Weiterer Zulauf nach Attentaten von Paris Pegida-Phänomen Dresden: 25.000 Teilnehmer

Während in Leipzig die Legida-Gegner mit mehr als 30.000 Teilnehmern deutlich in der Mehrzahl sind, legt Pegida in Dresden auf 25.000 Anhänger zu. Zwar wurde an diesem zwölften Protesttag das Wort "Lügenpresse" weitgehend vermieden, doch eine Versöhnung mit den Medien ist weiterhin ausgeschlossen. Pegida reduzierte sein 19-Punkte-Papier auf sechs Kernforderungen. Vor dem "Abendspaziergang" gab es für die Islamkritiker Schelte von französischen Karikaturisten. Sie werfen Pegida vor, die Attentate in Frankreich für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Zu den Gegendemonstrationen kamen dieses Mal insgesamt rund 8.700 Menschen, 1.665 Polizisten waren im Einsatz.

Mit einer Schweigeminute hat das Dresdner Pegida-Bündnis seinen zwölften Protesttag eröffnet. Anschließend ergriff Pegida-Gründer Lutz Bachmann das Wort. Erwartungsgemäß nahm er Bezug auf die Attentate in Paris. Vor den rund 25.000 Demonstranten sagte er am Abend, die islamistischen Anschläge seien wie auch das Massaker des Attentäters Anders Breivik 2011 in Norwegen "ein weiterer Beweis für die Daseinsberechtigung von Pegida". Die Pegida-Anhänger waren aufgefordert, mit Trauerflor für die Opfer zu erscheinen. Einige Teilnehmer hielten "Je suis Charlie"-Plakate in die Luft.

Pegida reduziert 19-Punkte-Programm auf sechs Kernforderungen

Im Anschluss trug Bachmann sechs Kernforderungen an die Politik vor, die das bisher veröffentlichte 19-Punkte-Papier ablösen:

  • Unkontrollierte quantitative Zuwanderung soll nach dem Vorbild von Kanada oder der Schweiz gesetzlich geregelt werden
  • Zuwanderer sollen sowohl das Recht als auch die Pflicht zur Integration erhalten
  • Islamisten und religiöse Fanatiker sollen ausgewiesen werden und nicht wieder einreisen dürfen
  • Bürger sollen in direkter Demokratie auf der Basis von Volksabstimmungen über Bundespolitik entscheiden können
  • Die Kriegstreiberei gegen Russland soll zugunsten eines friedlichen Miteinanders der Europäer ebenso beendet wie im Gegenzug die Autorität der europäischen Länderparlamente bekräftigt werden
  • Die innere Sicherheit soll gestärkt werden, u.a. durch einen sofortigen Stopp des Stellenabbaus der Polizei und die Ausstattung selbiger mit den erforderlichen, zeitgemäßen Mitteln

Entgegen dem bisher geltendem 19-Punkte-Positionspapier legt Pegida damit nicht mehr so viel Wert auf Forderungen wie das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, den Erhalt und Schutz der christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur sowie den Verzicht auf Waffenlieferungen an verbotene Organisationen wie der PKK.

Wieder Medienschelte

In Richtung Presse rief Bachmann: "Macht was ihr wollt, schreibt was ihr wollt, es gibt immer mehr andere Möglichkeiten sich zu informieren." Allerdings hielt er seine Anhänger zurück, das Wort "Lügenpresse" zu skandieren.

Und auch Pegida-Mitbegründerin Kathrin Oertel rief die Anhänger auf, mit Rücksicht auf die Toten des Pariser Satireblattes "Charlie Hebdo" keine Parolen während des "Abendspaziergangs" zu rufen und sich nicht provozieren zu lassen. Allerdings ließ sie keinen Zweifel daran, den Medien auch weiterhin nicht zu vertrauen. "Wir sind Diffamierungen und Falschmeldungen ausgesetzt wie einst zu tiefsten DDR-Zeiten. Journalisten und Politiker stellen sich gegen einen nicht unerheblichen Teil unserer Gesellschaft."

Greift Pegida nach Europa?

Pegida-Vereinsmitglied Frank Ingo Friedemann formulierte die Abneigung zur Presse und den Medien schließlich noch deutlicher. Das seien "Schwachköpfe", "staatstreue Nichtsnutze" sowie "komische Berichterstatter, die Unwahrheiten verbreiten". Friedemann und Oertel machten deutlich, dass sie Pegida für den Anfang einer großen Bewegung halten. Oertel rief die Anhänger auf, weiter nach Dresden zu kommen, "bis wir, das Volk, wieder würdig im Bundestag vertreten sind". Friedemann stellte die ersten Forderungen für ein Europapapier vor. Darin will Pegida unter anderem eine "eigenverantwortliche Einwanderungs- und Asylpolitik der Länder" festschreiben.

