Region Dresden

Erste Sonderausstellung : Dresdner Militärmuseum beleuchtet Stalingrad-Schlacht

Seine erste Sonderausstellung widmet das neue Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden einer der größten Schlachten des Zweiten Weltkriegs - der Schlacht um Stalingrad vor 70 Jahren. Museumsdirektor Matthias Rogg sagte: "Für viele Menschen ist Stalingrad bis heute das Symbol für die Wende des Krieges. Das ist es mit Sicherheit nicht. Es war psychologisch eine Wende, aber nicht strategisch."

Die Schau mit dem Titel Stalingrad ist seit 15. Dezember für Besucher offen. Sie beleuchtet die Schlacht aus deutscher und russischer Perspektive und lässt Soldaten zu Wort kommen - anhand ihrer Feldpostbriefe. In einem der Briefe hat beispielsweise ein Wehrmachtssoldat russisches Steppengras in die Heimat geschickt und den für ihn ungewöhnlichen Geruch seiner Familie beschrieben. Ein anderer Soldat hatte eine Flussmuschelschale aus dem Don seinen Angehörigen geschickt.

600 Exponate aus Deutschland und Russland

Rogg ist stolz: "Es ist das erste Mal überhaupt, dass Stalingrad umfassend in einer großen historischen Ausstellung gezeigt wird", sagt er. Für die Ausstellung trug das erst im Oktober 2011 wiedereröffnete Museum rund 600 Exponate aus Deutschland und Russland zusammen. Zu sehen sind Uniformen, Geschütze, Militärfahrzeuge, Karten, Fotos und zahllose - teils äußerst persönliche - Dokumente. An Medienstationen können unter anderem Feldpostbriefe gelesen werden. Als besonders beeindruckendes Exponat hebt Rogg das Original der sogenannten Stalingradmadonna hervor. Sie gilt als eine der Ikonen in der Erinnerung an die Kesselschlacht von 1942/43. Ihr Schöpfer ist der Pfarrer und Arzt Kurt Reuber. Er zeichnete die Madonna zu Weihnachten 1942 im Kessel von Stalingrad auf die Rückseite einer russischen Landkarte. Das Bild hängt normalerweise in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.

Stalingrad: Synonym für Hunger, Kälte, Krankheit und Tod

Ein präparierter amputierter Fuß eines Wehrmachtssoldaten.
Viele Soldaten erlitten im strengen Winter 1942/43 Erfrierungen im Kessel von Stalingrad, Gliedmaßen mussten amputiert werden.

Kurator Jens Wehner sagte, der Kampf um die Stadt mit dem Namen des sowjetischen Diktators Stalin - heute Wolgograd - sei schon damals ein "richtiges Medienereignis" gewesen. "Jeden zweiten oder dritten Tag war Stalingrad in den Medien." Das sei vor allem der Grund, warum die Schlacht noch immer so stark in Erinnerung sei.

Erst mit der Einkesselung von 200.000 deutschen Soldaten sowie gut 10.000 verbündeten Rumänen und Kroaten durch die Rote Armee wurde die deutsche Propaganda stiller. Nachdem sie die Stadt fast erobert hatten, mussten die deutschen Truppen Anfang Februar 1943 aufgeben. Weitgehend von der Versorgung abgeschnitten waren viele Soldaten schon vorher an Hunger, Kälte und Krankheiten gestorben. Symbol dafür ist in der Ausstellung das Präparat eines amputierten Fußes mit einer erfrorenen Ferse.

Museum rechnet mit vielen russischen Besuchern

Für die Ausstellung mit dem für Deutsche und Russen noch immer schwierigen Thema kooperierte das Bundeswehrmuseum mit Einrichtungen in Wolgograd, Moskau und St. Petersburg. Rogg erinnert sich, es sei schon einige Zeit notwendig gewesen, um für Vertrauen zu werben. Kontakte knüpften die Dresdner noch vor Wiederöffnung des einstigen Armeemuseums im Norden der sächsischen Landeshauptstadt. Nach anfänglichem Zögern hätten die russischen Partner aber doch der Zusammenarbeit zugestimmt, erzählt Rogg. Leihgaben wurden zur Verfügung gestellt, soweit dies unter konservatorischen Gesichtspunkten unproblematisch war. Die Ausstellung soll zwar später nicht komplett in Russland gezeigt werden - dennoch bot das Dresdner Museum an, Medienstationen nach Ende der Sonderschau am 30. April 2013 nach Wolgograd zu geben. "So kann die Ausstellung ein bisschen weiter leben", sagt der Direktor.

Die Ausstellungsmacher rechnen damit, dass auch viele Russen zu der Sonderausstellung nach Dresden kommen werden. Deshalb werden auch russischsprachige Führungen angeboten. Zudem wirbt die Dresdner Tourismus-Marketinggesellschaft für die Stalingrad-Schau. Rund um den Jahreswechsel strömen ohnehin Tausende Russen traditionell nach Dresden.

