Bahnstrecken im Bau.
Die Deutsche Bahn hat die Strecke grundhaft saniert und teilweise auch begradigt. Oberbau, Gleise, Signaltechnik und Oberleitungsanlagen wurden erneuert. Bildrechte: Deutsche Bahn AG

Streckenfreigabe Neun Minuten schneller nach Berlin

Linda ist ein beschaulicher Ortsteil der Stadt Jessen an der Elster. Gemächlich schaukeln die Eurocitys der Linie Prag - Dresden - Berlin durch den kleinen Bahnhof. Wer schnell zwischen Dresden und Berlin reisen will, kann allerdings gut darauf verzichten - und darf das auch ab Fahrplanwechsel. Dann werden die Fernreisezüge zwischen der sächsischen Landeshauptstadt und der Bundeshauptstadt nämlich nicht mehr über Falkenberg und Jüterbog umgeleitet. Stattdessen geht es wieder direkt über Elsterwerda. Und ein paar Minuten schneller wird die Fahrt auch.

von Lars Müller

Bahnstrecken im Bau.
Die Deutsche Bahn hat die Strecke grundhaft saniert und teilweise auch begradigt. Oberbau, Gleise, Signaltechnik und Oberleitungsanlagen wurden erneuert. Bildrechte: Deutsche Bahn AG

Die Eurocity und Intercity zwischen Dresden und Berlin nehmen ab dem Fahrplanwechsel wieder den direkten Weg über Elsterwerda. Seit August 2016 hatte die Deutsche Bahn die Strecke für Bauarbeiten gesperrt. Die Fernreisezüge wurden über die teilweise eingleisige Trasse Riesa - Jüterbog umgeleitet, was bei Verspätungen insbesondere nördlich von Falkenberg immer wieder für Probleme sorgte. Das ist ab Fahrplanwechsel aber Vergangenheit: Die Magistrale ist wieder frei, gebaut wird aber trotzdem weiter - bis 2028. Am Dienstag hat die Bahn schon einmal einen Doppelstock-Intercity als Sonderzug auf die Strecke geschickt und bewiesen, es rollt wieder auf direktem Weg zwischen Berlin und Dresden.

Erst 160 Stundenkilometer, dann 200 Spitze

Ein Intercity fährt in einen Bahnhof ein.
Recht unspektakulär rollte der Sonderzug zur Wiedereröffnung der Strecke in Dresden-Neustadt ein. Bildrechte: MDR/L. Müller

Fit gemacht wurde ein 73 Kilometer langer Abschnitt zwischen Baruth/Mark und Hohenleipisch. Gleise, Oberleitungsmasten, Bahnsteige und Sicherungstechnik wurden erneuert. Zudem hat der bundeseigene Verkehrskonzern 18 Bahnübergänge durch Brücken ersetzt. Züge können jetzt mit bis zu 160 Stundenkilometer auf den neuen Gleisen fahren. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig verwies auf die Bedeutung der Trasse, die für den Güterverkehr als Verbindung zwischen Ostseehäfen und Adriahäfen eine zentrale Rolle spiele.

Gebaut und umgeplant wird an der im Jahr 1875 eröffneten Strecke bereits seit 1991 - und es geht weiter. Ab 2020 soll die Trasse mit dem neuen Zugsicherungssystem ETCS ausgerüstet sein, was dann nach Bahnangaben Höchstgeschwindigkeiten von 200 Stundenkilometern ermöglicht. Doch auch schon ab 10. Dezember werden die Fernzüge zwischen Dresden und Berlin knapp zehn Minuten schneller. Zwischen den Hauptbahnhöfen von Dresden und Berlin dauert die Fahrt dann 1:47 Stunde. Zudem rauschen die Intercity und Eurocity nicht mehr durch den wichtigen Bahnhof Dresden-Neustadt, sondern halten wieder.

