Dr. Norman Franchi, Forscher am Vodafone-Stiftungslehrstuhl Mobile Kommunikationssysteme der TU Dresden
Bildrechte: Dr. Norman Franchi

Neue Mobilfunktechnologien Vision: 5G vernetzt Maschinen, Autos und Menschen in Echtzeit

Manche Menschen haben noch das Quietschen ihres 56K-Modems in den Ohren, während andere von Industrie 4.0 oder Datenautobahnen, Robotern und vernetzten Autos reden. Die neue Mobilfunktechnologie 5G soll Visionen Realität werden lassen. Mit seinem "5G Lab Germany" gilt Dresden als international führender Standort für die 5G-Entwicklung. Wissenschaftler Norman Franchi spricht mit dem MDR darüber, warum die neue Technologie für Sachsen so wichtig ist.

von Katrin Tominski

Dr. Norman Franchi, Forscher am Vodafone-Stiftungslehrstuhl Mobile Kommunikationssysteme der TU Dresden
Bildrechte: Dr. Norman Franchi

Herr Franchi, Sie forschen an der TU Dresden im "5G Lab Germany". Wie lange müssen wir noch auf die neue Mobilfunkgeneration warten?

Sachsen spielt hier in der ersten Liga. Erste Testforschungen sollen schon in diesem Jahr in Dresden laufen. Dafür erhält die Stadt ein eigenes 5G-Testfeld. Wir möchten sowohl Fahrzeuge als auch Produktionsstandorte vernetzen. Neben Dresden erhalten Hamburg, München, Ingolstadt, Braunschweig, Düsseldorf und Berlin digitale Testfelder. Das Projekt wird vom Bundesverkehrsministerium mit insgesamt 80 Millionen Euro gefördert.

Vernetzung klingt immer gut. Doch wie genau können wir uns das vorstellen?

Nach Dresden einfahrende Autos erhalten zum Beispiel in Echtzeit Informationen über den Verkehrsfluss im Stadtgebiet – unabhängig von ihren Navigationssystemen. Gleichzeitig testen wir, inwieweit Produktionsstandorte von Unternehmen mit Endfertigung profitieren, wenn ihre Prozesse permanent überwacht und gesteuert werden. Um hier gegenüber Berlin und München nicht den Anschluss zu verlieren, ist es wichtig, dass Dresden sehr früh mit dabei ist. International sind im Jahr 2018 Pilotinstallationen unter anderem bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang geplant.

Was verändert sich durch 5G?

Erst einmal wird das anders, was schon immer anders geworden ist. Wir haben ein Netz, mit dem wir viel größere Datenmengen versenden können. Live-Aufnahmen und Videos können so in bester Auflösung und ohne Verzögerung gestreamt werden. Gleichzeitig vernetzen wir mit dem Internet der Dinge (englisch: IOT - Internet of Things) so viele Geräte wie möglich. Haushaltsgeräte, Uhren, Brillen, mobile Geräte zur Gesundheitsüberwachung, Pakete und Logistikgüter - sie alle können mit dem Internet verbunden werden.

Wir gehen davon aus, dass 2020 bis zu 50 Milliarden Endgeräte im Netz sein werden. Das ist immens. Deswegen gibt es an vielen Standorten spezielle IOT-Labs. Für IOT brauchen wir keine große Bandbreite, nur die Möglichkeit, im Netz zu sein.

Kühlschränke, die gähnende Leere melden, Kaffeemaschinen, die sich selbst anschalten – ist das technische Spielerei oder wirklich relevant?

Die spielerische Vision steht am Anfang. Die "Spieler" und Technikinteressierten unterstützen immer Innovationen, die gerade am Anfang teuer sind. Das sehen wir gut bei den Elektroautos. Über die Spielerei kommen wir jedoch später dann zur wirklichen Relevanz.

Nehmen wir die Altenpflege mit all den Möglichkeiten, die sich durch moderne Technologien entwickeln. Pflegebedürftige müssen schon jetzt teilweise in Notsituationen nicht mal mehr einen Knopf drücken. Neue technische Hilfesysteme lesen über Sensoren die ganze Vielfalt der Gesundheitsdaten aus, erkennen Notsituationen, lösen Alarm aus und holen Hilfe.

Welche Rolle spielen die neuen Technologien in Medizin?

Medizin und Pflege sind ein großes Thema. Schon heute könnten per Telemedizin zur  Diagnose Spezialisten aus Dresden zugeschaltet werden, wenn es beispielsweise in Bautzen einen Notfall gibt. In Zukunft wird es sogar sehr wahrscheinlich möglich sein, aus der Ferne zu operieren. Der Arzt in Dresden bedient mit einer speziellen Brille und Handschuhen einen Roboter am OP-Tisch in Bautzen. Und hier kommen wir wieder zur Echtzeitkommunikation, sie ist hier enorm wichtig. Bei den Operationen ist es entscheidend, wie präzise gearbeitet wird – hier sind Verzögerungen undenkbar.

Was bedeutet 5G für die Industrie 4.0 ?
Sie ermöglicht die Kommunikation der Maschinen untereinander – explizit eine niedrig-latente und sehr zuverlässige Datenübertragung. Wir brauchen auch hier meist keine riesigen Datenmengen. Die Daten müssen jedoch in wenigen Milli- oder sogar Mikrossekunden zuverlässig bereitstehen. Maschinen und Regelungen arbeiten in den meisten Fällen im Millisekunden-Takt. Das ist auch die Messlatte für die Entwicklung von 5G und dem zukünftigen Internet. Dem taktilen Internet mit Echtzeitübetragungen.

Können alle Menschen von diesen modernen Technologien profitieren?

Das ist das Ziel. Etwa drei Milliarden Menschen haben heute keinen Zugang zum Netz. Das soll sich ändern. Um das Internet für alle verfügbar zu machen, engagieren sich große Forschergruppen unter anderem zusammen mit Google und Facebook.

Über 5G An der neuen Mobilfunkgeneration 5G forschen derzeit Wissenschaftler und Ingenieure auf der ganzen Welt. Die neue Technologie soll nicht nur die Möglichkeit bieten, größere Datenmengen zu transportieren, sondern lässt Maschinen auch in Echtzeit miteinander kommunizieren. Autos können beispielsweise mit der neuen Technologie "um die Ecke sehen". Echtzeitkommunikation ist eine wichtige Grundlage bei der Entwicklung des automatisierten Fahrens aber auch essentiell in der Telemedizin, mit der schon bereits jetzt viele Menschen im ländlichen Raum versorgt werden.

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen MDR SACHSENSPIEGEL | 10.01.2017 | 19:00 Uhr

MDR 1 RADIO SACHSEN | 10.01.2017 | 20 Uhr bei Dienstags direkt

MDR 1 RADIO SACHSEN | 11.01.2017 | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 7:30 Uhr bis 11:30 Uhr


Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2017, 16:00 Uhr

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1 Kommentar

13.01.2017 09:26 Rasselbock 1

Auch 5G wird an Grundsätzen nicht herumkommen, das Shannonsche Theorem wird auch 5G lehren: Je mehr Nutzer, desto geringer die nutzbare Bandbreite und damit übertragbare Datenrate. Guten Morgen Herr Professor. Wie hoch sind denn die abfassbaren Fördermittel? Zwei gute Jammer an der Strassenecke und aus ist es mit 5G.