurde. Pfarrer Christfried Weirauch ist sich sicher, in Marlene Dumas die richtige Frau für das durch Spenden und Förderer finanzierte Projekt gefunden zu haben: "Die Leute sehen sich dann vielleicht auch ein Stück in diesen menschlichen, zutiefst menschlichen Darstellungen wieder, die auch die Seele zeigen. Und das kann Marlene Dumas, nach alldem was ich bislang gesehen habe, hervorragend."

Dumas: Nicht ohne die Gemeinde

Die Künstlerin hat großen Respekt vor der Arbeit, die vor ihr liegt: "Es soll hier ja für immer hängen und die Menschen müssen es sich jedesmal anschauen, wenn sie in der Kirche sitzen. Normalerweise muss man sich Bilder nicht anschauen, wenn man sie nicht mag. Und ich will die Menschen hier nicht dazu zwingen." Auch deshalb hat Marlene Dumas von Anfang an auf den Austausch mit der Gemeinde bestanden. Am Dienstagabend nahm sie Ideen der Gemeindemitglieder auf und bot weitere Gespräche zu ihren Entwürfen an. Die Vorbereitung in der St. Annenkirche laufen: Derzeit steht ein Gerüst in der Kirche und der Maluntergrund wurde angepasst. Voraussichtlich im September will Marlene Dumas die Arbeit an dem Altarbild beginnen. Im "Ich bin so neugierig und schon glücklich, dass das was wird", sagt die Künstlerin. Im Dezember könnte das Bild vielleicht schon fertig sein.

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2015, 19:55 Uhr

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1 Kommentar

02.07.2015 14:06 Sehr schön... 1

dachte schon, unsere Kirchen (!) wären inzwischen alle in Asylantenspielplätze verwandelt worden.