Tourismus Dresden "Dresdner sollten sich weniger in den Mittelpunkt stellen"

Vom Elbtal an die Küste: Tourismuschefin Bettina Bunge hat Dresden in der Welt berühmt gemacht und die Übernachtungszahlen nach oben katapultiert. Ganz nebenbei versprühte sie auch stets gute Laune. Jetzt verlässt Bunge nach acht Jahren Dresden und zieht in den Norden. Dort wird sie Schleswig-Holstein vermarkten.

Bettina Bunge
Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Frau Bunge, wie fühlt es sich an, Dresden zu verlassen?

Ich gehe mit Wehmut, weil ich in den letzten Jahren viele interessante und spannende Menschen kennengelernt habe. Ich verlasse Freunde, Bekannte und Partner. Mir ist klar, dass sich auf die Entfernung nicht alle Kontakte halten lassen. Wenn vom Bäcker bis zum Zahnarzt alle traurig sind, finde ich das einfach nur total lieb. Das habe ich noch nie erlebt.

Das klingt, als seien Sie überrascht?

Das ist ja das Spannende. Wenn man eine Stadt vermarktet, vermarktet man keine Coladose. Mit dieser Vehemenz und mit diesen Emotionen vieler Menschen bei meinem Abschied habe ich nicht gerechnet. Ich war nicht aus Dresden, kam nicht aus der Region. Als ich in Dresden anfing, hallte mir Skepsis entgegen. Damals hieß es: 'Müssen wir uns von einer Hamburgerin Dresden erklären lassen!'. Heute wurde mir der Stadtschreiber-Engel geschenkt. Weil ich Stadtgeschichte geschrieben haben soll. Das rührt mich.

Sie haben sich jetzt für die Arbeit und frischen Wind im Norden entschieden.

Meine Arbeit in Schleswig-Holstein wird anders sein. Dort bin ich für ein ganzes Bundesland zuständig. Ich werde weniger nah an den Menschen sein und übergeordnete Strategien erarbeiten.

Haben Sie Ihre Entscheidung schon einmal bereut?

Ich weiß natürlich nicht, was mich im Norden erwartet. Ich fange auch privat neu an. Die Rahmenbedingungen sind jedoch sehr attraktiv. Das Wirtschaftsministerium hat mich gebeten und ich komme. Ich habe die Anfrage und den Umgang als große Wertschätzung empfunden. Zudem glaube ich, dass ich auch persönlich gut an die Küste passe.

Bettina Bunge
Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Ihre Persönlichkeit passt auch gut nach Dresden, Sie haben viele Akteure integriert.

Ja, das stimmt. Ich habe mich in Dresden immer sehr wohl gefühlt, zwischen netten Menschen und guten Partnern. Manchmal fand ich die Arbeit jedoch auch anstrengend. Alles war immer gleich so dramatisch. Ich wünsche mir, dass die Dresdner weniger gegeneinander, sondern mehr miteinander arbeiten. Dass sie dankbarer sind für die Lebensqualität ihrer Stadt und letztlich: Dass sie weniger Weltuntergangsstimmung verbreiten und mehr Optimismus und Zuversicht wagen. Ich sehe immer das Positive in den Menschen. Als ich hier ankam, war der UNESCO-Welterbe-Titel gerade zwei Wochen aberkannt, die Medien standen gleich vor der Tür und die Negativschlagzeilen überschlugen sich. Da dachte ich mir nur, das werden wir sehen, ob hier wirklich alles so schlimm ist.

Wenn Sie so gestartet sind, dürfte sie Pegida gar nicht mehr erschüttert haben?

Doch, das hat es. Mich hat die Aggression, das Nichtmiteinanderwollen, das totale Gegeneinander erschüttert. Uns geht es doch eigentlich gut. Natürlich gibt es Probleme – doch müssen wir deshalb so miteinander umgehen? Die aggressiven Äußerungen innerhalb der Pegida-Demonstrationen haben mir Angst gemacht.

Wie viel kann Marketing gegenüber politischem Image ausrichten?

Stadtmarketing ist für die Kommunikation der Stärken einer Stadt da. Stadtmarketing ist aber keine Politik und kann Politik auch nicht ersetzen. Im Gegenteil, Marketing ist abhängig von der Politik. Für die Zukunft ist es wichtig, dass die Stadtstrategie klar ist und dass die Politik Eckpfeiler des Handelns und des Weiterdenkens setzt, an dem sich die Menschen orientieren können. Wir können keine Politik machen.

Sie erwähnten die Lebensqualität in Dresden. Warum?

