Zwei maskierte Polizisten bringen einen Festgenommenen aus dem Amtsgericht Dresden.
Polizisten mit einem der mutmaßlichen Mitglieder der "Freien Kameradschaft Dresden" vor dem Amtsgericht Dresden. Bildrechte: MDR/TeleNewsNetwork

Freie Kameradschaft Dresden Razzia bei Neonazis in Dresden, Freital und Heidenau

Zwei maskierte Polizisten bringen einen Festgenommenen aus dem Amtsgericht Dresden.
Polizisten mit einem der mutmaßlichen Mitglieder der "Freien Kameradschaft Dresden" vor dem Amtsgericht Dresden. Bildrechte: MDR/TeleNewsNetwork

In Dresden, Freital und Heidenau hat die Polizei nach Informationen von MDR AKTUELL am Mittwochmorgen 18 Wohnungen und ein weiteres Objekt durchsucht. Sechs Männer wurden festgenommen. Darunter sind nach Angaben von MDR AKTUELL Hooligans, Rechtsradikale und Personen, die wegen Drogendelikten polizeibekannt geworden sind. Gegen fünf von ihnen wurde demnach am Abend bereits Haftbefehl erlassen. Die Haftprüfung gegen den sechsten Verdächtigen war noch nicht abgeschlossen.

Verdacht auf Bildung einer kriminellen Vereinigung

Ein Gefangener sitzt in einem Kleinbus der Polizei. Zwei maskierte Polizisten stehen an der geöffneten Seitentür.
Ein mutmaßliches Mitglied der "Freien Kameradschaft Dresden" wird abgeführt. Bildrechte: MDR/TeleNewsNetwork

Oberstaatsanwalt Oliver Möller sagte, die Durchsuchungen seien im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen mutmaßliche Mitglieder der sogenannten Freien Kameradschaft Dresden erfolgt. Es geht um den Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Im Fokus der Behörden stehen 15 Männer und zwei Frauen im Alter von 16 bis 30 Jahren. Die Gruppe soll mehrfach Asylbewerber angegriffen haben. Nach Angaben der Ermittler werden den Anhängern der Gruppe 14 Straftaten vorgeworfen - unter anderem Beteiligung an der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, versuchte Brandstiftung, Landfriedensbruch im besonders schweren Fall und Körperverletzung. Dabei handelt es sich um Taten, die zwischen 2015 und August 2016 begangen wurden.

So sollen Teile der Gruppe unter anderem bei den rechtsradikalen Ausschreitungen vor der Asylunterkunft an der Bremer Straße, Vorfällen in Heidenau und dem Angriff auf das linke Wohnprojekt "Mangelwirtschaft" in Dresden beteiligt gewesen sein. Letzterer Vorfall wird auch der Gruppe Freital zugeschrieben, was Verbindungen zu der mutmaßlich rechtsterroristischen Vereinigung nahe legen könnte. Auch in den vergangenen Monaten soll die Freie Kameradschaft aktiv gewesen sein. Beim Dresdner Stadtfest im August sollen sich die Mitglieder Oberstaatsanwalt Oliver Möller zufolge den Namen "Kleine Bürgerwehr" gegeben und Jagd auf Ausländer gemacht haben. Neun Menschen seien angegriffen, vier Flüchtlinge mit Faustschlägen und Tritten verletzt worden.

Kein unbeschriebenes Blatt

Nach MDR-Informationen ist unter den Festgenommenen auch ein Jugendlicher, der bereits im Juni wegen eines Angriffs auf eine Asylunterkunft im ehemaligen Hotel Lindenhof und eines Überfalls auf Jugendliche im Alaunpark in Dresden zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Er hatte damals im Prozess angekündigt, sich von der rechten Szene lossagen und mit der Freien Kameradschaft Dresden nichts mehr zu tun haben zu wollen.

An dem Einsatz am Mittwochmorgen waren rund 190 Beamte der Polizeidirektionen Dresden und Leipzig sowie des Operativen Abwehrzentrums beteiligt. Zusätzlich wurden die Bereitschaftspolizei und das Landeskriminalamt hinzugezogen, um die Haft- und Durchsuchungsbefehle durchzusetzen.

Linke kritisiert zögerliches Handeln der Behörden

Kerstin Köditz, Sprecherin für antifaschistische Politik der Linken-Fraktion im Sächsischen Landtag, begrüßte den Einsatz und dankte dem Operativen Abwehrzentrum, eine straffe Organisation "geknackt zu haben". Sie kritisierte jedoch das zögerliche Handeln der Behörden und bemängelte Fehleinschätzungen beim Verfassungsschutz.