Entwicklung der Fahrzeiten zwischen Dresden und Berlin
Zeitraum Fahrzeit laut Fahrplan
bis Dezember 2015 2:04 Stunden
ab Dezember 2015 1:56 Stunde (Bahnhof Rangsdorf und Abschnitt Hohenleipisch - Elsterwerda umgebaut)
ab August 2016 2:02 Stunden (Umleitung über Falkenberg)
ab Dezember 2017 1:47 Stunde (Abschnitt Baruth - Hohenleipisch ausgebaut)
voraussichtlich ab Dezember 2020 geplant 1:42 Stunde (neues Zugleitsystem ETCS)
voraussichtlich ab Dezember 2025 geplant 1:32 Stunde (Fertigstellung der Dresdner Bahn in Berlin)
voraussichtlich ab Dezember 2028 geplant 1:20 Stunden (Abschluss aber Arbeiten der Ausbaustrecke Dresden - Berlin)

Die beiden Großenhainer Bahnhöfe In Großenhain gibt es den Berliner Bahnhof und den Cottbusser Bahnhof. Der Berliner Bahnhof wird seit 2002 aber nicht mehr bedient. Der Verkehrsverbund Oberelbe hatte den Regionalverkehr zwischen Neucoswig und Großenhain über den alten Bahnhof Weinböhla und Böhla abbestellt. Die Regionalbahn zwischen Dresden und Elsterwerda fährt seither über den neuen Haltepunkt Weinböhla und Priestewitz auf der Leipziger Strecke. Wie die Regionalzüge nach Cottbus und Hoyerswerda halten die Elsterwerdaer Züge seither ebenfalls am Cottbusser Bahnhof in Großenhain. Von dort schwenken die Züge über eine ehemalige Güterzug-Verbindung auf die nun sanierte Berliner Strecke.

Bahnhof Großenhain
Der Cottbusser Bahnhof in Großenhain wird von drei Regionalzug-Linien bedient. Bildrechte: VVO/Schmidt

In den Ausbau der gesamten 125 Kilometer zwischen dem Berliner Eisenbahn-Außenring und dem Abzweig Kottewitz im Landkreis Meißen wollen Bahn, Bund, EU und die Länder Brandenburg und Sachsen rund 575 Millionen Euro investieren. In zehn Jahren sollen die Schnellzüge dann in 80 Minuten die Distanz zwischen Dresden und Berlin schaffen. Dann werden nach jetzigen Planungen die Züge auch durch den Berliner Süden über die sogenannte Dresdner Bahn rollen, die wiederaufgebaut wird. Bisher ist ein Umweg zwischen Südkreuz und Blankenfelde über Genshagener Heide und den Außenring nötig.

Berühmte Züge zwischen Berlin und Dresden (Auswahl)
Zugname Laufweg
Vindobona (Hamburg -) Berlin - Wien (- Graz) -> 2014 eingestellt
Hungaria Hamburg - Prag - Budapest -> fährt noch immer als Eurocity
Balt-Orient-Express Bukarest - Berlin (mit Anschluss Richtung Skandinavien) -> 1995 eingestellt
Pannonia Sofia - Berlin -> in den 1990er Jahren eingestellt
Meridian Berlin - Belgrad (zeitweise Malmö bis Bar an der Adria) -> 1993 eingestelllt
Metropol Berlin - Budapest (mit Kurswagen nach Wien) -> wird am 9. Dezember 2017 eingestellt.
Städteexpress Elbflorenz und Berlin-Express Die Städteexpress-Züge waren die hochwertigsten Züge der Deutschen Reichsbahn der DDR, beide Züge verbanden montags bis freitags Berlin-Lichtenberg und Dresden Hauptbahnhof. -> 1991 eingestellt bzw. durch neue Verbindungen ersetzt
ICE Elbe-Kurier Erste ICE-Verbindung für Dresden, fuhr 1994 bis 1998 nach Berlin Zoologischer Garten, dabei wurde in Michendorf während eines Betriebshaltes die Fahrtrichtung gewechselt.