Pegida-Schatzmeisterin von Roland Kaiser enttäuscht

In einer "persönlichen" Ansprache wandte sich Pegida-Schatzmeisterin Oertel schließlich an Schlagersänger Roland Kaiser, der am vergangenen Sonnabend an einer Kundgebung gegen Pegida in Dresden teilgenommen hatte. Wörtlich sagte sie: "Lieber Herr Roland Kaiser. Seit Jahren verfolge ich ihre Musik. Ich war ein sehr großer Fan von ihnen. Sie haben in Dresden einen guten Stand und Ruf, auch wegen uns Dresdnern. Wir gehen zu ihren Konzerten und zahlen dafür. Da können wir Neutralität erwarten," Oertel warf Kaiser vor, sich an die "Politikerkasten" zu verkaufen. "Zu keinem Zeitpunkt haben Sie uns gefragt, was wir wollen, wer wir sind und warum wir auf die Straße gehen."

7.500 Gegendemonstrationen fegen Pegida-Versammlungsort

An den Gegenaktionen beteiligten sich in der sächsischen Landeshauptstadt der Polizei zufolge insgesamt rund 8.700 Menschen. 7.500 von ihnen schlossen sich dem Bündnis "Dresden für alle" an, das wie in der Vorwoche symbolisch den Versammlungsplatz von Pegida säuberte. Das waren deutlich mehr erwartet. Das Bündnis hatte für seine Aktion 2.000 Teilnehmer angemeldet.

Das Bündnis "Dresden Nazifrei" hat dieses Mal auf die Anmeldung einer Demonstration verzichtet und stattdessen zu einer Spontandemo aufgerufen. Die 600 Anhänger bewegten sich zunächst zwischen Theaterplatz und Synagoge durch die Stadt. Später löste sich die Gruppe nach Beobachtung eines MDR-Reporters auf.

Polizist durch Besenstiel verletzt

Kurz nachdem sich die Pegida-Anhänger in Bewegung setzten, blockierten rund 120 Jugendliche die Straße. Sie brachten den Zug mit mehreren Tausend Anhängern für einige Minuten zum Stehen. In die Blockade reihten sich nach und nach immer mehr Menschen mit "Refugees welcome"-Rufen ein. Die Polizei verhinderte eine Eskalation, sprach aber rein rechtlich nicht von einer Sitzblockade. Die Pegida-Demonstration wurde kurzfristig umgeleitet.

Die Dresdner Polizei, die mit mehr als 1.660 Beamten aus Sachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen im Einsatz war, zog insgesamt ein positives Fazit. "Es blieb weitgehend friedlich", sagte ein Polizeisprecher MDR SACHSEN. "Es gab keine Festnahmen. Die Zahl der Straftaten liegt bisher im einstelligen Bereich." So wurden unter anderem Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie das Tragen verfassungsfeindlicher Symbole festgestellt. Drei Polizisten wurden durch Böllerwürfe beziehungsweise einem Schlag mit einem Besenstiel verletzt.

Sturm der Empörung in Frankreich

Der "Trauermarsch" von Pegida hat unterdessen bei französischen und frankophonen Karikaturisten einen Sturm der Empörung ausgelöst. Sie veröffentlichten unter dem Motto "Pegida, verschwinde!" ein Flugblatt und Karikaturen.

Ein Mitorganisator des Künstlerprotestes sagte: "Wir lehnen es ab, dass Pegida das Gedenken an unsere Kollegen vereinnahmen will." Die Bewegung stehe für alles, was die getöteten Kollegen der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" durch ihr Werk bekämpft hätten. "Wir, die französischen und frankophonen Zeichner, sind entsetzt über die Ermordung unserer Freunde. Und wir sind angewidert, dass rechte Kräfte versuchen, diese für ihre Zwecke zu instrumentalisieren", steht in dem Flugblatt. Eine der Karikaturen zeigt eine Hyäne und einen Aasgeier, die aus dem Terroranschlag Kapital schlagen wollen. Zugleich rufen die Zeichner die Dresdner Bürger zu Weltoffenheit und Toleranz auf: "In diesem Kampf ist Dresden, wie Paris, eine symbolische Stadt."

