Kommentar von Thorsten Kutschke "Laufsteg für den Rummelplatz des Gebirges"

Moderator Torsten Kutschke
Thorsten Kutschke ist froh, dass der Basteifelsen für die Touristenflut erhalten bleibt. Bildrechte: MDR/Martin Jehnichen

Nun ist es also beschlossen: Die bröselige Basteiaussicht muss nicht "für immer und ewig geschlossen" werden, wie zunächst befürchtet und flugs deutschlandweit in den Medien lauthals getitelt wurde. Stattdessen bekommt die berühmte Klippe einen betonierten Laufsteg übers marode Sandsteinhaupt gelegt.

Zumindest eine diskussionswürdige Entscheidung in einem Gebirge, wo sonst jeder umgestürzte Baum liegenbleiben soll, wo der Wanderer keinen Pilz mitnehmen oder Beeren pflücken darf. Und, wo als oberstes Gebot der Nationalpark-Gedanke gilt - der da fordert, dass die Natur einfach Natur sein (und bleiben) soll, mit all ihrer Vergänglichkeit, zu der auch die Erosion der Felsenwelt gehört. Vergessen wir nicht: So ist dieses einzigartige Gebirge mit seinen bizarren Felstürmen über Millionen von Jahren überhaupt erst entstanden!

Zahlreiche Besucher stehen am 15.10.2017 bei Rathen (Sachsen) am Zugang zur Aussicht von der Bastei-Felsformation im Elbsandsteingebirge im Nationalpark Sächsische Schweiz.
Gedränge auf der teilgesperrten Basteiaussicht: Jedes Jahr betreten rund eine Million Touristen den Panoramapunkt. Bildrechte: dpa

Andererseits ist die Bastei eben nicht DIE Sächsische Schweiz, sondern seit jeher auch so etwas wie der Rummelplatz des Gebirges. Reisebusse können hier bis auf 500 Meter an die Felsenwelt heranfahren. Neben dem Hotel spielt die Drehorgel. Es werden Souvenirs an Touristen aus aller Welt verkauft, die mal eben mit Stöckelschuhen und Handtasche eintauchen wollen mitten in die Welt der Elbsandsteine. Somit ist und bleibt die Bastei der Inbegriff für den Tourismus im Oberen Elbtal und deswegen auch ein Wirtschaftsstandort, der vor allem wichtig fürs Marketing ist.

Man könnte argumentieren, dass auch die Blicke von der altehrwürdigen Basteibrücke - wo schon Caspar David Friedrich zeichnete -, der Burg Altrathen zur Elbe oder die Aussichten in den Felsenkessel des Wehlgrundes genügend sehenswerte Alternativen bieten. Aber dorthin sind es eben ein paar mehr Schritte zu gehen, und dort konnte der naturliebende Wandersmann bislang auch noch halbwegs ungestört und ohne Blitzlichtgewitter das Panorama genießen.

Seien wir also einfach mal froh, dass der Basteifelsen nicht ganz von der Landkarte verschwinden muss (so wie mancher Wanderweg im Gebirge). Und seien wir froh, dass er "nur" eine Betonmütze bekommt und nicht etwa einen gläsernen Skywalk als Ausleger über dem Abgrund, der zur famosen Aussicht auch noch Nervenkitzel versprechen will. Damit hat man in den Gebirgen Europas schon so manchen schönen Aussichtspunkt verschandelt. Der Bastei bleibt das zum Glück erspart.

Und deshalb sind die nun veröffentlichten Umbau- und Renovierungspläne am berühmtesten Aussichtspunkt Sachsens wohl eine Sache, über die man sich gern weiter streiten, mit der man aber im Interesse der Allgemeinheit auch ganz gut leben kann, wie ich finde. 

Thorsten Kutschke Thorsten Kutschke ist deutscher Journalist und Fernsehmoderator. Der 47-Jährige arbeitet seit 1998 freiberuflich für das Fernsehen und ist hauptsächlich als Redakteur und Moderator des MDR-Fernsehmagazins Biwak tätig. Thorsten Kutschke ist seit dem Kindesalter "sportverrückt". Er hat zehn Jahre Leichtathletik als Leistungssport betrieben, war mehrfacher Spartakiade-Teilnehmer und außerdem als Handballer und Fußballer aktiv. Heute ist der Dresdner aktiver und begeisterter Outdoor-Urlauber.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen und im Radio: MDR SACHSENSPIEGEL | 13.11.2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.11.2017 | ab 12:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2017, 16:42 Uhr

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2 Kommentare

15.11.2017 08:31 Bernd L. 2

Wunderbar, großartige Idee!

14.11.2017 09:42 Pattel 1

Kaum die Idee geboren kommen schon die Pesimisten aus den Startlöchern.
Ich persöhnlich finde das als großartige Idee.Bin dafür auch bereit einige Euros zu spenden dafür.
Damit das Vorhaben gelingt.