Schneeleoparden im Zoo Dresden
Immer wieder erkranken Schneeleoparden weltweit an der Augenkrankheit Kolobom. Auch der Schneeleoparden-Nachwuchs im Dresdner Zoo war betroffen. Bildrechte: Zoo Dresden

Zoo Dresden Tierschutzorganisation fordert Stopp der Schneeleoparden-Zucht

Nachdem der Zoo Dresden drei Schneeleoparden-Babys eingeschläfert hat, wird der Zoo scharf kritisiert. Die Tierschutzorganisation Peta fordert nun, die Zucht der Schneeleoparden in Zoos generell zu beenden.

Schneeleoparden im Zoo Dresden
Immer wieder erkranken Schneeleoparden weltweit an der Augenkrankheit Kolobom. Auch der Schneeleoparden-Nachwuchs im Dresdner Zoo war betroffen. Bildrechte: Zoo Dresden

Der Zoo Dresden muss endlich einsehen, dass Schneeleoparden in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können.

Dr. Yvonne Würz Biologin und Fachreferentin für Zoo und Zirkus bei der Tierschutzorganisation Peta

Die Tierschutzorganisation Peta fordert ein generelles Zuchtverbot von Schneeleoparden in Zoos. Damit nimmt die Organisation Bezug auf die drei getöteten Schneeleoparden-Babys im Dresdner Zoo. Sie litten dem Tierarzt zufolge an der Augenkrankheit Kolobom, die zu Erblindung führen kann. Die Biologin der Tierschutzorganisation, Yvonne Würz, sagte: "Trotz der vielen Todesfälle bei Schneeleoparden-Nachwuchs in den letzten Jahren fördern Zoos weiterhin die Zucht dieser Tierart und nehmen so das Leid der Tiere in Kauf."

Schneeleoparden weltweit von Fehlbildung betroffen

Das Kolobom ist eine angeborene Fehlbildung des Auges. Sie war im Zoo Dresden etwa vor einer Woche aufgefallen, da dem Schneeleoparden-Nachwuchs Teile des Augenlids fehlten. Dadurch ist die empfindliche Hornhaut ungeschützt und es können Reizungen, Entzündungen und Infektionen auftreten. Den Tierschützern von Peta zufolge erkrankten bis 2012 insgesamt 66 Jungtiere in 22 Zoos weltweit an der Augenkrankheit Kolobom. Viele von ihnen seien eingeschläfert worden oder an anderen Krankheiten gestorben.

Die Organisation spricht sich grundsätzlich gegen die Haltung von Wildtieren in Zoos aus. Sie bemängelt vor allem die ihrer Meinung nach nicht-artgerechten Haltungsbedingungen: "Es ist nicht möglich, im Zoo geborene Großkatzen auszuwildern, wodurch die Haltung der Tiere in Gefangenschaft nicht zum Artenschutz beiträgt." Peta fordert, dass die Gelder, die zurzeit für die Nachzucht und Haltung von Schneeleoparden in Zoos verwendet werden, in den Schutz der natürlichen Lebensräume der Tiere fließen.

Der Dresdner Zoo weiß bisher nach eigenen Angaben noch nicht, wie es mit der Schneeleoparden-Zucht weitergehen soll. Die Verantwortlichen müssen die Empfehlung des Zuchtbuchhalters abwarten, hieß es. Möglich wäre, dass die Eltern "Istari" oder "Askin" mit Tieren anderer Zoos getauscht werden. Das passiere im Rahmen der Zuchtprogramme sowieso häufiger, erklärt Tierarzt Dimitri Widmer auf Nachfrage von MDR SACHSEN.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.07.2017 | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden ab 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2017, 11:08 Uhr

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4 Kommentare

28.07.2017 09:41 Brummer 4

Ach, wieder PETA.

Kein Wunder das PETA einen Zuchtstopp fordert. Auch so kann man seinem Ziel, alle Tierhaltungen in Menschenhand abzuschaffen.