Regionalverkehr steuert seit Montag Elsterwerda an - Fernverkehr ab Sonntag

Eine blaue E-Lok steht mit einem Eurocity an einem Bahnsteig.
Eurocitys sind künftg zehn Minuten schneller zwischen Dresden und Berlin unterwegs. Die tschechischen Loks sollen ab Sommer bis Hamburg am Zug bleiben. Bildrechte: Tschechische Staatsbahn ČD

Der Verkehrsverbund Oberelbe teilte mit, dass bereits seit Montag die Regionalbahnen der Linien Dresden - Elsterwerda und Chemnitz - Elsterwerda wieder planmäßig auf der gesamten Strecke verkehren. Die Züge waren wegen der Bauarbeiten in Elsterwerda zeitweise durch Busse ersetzt worden.

Zunächst bleibt es im Fernverkehr beim bisherigen Zwei-Stunden-Takt. Viele Züge fahren zwischen Prag und Hamburg, ein morgendlicher Intercity fährt nach Westerland auf Sylt, ein Eurocity südlich bis Budapest. Ab Ende 2019 soll eine weitere Intercity-Linie hinzukommen, die dann stundenversetzt Dresden mit Rostock über Berlin verbinden soll und voraussichtlich zusätzlich in Doberlug-Kirchhain halten wird. Dort kreuzt die Bahnstrecke Leipzig - Cottbus.

Der Henschel-Wegmann-Zug Ab dem Sommerfahrplan 1936 war ein besonders stromlinienförmig verkleideter Schnellzug mit Dampflok, der sogenannte Henschel-Wegmann-Zug, zwischen Berlin Anhalter Bahnhof und Dresden-Neustadt genau 1:40 Stunde unterwegs. Der Zug pendelte zwei Mal am Tag auf der Strecke. Dieser Schnellverkehr endete kurz vor dem Zweiten Weltkrieg im August 1939.

Verbindungskurve Leckwitz - Kottewitz

Seit 2010 existiert im Landkreis Meißen eine rund acht Kilometer lange Verbindungskurve zwischen der Berliner und der Leipziger Bahnstrecke. Diese wird von Fernreisezügen und Güterzügen zwischen Dresden und Riesa/Leipzig genutzt. Die Züge fahren zwischen dem Abzweig Radebeul-Zitzschewig und Böhla über die Berliner Strecke und entlasten damit den Regionalbahn-Knoten Coswig.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.12.2017 | ab 8:00 Uhr in den überregionalen Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 05.12.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2017, 21:21 Uhr

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10 Kommentare

07.12.2017 18:43 Gleisdreieck 10

@ 9: Theoretisch könnten dort jederzeit wieder Fernzüge halten. Der Bahnsteig wurde vor der Abbestellung sogar noch modernisiert, mit neuem Pflaster und Blindenleitstreifen. Es müsste mal durchgefegt werden, aber es ist alles noch da.

Nützt aber nichts, wenn es politisch nicht gewollt ist. Der VVO bestellt keinen Fernverkehr. Hier wären das Land und die DB gefragt. Nun werden die schnellen Züge aber stattdessen wohl ohne Halt durch die Stadt fahren.

07.12.2017 17:17 BR 232 9

Da sieht man das der VVO nur mist macht mit dem Bahnhof Grossenhain Berliner Bahnhof abzubestellen. Neue Verbindung wird es doch trotzdem nicht geben?

07.12.2017 10:01 kauscha99 8

Die neun Minuten Zeitersparnis werden durch die üblichen Verspätungen eh wieder neutralisiert.

06.12.2017 15:28 Mittweidaer 7

Und wenn dann noch der Fahrplan so gestaltet wird, dass in Elsterwerda günstige Anschlüsse zwischen IC/EC und Regionalbahn von/nach Chemnitz hergestellt werden ist das Reiseglück vollkommen (denn lange Aufenthalte in Elsterwerda sind ätzend!). Da muss man dann nicht mehr die teure Strecke über Leipzig nehmen. Ob das gelingt?

06.12.2017 12:39 AufmerksamerBeobachter 6

@5 Guter Einwurf. Ich hatte dieses Bauvorhaben bereits vergessen, viele die heute da feiern, waren 1995 noch nicht mal richtig erwachsen. Auch die A13 wurde lange vergessen, die Randlage scheint wirklich arg hinderlich. Um so besser, das sich endlich was getan hat. In der Zukunft koennte diese Strecke sehr wichtig auch fuer Suedsachsen werden. Mit politischem Druck sollte die Verlaengerung der geplanten IC-Linie HRO-B-DD bis Plauen/Hof durchgesetzt werden. Die in Aussicht gestellte Gesamtlinie von Muenchen/Regensburg haengt von der Elektrifizierung in Franken ab - und wann die kommt, ist unklar (bzw 2030+).

