Deutsche Fans zünden Pyrotechnik während des Spiels
Aus dem deutschen Fanblock kamen außer Bengalos auch Naziparolen. Bildrechte: dpa

Nach Nazi-Parolen bei WM-Quali Polizei ermittelt "Problemfans" aus Sachsen

Die Nazigesänge deutscher Hooligans beim Fußball-Qualifikationsspiel in Prag könnten für einige Sachsen ein Nachspiel haben. Die Polizei hat inzwischen 17 Beteiligte aus Dresden identifiziert und erwägt jetzt härtere Maßnahmen.

Deutsche Fans zünden Pyrotechnik während des Spiels
Aus dem deutschen Fanblock kamen außer Bengalos auch Naziparolen. Bildrechte: dpa

Die Polizei hat im Zusammenhang mit den Ereignissen während des WM-Qualifikationsspiels in Prag 17 Personen aus Dresden identifiziert. Darunter seien auch zwei Männer, die bereits vor dem Spiel Gefährderanschreiben der Dresdner Polizei erhalten hätten, sagte Polizeisprecher Marko Laske MDR SACHSEN. "Bei einem Gefährderanschreiben wird den betreffenden Leuten mitgeteilt, dass die Polizei sie auf dem Schirm hat", so Laske. Das betreffe Personen, die schon mehrfach wegen diverser Straftaten wie Sachbeschädigung, Körperverletzung oder anderer Vergehen auffällig geworden seien. Eine solche Warnung war an zwei Männer aus dem Umfeld der Dresdner Dynamo-Fanszene gegangen.

Indentifizierung hilft bei der Strafverfolgung

Insgesamt wurden 17 Personen durch die Sichtung von öffentlich zugänglichem Bild- und Videomaterial des Länderspiels Tschechien-Deutschland am 1. September in Prag identifiziert. Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar sagte: "Wir gehen damit in Vorleistung für den Fall, dass uns die zuständigen Behörden mit strafrechtlichen Ermittlungen beauftragen." So könnten auch die tschechischen Kollegen bei ihren Ermittlungen unterstützt werden. Laut Polizeisprecher Laske gilt bei Straftaten das Tatortprinzip: "Das heißt, Straftaten werden dort geahndet, wo sie begangen worden sind." In Einzelfällen könnten aber auch Straftaten im Ausland, wie das Zeigen des Hitlergrußes, in Deutschland verfolgt werden.

Da Gefährderanschreiben allein offensichtlich nicht in jedem Fall von einer Anreise abhalten, werden wir zukünftig auch Meldeauflagen als weiteren präventiven Baustein prüfen.

Polizeipräsident Horst Kretzschmar

Die Bundespolizei hatte schon vor dem Spiel sechs mutmaßliche Hooligans bei Kontrollen am Grenzübergang der Autobahn A 17 aus dem Verkehr gezogen. Nach Angaben der Bundespolizeidirektion Pirna hatte es Anzeichen gegeben, "dass diese Personen zu diesem Anlass nach Tschechien einreisen wollten". Bei der Kontrolle wurden auch Vermummungsgegenstände und Pyrotechnik gefunden.

Antifaseiten veröffentlichen Namen

Auch Betreiber linker Internetseiten haben die Fernsehaufnahmen und Fotos analysiert. Auf einer Dresdner Antifa-Rechercheseite wurden die Namen von Beteiligten der Prager Zwischenfälle veröffentlicht. Danach soll es sich um bekannte Neonazis aus dem Raum Dresden handeln. Einige der Männer hätten Verbindungen zur verbotenen Fangruppierung "Faust des Ostens" oder zur "Freien Kameradschaft Dresden".

DFB fordert mehr Kontrollen

Der DFB fordert nach den Vorfällen in Prag schärfere Zugangsbestimmungen in Europas Fußballstadien.  DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte dem Fußballblatt "Kicker", "Wir müssen gemeinsam mit den europäischen Verbänden über die Ticketvergabe diskutieren und Wege finden, die europaweit mehr Kontrolle gewährleisten". Grindel will das Thema bei der Exekutivsitzung der UEFA am 20. September auf die Tagesordnung bringen.

Beim Fußball-WM-Qualifikationsspiel am Sonnabend in Prag waren im deutschen Fanblock Sieg-Heil-Rufe und ausländerfeindliche Parolen zu hören gewesen. Auch die Nationalhymnen beider Länder und eine Schweigeminute für zwei tschechische Fußballfunktionäre waren durch Pöbeleien gestört worden.

Quelle: Polizei Dresden, PM, dpa, mwa

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.09.2017 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2017, 18:43 Uhr

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20 Kommentare

06.09.2017 16:55 Dresdner an Rolfi 19 20

"Interessante Meldungen über die Antifa, wird mein Wahlverhalten beeinflussen." Häh? KÖNNEN SIE LESEN?