Wer verbirgt sich hinter Pegida? Die Abkürzung Pegida steht für "Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes". Organisiert hat sich die Bewegung Anfang Oktober in Dresden. Angeführt wird sie von Lutz Bachmann. Am 19. Dezember 2014 wurde der Pegida e.V. gegründet. Der Verein unter dem Vorsitz von Bachmann hat derzeit zehn Mitglieder (Stand 08.01.2015). Zu den 19 Forderungen der Pegida gehören eigenen Angaben zufolge eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern, eine verkürzte Verfahrensdauer für Asylanträge und mehr Bürgerentscheide.

Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2015, 21:40 Uhr

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89 Kommentare

15.01.2015 12:37 Kritiker 89

Nun da hatte doch wohl mal Jemand unter @16 was davon geschrieben das ich keinen Anstand oder keinen Verstand hätte! oder eben einiges Missverstehen würde Wie würde dieser Kommentar heute lauten, wo man auf dem neusten Stand über MDR davon Kenntnis bekommt das sich Türkische und Ägyptische Persönlichkeiten des Glaubens gegen diese Art Satire aussprechen. Ist es nun der Unterschied der Länder wegen jedem und seiner Religion zzgl. Meinungsfreiheit oder ist es nur das Missverständnis zwischen Europa und den Länder Türkei und Ägypten in deren führende Gläubige sich äußern. Was also bedeutet demnach Mutti Merkels Worte: Der ISLAM gehört zu Deutschland // Dann stimme ich auch zu: Die Christen und andere Religionen gehören zu andersgläubige Kulturen mindestens genau so dazu.

15.01.2015 09:54 Ach die arme Frau Oertel 88

Nun hat sich auch noch Roland Kaiser gegen Pegida aufgestellt. Das ist echt hart. Dabei muss Frau Oertel erkennen, das ein Musiker auch eine eigene Meinung haben darf, auch wenn die Fans für die Karten bezahlen. Aber irgendwie sagt diese Denkweise von Oertel schon einiges über deren Geisteszustand aus. Naja viel bleibt dem Pegidianer nicht mehr. Die Zeitungen sind abgemeldet, ist ja eh nur Lügenpresse. Die Semperoper und das Staatsschauspiel fallen auch flach. Die Verkehrsbetriebe sind auch gegen Pegida, also die bitte auch meiden. Roland Kaiserund andere Musiker sind nun auch von der Liste gestrichen. Naja da bleibt ja nur noch das gemeinsamme spazieren.

14.01.2015 23:42 Sven 87

Sehr geehrte Damen und Herren,
wenn ich das lese komme ich mir vor wie im Puppentheater Zwickau.
Teufel gegen Kasperle, oder Merkel gegen Pegida.
Da wir aber reell zwei Weltkriege verloren haben und trotzdem wieder zu einer Wirtschaftsmacht gewachsen sind ohne gleichen, sollten wir nachdenken wer wen hier lenkt. Pegida und Merkel sind es nicht. Es sind genau die, denen wir diese 2 Wk`s zu verdanken haben und die paar hilfesuchenden Asylanten machen uns nicht ärmer. Fakt ist: Pegida hat kein richtiges Konzept, und Regierung Merkel kann die Wahrheit der angeblichen humanitären Einsätze nicht begründen.
MfG

14.01.2015 21:24 Bernhard 1942 86

Zu Frau Merkel: „Der Islam gehört zu Deutschland“
So, so das sagt nun meine protestantische Bundeskanzlerin. Eigentlich müsste sie wissen, dass Europa christlich geprägt ist und nicht vom Islam, auch wenn hier 4% Muslime leben. Hier leben auch Hindus und andere Religionen, gehören diese Religionen deswegen zu Deutschland?
Gehören Christen zur Türkei? Hr. Erdogan wird dem nicht zustimmen. Fr. Merkel sollte da mal drüber nachdenken, sich dazu äußern – tut sie aber nicht. 1918 waren es noch 25% Christen in der Türkei, heute nur ca. 1% - toll, das ist endlich mal Religionsfreiheit.
Welchen Islam meint Fr. Merkel eigentlich: Die Schiiten, die Sunniten, die Alaviten (die sich gegenseitig umbringen), die Salafisten wohl kaum, und den IS mit Sicherheit auch nicht – aber das alles ist Islam. Fr. Merkel bitte: Welcher Islam gehört nun zu Deutschland? Ich meine keiner!