06.12.2017 12:05 Na so was 5

Sehr zu empfehlen ist der Artikel "Großer Bahnhof am Hautbahnhof" in der "Sächsischen Zeitung" vom 06.12.2017. Einige Zitate: "Bauzeit von 16 Monaten auf 73 km >> Neun Minuten Fahrzeitverkürzung zwischen den Hauptbahnhöfen Berlin - Dresden.
Jetzt feiert die Bahn die Fertigstellung des 1. Bauabschnittes mit 250 geladenen Gästen und viel Trara am Dresdner Hauptbahnhof. 390 Millionen Euro hat dieser 1. Bauabschnitt gekostet. Der Ausbau der Haupstadtlinie ist 20 Jahre im Verzug. 2008 sollte das 1995 beschlossene Vorhaben beendet sein. "Ich sehe heute nur glückliche Gesichter", sagt Minister Dulig. Bei so vielen Zahlen kann man schon die Übersicht verlieren. Wie man aber so ein großes Fest mit 250 geladenen Gästen bei 20 Jahren Bauverzug feiern kann, ist mir ein Rätsel. Na gut, der BER Berlin, der Citytunnel Leipzig und die Dresdener Waldschlößchenbrücke als Beispiele für Nicheinhaltung der Bauzeit und viel höhere Baukosten als geplant, müssen hier nicht als Vorbilder gehändelt werden.

06.12.2017 11:10 Bernd 4

@1 nun der Henschel-Wgmann-Zug war schon etwas besonderes. Und die Zeiten wurden nur mit der Baureihe 61 erreicht. Musste man mal eine BR 01 davonspannen, war es langsamer.

05.12.2017 21:33 Enrico Pelocke 3

@1: Hauptsächlich liegt das am Umweg zwischen Blankenfelde und Südkreuz über Berliner Außenring - Genshagener Heide - Genshagener Heide Nord - Großbeeren - Anhalter Bahn, weil die Dresdner Bahn in diesem Abschnitt außer Betrieb ist. Dort zanken sich die Grundstücksbesitzer immer noch um einen Tunnel, der ihren Lärm mindern soll, aber die Baukosten und die Bauzeit in die Höhe treiben würde. Die Verbindungskurven zwischen diesen Strecken dürfen die Züge nur mit 60 km/h befahren, was die Reisezteit weiter erhöht.

05.12.2017 19:55 Rolkshape 2

@1, Petrolist: "Die Bahn ist heutzutage langsamer als ein Dampfzug 1936?"

Ja, das sind die Prioritäten der deutschen Verkehrspolitik. Die Schiene ist den Bundespolitikern schon immer ziemlich egal gewesen.
Während Straßen und Autobahnen unter volkswirtschaftlichen Kriterien gebaut werden, regiert beim Schienenverkehr immer nur der Rotstift.

Man wollte die Bahn ja sogar als Wirtschaftsunternehmen an die Börse bringen. Das hätte das Aus für zahlreiche Bahnverbindungen außerhalb der großen Ballungsgebiete bedeutet.

Bei Straßen fragt niemand danach, wieviel Profit der Asphalt abwirft. Im Zweifel nämlich gar keinen. Abgesehen von der LKW-Maut generieren Straßen nämlich gar keine Einnahmen.

Ich habe nichts gegen den Straßenausbau. Man sollte Verkehrspolitik aber nicht so einseitig betreiben, wie es in Deutschland seit Jahrzehnten üblich ist.

Ein Verkehrsminister wie Herr Wissmann arbeitet heute übrigens für eine Lobby-Organisation der KFZ-Industrie.

Tja, noch Fragen .... ?

05.12.2017 16:54 Petrolist 1

Hab ich das richtig verstanden? Die Bahn ist heutzutage langsamer als ein Dampfzug 1936?
Ganz großes Kino.