06.09.2017 09:34 Rolfi 19

Interessante Meldungen über die Antifa, wird mein Wahlverhalten beeinflussen.

05.09.2017 23:46 Dresdner an Fragender Rentner 18

Sie haben so gesehen recht. Lt. Presseinformation PDir Dresden 13 Dresdner zweifelsfrei identifiziert. Von denen aber nur 2, die das Gefährderanschreiben erhielten, mithin sich dem wohl widersetzten. Im Grunde ists interessant, dass also 11 Leute da rechts rumpöbelten, die aus dem Anschreibenmuster rutschten. Natürlich kann man ohne Handhabe nicht willkürlich Leute überwachen, aber es beunruhigt hochgerechnet schon, auch da die brisante Lage gerade in der Nähe der sächsischen Fußballstraftäter rechts zu Prag mehr Sensibilität erfordert hätte. Umso unverständlicher angesichts der Möglichkeiten des Schengener Abkommens etc. und den (Pariser) Erfahrungen, dass nach besagter Presseinfo zumindest keine Szenekenner der hiesigen Polizei vor Ort waren...

05.09.2017 21:07 Peter 17

@16: Es ist ja hinlänglich bekannt, dass Dresdner Hoologans regelmäßig von Pegida als Ordner engagiert werden.
Kein Wunder also, die haben dort einiges gelernt.

05.09.2017 19:45 HERBERT WALLASCH, Pirna 16

Vielfach haben die größten Scharfmacher und Lautesten interne Verbindungen und Schutz von manchen staatlichen Diensten, warum sollte dies hier anders sein? Die Namen waren ja schon lange bekannt und es tat sich offiziell recht wenig im Vorfeld!

05.09.2017 15:00 Fragender Rentner 15

@Frager an fragender Rentner zu 4

Vorhin beim ZDF oder n-tv war auch wieder von 13 Personen die Rede.

05.09.2017 12:51 Jentower 14

Die rechtsradikale Hooligangruppe "Faust des Ostens" aus Dresden konnte immer noch nicht verurteilt werden. Der Grund: Personal-Mangel an den sächsischen Gerichten.

Das kann doch alles nicht wahr sein. Typisch sächsische Verhältnisse. In der Zwischenzeit wüten die Hooligans weiter und zetteln noch mehr Straftaten an.

Es bringt nicht viel, wenn das Operative Abwehrzentrum zwar Täter findet, aber aus Personalmangel der Gerichtsprozess nicht starten kann. Dann muss man sich über solche Nazi-Gewalt nicht mehr wundern. Da wird echt am falschen Ende gespart.

05.09.2017 12:10 O. Halpsmilen 13

Wenn man diese Intensiv-Straftäter aus Dresden bereits kennt und sie trotzdem weiterhin Straftaten im Stadion anzetteln, dann hilft nur eins: Meldeauflagen einführen!

Diesen Kriminellen muss das Handwerk gelegt werden. Die denken ja sonst, sie könnten sich alles erlauben.

05.09.2017 11:23 Na so was 12

Was soll dieses ganze Gezerre ? Vor ca. vier Jahren (genauen Zeitpunkt weiß ich nicht mehr) kam es in Rostock beim Spiel FC Hansa Rostock gegen Dynamo Dresden (3.Liga) auch zu Vorfällen, die nichts im Stadion oder außerhalb zu suchen haben. Genau wie in Dresden liefen auch in Rostock die ganze Zeit die Videokameras der Polizei mit. Die Verantwortlichen von Dynamo wollten die Aufzeichnungen von der Rostocker Polizei haben, um Täter namentlich feststellen zu können. Dynamo hat die Video-Aufzeichnungen bis heute nicht erhalten. Das nur dazu, wie alle bestrebt sind, solche Chaoten namentlich zu erfassen.

05.09.2017 10:50 Mediator 11

Es ist wichtig, dass die Polizei diese Gefährdergruppe identifiziert, denn nur dadurch ist man in der Lage auch präventiv gegen sie vorzugehen. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, dass man gewalttätige Hooligans in einer Zentradatei speichert und diesen Herren den Zutritt zu den Stadien generell verweigert.

Letztendlich geht es diesen Leuten ja nicht um Fußball sondern nur um die Gelegenheit zur Randale und die entsprechende Deckung, die tausender echter Fußballfans ihnen bei der Begehung von Straftaten bieten.

@Mediator(8): Da gibt sich ja jemand richtig Mühe meinen Duktus zu imitieren. Allerdings verwende ich doch kaum begriffe wie "nörgelige Pingeligkeit" und "hinter die Ohren schreiben". Irgendwie ist es schon amüsant, dass anscheinend jemand jetzt immer zwei Kommentare schreiben muss. Einen als "Mediator" der sich provokativ auf den vorangegangenen eigenen Kommentar bezieht oder sich nachträglich über den provokanten Kommentar aufregt.