14.01.2015 14:17 zwickauer 85

An Frau oertel: Wenn man Geld für eine konzertkarte ausgibt, dann bekommt man ein Konzert geboten. Dann kauft man nicht die Meinung des Künstlers. Ihre Ansicht allein belegt schon ihre Defizite in Sachen Demokratie.

14.01.2015 14:17 Prinz Eugen2 84

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Als Polizeibeamter frisch im ,Unruhestand' würde ich gerne nach Dresden fahren u.bei PEGIDA in Ruhe mitgehen. Die Anfahrt ist zu weit.
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Es interessiert vorrangig im MDR-Bericht, wer d.Böller angezündet hat u. wer mit einem Besenstiel einen Kollegen (ja, auch als Pensionär bin ich noch Beamter!) verletzte. Die Aussage: Wurden verletzt, ist nichtssagend und durch d.Kontext der Auflistung (soll der Eindruck entstehen?), das waren bestimmt die Pegida-Leute.
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Auch durch solche Berichterstattung vom MDR ist das Unwort das Jahres 2014 entstanden. Komisch nur oder interessant: Das Unwort wird den Pegida-Anhängern ,angehängt', zeigt aber auch die Bedeutung dieser Bewegung.
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Sie werden schon bemerkt haben, dass ich keinen Klarnamen verwende. Ja, ich habe Angst und werde in Zukunft nur noch unter verschiedenen Pseudonymen schreiben.
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Liebe Grüße nach Dresden

http://www.mdr.de/sachsen/dresden/pegida-nopegida-dresden-zwoelfter-januar100.html#cf
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Prinz Eugen2
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14.01.2015 14:13 ex-jenaer 83

Hallo Frau oertel. Warum soll sich der Herr Kaiser neutral verhalten? Für ihn gilt wohl nicht das Recht auf freie Meinungsäußerung? Tolle Demokraten sind diese Retter des Abendlandes! Nachhilfe für das Tal der Ahnungslosen: Er ist seit 2002 Mitglied der SPD und trat auch regelmäßig im Wahlkampf für diese auf. Das kann man auch nachlesen.
Lesen bildet. ;)

14.01.2015 13:16 jochen 82

Der Islam soll also nach der Merkel zu Deutschland gehören ?

Das kann nicht sein - Nein danke !

14.01.2015 12:36 Eine Mutter für ihren Enkel 81

Ich finde es nicht toll, wenn bei Einschulungen über 50% der Kinder Ausländer sind, mit allen daraus für die Klasse entstehenden Problemen (wie bei meinem Enkel in München). Nicht jeder kann sich eine Privatschule leisten. Ich finde zu viel „bunt“ nicht toll. Anti-Pegida sieht das anders – darüber muss man doch sprechen und nicht verunglimpfen.
Ich bin für ein Verbot von Kopftücher in Schulen und öffentlichen Einrichtungen, für ein generelles Burka-Verbot in Deutschland. Mir flöhst das Angst ein: Das ist Frauenverachtend und diskriminierend, das ist Islamisierung.
Ich bin dafür, dass z.B. Schweinefleisch ein deutsches Essen bleibt, und nicht aus falschen religiösen Empfindlichkeiten verboten wird (wie bei meinem Enkel im Kindergarten) - auch das ist Islamisierung.
Ich bin weder Nazi noch Rassist – Nein, ich habe einfach Angst und mache mir Sorgen!

14.01.2015 09:23 Randbemerkung 80

@67. OssiWessiNordiSüdi:
Ich muss Ihnen zum Thema NS-Vergangenheit "deckeln in der DDR" widersprechen. Gerade dieses Thema nahm im Geschichtsunterricht der DDR einen großen Raum ein. Die Klassenfahrten gingen mind. einmal in ein KZ (Ich war als Schüler in Buchenwald und Sachsenhausen). Pflichtliteratur (!) in Deutsch waren z.B. Anna Seghers "Das siebte Kreuz" und "Die Abenteuer des Werner Holt" von Dieter Noll. Meine Tochter machte ihr Abitur (Leistungskurs Mathematik/Geschichte) vor 8 Jahren. Die meisten wählten das Fach Geschichte ab, so dass ein Leistungskurs Geschichte mit knapper Not zusammenkam).Im Rahmen einer Hausarbeit zum Geschehen in der Nazizeit fuhren wir als Eltern(!) mit unserer Tochter nach Auschwitz, um ihr die Gräueltaten dieser Zeit nahezubringen. Im Unterricht (nach westlichen Standards) war dafür kein Platz oder auch keine Zeit mehr!