Das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen hatte die Freitaler 'Bürgerwehr' lange Zeit gar nicht im Blick – und die 'Freie Kameradschaft Dresden' wird im jüngsten Jahresbericht des Amtes schlicht als 'subkulturell' hingestellt, obwohl inzwischen seit rund anderthalb Jahren ermittelt wird.

Kerstin Köditz Sprecherin für antifaschistische Politik der Linken-Fraktion im Sächsischen Landtag

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2016, 20:24 Uhr

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50 Kommentare

01.12.2016 20:34 Mediator an Kritischer Bürger (47) 50

Sorry, aber Sie sind nicht kritisch, sondern voreingenommen und haben völlig irreale Vorstellungen wie ein Rechtsstaat funktioniert.
Haftgründe sind in § 112 StPO klar geregelt. Bis zu einem Gerichtsverfahren bleibt man also in der Regel in Freiheit.
In Magdeburg wurden Tatverdächtige vorläufig festgenommen, der Tatverdacht konnte aber von der Polizei anscheinend nicht erhärtet werden und deshalb wurden die Menschen wieder freigelassen. So funktioniert ein Rechtsstaat. Ob weiter ermittelt wird, das kann keiner sagen.
Waterboarding und unbegründete Haft gehören auf jeden Fall nicht ins Repertoire eines Rechtsstaates.
Wenn Sie nicht wissen, wie ein Rechtsstaat funktioniert, dann informieren Sie sich.
Sicher lässt die Polizei überführte Brandstifter an Polizeifahrzeugen laufen und entschuldigt sich noch, weil man ja nicht wissen konnte, dass die Täter Linksextremisten waren, gegen die nicht ermittelt werden darf. Genau dies behaupten Sie in ihrem Beitrag und das ist UNSINN!

01.12.2016 18:50 Kritischer Bürger 49

Mal einen Auszug aus entsprechendem Artikel zum Thema ("Antifaschismus vom AAB") als Spiegelbild: +...Angesichts der aktuellen Entwicklung ist es keine Frage mehr, ob antifaschistischer Widerstand legitim ist – er ist schlichtweg notwendig. Sich auf den Staat und seine Institutionen zu verlassen wird nicht ausreichen, im Gegenteil – der Umgang mit Nazis und der Verfolgungswille gegen AntifaschistInnen sprechen eine deutliche Sprache. ...+ Auch diese Worte=allein aus diesem Auszug= spricht eine deutliche Sprache. Nur passt so etwas den betreffenden Meinungsbildern, die gegen Rechts sind, dann auch?

01.12.2016 18:34 Kritischer Bürger 48

@Shazia Celik 44: SIND DA die BESORGTEN BÜRGER zBsp. in Leipzig in der Eisenbahnstrasse zugegen? Ich denke nicht also ist eine solche Behauptung und ggf. Unterstellung (von nur die ... usw.) wohl nur der eigenen Meinung zu verdanken=Ihrer eigenen Meinung= Es gibt genügend Drogen, Sprengstoff, Brandstiftung, Körperverletzung auch in anderen Städten und unter anderen Gesellschaftsmitgliedern. Vor allem wo man einiges fast selbst herstellen kann. +...Das sind also die Hobbies der "besorgten Bürger",...+ ich darf fortsetzen: NICHT ALLEIN von besorgten Bürgern.

01.12.2016 18:29 Kritischer Bürger 47

@Mediator 45: +... Nur weil Sie davon keine Kenntniss haben bedeutet dies nicht, dass die Polizei nicht aktiv ist....+ UND WAS KOMMT AM ENDE RAUS? Magdeburg 2 Verdächtige überprüft (nur keine nähere Angabe, welcher Gesinnung diese angehörten=wäre es rechte gewesen dann würde man es lesen können) EINER wurde gleich gar nicht erst in Gewahrsam genommen und der Andere wurde schon wieder frei.WARUM? ANGEBLICH: Nicht genügend belastbare Beweise. (oder war da doch nur eine pol. Gesinnung mit im Spiel?) Wie hoch war doch da der Schaden gleich 750.000 Euro aber die Polizei, die Bahn der Steuerzahler haben es ja genügend vom lieben Geld!

01.12.2016 18:21 Kritischer Bürger 46

@Mediator 31 & 45: Also zunächst mal Taschentuch=FÜR WAS? Mir ist es völlig schnuppe ob die Rechten oder die Linken (letzere Wenn) verhaftet werden egal für was!! Ich stelle aber fest das einiges hier nur in eine Richtung geht! Das ist mir im Prinzip genau so Schnuppe aber solche User wie Sie sind sehr einseitig in ihren Sichtweisen und das ist mir NICHT SCHNUPPE!! Ich hoffe mich deutlich genug ausgedrückt zu haben und wiederhole erneut: Ich bin weder für Rechte noch für Linke, ich bin wie Sie gegen Gewalt aber im Unterschied zu Ihnen beziehe ich auch die Gewalt der linken Szene gegen Polizei mit ein in diese meine gesellschaftliche *Überzeugung*!