Zu der Aussage der sogenannten Expertin das die Tiere nicht ausgewildert werden können und keinen Beitrag zum Artenschutz beitragen:

Vielleicht ist das heute noch nicht möglich, vielleicht aber schon in wenigen Jahren. Auch die ernsthaften Biologen und Zoologen lernen dazu. Vor einigen Jahren war man dieser globalen Meinungen. Heute werden schon viele Arten ausgewildert. Vielleicht auch bald Großkatzen.

Auch das Vorhalten eines G-Pools in Zoos tragen zum Artenschutz bei.

27.07.2017 07:35 Stefanie 3

Ach so, ab und zu kommt auch mal ein gesundes Schneeleopardenbaby zur Welt, dann MUSS die Zucht ja weitergehen - alle anderen sind Kollateralschäden und keine Lebewesen, nur damit wir weiter gaffen können. Was ist das denn bitte für ein Argument, "Morchelchen"?
Zoos sind grausame Orte. Allein die Geschichte der Zoos, die im Imperialismus und der Kolonialisierung verankert ist, ist ein blutiges und grausames Kapitel der europäischen Geschichte. Wie man als aufgeklärte Bürgerin der Gegenwart noch Spaß daran haben kann, sich wilde Tiere, die überhaupt nicht in unsere Breitengrade gehören, in viel zu kleinen Gehegen anzuschauen, ist mir schleierhaft, und wie man daraus noch einen "Spaß für die ganze Familie" machen kann?
Ich hoffe nur, dass PETA und andere Tierschutzorganisationen weiterhin Druck machen, kritisieren und dass dies nach und nach zu einem Umdenken in unserer Gesellschaft führt. Tiere sind Lebewesen dieser Erde und haben ein Recht ihrer Art entsprechend zu leben.

26.07.2017 21:10 JensBaumann 2

Ich als Gutmensch sehe lieber keine Tiere, als leidende Tiere. Oder meinetwegen auch gesunde Tiere, die aber nur gesund sind, weil sie zu den glücklichen Prozenten gehören, die ohne schlimme, durch die Haltung hervorgerufenen Krankheiten (über)leben können.
Wildtiere gehören nicht in den Zoo, sondern in die Wildnis. Gibt es keine Wildnis mehr, weil der Mensch alles rodet und betoniert, hat er eben Pech gehabt. Mit welchem Recht wird erst die Natur zerstört, um anschliessend die Tiere nachgzuzüchten und sie öffentlich zu präsentieren?
Ach ja, mit dem Recht des Stärkeren.
Ich zeige meinen Kindern lieber Wege auf, die Natur, die wirklich noch da ist, zu erhalten, als auf kranke Tiere hinter Glas zu zeigen und was von heile Welt zu spielen, während jeden Tag mehr Tierarten ausgerottet werden, die Meere vergiftet, die Felder überdüngt, die.....
Aber muss ja jeder selber wissen.

26.07.2017 12:48 Morchelchen 1

Und da ist er, der übliche Aufschrei von Gutmenschen-Organisationen, in dem Fall von der Tierschutzorganisation Peta. Dass man sich jedoch in einem Zoo sehr darüber freut, wenn es ab und an Nachwuchs gibt, egal bei welcher Tierart, ist für jeden Tierfreund nachvollziehbar. Somit auch beim Schneeleoparden. Nun soll jedoch verboten werden, dahingehend Bemühungen einzugehen, weil es dabei etliche Fälle einer schlimmen Augenkrankheit gibt. Doch ist es nicht so, dass auch mal gesunder Nachwuchs dabei ist? Kommt diese Krankheit bei Schneeleoparden in freier Wildbahn niemals vor? Oder kann es sein, dass sich hier der Ärger manifestiert, weil Peta und Co. generell die Existenz von Tierparks und Zoos stört? Sind wir Menschen nicht auch von Gendefekten und Erbkrankheiten betroffen? Wie wäre denn beispielsweise die Reaktion solcher Experten, wenn man ein derartiges Verbot beim Auftreten des Down-Syndroms für die entsprechende Familie verhängen würde?