Kunstfund in Dresden : Fotos zerstörter Richter-Gemälde entdeckt
Das Gerhard Richter Archiv der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hat in seinem Lager unveröffentlichte Fotografien des Künstlers entdeckt. Wie Archivleiter Dietmar Elger am Montag erklärte, zeigen die insgesamt rund 150 Aufnahmen Gemälde, die der Maler später selbst zerstörte.
60 Fotografien seien in Richters bedeutender Schaffensphase zwischen 1962 und 1965 entstanden. Abgebildet sind den Angaben zufolge unter anderem ein Familienporträt und das Gemälde "Zahmes Känguru".
Gemälde wären heute Millionen wert
Der Künstler hatte die Originale mit einem Messer zerschnitten, weil sie ihm nicht gefielen. Da sich Richter aber offenbar nicht komplett von seinen Arbeiten lösen konnte, fotografierte er sie vorher. Nach Schätzungen des Dresdner Archivs hätten allein diese 60 Werke heute einen Wert von etwa 180 Millionen Euro. Ähnliche Bilder wie die in den 1960er-Jahren zerstörten seien schon für eine Million Euro verkauft worden. Das Magazin "Der Spiegel" geht in seinem Bericht über den Fund sogar davon aus, dass die zerstörten Werke einen potentiellen Wert von 500 Millionen Euro hatten.
Fleißiger Künstler mit hohem Anspruch
Gerhard Richter zählt zu den weltweit bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Er wurde am 9. Februar 1932 in Dresden geboren und wuchs in Ostsachsen auf. 1961 flüchtete er kurz vor dem Mauerbau aus der DDR nach Westen. Ein Großteil seines Werks ist von abstrakten Bildern geprägt, bekannt sind aber vor allem seine Fotomalereien mit verwischten Konturen und Details.
Richters Werke erzielen auf Auktionen regelmäßig Millionenpreise. In London zahlte ein Käufer im vergangenen Oktober für das Gemälde einer brennenden Kerze zwölf Millionen Euro, einen Monat später wechselte ein abstraktes Bild für 15 Millionen Euro den Besitzer. Richter hat bislang etwa 3.000 Gemälde geschaffen. Archivleiter Elger zufolge vernichtet oder übermalt der Künstler noch immer vereinzelt Werke. Dass er aber vor 50 Jahren ganze 60 Gemälde zerstörte, sei verwunderlich. Richter sagte dazu im "Spiegel", manchmal werde man von der Zeit belehrt. Sein Gemälde von den brennenden Türmen des World Trade Centers in New York habe er einst ebenfalls zerstören wollen, sich aber anders entschieden. Mittlerweile wisse er, dass es ein tolles Bild sei.
Zwei Sonderausstellungen zum Geburtstag
Zu seinem 80. Geburtstag am 9. Februar wird Richter in Deutschland mit zwei großen Ausstellungen gefeiert. Die Neue Nationalgalerie Berlin gibt ab 12. Februar einen umfassenden chronologischen Überblick über alle Schaffensphasen des Malers. Bereits ab dem 4. Februar öffnet Dresden eine Ausstellung. Im Lipsiusbau an der Brühlschen Terrasse wird der sogenannte "Atlas" gezeigt. Die Sammlung von rund 15.000 Fotos, Zeitungsausschnitten, Skizzen und Entwürfen gilt als Grundlage für Richters Malerei, aber auch als eigenständiges Werk.
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