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2012, 17:02 Uhr

10. Thomas Leis:
Mein Opa Franz Leis wurde seit Ende 1942 in Stalingrad vermisst. Vielleicht kannte ihn ein Überlebender von heute!
16.12.2012
13:44 Uhr
9. Hans:
Alles schrecklich... Zwei Diktatoren konnten miteinander die Welt nicht teilen - und deshalb sind beide Völker für schuldig erklärt? Dagegen muß man auch heute immer noch kämpfen... Gute Ausstellung!
16.12.2012
08:44 Uhr
8. Unger:
Mein Vater war da oben und komischerweise ,hat er nie schlecht über die Russen gesprochen.Er hatte Befehle und das wars.Werweiß was ich gemacht hätte, wenn ich indem Zeitalter gebohren wäre! Werweiß!
14.12.2012
23:36 Uhr
7. spa:
Meine Meinung: Mir gefällt das Ganze nicht. Warum nur eine Ausstellung zur Schlacht von Stalingrad ? Eine erläuternde Ausstellung, wie die Nazi-Clique aus Nationalisten, Bänkern, Großindustriellen und Militärs einen Staat mit einer Hauptstadt, die einmal so viele Nobelpreisträger hatte wie sonst keine auf der Welt, zu einem Räubernest machte, deren Mitglieder nach Holland, Belgien, Frankreich, .....usw. sogar zwecks Landraub mordend in die Sowjetunion einfielen, wäre besser.
14.12.2012
21:37 Uhr
6. Klaus Schubert:
Die Wende des Krieges war schon im Juni 1941, als wir nach Russland eingezogen sind.
14.12.2012
20:32 Uhr
5. wenk :
Warum werden neben der Anzahl der umgekommenen deutschen Soldaten auch die Toten der Zivilbevölkerung und der Roten Armee während der 900 Tage dauernden Belagerung erwähnt. Diese Kriegstoten als Folge der deutschn Belagerung gehören als Information einfach dazu.
14.12.2012
20:04 Uhr
4. Jochen Fröhlich:
Mein Vater, Gefr. Werner Fröhlich, war in Stalingrad Funker und seit 02./1943 vermisst. Möglich, wenn auch unwahrscheinlich, dass Herr Erich Hofmann aus der Sachsenspiegelsendung von heute, ihn kennt. Gibt es eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit Herrn Hofmann? Danke für Ihre Antwort.
14.12.2012
19:34 Uhr
3. Ernst POH:
Die Deutschen Generäle von Stalingrad waren große Feiglinge. Sie haben erst kapituliert als die Russen vor ihrem Quatier standen. Warum nicht früher? Sie hatten kein Gewissen.Bei mehr Zivilcorage hätten über 100 000 Landser, das waren doch auch Menschen , überlebt.
14.12.2012
19:22 Uhr
2. Don.Corleone:
Hier sind die Großen Deutschen Krieger i.d. Untergang getrieben worden , es war strategisch überflüssig , es hing nur m.d.Namen "Stalin" zusammen , daß war ein Riesenfehler, seitens d. OKW ! Die Front war zu lang u. f. d. Länge zu dünn besetzt . Bei einem sieg sähe d. welt heute anders aus !
14.12.2012
18:10 Uhr
1. Lauck:
Im Sommer 1983 lernte ich Wolgograd im Zuge einer Don/Wolga-Kreuzfahrt kennen. Das Schiff hieß "Sowjetskaja Ukraina" und wurde zwei Jahre zuvor auf einer Rostocker Werft gebaut. An der Pier in Wolgograd verkaufte eine ältere Dame Nelken. Ich erwarb eine und legte sie auf dem Mamajew-Hügel ( Wehrmachts-Slang "Hügel 102") auf die Grabplatte von General Tschuikow, der Stalingrad damals verteidigte. Mit seiner in 2. Gardearmee umgetauften 62. Armee hielt er dem deutschen Angriff stand. Im Saal auf dem Hügel bekam ich einen Weinkrampf, weil ich mir versuchte vorzustellen, was damals in der Stadt abging. Demnächst besuche ich mit dem Russisschen Chor der Uni Freiburg St. Petersburg. Mal sehen, was mich dort erwartet: Schließlich wurde die Stadt 900 Tage belagert, während sie damals Leningrad hieß.
14.12.2012
16:09 Uhr

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21.01.2013 | 19:00 Uhr Militärhistorisches Museum Dresden

Die Schlacht um Stalingrad

Die Schlacht um Stalingrad dauerte von Ende August 1942 bis Anfang Februar 1943. Rund 150.000 deutsche Soldaten fielen dem Kampf, der Kälte und dem Hunger zum Opfer. Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums gerieten rund 91.000 Mann in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der nur 6.000 Überlebende bis 1956 nach Deutschland zurückkehrten.

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