Dresden ist eine wundervolle Stadt. Für deren Lebensqualität können die Dresdner dankbar sein. Leben und arbeiten an anderen Orten bringt oft mehr Wertschätzung für die eigene Destination. Ich bin gern in China, doch wenn ich länger dort bin, erschüttert mich die Umweltverschmutzung. Dieses "Ach' wie schön, dass ich hier sein darf" entsteht oft erst, wenn man woanders ist. Die Dresdner sollten sich weniger in den Mittelpunkt stellen. Doch das ist vielleicht allen Residenzstädten gemein: Wer mit so viel Pracht umgeben ist, sieht weniger Notwendigkeit für Veränderungen.

Was geben Sie Dresden mit auf den Weg?

Dresden ist ein toller Standort, der mit seinen Stärken immer attraktiv sein wird. Wichtig ist, dass mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin alle zusammenbringen kann und es schafft, jeden bei seiner Verantwortung zu packen.

Kuppel der Dresdner Frauenkirche
Bildrechte: IMAGO

Quelle: MDR/kt

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.10.2017 | ab 6:50 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 10:46 Uhr

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14 Kommentare

13.10.2017 18:52 schelm 14

Oh, sie hat Dresden in der Welt berühmt gemacht! Selten so eine Anflug von Realtätsverlust und Größenwahn gelesen. Spass aus! Dresden bedurfte dieser Selbstdarstellerin nicht.

13.10.2017 13:30 DDay 13

Frau Bunge hat recht. Im allgemeinen ist "der Dresdner" (zumindest diejenigen aus DD, die sich einbilden etwas besseres zu sein, da sie das Glück hatten hier geborgen worden zu sein) selbstgerecht und suhlt sich gern in der Opferrolle. Schönes We!

13.10.2017 10:37 @ sir-charles 10 12

Allein Ihre Wortwahl zeigt, wo man Sie zu verordnen hat.
Es ist ja auch inzwischen allgemein bekannt, dass statt echter Argumente lieber von "Neid- , Missgunst- und Doofheit", wie Sie es nennen, gesprochen wird.

13.10.2017 10:32 @ Janes 9 11

[Wegen des Verstoßes gegen unsere Richtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) wurde dieser Kommentar entfernt. Die MDR.de-Redaktion]

12.10.2017 22:36 sir-charles 10

@Janes: Meine volle Zustimmung
Würde ich hier die Neid- , Missgunst- und Doofheitskommentare für Dresden repräsentativ halten; ich gäbe mir die Kugel.
Danke.

12.10.2017 19:08 Janes 9

Mit welcher Selbstgerechtigkeit wieder einige (Beitrag 3/7) die Aussagen Anderer bewerten. Die Frau urteilt nicht und prangert nicht an, sie stellt fest. Sowas nennt man auch Meinung. Klar hat Dresden ein pegidaproblem! Na sicher bleiben da durch auch Touristen weg. Das ist Tatsache. Was gibts da zu meckern (außer natürlich, wenn man zu dem Haufen gehört....dann sieht man das natürlich anders und spricht auch jedem die Meinung...aber das kennt man ja bereits). Ich meine, die Frau scheint ihre Arbeit gut gemacht zu haben....trotz verschiedener Widrigkeiten. Alles Gute für sie weiterhin.

12.10.2017 18:31 Udo K 8

Ich bin kein Dresdner, trotzdem gefällt mir die Aussage, "Dresdner sollten sich weniger in den Mittelpunkt stellen" nicht.
Was soll das denn bedeuten?

12.10.2017 17:09 Wieland der Schmied 7

Die Frau Bunge hat Dresden in der Welt berühmt gemacht und die Übernachtungszahlen nach oben katapultiert. Steiler geht`s nicht. Frau Bunge hat meinetwegen das Tourismusgeschäft betreut, berühmt war die Stadt auch ohne sie. Die Tourimuszahlen gesteigert haben soll sie auch noch, wohingegen zur wöchentlichen PEGIDA- Abwäsche dieser immer wieder der Abfall der Übernachtungen angelastet wurde, stimmt wohl auch nicht. Na da schau her.
Frau Bunge hat ein bezauberndes Lächeln. Hat man ihr deswegen auch auf den Zahl gefühlt mit der Frage: „Wenn Sie so gestartet sind, dürfte sie Pegida gar nicht mehr erschüttert haben?“ Da gab sie sich keine Blöße und antwortete politisch korrekt: „Doch, das hat es. Mich hat die Aggression, das Nichtmiteinanderwollen, das totale Gegeneinander erschüttert.“ War sie auch einmal wenigsten dort oder in der Nähe? Pustekuchen.Es geht doch nicht um richtige Wahrnehmung eines Ereignisses, sondern um das eigene Aushängeschild seiner obrigkeitskonformen Gesinnung.

12.10.2017 17:09 Spiegel 6

@3 sie sollten wohl erstmal nachschauen, was Selbstgerechtigkeit bedeutet, bevor sie es anderen vorhalten.

12.10.2017 16:35 Ulknudel 5

Ohne das Nachtreten gegen Dresden und Pegida würden die Dresdner Frau Bunge vielleicht in besserer Erinnerung behalten.