01.12.2016 15:45 Mediator an Kritischer Bürger(11) 45

<Ironie>
Immer werden nur die lieben Rechtsextremisten von der Polizei verfolgt. Voll gemein! Komm ich leih Dir ein Taschentuch, dann heulen wir gemeinsam über diese furchtbare Ungerechtigkeit.

Ich versteh auch nicht warum die Polizei lieber Linksextremisten und Islamisten mag und immer nur die Verbrechen der Rechtsextremisten aufklärt.

Vielleicht wäre das ein Fall für den Diskriminierungsbeauftragent bei der Bundesregierung?
</ironie>

Sorry, aber haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, WARUM die Polizei Verbrechen linksextremistische oder islamistische Straftaten nicht verfolgen sollte? Nur weil Sie davon keine Kentniss haben bedeutet dies nicht, dass die Polizei nicht aktiv ist. Informieren Sie sich einfach besser! Weiterhin legen die diversen berichte des VS oder der Polizei nahe, dass einfach mehr rechte Straftaten geschehen. Wirken Sie einfach mal mäßigend auf ihre Kumpels ein, dann muss die auch niemand mehr strafrechtlich verfolgen!

01.12.2016 11:39 Shazia Celik 44

Drogen, Sprengstoff, Brandstiftung, Körperverletzung: Das sind also die Hobbies der "besorgten Bürger", die sich von 1 % Flüchtlingen "überfremdet" fühlen und vor der "Ausländerkriminalität" in Sachsen warnen... Wenigstens macht es etwas Hoffnung, das auch in der Nazi-Kuschel-Zone Sachsen mal gegen die faschistischen Horden vorgegangen wird und es ist auch ein netter Gedanke, das zumindest ein paar von ihnen nun ihren braunen Brüdern in den Knästen Gesellschaft leisten, doch dasgesellschaftliche Klima, das in Sachsen solche Kriminellen hervorbringt ändert sich dadurch nicht.

01.12.2016 11:06 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 43

Das Problem, daß ca. 7-8 mal häufiger rechtsextremistische Gewalttaten aufgedeckt werden als linksextremistische, liegt einfach daran, daß ca. 7-8 mal mehr rechtsextremistische Gewalttaten verübt werden als linksextremistische.

Trotzdem müssen Terroristen in den Knast - egal welcher Couleur!

Wenn die Deppen nicht wollen, daß so viele 'Rechte' verhaftet und verurteilt werden, dann müssen die Deppen darauf hinwirken, daß nicht so viele 'Rechte' Straftaten begehen!

01.12.2016 10:42 obenmit 42

Woher kommt eigentlich diese Legende, die besagt, die Justiz ermittle nur gegen Rechtsextremisten? In der Regel beschäftigt sich der Staat nur mit linken Straftätern. Der Staat ist auf dem rechten Auge blind, nicht umgekehrt. Nur wenn es gar nicht mehr anders geht, ermittelt er auch gegen rechts. Die Kriminalstatistik erwähnt übrigens für 2015 22.960 rechte und 9605 linke Straftaten.

01.12.2016 08:48 Mediator an Frank L.(35) 41

Da es in diesem Artikel um eine Polizeiaktion gegen Rechtsextremisten geht beziehe ich mich auf diese.
Selbstverständlich habe ich auch keine Sympathien für andere Straftäter. Dies schließt natürlich linksextremistische Straftäter ein.

Der so einfache Grundsatz, dass ein gesetzestreuer Bürger sich nicht mit Kriminellen solidarisiert, scheint für manche in Vergessenheit geraten zu sein.

Wer nach dem Grundsatz verfährt, dass der Feind meines Feindes mein Freund ist, der kann auch einen Pakt mit dem Teufel eingehen.

Viele Bürger scheinen Rechtsextremisten aktuell eher als ihre Freunde zu sehen und rechtfertigen deshalb auf Teufel komm raus noch die miesesten Verbrechen, nur weil diese Kriminellen ihre Gewalt aktuell gegen Flüchtlinge richten.

Selbstverständlich sind gewisse Kreise daran interessiert mit solchen Prozessen die Gesellschaft zu spalten und zu schwächen. Menschen die Angst haben sind nun mal leichter zu beeinflussen als Menschen die Dinge rational betrachten.